Götterspeise und Dragees

Die Angst vor dem Rinderwahn macht nicht Halt vor der Fleischtheke. Die jahrelange Berichterstattung über die tückische Seuche hat dem Verbraucher eindringlich vor Augen geführt, dass Tierisches mitnichten nur in Form von Steak und Schweinebraten auf dem Teller landet. Fast alles vom Rind -­ und auch vom Schwein -­ lässt sich verwerten: für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika und Nahrungsmittel.

Beispiel Gelatine: Vor allem in der Süßwarenindustrie läuft ohne sie fast nichts. Mal abgesehen von der Götterspeise, dem Wackelpeter, und den heiß geliebten Gummibärchen ­ Gelatine sorgt für Stabilität und Elastizität in Negerküssen, Marshmallows, Riegeln, Weichkaramellen, Lakritz und Tortencremes. Sie steckt in Eiscreme, umhüllt Schokolinsen, macht Frucht- und Rührjoghurts, Quarkspeisen, Puddings, diverse Fertigdesserts, Mousses und Cremes stichfest.

Klar und schnittfest präsentiert sie sich als Aspik in Fleisch- und Fischwaren: in allen Sülzen, in Hering oder Krabben in Gelee. Kaum sichtbar steckt sie in Fleischkonserven, in Cornedbeef und Dosenschinken, wo sie den heraustretenden Saft bindet. Völlig unauffällig kann selbst eine Salami oder eine andere Dauerwurstsorte einen Gelatine-Schutzüberzug haben, der sie vor Austrocknung schützt. Und wer weiß schon, dass Gelatine auch zur Klärung, zur Ausflockung von Trübstoffen, bei Weinen und Säften eingesetzt wird. In Amerika ist diese so genannte Schönung selbst für Bier erlaubt und üblich. Im geschönten Endprodukt ist dann allerdings keine Spur mehr von dem tierischen Eiweißstoff: Er wird zum Schluss wieder ausgeflockt.

Übrigens: Wer der Speisegelatine nicht vertraut, kann zu Hause auch etliche pflanzliche Alternativen nutzen.

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