Geldanlage mit Tüv-Siegel Test

Nur das Gerüst, nicht den Schirm haben Tüv und Bund der Verbraucher geprüft. Ihr Siegel ist keine Garantie für erfolgreiche Anlagen.

Geldanlage mit Prüfsiegel. Der Tüv und der Bund der Verbraucher empfehlen Geldanlagen, die Anlegern zweistellige Renditen bescheren sollen. Doch die Angebote sind sehr riskant.

Als „Topanlage für Jedermann“ empfiehlt die Zeitschrift „Der Freie Berater“ Zinsdifferenzgeschäfte mit Fonds. Das Blatt wird vor allem von Finanzberatern gelesen, die ihr Geld mit der Vermittlung von Geldanlagen verdienen.

Die Anleger sollen ihre staatlich geförderte Altersvorsorge kündigen und das Geld neu investieren. Denn laut „Freier Berater“ können sie weder mit Riester- und Rürup-Renten noch mit Kapitallebensversicherungen ihre Rentenlücken schließen. Das Branchenblatt empfiehlt deshalb: „Kündigen Sie alles weg, was keine 10 Prozent aufwärts in Aussicht stellt, sofern es Ihnen um Vermögensaufbau geht.“

Seltsame Prüfergebnisse kommen vom Tüv Nord, vom Tüv Rheinland und dem Verein Bund der Verbraucher, dessen Mitglieder ausschließlich im Interesse der Verbrauchers beraten wollen. Ihre Siegel und Empfehlungen scheinen für die hochspekulativen Geschäfte zu sprechen, die Renditen bis zu 18 Prozent einfahren sollen.

Anders lässt sich kaum erklären, warum Tausende Anleger bereits knapp 100 Millionen Euro in zwei Zinsdifferenzfonds der Münchener DSS AG angelegt haben. Zurzeit bietet sie den Fonds „DSS Premium Select 3“ an. Weitere 15 Millionen Euro sollen Anleger in die F.I.P. Maxi Fo AG & Co. 1. Beteiligungs KG der F.I.P. Vermögensverwaltungs GmbH in Benediktbeuern eingezahlt haben, eine ganz ähnliche Geldanlage.

Millionen sollen auch in den Garantie-Hebel-Plan '09 der Cis Deutschland AG aus Frankfurt am Main fließen. Anleger können mit Einmalanlagen ab 2 000 Euro oder mit monatlichen Raten ab 50 Euro einsteigen (siehe Tabelle Hände weg von Zinsdifferenzgeschäften).

Besonders die Tüv-Siegel werden wohl Vertrauen wecken. So wie der Tüv technische Mängel beim Auto aufspürt, könnte er ja auch die Tücken von Geldanlagen aufspüren. Doch erfahrene Anleger ahnen bei Renditeprognosen zwischen 12 und 18 Prozent, dass hier vieles schiefgehen kann.

Zahlenspielereien für den Garantie-Hebel-Plan '09 der Cis AG sehen so aus: Bei einem „Einfachhebel“ erhält der Anleger mit Eigenkapital von 10 000 Euro noch 10 000 Euro Fremdkapital. Für diesen Kredit zahlt er 4 Prozent Zinsen jährlich. Die 20 000 Euro werden angelegt.

Die Cis AG schreibt in ihrer Präsentationsbroschüre: „Bei einer angenommenen Rendite der Zielanlagen von 8 Prozent würde er (der Anleger) einen Zinsdifferenzgewinn in Höhe von 4 Prozent erzielen, ­bezogen auf das Fremdkapital wie auch auf das Eigenkapital.“ Tatsächlich entsteht der Zinsdifferenzgewinn nur für den Kreditanteil. Nach Abzug der Kreditzinsen blieben hier von der Anlagerendite die 4 Prozent übrig. Die Cis schlägt diese 4 Prozent auf die 8 Prozent Anlagerendite des Kunden drauf und kommt so auf 12 Prozent. Wie Vermittler die Milchmädchenrechnung erklären, steht im Kasten auf dieser Seite.

