Kosten fürs Wert­papierdepot: 1 200 Prozent teurer

Geld­anlage Special

Peter Müller. Er hat sein Depot gekündigt.

Preis­explosion. Als Peter Müller Ende Februar das Schreiben der Bethmann Bank las, war er fassungs­los. Ihm wurde mitgeteilt, dass sein Wert­papierdepot künftig jedes Jahr mindestens 1 000 Euro plus Mehr­wert­steuer kosten werde. Bisher hatte die Bank 89,25 Euro verlangt. Eine Kosten­erhöhung von mehr als 1 200 Prozent sieht man selbst bei einer Privatbank nicht alle Tage.

Kündigung. Der 73-jährige gelernte Kauf­mann fackelte nicht lange, kündigte das Depot und über­trug den Inhalt zur Fonds­gesell­schaft DWS. Dort muss er gar keine Gebühren zahlen. Seine Entscheidung fiel ihm leicht, weil er auch in anderer Hinsicht mit der Bethmann Bank unzufrieden war. Sein Kunden­betreuer hatte ihm im Herbst 2007 empfohlen, alle Aktien und Fonds zu verkaufen und den Erlös in einen einzigen Fonds, den Bethmann Absolute Flex Interna­tional, zu stecken. Auch wenn dieser Fonds einen Mix aus Aktien und Anleihen bietet, ist er kein Ersatz für ein gut strukturiertes Wert­papierdepot. Seit dem Kauf liegt der Fonds immer noch mit rund 15 Prozent im Minus. Eine Fifty-fifty-Mischung aus einem breit streuenden Aktien- und einem Euro-Renten-Indexfonds hätte Müller dagegen ungefähr 30 Prozent Gewinn gebracht. Da ist es auch kein Trost, dass die Bethmann Bank beim Kauf auf einen Ausgabe­aufschlag verzichtet hat.

Stellung­nahme. „Die Bethmann Bank betreut ihre Kunden individuell und umfassend. Nicht zuletzt ein anhaltend steigender administrativer Aufwand (...) hat uns bewogen, Mindest­gebühren einzuführen“, recht­fertigt die Bank ihre Preis­politik auf Nach­frage der Stiftung Warentest.

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