Soll es eine Sofortrente fürs Nötigste sein, ein Bank­vertrag für zwischen­durch oder Aktienfonds für mehr Gewinne? Wir vergleichen.

Für die Alters­vorsorge ist es in späten Jahren zu spät, für die Geld­anlage nicht. Einer­seits soll zu Renten­beginn genug Geld da sein, um es zu verbrauchen. Anderer­seits kann das, was noch liegt, wachsen, damit es länger reicht, vielleicht sogar für Erben.

Natürlich muss jemand erst einmal über eine Summe verfügen, die er investieren kann. Sonst stellt sich die Frage der richtigen Geld­anlage gar nicht. Viele haben allerdings Geld oder erwarten in Kürze eine Zahlung, häufig aus einer ablaufenden Lebens­versicherung. Andere erben, verkaufen eine Immobilie oder planen das. Manche kassieren eine Abfindung oder besitzen Erspartes, weil sie über viele Jahre etwas zurück­gelegt haben. Wohin damit?

Persönliche Bilanz ziehen

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Wir schlagen eine persönliche Bilanz vor: Wie steht es um die eigene Alters­versorgung? Welche regel­mäßigen Einkünfte sind sicher? In welcher Höhe? Wie werden sich diese voraus­sicht­lich entwickeln? Wie viel geht für Steuern und Sozial­abgaben ab?

Auch Angehörige gehören häufig in diese Aufstellung. Plant jemand nur für sich, oder leben noch andere von seinem Geld? Ehepartner, Lebens­gefährten, Kinder, Enkel?

Wie viel Geld ein Mensch im Alter braucht, hängt von seinen Plänen ab und davon, wie viel er für sein alltägliches Leben benötigt. Da sind die Fixkosten: Wohnungs­miete oder Betriebs­kosten fürs Eigenheim, Ausgaben für Strom, Telefon, Kleidung, Essen, Kosten für die eigene Gesundheit, ein Auto oder für Bus und Bahn. Dafür muss das Einkommen reichen. Aber auch Theater- und Kino­besuche, Reisen oder größere Anschaffungen sollten möglich sein.

Muss jeden Tag Erspartes einge­setzt werden, kann sich ein Ruhe­ständler kein Risiko leisten, wenn er Geld anlegt. Braucht er das Vermögen nicht für sich selbst, will er aber viel vererben, um Familien­angehörige abzu­sichern, müsste er ebenfalls weit­gehend konservativ investieren. Ob und wie viel Risiko sich jemand im Alter bei der Geld­anlage leisten kann, hängt also wie in jungen Jahren von seiner finanziellen Situation und seinen Familien­verhält­nissen ab.

Mit dem Ersparten wirt­schaften

Wir haben berechnet, wie lange 60 000 Euro reichen, wenn ihr Besitzer sie in einen Bank­auszahl­plan oder in Fonds investiert und regel­mäßige Raten entnimmt. Die Ergeb­nisse vergleichen wir mit einer lebens­langen Rente, die der Kunde für dieses Geld bei Lebens­versicherern bekommt.

Kauft ein 65-jähriger Mann für 60 000 Euro eine Sofortrente, bekommt er ein Leben lang Geld. Die garan­tierten Renten für Männer reichen in unserem Test von 230 bis über 247 Euro monatlich. Mit einem „voll­dynamischen“ Vertrag, in dem die Über­schüsse die Rente peu à peu erhöhen, können es 325 bis 406 Euro monatlich sein, wenn der Kunde einmal 85 Jahre alt ist (siehe Tabelle: Renten (Frau) Einmalbeitrag und Tabelle: Renten (Mann) Einmalbeitrag). Die Steigerung ist ein kleiner Ausgleich für die wahr­scheinlichen Kauf­kraft­verluste durch Inflation.

Wir haben uns auch angesehen, wie sich die Renten verändern, wenn jemand mehr oder wenn er weniger einzahlt. Das Ergebnis: Sie steigen oder sinken etwa im selben Maße. Mit 120 000 Euro können 65-jährige Männer beim besten Anbieter bis zu 494 Euro Anfangs­rente im Monat erwarten, mit 30 000 Euro sind 124 Euro drin. Frauen bekämen wegen ihrer höheren Lebens­erwartung immer rund 10 Prozent weniger.