F.I.P. wirbt mit 18 Prozent Rendite

Geldanlage mit Tüv-Siegel Test

Die F.I.P. Vermögensverwaltungs GmbH (F.I.P. GmbH), die den F.I.P. Maxi Fo anbietet, rechnet sogar mit einer Anlagerendite von 9 Prozent und einem Kreditzins von nur 4,5 Prozent. 18 Prozent Rendite will sie damit auf das eingesetzte Eigenkapital erzielen.

Doch die Rechnungen gehen nur auf, wenn die Wunschrenditen erzielt werden. Das ist alles andere als sicher. Die Prospektaussage, mit Zinsdifferenzgeschäften könne man die Rendite auf das eingesetzte eigene Geld hochhebeln, trifft nur zu, solange die Anlage mehr Einnahmen bringt, als der Kredit kostet.

Fällt die Anlagerendite unter den Kreditzins, geht der Schuss schnell nach hinten los. Der Hebel wirkt dann in entgegengesetzter Richtung und zieht die Rendite nach unten. Bei einem Kreditzins von 5 Prozent darf die Anlagerendite nicht unter 3,3 Prozent fallen, sonst gerät die Rendite auf die eingesetzten Eigenmittel ins Minus.

Keine Erfolgssiegel

Geldanlage mit Tüv-Siegel Test

Das Prädikat „gut“ des Tüv Nord für den Prospekt des Garantie-Hebelplans '09 der Cis AG könnten Verbraucher falsch verstehen. Es steht für die Plausibilität des Prospekts, nicht für das Produkt.

Die Verlustrisiken der Zinsdifferenzgeschäfte sind hoch, dazu kommen extrem hohe Gebühren, die vom Anlegergeld abgehen. So ist die Bewertung solcher Geldanlagen durch den Tüv Nord mit „gut“ und den Tüv Rheinland mit „akzeptabel“ kaum nachvollziehbar. Warum haben sie diese Siegel vergeben?

Der Tüv Nord erklärt auf diese Frage, dass er den Garantie Hebelplan '09 der Cis AG nur auf Transparenz und Plausibilität geprüft habe – und zwar anhand des Pros-pekts: „Das Zertifizierungsverfahren ist kein Ranking oder Rating.“ Das Siegel steht also nicht für die Erfolgsaussichten der Geldanlage.

Auch der Tüv Rheinland gibt an, er habe sein Siegel für das laut Werbung „einzig echte Premium Produkt“ der „DSS – Die Sachwertspezialisten“ lediglich für die Plausibilität des Produkts, nicht für das Angebot selbst vergeben.

Anleger könnten das anders verstehen. Zum Glück für diese hat der Tüv Rheinland mitgeteilt, dass er seine Zertifizierungen inzwischen eingestellt hat.

Bei dem Bund der Verbraucher (BDV) in München können sich Unternehmen bewerben, wenn sie ein Siegel wollen. Der BDV prüft dann, ob ein Produkt nach seinen Anforderungen ethisch und verbraucherfreundlich ist. Das Produkt der DSS AG bestand die Prüfung. Hochriskant ist dieses Angebot trotzdem.

Wenig Anlass für Vertrauen

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Der Bund der Verbraucher (BDV) empfiehlt den Premium Select 3 der DSS AG als verbraucherfreundlich und ethisch einwandfrei. Doch Anlegern droht der Totalverlust.

Keiner der drei Anbieter, Cis AG, DSS AG und F.I.P. GmbH, kann bis heute positive Ergebnisse nachweisen. Alle drei sind außerdem erst einige Jahre am Markt tätig.

Der bereits im Jahr 2005 aufgelegte „F.I.P. Maxi Fo“ hat den Hauptteil des Kapitals erst im Jahr 2007 in Vienna Life, eine Liechtensteiner Versicherung, investiert. Die Cis AG hat zwar für ihren im Herbst 2007 aufgelegten Fonds schon viel Geld eingesammelt. Die erste Investition in eine britische Lebensversicherung sollte jedoch erst im Sommer 2008 folgen.

