Sofortrente: Versicherung füllt die Lücke

Für 60 000 Euro zahlt Testsieger Interrisk Frauen 231, Männern 247 Euro sichere Sofortrente. So kann eine größere Summe eine Rentenlücke schließen.

Es gibt zwei wichtige Gründe, eine große Summe in eine Sofortrente bei einem Versicherungs­unternehmen zu stecken. Entweder ein Mensch braucht regel­mäßig und dauer­haft ein zusätzliches Einkommen ohne Wenn und Aber. Oder er möchte etwas von seinem Ersparten haben, sich aber nie mehr darum kümmern.

Geht es dagegen vor allem um gute Gewinne, ist eine Sofortrente keine Anla­geempfehlung. Gewinne sind hier nur drin, wenn Kunden sehr alt werden.

65-jährige Männer haben erst nach 20 Jahren ein garan­tiertes Plus, Frauen, die wegen ihrer längeren Lebens­erwartung für gleiches Geld geringere monatliche Zahlungen bekommen, sogar erst nach knapp 22 Jahren.

Eine Sofortrente sichert bequem ein langes Leben ab. Blind zugreifen wäre aber falsch. Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind deutlich. Sie summieren sich über Jahr­zehnte auf tausende von Euro.

72 Angebote im Test

Eine Sofortrente beginnt unmittel­bar, nachdem ein Einmalbeitrag beim Versicherer einge­gangen ist. Wie bei jeder privaten Renten­versicherung besteht die ausgezahlte Leistung aus einem garan­tierten Teil und einem unsicheren Teil aus Über­schüssen.

Wie viel Rente gibt es wo? Das interes­siert die meisten Menschen wohl an erster Stelle. Wir haben uns den Markt der klassischen Renten­versicherungen ohne Fonds­investment angeschaut und ermittelt, mit welcher monatlichen Zahlung 65-jährige Männer und Frauen rechnen können.

Sofortrenten können Kunden aber nicht nur zu Beginn des Ruhe­stands abschließen, sondern auch einige Jahre früher oder erst mit 70 Jahren oder später. Die Renten fallen je nach dem Beginn ihrer Auszahlung entsprechend nied­riger oder höher aus.

Die für die Unter­suchung nötigen Angaben haben uns 34 Versicherer geliefert, jeweils für Frauen und für Männer. 30 Anbieter lieferten uns keine Informationen.

Die Angebote von zwei großen Versicherern haben wir nach­träglich über Test­kunden einge­holt. So konnten wir die Tarife der Generali und der Signal Iduna auch gegen ihren Willen bewerten. Die Angebote der Generali kamen beide auf ein schlechtes Ausreichend, die der Signal Iduna erreichten jeweils ein knappes Befriedigend.

Wir empfehlen, nur bei einem Unternehmen einen Vertrag abzu­schließen, das sich dem Vergleich stellt.

60 000 Euro einge­zahlt

Unsere Muster­kunden zahlen 60 000 Euro bei einem Versicherer ein, damit dieser ihnen ab sofort eine lebens­lange monatliche Rente über­weist. Zwischen 215 und 232 Euro (Frauen) oder 230 und 248 Euro (Männer) Anfangs­rente sind drin.

231 Euro garan­tiert der beste Anbieter im Test, die Interrisk, Frauen mit seinem Direkt­angebot. Bei den Männern macht das Unternehmen damit ebenfalls die höchste Renten­zusage. Interrisk bietet über Vermittler ein Angebot mit geringerer Renten­zusage.

Frauen bekommen weniger private Rente als Männer, weil ihre Lebens­erwartung statistisch betrachtet rund vier Jahre länger ist.

Nur in der gesetzlichen Renten­versicherung und der staatlich geförderten Riester-Rente gibt es für gleiches Geld die gleiche Rente. In unge­förderten privaten Versicherungen, wie der hier untersuchten Sofortrente, dürfen Versicherer die längere Lebens­erwartung von Frauen bisher noch berück­sichtigen.

Die Gesell­schaften lassen die Unterschiede aber nicht gleichermaßen in ihre Berechnungen einfließen. Dadurch ergeben sich für Männer und Frauen gering­fügig veränderte Rang­folgen in unseren Tabellen.

Renten­unterschiede zeigen Kosten

Bei Renten­zusagen von 215 bis 232 Euro für Frauen sehen die Unterschiede zwischen den Anbietern gering aus. Rechnet man nach, zahlt der beste im Vergleich zum schlechtesten aber bald eine Rente pro Jahr mehr aus. Das summiert sich über Jahr­zehnte auf mehrere tausend Euro.

