Gehalt 2012 - Jetzt für mehr Netto sorgen

Arbeitnehmer haben im Jahr 2012 etwas mehr vom Gehalt. Sie können auch selbst noch nachhelfen und ihre Abgaben weiter senken.

Die erste Gehaltsabrechnung im neuen Jahr hat ein paar Euro Plus gebracht. Jetzt sollten Arbeitnehmer dafür sorgen, dass sie übers Jahr weniger Lohnsteuer zahlen, damit sie nicht auf die Erstattung nach der Steuererklärung im kommenden Jahr warten müssen. Es geht um Freibeträge auf der Steuerkarte und um die richtige Steuerklasse. Manchmal ist zusätzlich ein steuerfreies Extra vom Chef drin, zum Beispiel ein Zuschuss für den Kindergarten.

Doch auch ganz ohne ihr Zutun haben Arbeitnehmer seit Januar etwas mehr Netto. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung ist auf 19,6 Prozent des Bruttolohns leicht gesunken. Davon profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte. Außerdem sind statt bisher 44 Prozent nun 48 Prozent des Arbeitnehmerbeitrags steuerfrei. Deshalb muss der Chef eine etwas höhere Vorsorgepauschale als 2011 abziehen, bevor er die Steuer für den restlichen Lohn abführt. Ein Angestellter mit 3 000 Euro Brutto hat somit rund 10 Euro mehr Netto im Monat:

Rund 10 Euro mehr Netto im Monat

Monatsgehalt (3 000 Euro) 2011

Lohnsteuer: 473,58
Solidaritätszuschlag:   26,04
Summe der Steuern: 499,62
Rentenversicherung : 298,50
Arbeitslosenvers.:  45,00
Krankenversicherung : 246,00
Pflegeversicherung:   36,75
Summe Sozialvers.: 626,25
Nettolohn: 1 874,13

Monatsgehalt (3 000 Euro) 2012

Lohnsteuer: 468,33
Solidaritätszuschlag:   25,75
Summe der Steuern: 494,08
Rentenversicherung: 294,00
Arbeitslosenvers.:  45,00
Krankenversicherung: 246,00
Pflegeversicherung:   36,75
Summe Sozialvers.: 621,75
Nettolohn: 1 884,17

Höhere Vorsorgepauschale für alle

Gutverdiener haben weniger von den Änderungen – vor allem in den alten Bundesländern. Sie profitieren nur davon, dass wegen der höheren Vorsorgepauschale mehr vom Gehalt steuerfrei bleibt. Der geringere Prozentsatz für die Rentenversicherung nützt ihnen nichts, denn gleichzeitig sind die Beitragsbemessungsgrenzen für die Sozialversicherung zu ihrem Nachteil gestiegen:

  • Für die Renten- und Arbeitslosenversicherung sind in den alten Bundesländern nun Beiträge für Bruttolöhne bis 67 200 Euro im Jahr fällig. Bisher war bei 66 000 Euro Schluss. In den neuen Ländern liegt die Grenze unverändert bei 57 600 Euro.
  • Für die Kranken- und Pflegeversicherung sind bundesweit jetzt Beiträge für Bruttolöhne bis 45 900 Euro im Jahr zu zahlen, vorher lag die Grenze bei 44 550 Euro.

Ein Angestellter in den alten Bundesländern, der im Monat 5 600 Euro Brutto verdient, hat 2012 jeden Monat nur rund 4 Euro mehr, im Jahr sind es rund 48 Euro.

Wahl für privat Krankenversicherte

Privat Krankenversicherte können selbst entscheiden, ob ihr Chef in der Gehaltsrechnung ihren Basisbeitrag zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung abziehen soll, bevor er die Lohnsteuer berechnet.

Teilen sie ihrem Chef den Beitrag nicht mit, zieht er eine Mindestvorsorgepauschale ab: 12 Prozent des Lohns, aber maximal 1 900 Euro im Jahr in den Steuerklassen I, II, IV, V, VI und höchstens 3 000 Euro in der Steuerklasse III. Ihre Beiträge machen sie später in der Steuererklärung geltend.

