Gekühlter Orangen- und Blutorangensaft Test

Geschmackssache: 
Blondorangen sind süßer und weniger bitter als Blutorangen. Dafür haben Blutorangen ein festeres Fruchtfleisch.

Fast so gut wie frisch gepresst? Nein. Jeder zweite der Orangen- und Blutorangensäfte aus dem Kühlregal ist „mangelhaft“. Der Frischgepresste bleibt der beste.

Orangensäfte in den Kühlregalen der Supermärkte verheißen Frische pur. Sind es etwa frischgepresste Säfte? Ganz klar: Nein. Denn frischgepresster Saft wird ohne weitere Verarbeitung verkauft. Die 14 Orangen- und Blutorangensäfte im aktuellen Test sind aber pasteurisiert, das heißt, sie wurden kurzzeitig erhitzt und damit haltbar gemacht.

Warum also kühlen? Der Geschmack herkömmlicher Säfte verschlechtert sich während der Lagerung. Kälte verlangsamt diesen Prozess. Die gekühlten Säfte sollten demnach deutlich besser schmecken. Das tun sie aber nicht. Von sensorischen Highlights im Test keine Spur. Ganz im Gegenteil: Fast jeder zweite Saft fiel durch.

Wir ließen alle 14 Säfte sowohl von Verbrauchern als auch von geschulten Prüfern verkosten. Die Konsumenten urteilten großzügiger. Zehnmal lautete ihr Urteil „gut“. Der Test zeigt: Genießer von Orangensaft mögen vor allem viel und grobes Fruchtfleisch. Diese Kriterien erfüllt der Orangensaft Frische Paradise, der Testsieger, am besten. Blutorangensäfte dagegen kommen beim Verbraucher dann gut an, wenn sie besonders süß sind.

Im Unterschied zu den Verbraucherurteilen fielen die Beschreibungen der geschulten Verkoster und Experten weit weniger positiv aus. In der sensorischen Fehlerfreiheit hieß es deshalb nur für zwei Säfte „gut“, sechs hingegen waren „mangelhaft“. Was erkannten die Prüfer, was den Verbrauchern verborgen blieb? Mehr Feinheiten. Als fremdartig und verdorben beschrieben die Experten zum Beispiel die beiden Tip-Säfte. Beim Verkosten von insgesamt neun Säften zogen sich die Geschmacksnerven der Prüfer zusammen: Diese Säfte waren besonders adstringierend. Ihren feinen Zungen entging auch nicht, dass einige Säfte schalig schmeckten. Die Aromaanalyse brachte Gewissheit: Drei Säfte enthielten eindeutig zu viel Schalenöl. Das entspricht nicht der Fruchtsaftverordnung, und so lautet das Urteil „mangelhaft“. Auch bei fünf weiteren Säften wurde mit Schalenöl nicht gegeizt. Ihre Aromaqualität bewerteten wir mit „ausreichend“.

Schalenöl auch für die Optik

Gekühlter Orangen- und Blutorangensaft Test

Gekühlt oder nicht gekühlt: Verbraucher wünschen sich beim Direktsaft vor allem viel Fruchtfleisch und eine kräftige Farbe.

Das Schalenöl gelangt entweder während des Pressens in den Saft oder es wird zugesetzt. Es soll die Qualität des Saftes bewahren und macht optisch viel her: Den Orangen- und Blutorangensäften verleiht es eine satte gelbe oder rote Farbe. Auch das schätzten unsere Testkonsumenten.

Nicht nur Schalenöl, auch Pasteurisieren kann den Geschmack in Mitleidenschaft ziehen. Vor allem jene Aromastoffe, die für den frischen Geschmack des Saftes verantwortlich sind, werden durch das Erhitzen zerstört. Und in der Regel werden die Säfte sogar mehrmals pasteurisiert.

Sensorisch „sehr gut“ war letztlich nur ein einziger Saft: ein Frischgepresster. Wie schon beim Orangensafttest für die Juli-Ausgabe von test lag unser Vergleichssaft unangefochten auf „Platz eins“ in der Geschmacksprüfung.

Auch wenn zu viel Schalenöl und mehrfaches Pasteurisieren den Geschmack verschlechtern können, so haben sie doch ein Gutes: Alle Säfte waren in unserer Untersuchung mikrobiologisch einwandfrei. Kein Wunder: Das Schalenöl schafft zusammen mit der fruchteigenen Säure Bedingungen, die Keime nicht mögen. Und das Erhitzen des Safts tut sein Übriges.

Laut Deklaration ist jeder getestete Saft ein Direktsaft. Als solcher darf er nur fruchteigenes Wasser enthalten. Beim Blutorangensaft Pure Fresh von Plus fanden wir aber Fremdwasser. Das bedeutet auch für ihn: „mangelhaft“.

Noch immer nicht vom Tisch

Gekühlter Orangen- und Blutorangensaft Test

Frisch gepresst? Auch Orangensaft aus dem Kühlregal wird pasteurisiert, also haltbar gemacht.

Bereits in unserem Orangensafttest im Juli fanden wir die Chemikalie ITX, die in Druckfarben vorkommt. Bei einem Produkt überschritt der Gehalt damals den vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Richtwert. Jetzt, beim Jordan-Orangensaft, entspricht der Gehalt zwar dem Richtwert. Da das gesundheitliche Risiko von ITX aber noch immer unklar ist, sollten alle Hersteller den Stoff meiden.

Jordan: Keine spanischen Orangen

Auch in anderer Hinsicht ist die Marke Jordan auffällig: Sowohl beim Orangen- als auch beim Blutorangensaft wird mit „erntefrischen spanischen Orangen“ geworben. Bei der Überprüfung zeigt sich aber: Die Früchte für die Säfte kommen gar nicht aus Spanien. Verbraucher, die den Geschmack spanischer Orangen schätzen, werden so getäuscht. Doch nur für den Blutorangensaft hat der Anbieter mitgeteilt, den Fehler zu korrigieren.

Fazit: Den besonderen Geschmack eines frischgepressten Orangensafts sucht man bei den Säften aus dem Kühlregal verge­bens. Mehr Vitamin C als ungekühlte Säfte haben sie auch nicht. Wer auf Fruchtfleisch keinen Wert legt, kann zu den „guten“ Orangensäften aus Konzentrat greifen (siehe Tabelle „Orangen- und Blutorangen-Direktsäfte“). Sie kosten meist auch deutlich weniger.

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