Arbeitnehmer können ihren Netto­lohn für November und Dezember noch deutlich erhöhen. Sie müssen nur einen Frei­betrag beantragen.

Gehalt Special

Schulgeld für die Privatschule, Zahn­ersatz und Hand­werk­erkosten: Für über­raschende Ausgaben können Arbeitnehmer einen weiteren Frei­betrag beantragen.

Das Geld für die Kinder­betreuung, der Unterhalt für den Expartner oder die Ausgaben für das studierende Kind: Sonder­ausgaben wie diese lassen sich knapp 27 Millionen Steuerzahler anrechnen. Viele warten bis zur Steuererklärung. Doch sie können auch einen Frei­betrag beantragen und gleich weniger Steuern zahlen. Der Finanz­beamte muss lediglich nach­voll­ziehen können, dass die Kosten angefallen sind.

Der Frei­betrag für Unter­halts­zahlungen an den Expartner bringt besonders viel, Steuerberater Wolfgang Wawro sagt: „Im Jahr sind das bis zu 13 805 Euro, die Steuerzahler vom Finanz­amt eintragen lassen können.“ Das bringt einige tausend Euro Steuerermäßigung – je nach Steu­ersatz.

30. November ist Stichtag

Frei­beträge für Sonder­ausgaben, Werbungs­kosten und außergewöhnliche Belastungen senken das monatlich zu versteuernde Einkommen. Hat das Finanz­amt die Beträge in die Lohn­steuer­daten­bank einge­tragen, muss der Chef sie beim Monats­gehalt berück­sichtigen und mehr auszahlen.

Verzichten Arbeitnehmer auf einen Frei­betrag, geht ihnen die Steuerermäßigung nicht verloren. Sie erhalten sie aber erst Monate später nach der Steuererklärung.

Im Gegen­zug gilt: Wer durch einen Frei­betrag weniger Steuern zahlt, bekommt später vom Finanz­amt weniger zurück.

Auch für das laufende Jahr trägt das Finanz­amt noch Frei­beträge ein. Den Netto­vorteil gibt es dann konzentriert im November und Dezember. Der letzte Termin für einen Antrag ist der 30. November.

Ausgaben ab 600 Euro

Besonders Arbeitnehmer, die am Jahres­ende wenig finanziellen Spielraum haben, sind mit Frei­beträgen besser dran. „Familien mit Kindern brauchen sie oft, damit sie ihre laufenden Kosten decken können“, sagt Steuerberater Wawro.

Für viele Kosten gibt das Finanz­amt einen Mindest­betrag vor, ehe es einen Frei­betrag einträgt. Mehr als 600 Euro müssen es oft sein. Posten wie außergewöhnliche Belastungen, Werbungs­kosten und Sonder­ausgaben werden zusammenge­rechnet.

Im Verlauf eines Jahres können Arbeitnehmer weitere Frei­beträge beantragen. Haben sie im ersten Antrag die 600-Euro-Grenze über­schritten, gilt sie für jeden weiteren als erfüllt.

Fahrt zur Arbeit

Werbungs­kosten zählen erst zum 600-Euro-Topf, wenn sie über dem Arbeitnehmerpausch­betrag von 1 000 Euro liegen. Arbeitnehmer müssen also mindestens 1 600 Euro Werbungs­kosten haben, bevor die Finanzbehörde allein dafür einen Frei­betrag gewährt. Zu den Werbungs­kosten gehören Ausgaben für den Job, wie die Kosten für berufliche Reisen, den Weg zur Arbeit oder eine doppelte Haus­halts­führung.

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Beispiel Fahrt­kosten: Jan Lange fährt an 230 Tagen im Jahr 30 Kilo­meter zur Arbeit. Für jede Fahrt zählen 30 Cent pro Kilo­meter der einfachen Entfernung zum Betrieb. Lange kann 1 070 Euro als Werbungs­kosten abrechnen und sich als Frei­betrag eintragen lassen. Bei einem Brutto­gehalt von 50 000 Euro in Steuerklasse I bekommt er knapp 380 Euro mehr Netto ausgezahlt.

Krank­heits­kosten

Kosten für Medikamente, Zahn­ersatz oder die künst­liche Befruchtung bei Ehepaaren zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen. Auch dafür können Steuerzahler Frei­beträge beantragen, doch vorher zieht das Finanz­amt die „zumut­bare Belastung“ ab. Ihre Höhe hängt ab vom Familien­stand, der Zahl der Kinder und dem Einkommen.

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Beispiel Zahn­ersatz: Angela Warth zahlt im Oktober für Zahn­ersatz 3 000 Euro. Sie verdient 28 000 Euro Brutto im Jahr. Da sie allein­stehend ist, berechnet das Finanz­amt davon 6 Prozent als zumut­bare Belastung, also 1 680 Euro. Diesen Betrag muss Warth ohne Steuer­vorteil tragen. Für die übrigen 1 320 Euro kann sie einen Frei­betrag bekommen, der von ihrem steuer­pflichtigen Einkommen abge­zogen wird.

Lässt Warth den Frei­betrag noch im Oktober vom Finanz­amt eintragen, bringt ihr das im November und Dezember jeweils 195 Euro mehr Netto­gehalt.

Unterhalt, Spenden und Bildung

Familien haben Ausgaben für Schulgeld, die Tages­mutter und manchmal noch für die Ausbildung eines der Ehepartner. Sie können sich einen Frei­betrag eintragen lassen, wenn die Kosten die Pauschale von 36 Euro (72 Euro für Paare) über­steigen.

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Kinder­betreuung, Haus­halts­hilfe, Fahrten zur Arbeit: Auf Antrag gewährt das Finanz­amt dafür Frei­beträge und verlangt weniger Steuern.

Beispiel Betreuungs­kosten: Der Sohn von Heiko und Inga Busch geht seit September in den Kinder­garten. Die Eltern zahlen seither monatlich 560 Euro für die Betreuung. Das Ehepaar kann sich die 2 240 Euro in diesem Jahr noch je zur Hälfte auf beide Gehälter als Frei­betrag anrechnen lassen oder eine andere Aufteilung beim Finanz­amt beantragen.

Ausgaben ohne 600-Euro-Grenze

Die 600-Euro-Hürde gilt nicht für Dienste im Haushalt. Frei­beträge für solche Kosten bringen besonders viel, da sie nicht das steuer­pflichtige Einkommen, sondern direkt die Einkommensteuer verringern.

Für Haus­halts­hilfen können Steuerzahler Lohn­kosten bis 16 000 Euro und für Minijobber bis 2 040 Euro anerkennen lassen. Für Hand­werker akzeptiert das Finanz­amt bis 4 800 Euro der Arbeits­kosten als Frei­betrag.

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Beispiel Hand­werk­erkosten: Hans Hövel rechnet für die Erneuerung seines Daches mit 4 500 Euro Lohn- und Maschinen­kosten. Er kann seine Steuer um 20 Prozent davon verringern lassen, also 900 Euro. Um das zu erreichen, lässt sich Hövel als Frei­betrag das Vierfache (3 600 Euro) eintragen.

Auch wenn Frei­beträge künftige Kosten betreffen, kann das Finanz­amt einen Nach­weis verlangen. In Hövels Fall reicht ein Kosten­vor­anschlag des Handwerks­betriebes, der die Arbeiten erledigt. Fallen die Kosten am Ende geringer aus, muss Hövel den Frei­betrag nicht korrigieren. Der Ausgleich wird in der Steuererklärung nachgeholt.

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