Geld­abheben im Ausland

Geld­abheben im Ausland: Wie Sie Kostenfallen vermeiden

13.05.2019
Geld­abheben im Ausland - Wie Sie Kostenfallen vermeiden
In der Türkei stehen oft viele Geld­automaten neben­einander. Die bekannte ING kann eine teure Wahl sein. © Shutterstock / MDOGAN

Beim Karten­einsatz in Nicht-Euro-Ländern fallen oft dreierlei Kosten an. Zum Teil sind sie unver­meid­bar. Das ist neu.

Geld­abheben im Ausland Alle Testergebnisse für Geld abheben am Auto­maten in fremder Währung

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Inhalt

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in Antalya in der Türkei vor fünf Geld­automaten verschiedener Banken und müssen sich entscheiden, bei welchem Sie Geld abheben. Würden Sie die ING wählen, weil Sie die Bank von zu Hause kennen? Oder die Garan­tibank, weil der Name Vertrauen einflößt? Unser Test zeigt, dass beide teuer werden können.

Für uns waren 30 Test­personen in 6 Euro- und 23 Nicht-Euro-Ländern unterwegs. Sie haben mit Girocard und Kreditkarte 330-mal Geld am Auto­maten abge­hoben und 132-mal damit bezahlt.

Unser Rat

Landes­währung.
Lehnen Sie außer­halb der Euro-Länder am Geld­automaten die Sofortum­rechnung in Euro ab. Wählen Sie die Abrechnung in Landes­währung. Wählen Sie – wenn möglich – auch beim Bezahlen an der Laden­kasse die Abrechnung in Landes­währung.
Auto­maten­gebühren
. Vor allem außer­halb Europas berechnen viele Geld­automaten­betreiber Gebühren. Sie werden auf dem Display ange­zeigt. Suchen Sie einen Auto­maten, der eine geringere Gebühr erhebt oder ganz darauf verzichtet.
Karten­kosten.
Vielreisende sollten eine Karte nutzen, deren Einsatz keine oder nur geringe Gebühren kostet (Tabelle Mit Girocard und Kreditkarte im Ausland günstig abheben).

Wahl zwischen Pest und Cholera

Dabei haben sie Neues entdeckt: In sechs Ländern – Island, Polen, Serbien, Tschechien, Ungarn und der Türkei – gab es bei einigen Anbietern für unsere Tester keine güns­tige Lösung. Entweder wurde eine Geld­automaten­gebühr fällig oder ein schlechter Wechselkurs, der teil­weise noch mit einer Gebühr kombiniert war.

In der Türkei fanden die Tester aber auch positive Beispiele: Reisende gehen zum Geld­abheben am besten zur Halk­bank, zur Yapi Kredi oder der Ziraat Bank. Diese verlangen keine Gebühr für die Geld­automatennut­zung und sie bieten nicht an, den Abhebe­betrag sofort in Euro umzu­rechnen.

Bewusste Irreführung am Auto­maten

Den Trick mit der Sofortum­rechnung wenden viele andere Geld­automaten­betreiber in Ländern außer­halb der Euro-Zone an, um saftige Gebühren zu kassieren. Wenn Reisende Bares in ausländischer Währung abheben wollen, erscheint am Geld­automaten das Angebot, den Betrag gleich in die Heimatwährung umzu­rechnen (So werden Reisende zur Kasse gebeten). Der Tourist verliert damit Geld – der Wechselkurs ist meist viel schlechter als der Kurs, mit dem die Heimatbank abrechnet.

Dieser Masche können Reisende kaum entgehen – auch nicht beim Bezahlen im Geschäft. Das ergab unser Test. In 15 von 23 Nicht-Euro-Ländern stießen die Tester auf die teure Sofortum­rechnung. Wären sie der Empfehlung gefolgt, hätte der Verlust meist mehr als 5 Prozent betragen, in der Spitze sogar 13,7 Prozent (ČSOB Bank, Tschechien).

Wenn ein Reisender am Auto­maten die Sofortum­rechnung ablehnt und den richtigen Button drückt, wird oft nochmals nachgehakt, um ihn zu verunsichern. Ein typisches Beispiel ist die Anzeige an einem Euronet-Geld­automaten (siehe Fotos Euronet, Krakau (Polen) im Unter­artikel So werden Reisende zur Kasse gebeten).

Reisende können auch nicht davon ausgehen, dass bekannte Banken fairer sind. Die Commerz­bank in Tschechien war eine der frechsten Banken im Test. Wer dort am Auto­maten die Sofortum­rechnung wählt, zahlt 12,9 Prozent drauf.

Ob ein angegebener Wechselkurs in Ordnung ist, können Reisende nur einschätzen, wenn sie sich unmittel­bar vorher kundig gemacht haben. Da hilft es auch nichts, wenn es am Auto­maten heißt: garan­tierter fixer Wechselkurs, 0 % Provision oder 0 % Umrechnungs­gebühr. Das alles soll nur vom schlechten Wechselkurs ablenken.

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Vorsicht vor Extra-Auto­maten­gebühr

Auf DCC (Dynamic Currency Conversion, dyna­mische Währungs­umrechnung) – wie die Sofortum­rechnung in der Fach­sprache heißt – treffen Reisende vor allem in Europa.

Andern­orts – wie in den USA und in Südost­asien – gibt es am Auto­maten nur Extra­gebühren. Die bewegen sich zwischen umge­rechnet gut 2 Euro (Singapur) und rund 6 Euro (Thai­land). Dieser Gebühr können Reisende entgehen, wenn sie sich einen Auto­maten suchen, der güns­tiger oder gar gratis ist. Das geht nicht immer, in Thai­land etwa wird immer die gleiche Gebühr verlangt.

Gute Karten auf Reisen

Für den Karten­einsatz verlangen oft auch die Karten­heraus­geber Gebühren: fürs Bargeld­abheben und fürs Umrechnen der Fremdwährungen. In unserer Tabelle Mit Girocard und Kreditkarte im Ausland günstig abheben nennen wir als Beispiel die Gebühren von sieben Banken, die ein Giro­konto inklusive Girocard und Kreditkarte gratis anbieten. Nur mit der DKB-Kreditkarte ist Geld­abheben und Bezahlen im Ausland kostenfrei.

Andere kostenlose Kreditkarten, mit denen Geld­abheben im Ausland gratis ist und die nicht an ein Giro­konto gebunden sind, sind wegen der voreinge­stellten Teilzahlung kaum empfehlens­wert. Teilzahlung bedeutet, dass monatlich immer nur ein kleiner Teil der ausstehenden Rechnung beglichen wird und für den übrigen Betrag sehr hohe Zinsen berechnet werden.

Mit der Post­bank Sparcard können Reisende nur noch viermal im Jahr kostenlos Geld an Auto­maten mit dem Plus-Zeichen abheben. Das ist nicht viel, als Ergän­zung taugt sie aber allemal.

Verbraucherschützer von EU enttäuscht

Wer erwartet, dass der europäische Gesetz­geber etwas gegen den Wild­wuchs von schwer durch­schaubaren Wechselkurs- und Gebührentricks in der EU tut, wird enttäuscht. „Leider gibt es wenig Fort­schritt“, sagt Jean Allix vom Europäischen Verbraucher­verband BEUC. Die Währungs­umrechnung werde kompliziert bleiben.

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