Tages­geld lohnt sich nicht mehr, Anleger suchen Alternativen. Aktien? Immobilien? Gold? Finanztest empfiehlt für eine vernünftige Rendite ein Pantoffel-Portfolio.

Das ist der Hammer: Zum ersten Mal in der Geschichte der Europäischen Zentral­bank gibt es negative Zinsen. Banken, die Geld bei der Zentral­bank parken, müssen dafür bezahlen. Private Anleger sind bisher davon verschont. Sie machen meist noch Plus, wenn sie Geld zur Bank bringen – aber viel ist das nicht, erst recht nicht nach Abzug der Inflation.

Anleger, die noch Geld mit ihrem Geld verdienen wollen, kommen an Aktien kaum vorbei. Aktien? Bloß nicht! Teufels­zeug! So reagieren viele, die schlechte Erfahrungen gemacht haben. Aber Aktien, richtig angefasst, sind eine gute Geld­anlage. Mit dem Pantoffel-Portfolio, einem Depotmix aus Aktienfonds und sicheren Zins­anlagen, lässt sich das Risiko der Märkte bändigen.

Der Zins, dein Freund und Helfer

Geld­anlage im Zins­tief Test

Wie habe ich aus 10 000 Euro in zehn Jahren 15 000 Euro gemacht?

Natürlich können sich Sparer mit den nied­rigen Zinsen begnügen. Allerdings müssen sie sich nied­rige Zinsen leisten können.

Anla­gebei­spiel: Ein Anleger mit einem Sparziel von 15 000 Euro müsste bei zehn Jahren Lauf­zeit und einer jähr­lichen Rendite von 6 Prozent rund 8 400 Euro anlegen. Bekommt er nur 2 Prozent Zinsen, muss er 12 300 Euro einzahlen, um sein Sparziel nach zehn Jahren zu erreichen.

3 900 Euro mehr? Die muss der Anleger erst einmal haben.

Mit dem Pantoffel-Portfolio konnten Anleger in den vergangenen zehn Jahren je nach Pantoffel­typ und Risiko­mischung Renditen zwischen 5,5 und 7,9 Prozent pro Jahr erzielen – trotz Finanz­krise und trotz der immer nied­rigeren Zinsen. Dabei sind Kauf- und Umschichtungs­kosten schon berück­sichtigt Tabelle Die Portfolios in der 10-Jahres-Bilanz.

Beliebte Anlagen im Renditecheck

Tages­geld und Fest­geld bringen fast nichts mehr ein. Auch andere beliebte Geld­anlagen wie die Lebens- oder Renten­versicherung werfen kaum noch Erträge ab. Alters­vorsorge mit Riester lohnt sich oft nur noch wegen der staatlichen Zulagen, mehr dazu im Special Riester-Rente: Zulage mit neuem Glanz. Höhere Rendite­chancen bieten einzig Riester-Spar­verträge mit Fonds, die auch Aktien kaufen.

Viele Deutsche investieren ihr Geld jetzt in Immobilien. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie teuer sie sich in den vieler­orts schon heiß­gelaufenen Immobilienmarkt einkaufen. Und es kommt darauf an, wie viel Kredit sie dafür aufnehmen. Zwar sind auch die Darlehens­zinsen auf historisch nied­rigem Stand, trotzdem kann eine Finanzierung über mehrere Jahr­zehnte teuer werden. Zudem bindet sie viel Kapital und macht unflexibel.

Außer Beton­gold lieben die Deutschen das Edel­metall. Während der Finanz­krise standen sie Schlange für Barren und Münzen. Doch der Gold­preis hat zuletzt kein Vergnügen bereitet: 1 317 Dollar (962 Euro) kostete die Fein­unze am 30. Juni 2014, vor zwei Jahren waren es 1 800 Dollar (1 380 Euro).

Eine weitere begehrte Geld­anlage sind Anleihen mit höheren Zinsen. Doch wo Zins drauf­steht, ist nicht zwingend Sicherheit drin – wie zahlreiche Ausfälle von Mittel­stands­anleihen oder die Pleite der Firma Prokon zeigen, die in großem Stil hoch­verzinste Genuss­rechte verkauft hat.

Im Vergleich handelt es sich bei Aktien, vor allem in Form breit streuender Fonds, um eine vernünftige Geld­anlage mit über­schaubaren Risiken – sofern Anleger sich ihr Depot richtig zusammen­stellen.

Rentabel und bequem anlegen

Das Pantoffel-Portfolio ist ein Depot­vorschlag für bequeme Anleger, die sich nicht ständig um ihre Finanzen kümmern wollen. Es setzt sich aus zwei bis drei Bausteinen zusammen, die unterschiedlich gewichtet werden können – je nachdem, wie viel Risiko Anleger eingehen wollen. Für die Rendite sorgen Aktienfonds, den Sicher­heits­baustein bilden Rentenfonds, die in europäische Staats­anleihen investieren.

