Geld­abheben im Ausland Special

Form und Inhalt passen zusammen. Der schmuddelige Geld­automat der OTP Bank am Rande des Dolac Marktes in Kroatiens Haupt­stadt Zagreb lockt Touristen in die Abhebefalle.

Wenn Reisende Bargeld in ausländischer Währung abheben wollen, müssen sie aufpassen. Die Geld­automaten in Ländern ohne Euro-Währung entpuppen sich oft als moderne Wegelagerer: Sie schlagen die Sofortum­rechnung in die Heimatwährung vor und bescheren dem Reisenden damit einen hohen Verlust – in der Spitze über 12 Prozent. 20 Test­personen waren für Finanztest in 13 europäischen Ländern unterwegs und haben die dreisten Methoden der Auto­maten­betreiber aufgedeckt.

Umrechnungs­kurs mit Aufschlag

Sie stehen am Wegesrand und warten auf ahnungs­lose Touristen, um ihnen trick­reich Geld abzu­knöpfen: Geld­automaten. Sie schlagen zu, wenn Reisende Bares in ausländischer Währung abheben wollen. Dann erscheint auf ihrem Display das Angebot, den Betrag sofort in die Heimatwährung umzu­rechnen, oft mit Bemerkungen wie „fixer Kurs“, „Gebühren 0 %“ oder „keine Provision“ versehen. Doch in Wahr­heit verliert der Tourist mit der Sofortum­rechnung Geld, und das häufig nicht zu knapp. Der Umrechnungs­kurs enthält einen Aufschlag, den der Auto­maten­betreiber kassiert.

Zwischen 2,6 und mehr als 12 Prozent Verlust

Finanztest hat 20 Test­personen von Februar bis Mitte April 2016 in 13 europäische Länder geschickt, die nicht den Euro als Währung haben. Sie haben mit ihrer Girocard, einer Kreditkarte oder der Post­bank Sparcard Landes­währung an Geld­automaten verschiedener Anbieter abge­hoben. Sie haben auch in Geschäften einge­kauft und mit Girocard oder Kreditkarte bezahlt. In 11 von 13 Ländern boten Geld­automaten die Sofortum­rechnung in Euro an und deren Betreiber entpuppten sich als moderne Wegelagerer. Zwischen 2,6 und mehr als 12 Prozent Verlust hätten die Tester auf ihrem Konto verbucht, wenn sie der Empfehlung gefolgt wären. Das zu vermeiden, ist oft gar nicht einfach, denn die Benutzerführung an den Auto­maten ist unüber­sicht­lich und zum Teil wird dreist gelogen (Beispiele von Kopenhagen bis Zagreb).

Tsche­chische Bank schießt den Vogel ab

Besonders teuer war die Československá obchodní banka (ČSOB). Für den Auto­maten in Prag haben wir einen Verlust von 12,18 Prozent errechnet. Bei einem abge­hobenen Betrag von 4 000 tsche­chischen Kronen (rund 150 Euro) wären unserer Test­person gut 20 Euro mehr vom Konto abge­bucht worden, als wenn sie auf die Sofortum­rechnung verzichtet hätte. Auf dem Display war nichts über einen Kurs­auf­schlag oder eine Gebühr zu lesen. Nur ein kleiner Text am unteren Rand ließ ahnen, dass etwas faul war: „Über­zeugen Sie sich, dass Sie die mit der Währungs­umrechnung verbundenen Kosten verstehen. Sie können sich in Abhängig­keit davon unterscheiden, ob Sie Ihre Heimatwährung oder die Trans­aktions­währung wählen.“

Auch in Polen und Ungarn teuer

Kaum weniger wollten ein Auto­mat im polnischen Krakau mit 11,8 Prozent und einer im ungarischen Budapest mit 9,94 Prozent unseren Testern abknöpfen. Immer wurde ein schlechter Kurs angeboten. In Norwegen und Russ­land wurde unseren Test­personen keine Euro-Umrechnung angeboten. Es kann aber sein, dass es sie an anderen Auto­maten doch gibt.

Gleiche Falle beim Bezahlen im Laden

Geld­abheben im Ausland Special

Das Kassen­terminal in einer Baseler Sprüngli-Filiale hat die teure Umrechnung in Euro voreinge­stellt.

Die Sofortum­rechnung taucht – wenn auch nicht so häufig – auch beim Bezahlen im Geschäft auf. Unsere Tester stießen darauf in Groß­britannien, Kroatien, Polen, Ungarn und der Schweiz. Die Informationen darüber standen – wenn über­haupt – nur auf den Displays der Kartenlesegeräte. Meist tauchte erst auf dem Kassenbon ein Aufschlag auf den Wechselkurs auf. Der Verlust betrug zwischen 2 und 5 Prozent. Auf Nach­frage konnten die Verkäufer oft keine Auskunft darüber geben, welche Variante für den Kunden besser ist oder sagten, sie verstünden die Frage nicht.

Verbraucher müssen sich wehren

Auf DCC (Dynamic Currency Conversion, dyna­mische Währungs­umrechnung) – wie die Sofortum­rechnung in der Fach­sprache heißt – treffen Reisende auch in fernen Ländern wie den USA, Thai­land und China. „Ich halte diese Praxis für sehr problematisch“, sagt Maximilian Yang, Experte für Zahlungs­recht an der Freien Universität Berlin und Autor eines Fach­aufsatzes. „Verbraucher wissen oft nicht, dass sie auf Abrechnung in Orts­währung bestehen dürfen und scheuen Reklamationen bei Händ­lern und Banken. Die Politik nimmt DCC nur als Touristen­problem wahr. Die Anbieter kassieren weiter.“

Leser­aufruf – helfen Sie uns!

Haben Sie ähnliche Erleb­nisse an Geld­automaten in Nicht-Euro-Ländern gemacht? Oder ist Ihnen etwas anderes – Auffälliges, Merkwürdiges passiert? Was wurde auf dem Display des Geld­automaten oder am Karten­terminal im Laden ange­zeigt? Was stand später auf der Quittung? Schi­cken Sie Berichte, möglichst mit Belegen, gern auch mit Foto, per E-Mail (bitte nicht mehr als 8 MB Anhänge pro Mail!) an geldautomaten@stiftung-warentest.de oder per Post an Stiftung Warentest, „Geld­automaten“, Lützowplatz 11–13, 10785 Berlin.

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