Geld­anlage im Zins­tief Special

1,5 Prozent für Tages­geld, das ist verflixt wenig – vor allem, wenn man die Inflation berück­sichtigt. Da steigt das Interesse an Geld­anlagen mit höheren Rendite­chancen wie etwa Aktienfonds. Bloß – welche Fonds sind für vorsichtige Anleger geeignet? Wie funk­tionieren ETF, börsen­gehandelte Indexfonds? Gibt es andere Anlagen, die vor Inflation schützen? Fragen wie diese erreichen uns häufig. Hier sind die Antworten.

Nied­rigzins­politik geht weiter

Kein Ende in Sicht: Erst kürzlich hat die amerikanische Noten­bank Fed ihre Nied­rigzins­politik wieder bekräftigt. Auch in der Eurozone verharrt der Leitzins auf 0,5 Prozent. Wer mit Tages­geld oder Fest­zins­produkten spart, bekommt oft noch nicht einmal einen Inflations­ausgleich. Die Erspar­nisse verlieren lang­sam an Wert. Wer das nicht länger mitmachen will, muss einen Schritt in Richtung mehr Risiko wagen. Eine wirk­lich gute Idee, auch für Einsteiger, ist eine kleine Beimischung von Aktienfonds, am besten welche, die welt­weit investieren. Wenn die Mischung passt, bleiben die Risiken über­schaubar (siehe Finanztest 9/2013). Doch welchen Anteil an Aktienfonds verträgt ein Depot? Können auch ältere Leute noch in riskante Fonds investieren? Was muss man beim Kauf von Fonds beachten? Wie funk­tionieren ETF? Das sind häufige Fragen unserer Leser, die wir hier beant­worten.

Übrigens: Noch mehr Fragen haben die Finanztest-Experten im Rahmen unseres Chats Geld Anlegen in der Niedrigzinsphase beant­wortet.

Erst Kredite abbezahlen

Meine Lebens­versicherung läuft bald aus. Wie lege ich das Geld, etwa 20 000 Euro, am besten an?

Die Beant­wortung der Frage setzt eine ausführ­liche Anla­geberatung voraus. Es kommt zum Beispiel darauf an, welche Geld­anlagen Sie sonst noch haben, wie lange Sie Ihr Geld anlegen und welches Risiko Sie dabei eingehen wollen. Haben Sie noch Kredite? Wenn ja, sollten Sie zunächst einmal die abbezahlen. Wahr­scheinlich wird Ihre Versicherung Ihnen ein neues Angebot erstellen. Das könnte, je nachdem, wie alt Sie sind, eine Sofortrente sein. Sie ist sinn­voll, wenn die gesetzliche Rente für den Lebens­unterhalt nicht ausreicht (siehe Finanztest 10/2013).

Wie könnte ich denn 15 000 Euro anlegen?

Das kommt unter anderem darauf an, ob Sie bereit sind, ein biss­chen Risiko einzugehen. Für eine längere Anlagedauer von sieben bis zehn Jahren können wir Ihnen zum Beispiel unser Pantoffel-Portfolio empfehlen. Das sind Anla­gestrategien für Leute, die sich nicht ständig um ihr Geld kümmern wollen. Ein Teil des Geldes fließt in sichere Anlagen, der andere Teil in riskantere (siehe Grafik). Es sind sehr bequeme Geld­anlagen, wie der Name verspricht. Einmal zusammen­gebaut, müssen Anleger ihr Portfolio nur noch ungefähr einmal pro Jahr prüfen und eventuell anpassen – falls sich die ursprüng­liche Zusammenset­zung erheblich verändert hat. Bestückt werden die Pantoffeln mit ETF, börsen­gehandelten Indexfonds. Die sind besonders pflegeleicht.

Indexfonds und ETF-Sparpläne

Ich habe noch nie einen ETF gekauft. Ist das auch etwas für Anfänger?