Aktienfonds trotzen Krise

Nach fünf Jahren Boom liegen die Vorteile von Aktien klar vor Augen. Die Rendite am globalen Aktienmarkt seit Juni 2009 beträgt sagenhafte 16 Prozent pro Jahr. Keine Frage, dass sich mit Aktien viel Geld verdienen lässt. Anleger beschäftigt etwas anderes: Lohnt es sich noch einzusteigen oder sollten sie bis nach dem nächsten Crash warten?

Timing scheint eine schier unlös­bare Aufgabe. Aber wie die Berechnungen zum Pantoffel-Portfolio zeigen, kann man auch bei schlechtem Timing gut abschneiden.

Besonders ungünstig wäre etwa ein Einstieg in Aktien kurz vor der Finanz­krise gewesen. Der Dax auf einem Hoch bei gut 8 100 Punkten, dann der Crash auf rund 3 700 Punkte. Es hat fast sechs Jahre gedauert, ehe der Dax wieder über 8 100 Punkten stand. Mit dem Deutsch­land-Portfolio aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Renten wären Anleger schon nach etwas mehr als der Hälfte der Zeit wieder im Plus gewesen.

Sicherheit an jeder Ecke

Das Pantoffel-Portfolio haben wir mit 25, 50 und 75 Prozent Aktien­anteil berechnet. Anleger mit starkem Sicher­heits­bedürfnis empfinden auch einen 25-prozentigen Aktien­anteil möglicher­weise als zu viel. Doch die meisten vergessen, dass sie ohnehin noch sichere Geld­anlagen haben: die Lebens- oder Renten­versicherung, die Riester-Rente, die Immobilie oder eine betriebliche Alters­vorsorge. Auch ein Beamten­gehalt gibt Sicherheit. Vor diesem Hintergrund schrumpft ein 25-prozentiger Aktien­anteil rasch auf ein kleineres Maß zusammen.

Der Mix aus Aktien- und Rentenfonds ist nur ein Grund, warum sich das Pantoffel-Portfolio so schnell vom Kurs­einbruch an der Börse wieder erholt hat. Der zweite und genauso wichtige Grund ist die anti­zyklische Anpassung. Wenn sich die anfäng­liche Aufteilung zwischen Aktien- und Rentenfonds stark verschoben hat, sollen Anleger ihr Depot wieder ins Gleichgewicht bringen. Nach dem Crash der Aktien mussten sie Aktien nach­kaufen – die gab es günstig, weshalb Pantoffel-Anleger vom anschließenden Aufschwung der Börsen umso mehr abbekamen Pantoffel-Portfolio im Praxistest.

Glücks­jahr für Rentenfonds

Nicht nur für die Aktienmärkte waren die vergangenen Jahre gute Jahre. Auch die Rentenmärkte boomten. Das mag verwundern angesichts der nied­rigen Zinsen, doch Rentenfonds entwickeln sich besonders gut, wenn die Markt­zinsen immer weiter sinken (siehe Grafik).

Geld­anlage im Zins­tief Test

In den vergangenen fünf Jahren haben Rentenfonds mit Staats­anleihen aus Euro­land um mehr als 5 Prozent pro Jahr zugelegt, im vergangenen Jahr lag das Plus sogar bei über 9 Prozent. Eine Erklärung: Die Lage in den Krisenländern wie Spanien hat sich in den vergangenen zwölf Monaten beruhigt. In der Folge sind die Kurse der Staats­anleihen deutlich gestiegen. Jetzt liegen die Renditen der spanischen Papiere jedoch schon näher an denen der Bundes­anleihen, so dass mit einem solchen Ergebnis in der nächsten Zeit wohl nicht mehr gerechnet werden kann.

Sollten die Zinsen in nächster Zeit wieder steigen, ist es zunächst vorbei mit den Kurs­gewinnen für Rentenfonds. Es könnte eine kurze Verlust­phase geben, an deren Ende dann aber höhere Zins­erträge stehen.

Sparer, die keine Rentenfonds wollen, können den Sicher­heits­baustein im Pantoffel-Portfolio auch mit Zins­anlagen bestü­cken. Sie müssen dann aber mit geringerer Rendite rechnen. Tages­geld und Fest­geld bringen seit Jahren weniger ein als Fonds mit Zins­papieren. Das dürfte sich auf längere Sicht kaum ändern.

Aktienmarkt am Scheideweg

Über die kurz­fristige Entwick­lung am Aktienmarkt streiten sich die Experten. Die nied­rigen Zinsen sprechen für weiter steigende Kurse. Politische Unsicherheiten wie in Israel oder der Ukraine sowie gesenkte Konjunktur­prognosen sprechen dagegen Was die Aktienkurse treibt. Klar ist aber: Lang­fristig führt kein Weg an Aktien vorbei – wenn einem an höheren Renditen gelegen ist.

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