Anlegen im Zins­tief: Bequem und gut

Ob die Zinsen fallen oder steigen, die Börsen boomen oder crashen – das Pantoffel-Portfolio passt immer.

Geld­anlage im Zins­tief Test

Nach zehn Jahren ordentlich im Plus.

Zwölf Prozent in einem Jahr. So viel hat das Welt-Pantoffel-Portfolio mit der hälftigen Mischung aus Aktien- und Rentenfonds gebracht. Noch besser abge­schnitten hat das Deutsch­land-Depot. Es hat zwischen 30. Juni 2013 und 30. Juni 2014 fast 15 Prozent zugelegt. Sogar die Sicher­heits­variante mit dem Renten­anteil von 75 Prozent liegt knapp zwei­stel­lig im Plus.

Ihren ersten Praxis­test haben die im vergangenen Jahr von Finanztest entwickelten Pantoffel-Portfolios bestanden, siehe Welt-, Tiger- und Deutschland-Pantoffel-Portfolio. Zugegeben, die Test­phase war kurz und der Einstiegs­zeit­punkt im Rück­blick betrachtet günstig. Der globale Aktienmarkt, gemessen am Index MSCI World, hat in der Zeit 18 Prozent Plus gemacht, der MSCI Deutsch­land 24 Prozent.

In Ruhe steigenden Kursen zugucken

Umschichtungen waren in den Pantoffel-Portfolios nicht nötig. Wer sich vor einem Jahr für 10  000 Euro ein ausgewogenes Welt-Pantoffel-Portfolio gebaut hat, konnte sich gemütlich zurück­lehnen und brauchte nichts zu tun. Er hat immer noch ein ausgewogenes Depot, nur dass die Fonds darin jetzt nicht mehr 10  000 Euro, sondern 11 200 Euro wert sind.

Aus dem Aktienfonds­anteil von 5 000 Euro sind 5 800 Euro geworden, im Rentenfonds liegen 5 400 Euro. Das entspricht der anfäng­lichen Fifty-fifty-Mischung nicht mehr ganz – das Verhältnis ist jetzt ungefähr 52 zu 48, aber das ist noch kein Grund, das Depot anzu­fassen.

Umschichten nach Finanz­krisen

Geld­anlage im Zins­tief Test

Ab und zu umschichten, damit die Aufteilung wieder stimmt.

Umge­schichtet wird, wenn die Anteile im Portfolio um mehr als 20 Prozent von der anfäng­lichen Aufteilung abweichen. Die Schwelle ist über­schritten, wenn im ausgewogenen Depot mit zwei Fonds einer auf über 60 Prozent steigt – oder auf unter 40 Prozent fällt.

Dass das Depot trotz der stark gestiegenen Aktien­kurse noch so ausgewogen ist, liegt an den Rentenfonds mit den Staats­anleihen aus Euro­land, die im vergangenen Jahr ungewöhnlich gut gelaufen sind: 9 Prozent Plus, weil sich die Lage in den Krisenländern beruhigt hat.

Nicht immer läuft es so gemütlich. Wenn ein Anleger sein Welt-Pantoffel-Portfolio im Juli 2007, kurz vor der Finanz­krise, aufgebaut hätte, dann hätte er mehr zu tun gehabt. Ein gutes Jahr später, nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, wäre sein ausgewogenes Depot aus dem Gleichgewicht geraten. Nach dem Crash an der Börse war sein Aktien­anteil statt 5 000 Euro nur noch 3 230 Euro wert. Der Renten­anteil ist in derselben Zeit auf 5 330 Euro gestiegen. Insgesamt hätte der Anleger 14 Prozent Verlust gemacht und nur noch 8 560 Euro in seinem Depot gehabt.

Damit Aktien und Renten wieder im Gleichgewicht sind, müsste jeweils die Hälfte des Geldes drin­stecken, nämlich 4 280 Euro. Im Rentenfonds waren 1 050 Euro zu viel, im Aktienfonds zu wenig. Das heißt: Der Anleger musste Ende Oktober 2008 – als die Kurse an der Börse extrem nied­rig waren – für 1 050 Euro Rentenfonds verkaufen und dafür Aktienfonds kaufen.

Gegen­lenken hilft in allen Fällen

Das Beispiel zeigt, wie die anti­zyklische Anpassung funk­tioniert. Sind Aktien stark gefallen, kaufen die Anleger zu güns­tigeren Kursen nach. Erholen sich die Kurse wieder, profitieren sie davon umso mehr, weil sie mehr Aktienfonds­anteile im Depot haben als zuvor. Steigen die Aktien stark, nehmen die Anleger regel­mäßig Gewinne mit und schichten sie in sichere Rentenfonds um.

Nach der Umschichtung Anfang November 2008 hat es eineinhalb Jahre gedauert – bis April 2010 –, ehe das Welt-Pantoffel-Depot seinen Ausgangs­wert von 10 000 Euro wieder erreicht hätte. Das ist keine schlechte Bilanz dafür, dass der Aktienmarkt noch knapp 18 Prozent im Minus lag. Am Welt-Aktienmarkt hat es fast drei Jahre länger gedauert, ehe die Verluste aus der Finanz­krise wieder aufgeholt waren.

Wenn Märkte aus dem Ruder laufen

Auch wer sich für einen Pantoffel mit drei Bestand­teilen entschieden hat, muss ab und zu prüfen, ob alles noch passt.

Anleger müssen ihr Depot nicht ständig im Auge behalten. Es genügt, wenn sie ihre Bestände einmal im Jahr über­prüfen und zusätzlich, wenn die Aktienmärkte aus dem Ruder laufen. Dann könnte das Pantoffel-Portfolio aus dem Gleichgewicht geraten sein.

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