Die Cis AG wurde Anfang 2006 gegründet. Alleinvorstand ist Thomas Heinzinger, Aufsichtsratsvorsitzende seine Ehefrau Claudia. Der seit vergangenem Jahr von der Cis AG angebotene geschlossene Immobilienfonds „Geno Haus Fonds I Social Investment“ steht bereits wegen hoher Kosten auf der Warnliste Geldanlageangebote.

Die F.I.P. („Financial Independent People“) hat ihren Zinsdifferenzfonds Mitte 2005 aufgelegt. Zum offiziellen Emissionsprospekt schickte sie fünf Nachträge. Sie waren vor allem durch einen mehrfachen personellen Wechsel bei Vorstand, Aufsichtsrat, Alleinvertriebsbeauftragten und Mittelverwendungskontrolleur nötig geworden. Für einen reibungslosen Ablauf spricht das nicht.

Seit Mitte 2002 bietet die DSS AG ihre Zinsdifferenzfonds an. Knapp 100 Millionen Euro hat sie mit ihren beiden Vorläuferfonds bereits eingesammelt.

Der Tüv Rheinland findet den Prospekt des „Premium Select 3“ in Ordnung. Dabei werden hier personelle Verflechtungen verschwiegen: Der ehemalige DSS-Alleinaktionär und -vorstand Johann Jurenic ist gerichtsbekannt, weil er dubiose Immorenta-Beteiligungen an Anleger vermittelte. Bis vor kurzem amtierte seine Schwester Ida Klinger als DSS-Vorstandsvorsitzende. Im Aufsichtsrat der DSS AG sitzt schließlich noch Martin Klinger. Er ist der Mann von Ida, die Finanztest keine Auskünfte über die DSS-Geschäfte geben wollte.

Alle Fonds investieren blind

Alle drei Fonds sind als „Blindpool“ konzipiert: Der Anleger weiß nicht konkret, wohin das angelegte Geld fließt. Das macht es schwer, an Anlagerenditen von 8 Prozent und mehr zu glauben.

Die Cis AG will die hohen Anlagerenditen aus einer Kombination von britischen Garantiepolicen, fondsgebundenen Lebensversicherungen und speziellen Investmentprodukten erzielen. Sie wirbt mit einer mindestens 80-prozentigen Kapitalgarantie der Produktgeber. Doch Vorsicht: Die Garantie wird nicht gegenüber dem Anleger abgegeben, sondern bezieht sich nur auf das tatsächlich investierte Kapital.

Die F.I.P.-Gruppe setzt unter dem Slogan „Mit Sicherheit mehr“ sowohl auf Garantiefonds und -policen aus Liechtenstein als auch auf Unternehmensbeteiligungen. Sie investiert beispielsweise in die Firma, die den Sender „Truck Radio“ für Lastwagenfahrer betreibt, oder in die Biodieselproduktion Rebina Bio Energie in Rumänien.

Auf Liechtensteiner Policen mit Kapitalschutz und Produkte wie Hedgefonds-Zertifikate hat sich die DSS AG konzentriert. Die angeblich hochrentablen Anlagen sind für Anleger kaum zu durchschauen. Fast immer handelt es sich um ausländische Lebensversicherungen oder Fonds, die vorzugsweise in Aktien investieren.

Hohe Kosten für Anleger

Abschrecken lassen sollten sich Anleger auch von den hohen Kosten. Beim Fonds Garantie Hebel ’09 der Cis AG betragen sie insgesamt 18 Prozent des Anlegergelds in Höhe von 39 Millionen Euro in 12 Jahren. Hinzu kommen noch Provisionen von 2 bis 4 Millionen Euro, die von den Lebensversicherern direkt an die Vermittler fließen. Davon hat der Anleger aber nichts. Von 25 Millionen Euro Anlegergeld beim DSS Premium Select 3 werden satte 22 Prozent für einmalige Kosten einbehalten.

Spitzenreiter in punkto Kosten ist der F.I.P. Maxi Fo. Von den 20 Millionen Euro der Anleger gehen insgesamt 8,8 Millionen Euro für Kosten drauf. Damit wird klar, wer an diesem Fonds in erster Linie verdient– Anbieter und Vermittler.

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