Für die Berechnung der garan­tierten Rente verwenden alle Anbieter nahezu die gleichen Kalkulations­grund­lagen. Sie rechnen mit einer Verzinsung von 2,25 Prozent und weit­gehend identischen Sterbe­tafeln, mit denen sie die durch­schnitt­liche Lebens­erwartung ihrer Kunden schätzen.

Trotzdem sind die Renten­zusagen nicht gleich. Dahinter stecken die unterschiedlich hohen Kosten, die Versicherer für sich ansetzen, vor allem für Vertrieb und Abschluss. Der Anteil vom Beitrag, der über­haupt angelegt und verzinst wird, ist dadurch je nach Anbieter verschieden groß. Die Renten­zusage in den Tabellen (Tabelle: Renten (Frau) Einmalbeitrag und Tabelle: Renten (Mann) Einmalbeitrag) spiegelt die Höhe der Kosten wider. Sie ging mit 50 Prozent in die Bewertung ein.

Auch die unterschiedliche Verteilung der Kosten wirkt sich darin aus. So kostet der Abschluss bei der in unserem Modell insgesamt mit einem Befriedigend bewerteten Ergo Direkt (ehemals Karstadt­Quelle) nur pauschal 300 Euro. Ein toller Wert! Doch über die Jahre lässt sich das Unternehmen mehr bezahlen als manch anderes. 60 Euro gehen bei der Ergo Direkt jedes Jahr für Verwaltungs­kosten drauf.

Beim ebenfalls mit einem Befriedigend bewerteten Angebot der mamax gehen zwar 600 Euro als Einmalkosten ab. Damit ist dann aber alles bezahlt. Die Renten­zusage der mamax ist deshalb etwas besser als die der Ergo Direkt.

Voll­dynamische Auszahlung

Die Beispielrenten aus unseren Tabellen ergeben sich, wenn Kunden die von uns empfohlene „voll­dynamische“ Auszahlungs­form wählen. Bei dieser Variante ist die Rente zunächst nied­rig und kann sich durch Über­schüsse im Laufe der Jahre erhöhen.

Läuft alles plan­mäßig, steigt die Rente Jahr für Jahr entsprechend den jähr­lich neu fest­gesetzten Steigerungs­sätzen. Ihre Hoch­rechnungen machen die Lebens­versicherer auf Basis ihrer aktuellen Ertrags­lage.

Die Prognosen für die jähr­liche Renten­erhöhung liegen bei allen Anbietern im Test etwa bei 2 Prozent. Die Inflations­rate der vergangenen zehn Jahre belief sich im Schnitt ebenfalls auf 2 Prozent. Ob die Versicherer mit ihren Über­schüssen einen kompletten Inflations­ausgleich schaffen, ist dennoch ungewiss.

Verlassen können sich Kunden bei Vertrags­schluss nur auf das, was sie sicher bekommen. Das ist die garan­tierte Anfangs­rente, in unserer Tabelle (Tabelle: Renten (Frau) Einmalbeitrag und Tabelle: Renten (Mann) Einmalbeitrag) „Renten­zusage“ genannt.

Rentenkür­zung vermeiden

Mehr Anfangs­rente gibt es, wenn der Kunde eine andere als die voll­dynamische Auszahlungs­form wählt. Es gibt zum Beispiel auch die früher „konstant“ genannte Auszahlungs­variante. Da die Rente hierbei aber keineswegs immer gleich­mäßig fließt, heißt sie heute meist „variable“ oder „flexible“ Über­schuss­rente.

Der Versicherer verteilt hier schon am Anfang Über­schüsse, die er für die Zukunft annimmt. Dadurch ist die Rente gleich höher. Im ersten Jahr lassen sich so bis zu 300 Euro monatlich erreichen, sogar für Frauen.

Von dieser Form raten wir aber ab, denn eine „konstante“ Rente kann gekürzt werden, wenn die Über­schüsse geringer ausfallen als der Versicherer in seinen Prognosen erwartet hatte. Das geschieht vor allem, wenn der Kapitalmarkt schlechter läuft als gedacht.

Besser ist es, nicht zu viel zu erwarten, sondern die Über­schuss­beteiligung voll­dynamisch steigen zu lassen. Nur dann ist ein Kunde vor Rentenkür­zungen gefeit.

Anla­geerfolg der Vergangenheit

Unver­bindliche Zusagen für die Zukunft haben keinen Einfluss auf das Finanztest-Qualitäts­urteil. Wir haben aber bewertet, ob ein Versicherer in den vergangenen drei Jahren eine erfolg­reiche Kapital­anlage hinlegte oder ob er eher hinter dem zurück­blieb, was das allgemeine Ertrags­niveau hergab. Davon hängt maßgeblich ab, welche Über­schüsse er seinen Kunden zahlen kann.

