Aktien bieten gute Chancen

Geld­anlage zu Renten­beginn Test

Investmentfonds

Abge­sicherte Senioren sollten Aktienfonds kaufen. Mit der richtigen Auszahl­strategie über­stehen sie selbst flaue Börsen­zeiten gut.

Selbst Anleger, die normaler­weise nichts mit Aktienmärkten am Hut haben, sollten den Gedanken an ein Fonds­depot nicht von vorn­herein verwerfen. Wie bei allen Aktien­anlagen gibt es aber eine Voraus­setzung: In die Fonds sollte nur Geld fließen, das nicht für den Alltags­bedarf benötigt wird.

Niemand weiß, wie sich die Kurse entwickeln werden. Anleger, die unmittel­bar nach einem Börsencrash Fonds­anteile verkaufen müssen, weil sie unbe­dingt Geld brauchen, haben das Nach­sehen. Alle anderen können in Ruhe abwarten, bis sich die Turbulenzen gelegt haben.

Zusatz­rente aus Aktienfonds

Finanztest hat ausgerechnet, was in der Vergangenheit eine Zusatz­rente aus Aktienfonds für Anleger gebracht hätte. Ein Aktienfonds ist eine Art Spartopf. Das darin gesammelte Geld fließt in Aktien. Anleger werden auf diese Weise indirekt zu Miteigentümern an Dutzenden, manchmal sogar Hunderten von Einzel­unternehmen.

Das Ergebnis (siehe Grafik in Text: Entnahmestrategien) dürfte viele über­raschen. Selbst in sehr ungüns­tigen Börsen­phasen hätten die von Finanztest optimierten Entnahme­pläne kaum einmal Verluste gebracht. Dass sie bei boomenden Börsen fabelhafte Wert­zuwächse hatten, über­rascht schon weniger.

Wie gut die Strategien in Zukunft funk­tionieren, lässt sich natürlich nicht sagen. Die Erfahrungen der Vergangenheit sind aber geeignet, Anlegern die über­triebene Angst vor Aktien­anlagen zu nehmen. Es gibt selbst­verständlich Verlustrisiken, aber sie sind nicht so groß, wie viele befürchten.

Selbst im schlechtesten Zehn­jahres­zeitraum der vergangenen 40 Jahre hätte ein Anleger nur mit einem unserer vier Entnahme­pläne mit europäischen Aktienfonds ein biss­chen von seinem Anfangs­kapital verloren. Mit den anderen Entnahme­strategien hat er sogar in dieser Zeit deutlich mehr heraus­geholt, als er investiert hat.

Wir erinnern uns: Zwischen 1999 und 2009 lagen so viele Finanz­katastrophen, dass es normaler­weise für mehrere Spekulantenleben reicht. Dem Platzen der Internetblase folgten die Anschläge des 11. September, der Irak-Krieg, die amerikanische Immobilienkrise und das globale Finanzdesaster nach der Lehman-Pleite.

Wie kommt es aber, dass unzäh­lige Anleger in diesem Zeitraum mit ihren Aktienfonds 20 bis 30 Prozent verloren haben, während unsere Entnahme­pläne so glimpf­lich davon­kamen? Die Erklärung liefern die Entnahme­strategien. Anleger schöpfen Kurs­gewinne ab und ziehen bei Verlusten geringere Beträge heraus.

Fonds­anlage ist vernünftig

Ob ein Entnahme­plan aus Aktienfonds praxis­gerecht ist, steht auf einem anderen Blatt. Wohl­habende und abge­sicherte Senioren – und nur diese sollten in Aktienfonds investieren – sind auf regel­mäßige Zusatz­einnahmen ja gar nicht angewiesen.