In allen Fällen gibt es dieses Geld lebens­lang. Mögliche Über­schüsse erhöhen die Zahlung im Laufe der Jahre.

Miese Zinsen

Die Zinsen sind zurzeit im Keller. Für einen Bank­auszahl­plan mit einer Lauf­zeit von 30 Jahren gibt es nur 3,95 Prozent Zinsen bei der Debeka, dem einzigen Anbieter für diese Lauf­zeit.

Mit diesem Zins schlägt der Auszahl­plan zwar noch die garan­tierten Renten­zusagen aus guten Angeboten für eine Sofortrente. Doch anders als der Versicherungs­kunde hat der Bank­anleger keine Chance, dass seine Auszahlung durch Über­schüsse steigen könnte. Mehr als eine monatliche Entnahme von 282 Euro über 30 Jahre ist nicht möglich.

Auf Zins­erträge fällt zudem 25 Prozent Abgeltung­steuer an. Sofortrenten sind steuerlich oft attraktiver (siehe: Geringe Steuer auf Sofortrente).

Mit einem 30-Jahre-Auszahl­plan zementiert der Sparer zudem einen mäßigen Zins für einen sehr langen Zeitraum. Und er kann nicht vorzeitig über sein Geld verfügen.

Bei den aktuellen Zinsen ist es deshalb sinn­voller, Auszahl­pläne nur für kürzere Zeiträume zu nutzen und nicht das ganze Geld zu investieren. Die besten Angebote für zehn Jahre bieten 3,5 Prozent Zins, für fünf Jahre unter 3 Prozent.

Bank­angebote, bei denen Kunden zwischen­durch ganz ohne Verlust auch an größere Summen heran­kommen, sind sogar nur für 2 Prozent Zinsen zu haben.

Keine Sicherheit bei Fondsent­nahme

Wie viel bei einem Fonds­investment zur Verfügung stünde, ist wegen der Kurs­schwankungen schwer zu sagen. Bei gleich­mäßig 6 Prozent Wert­entwick­lung im Jahr ist mit einer Einmalzahlung von 60 000 Euro eine ewige Rente von 292 Euro monatlich drin – und das angelegte Kapital wäre immer noch da. Das gesamte Geld kann genauso gut aber nach zehn Jahren weg sein.

So geht es beim Vergleich der Produkt­gruppen zunächst weniger um Rendite als um Sicherheit. Wer seine Fixkosten nicht aus anderen lebens­langen Einkünften decken kann, hat zur Renten­versicherung kaum eine Alternative. Nur hier ist eine lebens­lange Zahlung sicher.

Für Erben bleibt nichts, es sei denn, der Kunde vereinbart Leistungen für Hinterbliebene. Davon kann er auch selbst profitieren. Denn immer mehr Unternehmen erlauben vorab eine Entnahme der Todes­fall­leistung, die zu diesem Zeit­punkt fällig wäre.

Hinterbliebene absichern

Bei den beiden anderen Geld­anlagepro­dukten bleibt nach dem Tod des Anlegers für Erben auto­matisch das Geld auf dem Konto oder in Fonds­anteilen übrig. Dafür besteht bei diesen Varianten die Gefahr, dass das Kapital irgend­wann schon vor dem Tod des Sparers verbraucht ist. Das kann nur riskieren, wer nicht dauer­haft auf feste Zahlungen aus dem Ersparten angewiesen ist.

Rentner in dieser komfort­ablen Lage sollten Sofortrenten dann aber auch meiden. Denn rentabel sind Renten­versicherungen nur für Menschen, die sehr, sehr lange leben.

Wenn absehbar ist, dass hohe fixe Kosten in einigen Jahren sinken, ist für die Zwischen­zeit ein Auszahl­plan besser. Investieren Anleger nur einen Teil ihres Geldes in einen Auszahl­plan von begrenzter Dauer, bleiben sie mit dem Rest flexibler. Die drei Fälle in den Kästen rechts zeigen beispielhaft, wie Ruhe­ständler ihre Geld­anlage gestalten könnten.

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