Wir haben den bisherigen Anla­geerfolg der Unternehmen, sofern er den Kunden zugute kam, mit 40 Prozent bewertet. Einge­gangen sind die Werte der letzten drei Jahre. Am stärksten floss das Jahr 2009 ein.

Durch die Finanz­krise waren die Ergeb­nisse 2008 bei den meisten Unternehmen deutlich schlechter als 2007. Den Garan­tiezins von 2,25 Prozent schafften zwar alle noch. Zwei Drittel erreichten aber nur noch einen Anla­geerfolg unter 4 Prozent. 2009 erholten sich die meisten Anbieter wieder.

Trans­parenz

Bewertet haben wir auch die Trans­parenz jedes Angebots. Damit meinen wir die Qualität der Informationen, die ein Kunde mit den Vertrags­unterlagen erhält. Sie ging zusammen mit der Flexibilität der Verträge mit 10 Prozent in die Bewertung ein.

Dabei ging es uns zum einen um die Kosten. Wie klärt ein Anbieter darüber auf? Positiv bewerteten wir, wenn alle Kosten sowohl in Euro als auch prozentual genannt werden. Machen Anbieter ihre Angaben in unterschiedlicher Weise, kann ein Kunde die gesamte Belastung kaum nach­voll­ziehen.

Wir wollten auch wissen, ob zusätzliche Gebühren, beispiels­weise für eine Korrespondenz mit dem Versicherer oder für eine Kapitalent­nahme offengelegt werden.

Über­prüft haben wir zudem die Erläuterungen zu möglichen Über­schüssen. Erfährt der Kunde, wie sie sich verändern können? Bekommt er Verlaufs­tabellen über die mögliche künftige Entwick­lung seiner Rente?

Vereinbarungen für den Todes­fall

Renten­versicherungen sind erst einmal kein familien­freundliches Anla­gepro­dukt. Nach dem Tod des Versicherten fällt das Rest­guthaben der Versicherten­gemeinschaft zu. Partner und Kinder erben nichts.

Der Verlust lässt sich verringern, zum Beispiel mit einer Renten­garan­tiezeit. Bis zu deren Ende wird die Rente ausgezahlt, auch wenn der Kunde verstorben ist.

In unserem Modell haben wir 20 Jahre einge­rechnet. Viele Versicherer lassen maximal 20 Jahre zu, manche nur 10. Nicht abge­sichert bleibt die Zeit nach dem Ende der Renten­garantie.

Eine andere Hinterbliebenen­vorsorge ist die Beitrags­rück­gewähr im Todes­fall. Der Versicherer zahlt hier die einge­zahlten Beiträge abzüglich der ausgezahlten Renten aus. Bei Variante drei – Auszahlung des Deckungs­kapitals – geht das komplette Rest­vermögen an Erben.

Alle drei Vereinbarungen kosten Rente. 20 Jahre Renten­garantie drücken die Rente von Männern zwischen 5 bis über 10 Prozent. Die Beitrags­rück­gewähr ist etwas teurer und die Auszahlung des Deckungs­kapitals kostet Männer teil­weise über 13 Prozent Rente.

Für Frauen gibt es Todes­fall­leistungen billiger. 20 Jahre Renten­garan­tiezeit schmälern ihre Rente manchmal nur um 0,5 Prozent. Es können aber auch fast 7 Prozent sein. Eine Auszahlung des Deckungs­kapitals kostet zwischen 4 und 11 Prozent.

Flexibilität

Vereinbaren Kunden eine Todes­fall­leistung, nützt das oft nicht nur Angehörigen. Zwei Drittel der Anbieter im Test gestatten Kunden dann auch selbst eine Kapitalent­nahme. Das bringt etwas Flexibilität in die sonst starre Renten­versicherung.

Maximal können Versicherte den Betrag entnehmen, den ihre Angehörigen zu diesem Zeit­punkt im Falle ihres Todes erhalten würden.

Für diese Option auf eine Kapital­auszahlung haben wir für die Angebote einen Plus­punkt in der Bewertung ihrer Flexibilität vergeben. Testsieger Interrisk und Europa haben sie nicht in ihren Verträgen, erst die Debeka auf Platz drei hat sie.

Unter Renditegesichts­punkten ist ein Ausstieg aus einer laufenden Renten­versicherung ungünstig. Wer vornehmlich eine hohe Rente für sich will, sollte auf jegliche Zusatz­leistung verzichten.

Die eigene Lebens­erwartung könnte durch eine Krankheit jedoch drastisch sinken. Oder es gibt eine Notlage. Dann wird das Ersparte doch kurz­fristig auf einen Schlag benötigt, und der Kunde ist froh, wenn er wieder an sein Geld heran­kommt.

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