Interview: Helfen Vitamintabletten dem Gedächtnis?

Interview mit Professor Hannes B. Stähelin, Universitätsklinik Basel.

Sie haben schlechtere Gedächtnisleistungen bei Leuten festgestellt, die weniger Vitamine aßen. Das war immerhin die Hälfte der Untersuchten. Waren sie stark unterversorgt?

Eigentlich nicht. Die Werte lagen noch im landesüblichen Bereich.

Wobei zeigte sich das schlechtere Gedächtnis?

Vor allem bei der Wortfindung und bei der Erinnerung an Ereignisse.

Haben Sie das nur bei Älteren festgestellt?

Unsere Testpersonen waren zwischen 65 und 95 Jahre alt. Es gibt aber keinen Grund, warum diese Entwicklung erst mit 65 Jahren eintreten sollte. Wir können davon ausgehen, dass auch bei Jüngeren diese Zusammenhänge bereits vorhanden sind.

Kann man sich allein mit Essen gut mit Vitaminen versorgen?

In der Regel ja. Wichtig ist, dass man auf Abwechslung Wert legt und vor allem auf viel Gemüse und Früchte. Wenn das schwierig ist, bei Krankheiten beispielsweise oder Gewichtsreduktionen, können Vitamintabletten vorübergehend sinnvoll sein.

Bekommen Kinder bessere Noten, wenn sie vor der Schule eine Vitamintablette nehmen?

Hierzulande nicht. Nur in Ländern mit ungenügender Ernährung führen zusätzliche Vitamingaben zu besseren Leistungen.

Kann man mentale Defizite durch Ernährung von heute auf morgen beheben?

Nein. Man kann höchstens die Leistung kurzfristig mit Kohlenhydraten steigern. Aber sonst sollte man schon frühzeitig ausgewogen und nährstoffreich essen. Und außerdem nicht zu kalorienreich.

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