Für sie wäre es naheliegender und viel einfacher, Aktienfonds zu kaufen und jahre­lang liegen zu lassen. Nach zehn oder zwanzig Jahren könnten sie die Fonds verkaufen oder auch vererben. Das ist in der Regel vernünftiger, als große Summen ohne klare Perspektive auf einem schlecht verzinsten Tages­geld- oder Fest­geld­konto versauern zu lassen.

Doch die Sparer setzen sich damit mit ihrer gesamten Anlage voll den normalen Risiken der Aktienmärkte aus. Genau davor schre­cken ängst­liche Naturen zurück. Sie sind die eigentliche Zielgruppe für einen Entnahme­plan, der in wechselhaften Börsen­phasen die Schwankungen abpuffert.

Wer unsere Auszahl­pläne befolgt, bringt nach einer Kurs­rallye auto­matisch einen Teil seiner Kurs­gewinne in Sicherheit und schont nach einem Kurs­sturz die Substanz des verbliebenen Fonds­vermögens.

Die Umsetzung

Natürlich will keiner dafür jeden Monat neu rechnen und diszipliniert die entsprechenden Abbuchungen veranlassen. Es geht aber auch einfacher. Anleger können die Rezepte hinter unseren Strategien anwenden, ohne die Regeln für die Entnahme hunder­prozentig zu befolgen..

Ein Vorteil der Anlage in Aktienfonds ist die große Flexibilität. Anleger können ihr Fonds­vermögen jeder­zeit voll­ständig oder teil­weise zu Geld machen. Sie können also nicht nur die Höhe der Auszahlraten, sondern auch deren Intervalle selbst fest­legen.

Wer kein monatliches Zusatz­einkommen braucht, sollte eine viertel-, halb­jähr­liche oder gar jähr­liche Entnahme wählen. Dem Prinzip unserer Strategien sollte er dabei aber treu bleiben: Nach deutlichen Kurs­steigerungen werden hohe Beträge abge­bucht, nach einem Kurs­rutsch nied­rige Summen oder gar nichts.

Solange die Börsen, wie in den vergangenen Jahren, heftige Ausschläge nach oben und unten haben, fährt der Anleger auf diese Weise besser, als würde er alle Fonds­anteile irgend­wann auf einen Schlag verkaufen.

Bei beharr­lich steigenden Kursen über die gesamte Lauf­zeit hätte er im Vergleich zum bloßen Abwarten dagegen geringere Erträge. Diesen Nachteil kann er verschmerzen, da es nur um den Unterschied zwischen einer sehr guten und einer noch besseren Rendite geht.

Die Fonds

Für die Entnahme­strategien eignen sich nur Fonds mit einer breiten Länder- und Branchen­streuung. Finanztest hat seine Berechnungen am europäischen Aktienmarkt durch­geführt, aber auch global anlegende Aktienfonds sind eine gute Wahl.

Grund­sätzlich unterscheidet man zwischen Fonds, deren Zusammenset­zung aktiv von Managern gestaltet wird, und Fonds, die keine eigene Strategie verfolgen. Ihr Ziel liegt allein darin, die Entwick­lung eines Aktien­indexes abzu­bilden.

Indexfonds bieten einige Vorteile. Sie haben geringe Kosten, ihre Entwick­lung ist trans­parent, und sie schützen vor unlieb­samen Über­raschungen. Der für den Anleger ärgerlichste Fall, dass ein schlechter Fonds­manager trotz boomender Märkte nur magere Renditen erwirt­schaftet, ist hier so gut wie ausgeschlossen.

Allerdings gibt es auch gute Argumente für gemanagte Fonds. Einige Top-Fonds haben in den meisten Jahren deutlich höhere Renditen erzielt als die Märkte, an denen sie sich orientieren.

Anleger, die es mit gemanagten Fonds probieren wollen, sollten allerdings darauf achten, dass sie nicht ein zu eigenwil­liges Fonds­konzept erwischen.

