Geld­anlage für Kinder Special

Mit dem Größerwerden kommen Wünsche wie Schüler­austausch, Führer­schein oder Studium. Wer sie erfüllen will, sollte früh mit dem Sparen beginnen.

Die Freude über die Geburt eines Kindes öffnet Herzen – und Geldbeutel von Eltern, Groß­eltern, Onkeln und Tanten. Ob Führer­schein oder Ausbildung, Kinder sind teuer. Wie spart es sich am besten für den Nach­wuchs? Finanztest hat attraktive Angebote aus den jüngsten Tests zusammen­gestellt, die sich für diesen Zweck eignen.

Ausbildungs­versicherung unge­eignet

Ausbildungs­versicherungen, mit denen sich Versicherungs­vertreter kurz nach der Geburt an stolze Eltern wenden, sind selten eine gute Idee. Meist handelt es sich um kapital­bildende Lebens- oder Renten­versicherungen, häufig mit Fonds­investment, die viel zu hohe Kosten haben. Mehr dazu in unserem Special Ausbildungsversicherung, Finanztest 6/2014. Aus demselben Grund eignen sich auch Unfall­versicherungen mit angehängtem Sparplan nicht.

Attraktives Genossen­schafts­sparen

Sparbücher, wie sie beispiels­weise Wohnungs­genossenschaften anbieten, kommen dagegen infrage. 48 deutsche Wohnungs­genossenschaften versorgen Mitglieder aus ihrer Region nicht nur mit Wohnungen, sondern auch mit Spar­angeboten. Bei einem lukrativen Angebot ist die Pflicht, Genosse zu werden und Geschäfts­anteile kaufen zu müssen, kein Manko. Denn für die Anteile gibt es bei vielen Genossenschaften eine jähr­liche Dividende. Tritt der Sparer später aus der Genossenschaft aus, gibt es das Geld für die Anteile zurück. Gelegentlich fällt eine geringe Aufnahme­gebühr an. Für Kinder und Jugend­liche haben einige Institute besonders attraktive Angebote. Die Gewoba Nord etwa verzinst bei ihrem Produkt „Junior Sparen“ Beträge bis 5 000 Euro sogar mit 3 Prozent, Betrags­anteile ab 5 000 Euro mit immerhin noch 2 Prozent pro Jahr. Wie beim herkömm­lichen Spar­buch sind bis zu 2 000 Euro pro Monat frei verfügbar. Kündigungen sind mit einer Frist von drei Monaten möglich. Test Sparangebote von Wohnungsgenossenschaften: Mehr Zinsen als von der Bank, Finanztest 2/2015.

Rendite von 4,4 Prozent für Sparplan

Auch Sparplan­angebote von Wohnungs­genossenschaften sind empfehlens­wert. Heraus­ragend ist das Prämiensparen für Kinder von der Erfurter Wohnungs­genossenschaft Einheit mit einer Rendite von fast 4,4 Prozent pro Jahr für eine sechs­jährige Lauf­zeit. Mindestens 30 Euro pro Monat müssen Anleger einzahlen. Viele Institute haben zwar keine speziell für Kinder gestrickten Spar­angebote. Doch Sparbücher, Sparpläne und Fest­zins­anlagen können Mitglieder meist auch für Kinder abschließen. Es lohnt sich also, bei Wohnungs­genossenschaften in der Nähe nach aktuellen Angeboten zu fragen. Sorge, dass im Fall der Pleite einer Genossenschaft die Erspar­nisse für das Kind verloren sind, müssen Angehörige nicht haben. Seit Gründung des Selbst­hilfefonds des Bundes­verbands deutscher Wohnungs- und Immobilien­unternehmen im Jahr 1974 hat es noch nie eine Pleite gegeben.

