Geld für die Pflege Special

Nach dem aktuellen Test der Pflegeversicherung von Finanztest wollten es viele Lese­rinnen und Leser noch genauer wissen: Lohnt sich der Abschluss einer Pflege­zusatz­versicherung auch mit über 70 Jahren? Zahlen gesetzliche und private Versicherungen für Pflege im Ausland? Wann muss ich für meine Eltern zahlen? Finanztest beant­wortet die wichtigsten Leserfragen.

Lohnt es sich für mich noch, eine Pflege­zusatz­versicherung abzu­schließen? Ich werde im Dezember 73 Jahre alt.

Eher nicht. Eine private Pfleg­etagegeld­versicherung ohne staatliche Förderung, wie wir sie in dem Test in der Mai-Ausgabe empfehlen, werden Sie vielleicht nicht mehr bekommen – je nachdem, wie gesund Sie sind. Dann bleiben Ihnen nur geförderte Verträge („Pflege-Bahr“), in denen die Versicherer Kunden mit Vorerkrankungen ohne Risiko­zuschläge annehmen müssen. Damit können Sie sich aber nicht ausreichend absichern und die Beiträge sind in Ihrem Alter im Verhältnis zur Leistung sehr hoch. Ein 70-jähriger Neukunde müsste für einen geförderten Vertrag bereits bei Vertrags­schluss ungefähr 60 Euro Monats­beitrag bezahlen. Dafür erhält er zum Beispiel in Pfle­gestufe 0 (Demenz) nur 60 Euro Leistungen im Monat – die Versicherung bringt ihm also nichts. Falls der Beitrag in Zukunft steigt, zahlt der Kunde in diesem Fall drauf, denn er muss auch im Pflegefall die Beiträge immer weiterzahlen. Auch in den Pfle­gestufen I und II sieht es nicht viel besser aus. Für ältere und kranke Menschen ist es außerdem wichtig zu wissen, dass sie in den ersten fünf Jahren nach Vertrags­schluss keinen Anspruch auf Leistungen aus der Versicherung haben.

Bedeutet eine Warte­zeit von fünf Jahren in geförderten Tarifen, dass ich niemals Geld von der Versicherung erhalte, wenn ich vor Ablauf der Frist pflegebedürftig werde?

Nein, nach Ablauf der fünf Jahre Warte­zeit beginnt der Versicherer, Ihnen die vereinbarte Leistung zu zahlen.

Bis zu welchem Alter sollte man eine Zusatz­versicherung abge­schlossen haben?

Eine gute Zeit für die Entscheidung ist zwischen Mitte 40 und Ende 50. Dann sind Sie noch nicht zu alt, um eine gute Versicherung zu bekommen, und können Ihre Finanzen einigermaßen über­blicken. Private Pfleg­etagegeld­versicherungen sind nur für solche Kunden sinn­voll, die ganz sicher sind, dass sie die hohen und in Zukunft wahr­scheinlich weiter steigenden Beiträge über Jahr­zehnte aufbringen können. Unsere Modell­kunden im Test, die den Vertrag mit 55 Jahren abschließen, zahlen schon bei Vertrags­schluss 85 Euro Monats­beitrag. Wer den Vertrag kündigen muss, verliert das bis dahin gezahlte Geld und seinen Versicherungs­schutz.

Wie sieht die optimale Absicherung in Pfle­gestufe I, II und III aus, die man abschließen sollte?

Wir haben für unseren Test den Finanzbedarf für eine gute, professionelle Pflege aufgrund heutiger Werte geschätzt und so die Lücke ermittelt, die trotz Leistung der gesetzlichen Pflege­versicherung noch zu schließen ist. Bei häuslicher Pflege bleiben nach Abzug der gesetzlichen Leistungen beispiels­weise folgende monatliche Kosten: in Pfle­gestufe I bleiben 530 Euro offen, in Pfle­gestufe II sind es 1 270 Euro und in Pfle­gestufe III sogar 2 320 Euro.

Zahlen gesetzliche und private Versicherung auch für Pflege im Ausland? Gibt es dabei Unterschiede zwischen Europa und Ländern wie Thai­land?

