Zinsdifferenzgeschäfte: Bluff mit Milchmädchenrechnungen

Der rechnerische Bluff der Anbieter von Zinsdifferenzgeschäften ist immer derselbe: Die Aufnahme eines zusätzlichen Kredits soll die Rendite auf über 10 Prozent steigern.

Beliebtes Rechenbeispiel von Anbietern und Vermittlern

1. Schritt: Der Anleger beteiligt sich mit 10 000 Euro am Fonds und erzielt 8 Prozent, also 800 Euro pro Jahr.

2. Schritt: Der Fonds nimmt zusätzlich einen Kredit von ebenfalls 10 000 Euro auf und legt auch dieses Geld zu 8 Prozent oder 800 Euro pro Jahr an. Zieht man die Kreditzinsen von 4 Prozent oder 400 Euro davon ab, springt für den Anleger ein zusätzlicher Ertrag von 400 Euro heraus.

3. Schritt: 800 Euro auf die ersten und 400 Euro auf die zweiten 10 000 Euro sind 1 200 Euro. Gerechnet auf die Beteiligungssumme des Anlegers von 10 000 Euro sind das 12 Prozent.

Ergebnis des Rechenwunders: In drei Schritten wird die Rendite von 8 auf 12 Prozent hochgehebelt.

Was Anbieter und Vermittler verschweigen

Liegt die Rendite der eigentlichen Anlage unter dem Kreditzins, geht der Hebel nach unten. Bereits bei einer Anlagerendite von 2 Prozent und einem gleich hohen Kreditzins von 4 Prozent rutscht die Anlegerrendite ins Minus. Wird nur gerade einmal das Anlagekapital erhalten, kommt sogar eine Minusrendite von 4 Prozent heraus.

Besonders windig sind Rechnungen, bei denen der vom Fonds aufgenommene Kredit doppelt so hoch sein soll wie die vom Anleger eingezahlte Einlage. Die Minusrendite fällt sogar zweistellig aus, wenn die Anlagerendite auf Null fällt und zum Beispiel Kreditzinsen von 5 Prozent gezahlt werden müssen.

Die hohen Vermittlerprovisionen vernachlässigen Anbieter und Vermittler in ihren Rechnungen. Dabei sind gerade einmalige und laufende Kosten große Renditekiller.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1133 Nutzer finden das hilfreich.