Aber sicher! Das Gute an ETF, die einen breiten Markt abbilden, ist: Hat man sie sich einmal ausgesucht, muss man sich so gut wie nicht mehr kümmern, sondern kann sie einfach laufen lassen. Allerdings sind ETF vielen Anlegern noch unbe­kannt. Die sper­rigen Namen der Fonds erleichtern den Zugang auch nicht gerade. Bei Aktien-ETF ist das Problem nicht so groß: Dass ein iShares Dax ETF den deutschen Aktien­index abbildet, versteht fast jeder. Komplizierter wird es beim db x-trackers iBoxx Sover­eigns Eurozone Ucits ETF, ein Indexfonds, der einen Renten­index nach­bildet. Dass dieser Fonds sichere Papiere wie Bundes­anleihen enthält, ahnen die wenigsten.

Was halten Sie von einem Dax-ETF-Sparplan? Ich bin Mitte 30 und möchte fürs Alter sparen.

Einen Aktien-Fonds­sparplan für die Alters­vorsorge abzu­schließen, ist eine gute Idee. Allerdings würden wir Ihnen dazu nicht unbe­dingt den Dax als Basis­wert empfehlen. Nehmen Sie besser einen ETF-Sparplan auf einen welt­weiten Index, den MSCI World zum Beispiel. Der ist breiter gestreut als der Dax. ETF-Sparpläne finden Sie kostengünstig bei verschiedenen Direkt­banken wie Comdirect, Cortal Consors oder Onvista.

ETF auf den Dax gibt es wie Sand am Meer, aber für welchen soll ich mich entscheiden?

Was die Wert­entwick­lung angeht, unterscheiden sich ETF, die denselben Index abbilden, in der Regel nicht sehr. Allerdings unterscheiden sie sich in der Methode, wie sie den Index nach­bilden, physisch oder synthetisch. Physisch heißt, die ETF kaufen die Aktien aus dem Dax. Das machen zum Beispiel der iShares Dax ETF oder der Deka Dax Ucits ETF. Andere bilden den Index synthetisch nach. Sie kaufen teil­weise ganz andere Wert­papiere und tauschen die Wert­entwick­lung dieses Wert­papierkorbes gegen die Wert­entwick­lung des Dax. Das Tausch­geschäft heißt Swap. Der Coms­tage ETF Dax TR ist ein solcher synthetischer ETF. Der Fonds hält 25 europäische Aktien, von denen 15 allerdings aus Deutsch­land sind. Swap-Part­nerin ist die Coms­tage-Mutter Commerz­bank. Was die Risiken angeht, unterscheiden sich die beiden Nach­bildungs­methoden nicht erkenn­bar. Daher ist es mehr oder weniger Geschmacks­sache, welchen ETF Sie kaufen.

Ohne Risiko keine Rendite

Ich fürchte, dass durch die Nied­rigzins­politik der Noten­banken die Inflation steigen wird. Sind Sach­werte wie Aktien oder Immobilien über­haupt als Inflations­schutz geeignet?

Geld­anlage im Zins­tief Special

Theoretisch sollten Aktien einen gewissen Inflations­schutz bieten, da die Umsätze und Gewinne der Unternehmen mit der Inflation steigen sollten. Praktisch war in der Vergangenheit aber kein dauer­hafter, eindeutiger Zusammen­hang zwischen Aktienrenditen und Inflations­raten zu beob­achten. Das hat unser Inflations-Check ergeben, indem wir die Entwick­lung verschiedener Anlagen seit 1970 analysiert haben (Finanztest 07/2010). Aktien boten durch­schnitt­lich die höchsten realen Renditen, ihr Wert schwankte aber auch stark. Auch der Wert von Immobilien steigt theoretisch mit der Inflation, wird aber tatsäch­lich oft von anderen Faktoren über­lagert, zum Beispiel der Standort­nach­frage. Fakt ist: Die Zinsen für sichere Geld­anlagen liegen derzeit nicht oder nur wenig über der Inflations­rate (siehe Grafik oben). Wenn Sie eine Rendite ober­halb der Inflations­rate anstreben, kommen Sie nicht umhin, außer Zins­anlagen auch riskantere Anlagen mit höheren Rendite­chancen wie zum Beispiel Aktienfonds beizumischen.

Was kann ich tun, wenn ich zwar mehr Rendite haben will, aber keine höheren Risiken eingehen möchte?

Mit sicheren Geld­anlagen bekommen Sie zurzeit keine höhere Rendite. Wenn Sie jedoch partout keine zwischen­zeitlichen Wert­schwankungen riskieren wollen oder können, dann sollten Sie tatsäch­lich keine Aktienfonds kaufen, sondern bei sicheren Produkten wie Tages­geld oder Fest­zins­sparen bleiben. Eine Möglich­keit, zumindest ein wenig mehr heraus­zuholen, bieten unsere Top-Zins­angebote (www.test.de/zinsen).