Aus der gesetzlichen Pflege­versicherung können Sie auch im europäischen Wirt­schafts­raum und in der Schweiz Pflegegeld beziehen. Sie haben aber keinen Anspruch auf die höheren Pflegesach­leistungen. Das sind die Zahlungen, die eine Pflegekasse direkt an einen ambulanten Pflege­dienst oder an ein Pfle­geheim über­weist. Außer­halb des europäischen Wirt­schafts­raumes haben Sie keinerlei Anspruch auf gesetzliche Leistungen. Die meisten privaten Versicherer zahlen ebenfalls inner­halb Europas, daneben gibt es einige Angebote, die auch bei dauer­haftem Aufenthalt im außer­europäischen Ausland Leistungen bieten. Bei manchen Versicherern müssen Sie dies aber ausdrück­lich vereinbaren und unter Umständen einen Zuschlag auf den Versicherungs­beitrag zahlen. Sie sollten in jedem Fall bedenken, dass es im Ausland aufwendig ist, die Pflegebedürftig­keit fest­stellen oder sich in eine höhere Pfle­gestufe einstufen zu lassen.

Wer kann mir berechnen, wie hoch ich als Tochter belastet werde, wenn das Vermögen meiner Mutter aufgebraucht ist und ihre Rente nicht zur Deckung der Pflege­kosten reicht? Und wie sieht dies bei meinem Mann aus?

Genau berechnen kann das ein Fach­anwalt für Familien­recht oder Sozialrecht. Allgemein gilt: Einem unter­halts­pflichtigen Kind müssen wenigs­tens 1 600 Euro vom monatlichen Netto­einkommen bleiben. Wer also ohnehin weniger als 1 600 Euro netto im Monat verdient, muss nichts für die Pflege seiner Eltern zahlen. Für Verheiratete gilt: Von den beiden Einkommen der Partner bleiben mindestens 2 880 Euro unantast­bar. In der Praxis ist der Selbst­behalt der unter­halts­pflichtigen Kinder aber noch höher, weil zum Beispiel auch Ausgaben für die eigene Alters­vorsorge oder Unterhalt für eigene Kinder Vorrang vor dem Eltern­unterhalt haben.

Wie werden die Kosten der Pflege zwischen mehreren Kindern verteilt, wenn die Rente und das Vermögen der Eltern aufgebraucht ist?

Zunächst wird von den Kindern natürlich nur derjenige zum Unterhalt für die Eltern heran­gezogen, der selbst genug verdient. Wenn mehrere Kinder leistungs­fähig sind, wird die Unter­halts­last unter den Kindern gemäß ihrem Einkommen verteilt. Ein Beispiel: Eine Tochter kann bis zu 100 Euro monatlich Unterhalt zahlen und ihr Bruder 300 Euro. Die offenen Heim­kosten betragen 300 Euro im Monat. Dann hat die Tochter von den 300 Euro ein Viertel (75 Euro) zu über­nehmen und der Bruder drei Viertel (225 Euro).

Müssen nur leibliche Kinder für die Eltern zahlen oder werden Schwieger­kinder ebenfalls einbezogen?

Die Schwieger­kinder sind nie direkt unter­halts­pflichtig. Ihr Einkommen wird allerdings bei der Frage berück­sichtigt, wie leistungs­fähig ihr Ehepartner ist, also die Tochter oder der Sohn des pflegebedürftigen Menschen. So kann es kommen, dass eine Hausfrau ohne eigenes Einkommen Unterhalt für die Pflege ihrer Eltern zahlen muss, weil ihr Ehemann sehr gut verdient.

Ich bin jetzt 66 Jahre alt, Alters­rentnerin und noch relativ gut drauf. Unterstüt­zung, Hilfe oder Pflege für später aus familiärem Umfeld kann ich nicht erwarten, da ich keine engeren Angehörigen habe. Was kann ich tun? Das bisher Ersparte bei guter Gesundheit voll genießen und darauf bauen, dass die eventuell später anfallenden Pflege­kosten schon irgendwie bezahlt werden?

Wie Sie Ihr Geld ausgeben, ist natürlich Ihre Entscheidung. Sie können aber jetzt noch Einfluss darauf nehmen, wo und in welchem sozialen Umfeld Sie alt werden wollen. Vielleicht kommt für Sie ja eine Wohn­anlage infrage, in der Hilfe­leistungen angeboten werden oder in der Menschen wohnen, deren gemein­sames Konzept es ist, sich zu unterstützen – unabhängig von der verwandt­schaftlichen Nähe. So können Sie vorbeugen für den Fall, dass Sie irgend­wann einmal schwächer werden. Auch wenn Sie pflegebedürftig werden sollten, können generationenge­mischte Wohn­formen einiges abfedern.

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