Geld­anlage und Erbschaft Meldung

Zwei Anle­gerinnen und ein Erbe führen Musterklagen gegen ihr Finanz­amt. Andere Steuerzahler können sich dranhängen. Finanztest beschreibt aktuelle Muster­verfahren, die für viele Steuerzahler Vorteile bringen könnten.

Treuhänder­kosten als Werbungs­kosten?

Eine Klägerin will Kosten für den Treuhänder ihres Vermögens absetzen. Das lässt das Finanz­amt nicht zu, weil der Sparerpausch­betrag solche Werbungs­kosten abdeckt, seit die Abgeltung­steuer gilt. Auch Depot­gebühren, Reise­kosten zur Aktionärs­versamm­lung und Zinsen für Wert­papier­kredite zählen nicht mehr extra. Jetzt soll der Bundes­finanzhof entscheiden (Az. VIII R 13/13).

Später Antrag auf Güns­tiger­prüfung

Eine Anlegerin hat die Güns­tiger­prüfung für ihre Kapital­erträge erst beantragt, nachdem die Einspruchs­frist für ihren Steuer­bescheid abge­laufen war. Trotzdem soll das Finanz­amt prüfen, ob für ihre Zinsen über dem Sparerpausch­betrag weniger als die Abgeltung­steuer von 25 Prozent fällig sind, die vorab abge­zogen wurde. Weil der persönliche Steu­ersatz der Frau nied­riger ist, will sie Abgeltung­steuer zurück­haben. Der Bundes­finanzhof soll klären, ob die Güns­tiger­prüfung trotz Bestands­kraft des Einkommensteuer­bescheids möglich ist (Az. VIII R 14/13).

Erbe will steuerfreie Erbschaft

Ein Sohn will das Haus vom Vater steuerfrei erben, obwohl der Frei­betrag für sein Erbe über­schritten ist. Das ist bis zu 200 Quadrat­meter Wohn­fläche möglich, wenn der Vater bis zum Tod in dem Haus gelebt hat. Nur Quadrat­meter, die über der Grenze liegen, erhöhen das steuer­pflichtige Erbe. Den Steuer­vorteil gibt es aber nur, wenn Kinder die Immobilie nach dem Todes­fall mindestens zehn Jahre lang selbst bewohnen. Diese Bedingung erfüllt der Mann nicht. Er ist in einer anderen Stadt Professor auf Lebens­zeit und hat sich verpflichtet, im Umkreis zu leben. Zwingende Gründe hinderten ihn, die Immobile zu bewohnen, argumentiert er. Das Erbstück müsse deshalb steuerfrei bleiben. Das Finanzge­richt Münster sieht das anders (Az. 3 K 1321/11), lässt aber die Revision beim Bundes­finanzhof zu.

Tipp: Passt Ihr Fall zu einer Musterklage, legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuer­bescheid ein, verweisen auf das Aktenzeichen und beantragen das Ruhen des Verfahrens. Sie haben dafür einen Monat Zeit, nachdem Ihnen der Steuer­bescheid bekannt ist. Geht es um eines der beiden BFH-Verfahren, muss der Bescheid dann bis zum Urteil offen bleiben. Auch im Erbschafts­fall können Einsprüche ruhen, wenn Revision einge­legt wird.

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