Geld fürs Studium Meldung

Arbeiten, um zu studieren. Steve Tobinski jobbt schon jetzt 15 Stunden in der Woche. Er hilft beim ­Farbenhersteller ­Relius im Lager und sortiert Pakete beim Kurierdienst UPS. Mit Studiengebühren müsste er noch mehr arbeiten.

Ab 2006 verlangen die ersten Bundesländer Studiengebühren. Viele Studenten brauchen dann mehr Geld. Die KfW und ein privater Bildungsfonds stehen bereit.

Jeden Morgen klingelt bei Steve Tobinski um 4.40 Uhr der Wecker. Dann macht er sich auf den Weg zum Paketdienst UPS in der Berliner Lengederstraße, um mindestens zwei Stunden lang die Sendungen zu sortieren. Anschließend fährt er zur Uni.

Der 27-Jährige ist im zehnten Semester, Studienfach Mathematik und Physik. Mindestens zweimal in der Woche arbeitet er außerdem im Servicecenter des Farbenherstellers Relius: hilft im Lager, mischt Farben und springt bei Krankheit und ­Urlaub von Kollegen ein.

Mit beiden Jobs finanziert er sein Studium. Seine Eltern können ihn nicht unterstützen und Bafög bekommt er nicht, weil er das Studienfach gewechselt hat.

Studiengebühren kommen 2006

Geld fürs Studium Meldung

Finanztest hat die Wissenschaftsministerien der Bundesländer gefragt, ob und wann sie Studiengebühren für das Erststudium einführen.

Finanztest hat die Wissenschaftsministerien der Bundesländer gefragt, ob und wann sie Studiengebühren für das Erststudium einführen.

Steve Tobinski hofft, dass ihm Studiengebühren erspart bleiben. Berlin plant zumindest derzeit keine. Doch für Studenten in Hamburg, Niedersachsen und Bayern wird es schon im nächsten Jahr ernst, für die in Baden-Württemberg und dem Saarland erst später.

Im Januar 2005 hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) entschieden, dass die Bundesländer selbst bestimmen dürfen, ob sie Studiengebühren für das Erststudium erheben oder nicht. Bis dahin hatte das Hochschulrahmengesetz solche Kosten verboten.

Nur von Studenten, die die Regelstudienzeit stark überschreiten, kassieren die meisten Bundesländer schon heute Geld.

Bisher haben sich nur die fünf genannten Bundesländern eindeutig zur Einführung von Studiengebühren geäußert. Sie wollen maximal 500 Euro pro Semester verlangen. Die müssen die Studenten dann in der Regel in einer Summe vor Semesterbeginn bezahlen.

„500 Euro pro Semester sind eine Menge Holz. So viel Geld muss man erst mal ranschaffen“, sagt Steve Tobinski. „Müsste ich diese Gebühren auch noch bezahlen, würde ich aber erst einmal versuchen, noch mehr zu arbeiten.“ Doch er hätte dann auch eine andere Möglichkeit.

Die ersten Kredite speziell für Studenten sind schon in Sicht. Zugleich mit seinem Studiengebührenurteil hatte das Bundesverfassungsgericht nämlich gefordert, dass es sozial verträgliche Finanzierungsmöglichkeiten geben muss.

Kredit von staatlicher Bank

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Schulden fürs Studium. Christoph Koenig, Student der Erziehungs-
wissenschaften in Hamburg, würde eher einen Kredit aufnehmen, als fürs Studium zu jobben. „Doch ­damit darf nicht verbunden sein, dass ich auf bestimmte Studienschwerpunkte festgelegt bin.“

Die staatliche KfW Förderbank will zum Wintersemester 2005 einen Studienkredit anbieten, egal ob die Länder sich für Studiengebühren entscheiden oder nicht.

Der Kredit soll bundesweit allen Studierenden offen stehen – unabhängig von ihrem Studienfach, dem Einkommen und Vermögen der Eltern sowie nachgewiesenen Sicherheiten. Vorgesehen ist ein maximaler monatlicher Förderbetrag von 650 Euro, der höchstens für zehn Semester gezahlt wird.

„Der variable Zins wird sich am Kapitalmarkt orientieren. Nach derzeitigem Stand liegt er zwischen 5 und 5,5 Prozent. Er wird dann halbjährlich angepasst“, sagt Klaus Müller von der volkswirtschaftlichen Abteilung der KfW. „Die Rückzahlung soll einkommensunabhängig und die Belastungen vertretbar sein.“

Man gehe von einer Rückzahlung innerhalb von zehn Jahren aus. „Wer aber keine Arbeit findet oder Kinder hat, bekommt dafür bis zu 25 Jahre Zeit.“

Die KfW will aber auch die Möglichkeit geben, die Tilgung weitgehend flexibel zu gestalten. Wer zum Beispiel nach dem Examen unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze liegt, kann eine Stundung der Raten beantragen.

Kredit aus privatem Bildungsfonds

Christoph Koenig, angehender Erziehungswissenschaftler an der Uni Hamburg, würde eher einen Kredit aufnehmen, als für das Studium zu jobben. „Ich würde dafür aber keine Kompromisse bei der Wahl der Studienschwerpunkte machen.“ Das aber müssten wohl Studenten, die Geld aus dem ersten überregionalen Bildungsfonds des Münchener Finanzdienstleisters Careerconcept bekommen wollen. Gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig hat er den „Bildungsfonds Exklusiv I“ zur Studienfinanzierung aufgelegt. Füllen sollen den geschlossenen Fonds private Anleger, die Anteile ab 5 000 Euro kaufen können.

Im Unterschied zur KfW unterstützt der Fonds nur ausgesuchte Studenten, zunächst rund 2 000. Sie müssen in einem mehrstufigen Auswahlverfahren ihre Leistungsstärke beweisen. Denn von ihren ­Berufs- und Aufstiegschancen hängt die spätere Rendite für die Anleger ab.

Nach Studienabschluss müssen die ­Geförderten nämlich über einen Zeitraum von drei bis zehn Jahren einen festen ­Prozentsatz – zwischen 3 und 8 Prozent – vom Bruttoeinkommen an den Fonds ­zurückzahlen.

Die genauen Konditionen werden mit den einzelnen Studenten per Vertrag festgelegt. Entscheidend sind die Höhe des ­Finanzierungsbetrags und die Berufsaussichten des gewählten Studienfachs.

In der Förderphase bekommen sie bis zu 1 250 Euro monatlich oder eine einmalige Zahlung, zum Beispiel für Auslandsaufenthalte oder die Promotion.

Careerconcept hat bereits sieben regionale Studienfonds an den Markt gebracht. Der erste hat im vergangenen Jahr zunächst 50 Studenten der Technischen ­Universität München finanzielle Unterstützung gegeben. Inzwischen reicht das Geld für mehr als 150 Studenten. Weitere ­Bildungsfonds gibt es zum Beispiel für ­Studenten der Gisma Business School in Hannover und der Leipziger Handelshochschule.

Bei Steve Tobinski wird auch weiterhin früh der Wecker klingeln. An geliehenes Geld mag er gar nicht denken. „Mit einem Kredit wären mir die Schulden zu Beginn des Berufslebens zu hoch.“

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