Höhere Mindestgehälter steuerfrei

Im Jahr 2012 müssen mehr Geringverdiener keine Lohnsteuer zahlen. Neben der höheren Vorsorgepauschale sorgt auch der bereits 2011 erhöhte Arbeitnehmerpauschbetrag von 1 000 Euro dafür, dass Lohn bis zu dieser Höhe steuerfrei bleibt:

Steuerfreie Monatsgehälter 2012 (Euro)

Steuerklasse 2011

I (Alleinstehend): 893
II (Alleinstehend): 1 024
III (Ehepaar): 1 692
IV (Ehepaar): 893

Steuerklasse 2012

I (Alleinstehend) : 905
II (Alleinstehend) : 1 036
III (Ehepaar) : 1 706
IV (Ehepaar) : 905

Erst auf Gehalt über diese Beträge hinaus wird Lohnsteuer fällig. Aus der Lohnsteuer wird zusätzlich der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent der Steuer berechnet und gegebenenfalls 8 oder 9 Prozent Kirchensteuer.

Tipp: Wie viel Lohnsteuer Sie zahlen müssen, steht in der Tabelle.

Mit der richtigen Steuerklasse starten

Die Lohnsteuer zieht der Chef in diesem Jahr weiter auf Grundlage der Einträge in der Lohnsteuerkarte 2010 ab oder aufgrund der Angaben in der Ersatzbescheinigung, die Arbeitnehmer anstelle der Karte erhalten haben. Damit Arbeitnehmer nicht zu viel zahlen, prüfen sie, ob ihre Steuerklasse passt und ob ihnen noch ein Freibetrag zusteht.

Abhängig vom Familienstand gibt es für Arbeitnehmer diese Steuerklassen:

Steuerklasse I. Die I erhalten Ledige, Geschiedene, Verwitwete oder Verheiratete, die dauernd von ihrem Ehepartner getrennt leben oder deren Partner im Ausland wohnt.

Steuerklasse II. Die II bekommen Alleinstehende mit mindestens einem Kind im Haushalt, für das sie Kindergeld bekommen. In dieser Klasse ist der Entlastungsbetrag von 1 308 Euro für Alleinerziehende eingearbeitet, sodass Lohnsteuer und Soli sinken.

Steuerklasse III. Die III erhält ein Verheirateter, wenn der andere Partner kein Arbeitnehmer ist oder wenn der andere als Arbeitnehmer Steuerklasse V nimmt.

In Klasse III kommt der Splittingtarif für Eheleute voll zum Tragen, sodass die Steuer niedrig ist. In der V wird dagegen verhältnismäßig viel Lohnsteuer fällig. Die Kombination III/V empfiehlt sich, wenn ein Partner rund 60 Prozent zum gemeinsamen Bruttolohn beisteuert.

Ist der Unterschied größer, können nach der Jahresabrechnung hohe Steuernachzahlungen fällig werden. Das verhindern Paare, wenn jeder die Klasse „IV-Faktor“ (siehe unten) nimmt.

Tipp: Sie sollten als Ehepartner die III nehmen, wenn Sie Lohnersatz wie Elterngeld erwarten. In der Klasse III ist der Lohnersatz am höchsten. Ihr Partner mit der V muss zwar mehr Lohnsteuer zahlen, aber die zu viel bezahlte Steuer erhält er über die Steuererklärung wieder zurück.

Steuerklasse IV-Faktor. Alternativ können verheiratete Arbeitnehmer sich beide IV-Faktor eintragen lassen und dafür beim Finanzamt ihr voraussichtliches Jahresgehalt angeben. Das Faktorverfahren ermittelt die Lohnsteuer am genauesten.

Steuerklasse IV. Die IV erhalten Verheiratete auch ohne Faktor. Sie ist nur sinnvoll, wenn beide ungefähr gleich viel verdienen.

Steuerklasse VI. Für den Zweitjob auf zweiter Steuerkarte bleibt nur die VI mit der höchsten Steuer.

Tipp: Einmal im Jahr können Sie ohne besonderen Grund wie Hochzeit oder Scheidung die Steuerklasse wechseln.

Freibetrag spart Steuern

Auch wer sich beim Finanzamt einen Freibetrag eintragen lässt, spart sofort Steuern und nicht erst nach der Steuererklärung. Freibeträge gibt es für Ausgaben, die steuerlich zählen und schon feststehen. Es geht zum Beispiel um Kosten für Arbeitsweg, Kinderbetreuung oder Unterhalt.

