Inflationsschutz: Was übrig bleibt

Anleihen, die Anleger vor steigender Inflation schützen sollen, liegen im Trend. Empfehlen können wir nur zwei.

Für steigende Inflationsraten sprechen mehrere Dinge: Der Staat türmt hohe Schulden auf, die Zinsen sind niedrig, die umlaufende Geldmenge ist hoch. Dagegen spricht die schwache Konjunktur. Ob die Inflation steigt, wenn die Wirtschaft wieder wächst, ist trotzdem nicht ausgemacht.

Die Experten sind sich uneins und auch wir können nicht in die Zukunft schauen. Aber wir wissen, mit welchen Anleihen sich Anleger vor einer starken Inflation schützen können und von welchen Angeboten sie lieber die Finger lassen.

Fünf Angebote unter der Lupe

Auf dem Markt sind derzeit zwei inflationsindexierte Bundesanleihen. Die eine läuft bis 2013, die andere bis 2016.

Im Mai waren mehrere Inflationsanleihen von Banken in Zeichnung: Die Anleihe der Hypovereinsbank läuft bis 2013, das Papier der Citigroup-Tochter Allegro endet 2012. Morgan Stanley ist mit drei Papieren am Start: Seit 8. Mai gibt es die Inflationsanleihe, ab 15. Juni kommt ihr Nachfolger, die Inflationsanleihe II. Beide Papiere laufen bis 2012. In der Tabelle „Anleihen mit Inflationsschutz“ haben wir das neuere Angebot dargestellt. Ende Juni wird es eine dritte Anleihe geben.

Unser Rat

Wir empfehlen die Bundesanleihen. Für sie spricht die im Vergleich mit den Bankanleihen weit bessere Kreditwürdigkeit und vor allem der bessere Inflationsschutz.

Bei allen Anleihen werden die jährlichen Zinszahlungen an die Inflationsrate angepasst. Aber nur bei den Bundesanleihen ist auch die Rückzahlung inflationsgeschützt.

Beispiel für 3 Prozent Inflation

Steigt zum Beispiel die Inflationsrate in den nächsten Jahren jedes Jahr um 3 Prozent, dann zahlt der Bund für die bis 2013 laufende Bundesanleihe je 1 00 Euro Nennwert 119,41 Euro zurück. Die Banken zahlen nur den Nennwert.

Gleichzeitig gibt es für die Bankenanleihen höhere Zinsen als für die Bundesanleihe. Doch die höheren Zinsen gleichen die niedrigere Rückzahlung nicht aus.

Bleibt man dabei, dass die Inflation um 3 Prozent pro Jahr steigt, dann gibt es für die Bundesanleihe bis zur Fälligkeit 10,29 Euro Zinsen. Inklusive Rückzahlung sind das 129,70 Euro.

Bei der Anleihe der Hypovereinsbank ist die Verzinsung höher: Bis zur Fälligkeit gibt es 15,35 Euro Zinsen. Zusammen mit der Rückzahlung fließen aber nur 115,35 Euro.

Den höchsten Kupon bietet die Anleihe von Allegro: 6 Euro im ersten Jahr und jeweils 9 Euro im zweiten und dritten Jahr. Zusammen mit 100 Euro Rückzahlung ergibt das 124 Euro und damit fließt ebenfalls weniger Geld als für die Bundesanleihe, selbst wenn man die zehn Monate kürzere Laufzeit berücksichtigt.

Ein weiterer Nachteil dieser beiden Bankanleihen ist, dass es keine Mindestverzinsung gibt. Bleiben die Preise konstant oder sinken sie, fällt die Zinszahlung aus.

Steuer nicht vergessen

Versteuert werden inflationsgeschützte Anleihen mit der Abgeltungsteuer. Ist der Sparerpauschbetrag überschritten, gehen von Zinserträgen und Kursgewinnen je 25 Prozent an den Staat, außerdem der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer.

Die Abgeltungsteuer gilt sogar für Anleihen, die vor 2009 gekauft wurden, der Bestandsschutz greift nicht, weil es sich um Finanzinnovationen handelt.

Inflation ist nicht gleich Inflation

Die Anleihe der Hypovereinsbank bezieht sich auf die Inflation, die der deutsche Verbraucherpreisindex misst. Die anderen vier Angebote schützen deutsche Anleger vor der Inflation in der Eurozone. Das passt nicht ganz, ist aber nicht weiter schlimm, denn historisch gesehen war die Inflation im Euroraum höher als in Deutschland. Der Ausgleich ist somit höher.

Zurzeit keine Gefahr

Im Moment sind die Inflationsraten extrem niedrig: Um 0,7 Prozent stiegen die Verbraucherpreise im April 2009 gegenüber dem Vorjahr, 0 Prozent waren es nach vorläufigen Angaben im Mai. Bleibt es bei null, gibt es für die Papiere von Hypovereinsbank und Allegro nach dem ersten Laufzeitjahr keinen Zins. Für die Anleihe von Morgan Stanley würden die Anleger 1,25 Prozent bekommen, für die Bundesanleihen 1,5 und 2,25 Prozent.

Wenn die Preise über einen längeren Zeitraum hinweg sinken, spricht man von Deflation. Dass das passiert, halten einige Experten für die nächste Zeit sogar für wahrscheinlicher als eine große Inflation.

In so einem Fall sind Anleger mit herkömmlichen Geldanlagen übrigens besser dran als Käufer von inflationsgeschützten Papieren. Deshalb gilt wie immer auch hier: Nie alles auf eine Karte setzen! Eine breite Streuung verschiedener Produkte ist der beste Schutz – für alle Krisen.

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