Höherer Fest­geldzins bei Direkt­bank

Fest­geld­angebote, mit denen Sparer die Inflations­rate schlagen können, gibt es vor allem bei Direkt­banken. Dort sind mindestens 100 000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Bei welchen Banken Konten auf den Namen des Kindes eröffnet werden können, erfahren Sie, wenn Sie den Produktfinder Festgeld frei­schalten und dort den Filter „Angebot auch für Minderjäh­rige“ auswählen. Die Besonderheit: Bei Direkt­banken führen die Kunden die Konten häufig über das Internet. Einige Banken bieten zusätzlich die telefo­nische Konto­führung an. Manche haben auch Filialen, die Deniz­bank etwa in Frank­furt am Main, Berlin, Dort­mund, Mann­heim, München und Hamburg.

Mehr Rendite mit Indexfonds

Börsen­gehandelte Indexfonds (ETF) sind im Unterschied zu Sparbüchern und Fest­geld­angeboten keine risikofreie Geld­anlage. ETF steht für Exchange Traded Fund und bezeichnet einen Investmentfonds, der die Entwick­lung eines Börsen­indexes nach­bildet, etwa die des Dax, und deshalb Wert­schwankungen unterliegt. Die Fonds können zeit­weise auch ins Minus rutschen. Wollen Eltern oder Paten höhere Renditen als bei sicheren Zins­angeboten erzielen und haben sie dafür zehn oder mehr Jahre Zeit, bieten sich eine Einmal­anlage in einen ETF oder regel­mäßige Einzahlungen in einen ETF-Sparplan an. Die Anlage ist flexibel. Der Fonds kann jeder­zeit über die Börse verkauft werden. Die Höhe der Raten für ETF-Sparpläne, die manche Banken schon ab 25 Euro pro Monat anbieten, lässt sich kurz­fristig ändern oder sogar aussetzen. Empfehlens­wert ist ein Sparplan auf den globalen Aktien­index MSCI World, weil der Index viele unterschiedliche Aktien aus verschiedenen Ländern und Branchen enthält. Das verringert das Risiko. Bei einigen Direkt­banken gibt es die Sparpläne sogar ohne Neben­kosten. Filial­banken sträuben sich jedoch öfter, die Fonds zu verkaufen. Mehr dazu in unserem Test Fondssparpläne, Finanztest 7/2014.

Steuer­vorteile nutzen

Für Kurs­gewinne beim Fonds­verkauf ist genauso wie für Zins­erträge die 25-prozentige Abgeltung­steuer fällig. Läuft der Sparplan auf das Kind, kann es – wie Erwachsene – den Sparerpausch­betrag von 801 Euro im Jahr nutzen. Jedes Kind darf sogar Kapital­erträge bis zu 9 191 Euro im Jahr haben, ohne Steuern zu bezahlen. Der Betrag setzt sich aus dem Sparerpausch­betrag, dem steuerlichen Grund­frei­betrag von 8 354 Euro plus einer Ausgabenpauschale zusammen. Die Kapital­erträge für viele Kinder dürfen aber aus einem anderen Grund nicht so hoch sein. Über­steigen ihre Einkünfte 405 Euro im Monat, ist es mit der beitrags­freien Familien­versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse vorbei. Bei Spar­anlagen auf den Namen des Kindes müssen Angehörige vorsichtig sein, wenn sie Geld abheben. Verwenden sie das Geld nicht für das Kind, müssen sie die Erträge sogar im Nach­hinein versteuern. Angehörigen muss also klar sein, dass einmal verschenktes Geld dem Kind gehört.

Alle Tests im Über­blick

Hier finden Sie die besten Angebote für

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Leser­aufruf

Für unseren nächsten Test spezieller Angebote für Kinder möchten wir wissen, wie Sie für Ihren Nach­wuchs sparen. Was haben Sie abge­schlossen? Gab es Probleme, wenn Sie Verträge auf den Namen des Kindes abschließen wollten? Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen per Mail an Kinderkonten@stiftung-warentest.de oder per Brief an Stiftung Warentest, „Kinder­konten“, 10733 Berlin.

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