Sollen solche Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen einen Freibetrag bringen, müssen mindestens 600 Euro zusammenkommen. Die Grenze ist für Alleinstehende und Ehepaare gleich hoch. Bevor das Finanzamt die Freibeträge einträgt, zieht es allerdings von den Werbungskosten 1 000 Euro Pauschbetrag ab und von außergewöhnlichen Belastungen jeweils die zumutbare Belastung.

Beispiel: Lars Wilms kommt durch seine Jobkosten über die 600-Euro-Grenze. Für 19 Kilometer Arbeitsweg kann er 1 311 Euro ansetzen: 30 Cent Pauschale x19 Entfernungskilometer x 230 Arbeitstage. Außerdem besucht er im Mai eine Weiterbildung. Dafür hat er schon 2 500 Euro bezahlt. Von den 3 811 Euro Werbungskosten gehen 1 000 Euro Arbeitnehmerpauschbetrag ab, sodass er 2 811 Euro Freibetrag erhält.

Für etliche Kosten spielt die 600-Euro-Grenze keine Rolle – etwa für Zahlungen an Handwerker und Haushaltshilfen.

Beispiel: Lars Wilms ließ im Januar die Heizung in seinem Haus erneuern und bezahlte einschließlich Fahrtkosten 2 500 Euro Handwerkerlohn. Bis 6 000 Euro Handwerkerkosten erkennt das Finanzamt im Jahr an. Davon werden 20 Prozent direkt von der Steuer abgezogen. In Wilms’ Fall ermäßigt sich die Steuerschuld für 2012 um 500 Euro.

Damit der Freibetrag fürs Gehalt diesem Steuerabzug entspricht, setzt das Finanzamt das Vierfache an. Das sind 2 000 Euro.

Zusammen mit dem Freibetrag für seine Werbungskosten kommt Wilms auf 4 811 (2 811 + 2 000) Euro. Den Freibetrag lässt er sich im Februar auf seiner Steuerkarte eintragen. Ab März sind rund 481 Euro (4 811 Euro : 10 Monate) von seinem Gehalt mehr im Monat steuerfrei. Der Single zahlt 2012 mit 40 000 Euro Jahreseinkommen 1 541 Euro Lohnsteuer und rund 85 Euro Soli weniger.

Ehepartner können jonglieren

Bei Ehepaaren kommen Freibeträge für Werbungskosten immer auf die Steuerkarte des Partners, der die Kosten zahlt. Für andere Ausgaben bestimmen Eheleute auf der vorletzten Seite im „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ selbst , wie viel jeder bekommt.

Beispiel: Mit Steuerklasse III kommt Martin Zweig 2012 auf 50 000 Euro steuerpflichtigen Jahreslohn, seine Frau Lisa mit Steuerklasse V auf 20 000 Euro. Lässt sich Lisa für die 2 000 Euro Kinderbetreuungskosten einen Freibetrag eintragen, zahlt sie 745 Euro Lohnsteuer im Jahr weniger. Ihrem Mann würde der Freibetrag nur 546 Euro Ersparnis im Jahr bringen, 199 Euro weniger.

Spezielle Extras sparen Abgaben

Unabhängig von den Freibeträgen können Arbeitnehmer mit ihrem Chef aushandeln, dass er Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld in einen abgabenfreien Zuschuss umwandelt. Das können zum Beispiel Zuschüsse für den Arbeitsweg, für Kindergarten, Mittagstisch, Nichtraucherkurs oder den Firmen-Laptop daheim sein.

Auch der Chef spart Abgaben. Eine Lohnerhöhung um 100 Euro auf 40 100 Euro Jahresgehalt kostet ihn nämlich inklusive Sozialbeiträgen rund 120 Euro, beim Arbeitnehmer kommen davon aber nur rund 49 Euro an.

Spendiert der Chef stattdessen einen steuerfreien Zuschuss von 100 Euro für einen Gesundheitskurs, muss er keine Abgaben drauflegen und bei dem Arbeitnehmer kommt das Geld in voller Höhe an.

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