Geld­anlage Special

Angefressen. Bank­gebühren, Provisionen und Management­spesen durch­löchern die Wert­entwick­lung.

Der sicherste Weg zu einer höheren Rendite heißt: Kosten senken. Wer unnötige Bank­gebühren oder Käufe vermeidet, macht mehr aus seinem Geld.

Anlegern geht schon mal der Blick für das Naheliegende verloren. Einer­seits jagen sie Zins­schnäpp­chen hinterher, um ein paar Zehntel­prozent mehr zu ergattern. Bei einer Anlage von 50 000 Euro bringt das nach Steuern oft nicht mehr als 100 bis 200 Euro Plus im Jahr. Anderer­seits verschenken sie viel Geld, indem sie hohe Gebühren für Wert­papierdepots oder Spesen für über­flüssige Umschichtungen hinnehmen. Allein jähr­liche Mehr­kosten von 0,4 Prozent summieren sich bei diesem Betrag in 20 Jahren auf fast 4 000 Euro.

Peter Müller aus Dort­mund, Leser unserer Schwesterzeit­schrift Finanztest, hätte es noch ärger treffen können. Ab Mai 2014 wollte die Bethmann Bank von ihm 1 000 Euro plus Mehr­wert­steuer pro Jahr fürs Wert­papierdepot kassieren. Bis dahin hatte sie jähr­lich nur 89,25 Euro verlangt. Müller kündigte sein Depot bei der Privatbank Kosten fürs Wertpapierdepot.

Depot­konto zum Null­tarif

Ein Tausender fürs Depot – solche Kosten sind zumindest für Durch­schnitts­anleger eher selten. Mehrere hundert Euro pro Jahr zahlen viele Kunden von Filial­banken aber durch­aus für die Verwahrung ihrer Aktien, Anleihen oder Investmentfonds.

Kunden können die Kosten schlag­artig auf Null senken, indem sie zu einer Bank mit kostenlosen Wertpapierdepots wechseln. Das ist einfacher, als viele denken.

Es reicht, den Antrag bei der neuen Bank auszufüllen und das alte Konto zu kündigen. Um den Über­trag der Wert­papiere und Investmentfonds kümmert sich die neue Bank. Manche Anleger über­tragen der Bequemlich­keit halber nur das Depot zu einem anderen Institut und lassen das Giro­konto, wo es ist.

Viele Filial­bank­kunden müssen nicht einmal einen neuen Anbieter suchen, um ein kostenloses Depot zu erhalten und künftig weniger für den Fonds- und Wert­papierkauf zu zahlen. Sie können inner­halb ihres Verbunds zur Direkt­bank wechseln. Bei Sparkassen ist das zum Beispiel der Sparkassen Broker, bei der Deutschen Bank die Platt­form maxblue.

Hin und her macht Taschen leer

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Auch wer seiner Bank trotz lästiger Gebühren die Treue hält, sollte nicht bedingungs­los deren Empfehlungen folgen. Oft verbirgt sich dahinter vor allem ein Motiv: Umsatz­provisionen. Am Verkauf gemanagter Investmentfonds verdienen Banken prächtig. Für den Einstieg in einen Aktienfonds verlangen sie bis zu 5 Prozent der Anlagesumme als Ausgabe­aufschlag. Kein Wunder, dass es die Neigung gibt, Umschichtungen zu empfehlen.

Bei Aktienhänd­lern gilt der Spruch: „Hin und her macht Taschen leer.“ Den sollten auch Privat­anleger beherzigen und Fonds oder Wert­papiere nur mit triftigem Grund verkaufen. Das kann eine veränderte Einstellung zum Risiko sein. Oder: Wer sein Geld für einen anstehenden Immobilienkauf braucht, sollte es nicht in schwankungs­anfäl­ligen Aktienfonds lassen.

Auch von Investmentfonds, die über viele Jahre schlecht gelaufen sind, sollten sich Anleger trennen. Besser ein Ende mit Schre­cken als ein Schre­cken ohne Ende.

