Geld­abheben im Ausland Test

Istanbul: Der linke Auto­mat will es teuer, der rechte güns­tiger.

Vorsicht ist angebracht, wenn Geld­automaten im Ausland anbieten, die Landes­währung in Euro umzu­rechnen. Sie versprechen dabei zum Teil garan­tierte Wechsel­kurse oder den Verzicht auf Gebühren. Die Sicherheit durch das sofortige Umrechnen kommt Auslands­reisende aber teuer zu stehen. Tester stießen auf dreiste Abzock­methoden, als sie in neun Ländern außer­halb der Euro-Zone mit Bank- und Kreditkarten Geld abhoben.

Bargeld – tatsäch­lich ohne Gebühren?

Die Kleine hüpft in der Prager Altstadt im sündhaft teuren Glitzer-T-Shirt herum, das sie gerade erquengelt hat. Der Große führt eine neue Jacke spazieren, weil die alte seine Kletterei nicht über­lebt hat. Ergebnis: In der Urlaubs­börse stecken kaum noch tsche­chische Kronen. Zum Glück ist ein Geld­automat mit Citi­bank-Logo in Sicht. Schilder über dem Auto­maten verheißen Bargeld ohne Gebühren: „0 % Commission“ und „Change 0 % Netto“. Schnell die Bank­karte in den Schlitz, nebenbei die Kinder im Auge behalten. Der „Konto­belastungs­betrag“ ist in Kronen und Euro wähl­bar. „Der Wechselkurs beinhaltet 0 % Mark-up“, steht dabei. Scheint also von den Kosten her egal zu sein ... He, hör sofort auf, deine Schwester zu schubsen! Schnell auf einen Knopf drücken. Her mit den Scheinen.
Leser­aufruf: Welche Erfahrungen haben Sie an Geld­automaten in Nicht-Euro-Ländern gemacht? Was wurde ange­zeigt und was abge­rechnet? Schi­cken Sie Ihre Berichte, möglichst mit Belegen, gern auch mit Foto an geldautomaten@stiftung-warentest.de.

Umrechnen ist immer teurer

Geld­abheben im Ausland Test

Fies gestaltet: Ein „garan­tierter Wechselkurs“ lockt in die teurere Variante.

Fies gestaltet: Der Auto­mat von Euronet in Prag zahlt tsche­chische Kronen mit oder ohne Umrechnung in Euro aus. Will der Kunde die Umrechnung nicht, wird die Schrift rot. Ein „garan­tierter Wechselkurs“ lockt in die teurere Variante.

Die linke Hälfte der Anzeige färbt sich rot. Sieht nach einem Fehler bei der Eingabe aus, war wohl der falsche Knopf, der mit den Kronen. Der Auto­mat bietet aber die Chance, das noch in den Euro-Betrag zu ändern. „Garan­tierter Wechselkurs“ steht auf der Anzeige. Ist auch besser. Der Urlaub wird eh immer teurer als geplant. Da ist es doch gut, wenn auf dem Konto­auszug nach der Reise keine böse Über­raschung durchs Umrechnen droht. Die Sicherheit durch das sofortige Umrechnen kommt Auslands­reisende teuer zu stehen. Das haben wir fest­gestellt, als wir im Februar und März 2014 Tester in neun Ländern außer­halb der Euro-Zone mit Bank- und Kreditkarten Geld abheben ließen.

Auto­maten­betreiber kassieren kräftig

Geld­abheben im Ausland Test

Schlechtes Geschäft: Der Auto­mat im polnischen Misdroy zeigt 7 Prozent Aufschlag für die Umrechnung in Euro an. Tatsäch­lich sind es sogar fast 10 Prozent.

Schlechtes Geschäft: Der Geld­automat im polnischen Misdroy zeigt 7 Prozent Aufschlag für die Umrechnung in Euro an. Das wäre schon viel. In Wirk­lich­keit betrug der Unterschied zum Kurs der Haus­bank sogar 9,6 Prozent.

In fünf Ländern boten die Auto­maten an, die Landes­währung sofort in Euro umzu­rechnen. Hätten unsere Tester diese Variante gewählt, wäre sie das immer teurer gekommen als ohne Umrechnung. Zwischen 2,5 und 9,6 Prozent Verlust hätten sie durch die schlechten Kurse gemacht. Die Auto­maten in Tschechien und der Schweiz boten in allen Fällen eine Sofortum­rechnung in Euro an, in Polen, Groß­britannien und der Türkei war das zumindest manchmal der Fall. Dabei stellt der Auto­maten­betreiber einen Kurs, in den er einen Aufschlag einrechnet. Vor allem in Tschechien, in Polen und in Groß­britannien war das sehr teuer. Tückisch: Die Auto­maten­anzeige ist oft so gestaltet, dass Kunden intuitiv die teure Variante wählen. Auf dem Auszug zuhause erscheint dann nur der Euro-Betrag. Daher bemerken viele Reisende nicht, dass sie ein schlechtes Geschäft gemacht haben.

Es geht auch fair

In Dänemark, Schweden, Bulgarien und Mazedonien nannten die Auto­maten nur die Landes­währung. Das ist besser. Der Betreiber sendet den Abhebe­betrag an die Bank, von der die Karte des Kunden stammt. Diese rechnet in Euro um – in der Regel mit einem fairen Wechselkurs – und weist den Vorgang auf dem Konto­auszug aus.

Euronet versteckt sich – kein Wunder

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Kunden, die in die Euro-Falle getappt sind, können sich nicht bei ihrer Haus­bank beschweren, denn für den schlechten Kurs ist der ausländische Geld­automaten­betreiber zuständig. Dieser ist nicht immer leicht zu erkennen. Den Auto­maten mit dem Citi­bank-Logo in Prag betreibt zum Beispiel gar nicht die Citi­bank, sondern der welt­weit tätige Zahlungs­dienst­leister Euronet. Das Euronet-Logo war in der Anzeige rechts oben zu sehen, aber viel unauffäl­liger als das der Citi­bank. Das über­rascht uns nicht: Wer will seinen Namen schon prominent präsentieren, wenn er Kunden so unfair behandelt?

Dreiste Aufschläge in Tschechien

Mit je 2,5 Prozent waren die Verluste in der Schweiz moderat. Die Auto­maten wiesen außerdem auf „Umrechnungs­zuschläge“ hin und nannten teil­weise 3 Prozent. Dagegen war in Tschechien keine Rede von Kosten, obwohl die Auto­maten­betreiber dort besonders heftig zulangten. Die Kunden erhielten in Prag zwischen 7,3 und 9,4 Prozent weniger für ihre Euro, als wenn sie die Abrechnung in Landes­währung ausgewählt hätten. Das ist dreist.

Teuerste Abhebung in Polen

Das schlechteste Geschäft hätten unsere Tester in Polen gemacht. Der Auto­mat der Bank Pekao zwischen einem Friseur und einer Imbiss­bude in Misdroy an der Ostseeküste nannte ihnen 7 Prozent „Kurs­auf­schlag“. Das war aber noch untertrieben. In Wirk­lich­keit hätten die Kunden einen Verlust von 9,6 Prozent gemacht. Ähnliche Erfahrungen hatte ein Finanztest-Leser bereits 2012 in Krakau gemacht. Die Raphaels Bank in London dagegen nannte am Auto­maten sogar höhere Gebühren als die Kurs­differenz, die Finanztest errechnet hat. Dennoch hätte sich die Freude in Grenzen gehalten: Statt der ange­zeigten 7,5 Prozent fielen immer noch üppige 6,1 Prozent Aufschlag an.

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