Wir charakterisieren in unserem Fonds­test auch die Markt­nähe von Fonds (siehe Produktfinder Fonds). Für einen lang­fristigen Entnahme­plan eignen sich am besten Fonds mit sehr hoher Markt­nähe. Eine gute Wahl für einen Entnahme­plan ist zum Beispiel der UniGlobal, den es bei jeder Volks­bank zu kaufen gibt.

Entnahme­pläne aus gemanagten Fonds lassen sich sehr einfach einrichten. Der Anleger gibt der Bank dazu den Auftrag, zu bestimmten Zeit­punkten bestimmte Summen aus dem Fonds­vermögen abzu­ziehen. Da die Anteile direkt an die Fonds­gesell­schaften zurück­gehen, ist die praktische Abwick­lung kein Problem. Die ausgezahlten Beträge kann der Kunde jeder­zeit ändern.

Bei börsen­gehandelten Indexfonds ist es allerdings nicht ohne weiteres möglich, eine runde Summe heraus­zuziehen, da an der Börse nur volle Fonds­anteile verkauft werden können. Da kann schon einmal eine Rate von 813,56 Euro heraus­kommen, wenn man eigentlich 800 Euro abziehen wollte.

Außerdem ist der Verkauf von Indexfonds bei den meisten Banken mit Gebühren verbunden, während die Rück­gabe gemanagter Fonds kostenlos ist.

Unnötige Kosten vermeiden

Geringere Kosten bringen Anlegern auto­matisch ein Renditeplus. Wer Fonds über seine Haus­bank kauft, zahlt bei gemanagten Fonds meist einen Ausgabe­aufschlag von 5 Prozent. Diese Höhe steht zwar im Verkaufs­prospekt, kann aber verhandelt werden. Gerade bei hohen Anlagesummen sollte ein Rabatt selbst­verständlich sein.

Direkt­banken, deren Geschäfte übers Internet und Telefon laufen, verkaufen Fonds von vorn­herein meist mit deutlich geringerem Ausgabe­aufschlag.

Bei Indexfonds gibt es keinen Ausgabe­aufschlag, wenn sie über die Börse gekauft werden. Statt­dessen zahlen Anleger Trans­aktions­gebühren, deren Höhe von der Bank abhängen, bei der man sein Depot hat. Filial­banken verlangen oft um die 1 Prozent, während Kunden von Direkt­banken nicht selten mit der Hälfte wegkommen.

Über Fonds­vermittler im Internet gibt es die meisten gemanagten Fonds und immer mehr Indexfonds sogar ohne zusätzliche Kauf­kosten. Anleger, die keine Scheu vor der Konto­führung im Internet haben und auf ein persönliches Beratungs­gespräch verzichten können, sind hier am besten bedient.

Kompromiss für Ängst­liche

Selbst sehr ängst­liche Naturen sollten nicht ganz auf Aktienfonds verzichten, sofern sie finanziell abge­sichert sind.

Wohl­habenden Senioren, denen ein reines Aktienfonds­depot zu riskant ist, empfehlen wir, ihr freies Vermögen zumindest teil­weise in Fonds zu stecken. Eine Fifty-fifty-Lösung aus einer flexiblen Zins­anlage und einem Fonds­auszahldepot bietet immer noch deutlich höhere Rendite­chancen als eine reine Zins­anlage und sie verringert gleich­zeitig das Verlustrisiko.

In dieser gemischten Strategie ist es noch einfacher, auf Börsenkapriolen zu reagieren. Solange die Aktienmärkte boomen, entnimmt man den Löwen­anteil der Zusatz­rente aus den Fonds, in Durst­stre­cken wird das Zins­konto stärker zur Ader gelassen.

Je nach Risikoneigung können Senioren das Verhältnis zwischen der Zins­anlage und dem Fonds­depot auch anders fest­legen: Je höher der Zins­anteil, desto besser lassen sich die Auszahl­beträge voraus­berechnen – desto geringer sind aber auch die Rendite­chancen der Gesamt­anlage.

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