Pro und Kontra: Wie sicher ist Gelatine?

Pro: „Das Risiko ist nahezu null“

Interview mit Diplom-Ingenieur Reinhard Schrieber, Vorstand der DGF Stoess AG, einer der weltgrößten Gelatinehersteller. Ehemals Präsident der Vereinigung europäischer Gelatinehersteller (GME).

"Unter anderem kann die mehrtägige Salzsäurebehandlung der Knochen, die erforderlich ist, um die Mineralstoffe zu entfernen, BSE-Erreger inaktivieren. Das anschließende mehrwöchige Aufschlussverfahren des Kollagens mit Alkali (Kalkmilch oder Natronlauge) ist ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor. Ebenso die abschließende sterilisierende Ultrahocherhitzung der Gelatinelösung. Aus meiner Sicht ist deshalb das Risiko nahezu null. Nach den Berechnungen verschiedener wissenschaftlicher Gremien müsste die gesamte Erdbevölkerung mehr als 16 Jahre lang jeden Tag nur Gelatine vom Rind essen, um statistisch gesehen eine einzige Erkrankung herbeizuführen."

Kontra: "BSE-Freiheit nicht garantiert"

Interview mit Dr. Kari Köster-Lösche, Veterinärmedizinerin, Seuchenspezialistin, Buchautorin: „Das BSE-Komplott. Protokoll des kalkulierten Wahnsinns“, Stiftung Ökologie und Landbau, Bad Dürkheim 2001, 29,80 Mark.

"Haut und Knochen, aus denen Gelatine hergestellt wird, enthalten Nerven, in denen sich BSE-Erreger befinden können, wenn das Rind infiziert ist. Nachdem in ganz Europa immer mehr BSE aufgedeckt wird, ist längst der Nachweis erbracht, dass die Gelatineindustrie ihr Rohmaterial möglicherweise auch aus infizierten, als gesund geschlachteten Rindern gewonnen hat. Da mittlerweile auch feststeht, dass britisches Tiermehl nach dem Fütterungsverbot auf dem Kontinent verstärkt in außereuropäische Länder exportiert wurde, liegt es auf der Hand, dass weltweit BSE-Freiheit ohne einen wirklich sensiblen Test, der noch nicht existiert, nicht mehr garantiert werden kann."

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