Beim Kauf eines hoffentlich besseren Fonds können Anleger die Kosten drücken. Sie müssen nur verlangen, dass die Bank ihn nicht bei der Fonds­gesell­schaft, sondern über die Börse kauft. Dann zahlen sie keinen Ausgabe­aufschlag, sondern nur die deutlich geringeren Börsenspesen.

Noch güns­tiger ist es, auf börsen­gehandelte Indexfonds, sogenannte ETF (Exchange Traded Funds) zu setzen. Für sie sprechen neben güns­tigen Kauf­gebühren auch nied­rige Management­kosten: je nach Anla­gespektrum meist 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Bei gemanagten Aktienfonds betragen die Kosten oft das Drei- bis Vierfache. Das sollten Anleger im Hinterkopf haben, wenn ihr Bank­berater wieder einmal die Vorzüge der haus- oder verbund­eigenen Investmentfonds anpreist.

Neues Spiel, neues Glück?

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In voller Blüte. Dazu führen Investments, wenn Anleger auf nied­rige Kosten achten.

Banken verkaufen auch gern neu aufgelegte Fonds. Der Verkäufer kassiert auf jeden Fall seine Provision. Für den Kunden ist die Sache aus zwei Gründen heikel.

Erstens hat der Anleger keine Möglich­keit, die Qualität des Fonds zu beur­teilen, weil die Erfahrungen der Vergangenheit fehlen. Zweitens sind die Neukreationen meist auf Länder, Branchen oder Themen spezialisiert, was das Risiko für Anleger erhöht. Selbst nach Jahren sind viele mit solchen Investments tief im Minus.

Die Stiftung Warentest empfiehlt daher Fonds­anlagen mit einem möglichst breiten Spektrum, am besten global ausgerichtete Aktienfonds. Die bequemste und lang­fristig billigste Lösung sind Indexfonds (ETF). Sie bilden stur die Wert­entwick­lung von Aktienindizes nach.

Den deutschen Aktien­index Dax kennen selbst Leute, die sich für Wirt­schaft kaum interes­sieren. Mit einem Dax-ETF können sie direkt an seiner Entwick­lung teilhaben. Ein Dax-Indexfonds fasst Aktien von 30 deutschen Konzernen zusammen. Wir empfehlen allerdings eher unbe­kannte, breiter streuende Indizes wie den Welt­index MSCI World. Er bündelt rund 1 600 Unternehmen aus über 20 Ländern.

Die Zins­situation spielt Bank­beratern in die Hände. Da es mit Tages- oder Fest­geld kaum etwas zu holen gibt, ist so mancher Kunde dank­bar, wenn ein sicheres und vermeintlich lukratives Finanz­produkt aus der Schublade geholt wird. Mit hoher Wahr­scheinlich­keit handelt es sich um eine Anleihe, die in der Spitze eine Rendite um die 3 Prozent pro Jahr in Aussicht stellt und zum Ende der Lauf­zeit die volle Rück­zahlung des Anla­gebetrags verspricht.

Erfahrene Anleger wissen: In der Praxis ist diese Kombination kaum möglich. Gesichert ist vor allem die Vertriebs­vergütung für den Verkäufer. Für Kunden bringen die Papiere oft mehrere Nachteile: meist Kosten für Kauf und Verwahrung und eine unkalkulier­bare Rendite. So hängt bei „Korridor­anleihen“ die Verzinsung von der Entwick­lung des Aktien­indexes Dax ab. Für jedes Jahr, in dem sich der Dax inner­halb einer bestimmten Kurs­spanne bewegt, erhält der Anleger einen Extrazins. Sobald der Dax den Korridor unter- oder über­schreitet, bleibt nur ein geringer Basiszins übrig. Wie viel Rendite heraus­kommt, lässt sich nicht vorher­sagen.

Die Stiftung Warentest rät Anlegern von Zins­produkten mit komplexen Bedingungen und unklarer Verzinsung ab. Sie sollten nicht die Katze im Sack kaufen und gerade bei kurzen Lauf­zeiten keine Neben­kosten wie Ausgabe­aufschläge akzeptieren.

Tipp: Suchen Sie lieber nach einem ordentlich verzinsten Tages- oder Fest­geld. Die besten Angebote finden Sie jeden Monat in den Produktfindern Tagesgeld und Festgeld und Sparbrief.

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