Die Mischung macht’s

In Ihrem Bericht „Zinsen mit Pep“ schreiben Sie, dass man nach fünf Jahren nicht im Minus landet. Stimmt das? Die Aktienmärkte waren in der Vergangenheit länger im Minus.

Wir haben das Depot als Ganzes betrachtet. Mit dem Aktienfonds alleine können Sie nach fünf Jahren durch­aus im Minus liegen, in unseren Simulations­rechnungen waren das im schlimmsten Fall bis zu 20 Prozent. Wenn allerdings der Aktienfonds am Gesamt­depot nur einen Anteil von 10 Prozent hat, dann können die Erträge aus den Zins­anlagen die Verluste der Aktienfonds durch­aus wieder ausgleichen (siehe Finanztest 09/2013).

Sie empfehlen zwei ETF auf den MSCI World, einen von iShares und einen von db x-trackers, die beide in US-Dollar notiert sind. Setze ich mich damit einem Währungs­risiko aus?

Die Währung des Fonds kann Ihnen egal sein. Es kommt darauf an, welche Papiere der Fonds kauft. Enthält er zum Beispiel nur deutsche Aktien, besteht kein Währungs­risiko, weil der Fonds dafür Euro einsetzen muss. Enthält der Fonds jedoch amerikanische Aktien, dann muss er die mit US-Dollar kaufen. Ein ETF auf den MSCI World besteht zur Hälfte aus amerikanischen Aktien. Allerdings über­wiegt das Kurs­risiko der Aktien das Währungs­risiko meist. (siehe test.de/fonds)

Thesaurierende versus ausschüttende Fonds

Bekomme ich bei jedem ETF auch die Dividenden?

Ja. Den Deka Dax Ucits ETF zum Beispiel gibt es in zwei Varianten. Bei der thesaurierenden Variante bleiben die Dividenden im Fonds­vermögen. Bei der ausschüttenden Variante werden sie Ihnen ausgezahlt. Normaler­weise empfiehlt Finanztest die thesaurierenden Fonds, weil Sie sich dann nicht um die Wieder­anlage der Erträge kümmern müssen. Bei ETF, die im Ausland aufgelegt sind, führt die thesaurierende Variante aber zu mehr Aufwand bei der Steuererklärung. Wenn Sie die Wahl haben, nehmen Sie in diesem Fall daher besser die ausschüttende Variante.

Ich habe mich für den Kauf eines ETF entschieden. Jetzt brauche ich ein Wert­papierdepot. Wo bekomme ich das denn am besten?

Ein Depot können Sie bei nahezu jeder Bank eröffnen. Am güns­tigsten sind Angebote über das Internet. Sie können entweder direkt zu einer Direkt­bank gehen oder das Online­angebot Ihrer Filial­bank nutzen. Sollten Sie mit Online­banking und auch mit Wert­papierorders noch keinerlei Erfahrung haben, dann wenden Sie sich am besten an den Berater in Ihrer Filiale.

Riskantes Edel­metall

Gold ist in Ihren Vorschlägen gar nicht dabei. Warum?

Geld­anlage im Zins­tief Special

Gold ist riskant. Die Preise schwanken stärker als die der Welt­aktienmärkte. Wir empfehlen Gold daher nur zur Beimischung in ein gutgestreutes Depot. Wenn Sie aber vorwiegend Zins­produkte behalten und nur rund 10 Prozent riskantere Anlagen kaufen wollen, bleiben Sie bei Aktienfonds Welt. Je mehr Risiko Sie wollen, desto eher passt auch ein wenig Gold zum Gesamt­depot.

Als Alternative empfehlen wir Ihnen den Rohstoff-Pantoffel. Dieses Portfolio enthält außer Aktien Welt und Renten Euro einen kleinen Teil Rohstoff­fonds. Um das Rohstoff­portfolio sinn­voll umzu­setzen, sollten Sie nur zur Hälfte in sichere Anlagen investieren (siehe Grafik links). Der Rohstoff­fonds hätte einen Anteil von 10 Prozent.

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