Die erste Gehaltsabrechnung 2008 bringt vielen Arbeitnehmern ein kleines Plus gegenüber 2007. Noch mehr profitieren sie, wenn sie mit ihrem Chef Extras zum Gehalt vereinbaren.

Im neuen Jahr bleibt bei vielen etwas mehr vom Gehalt übrig: Arbeitnehmer profitieren 2008 davon, dass der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung zum 1. Januar von 4,2 auf 3,3 Prozent gesenkt wurde.

Im Vergleich zu 2007 spart ein Angestellter bei einem Gehalt von 3 500 Euro zunächst knapp 16 Euro Sozialversicherungsbeiträge im Monat. Dieselbe Summe spart auch sein Arbeitgeber.

Im Sommer schrumpft der Vorteil der beiden etwas. Denn dann soll der Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,25 Prozent erhöht werden. Dadurch bleibt ab Jahresmitte nur noch ein Plus von rund 11 Euro.

Arbeitnehmer müssen sich damit aber nicht begnügen. Sie haben mehrere Möglichkeiten, um am Monatsende noch einige Euro mehr auf dem Konto zu haben:

  • Extras zum Gehalt: Wenn der Chef zu keiner höheren Gehaltszahlung bereit ist, lässt sich mit ihm vielleicht über Sachleistungen wie Tankgutscheine oder Restaurantschecks verhandeln. Diese Extras können für Mitarbeiter und Arbeitgeber interessant sein (siehe Tabelle „Mit Extras zum Gehalt Abgaben sparen“). Arbeitnehmer haben mehr davon als von einer kleinen Gehaltserhöhung, weil sie Steuern und Sozialabgaben sparen, und auch der Arbeitgeber muss weniger Abgaben zahlen als für einen Gehaltszuschlag.
  • Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte: Ausgaben für den Arbeitsweg, Handwerkerrechnungen oder Kinderbetreuungskosten rechnen Arbeitnehmer üblicherweise in der Steuererklärung ab, um Geld zurückzuholen. Wer nicht so lange auf sein Geld warten will, kann sich für solche laufenden Ausgaben Freibeträge auf der Steuerkarte eintragen lassen. Dann überweist der Arbeitgeber gleich weniger Steuern an das Finanzamt.
  • Wechsel der Steuerklasse: Mehr Netto kann auch ein Wechsel in eine günstigere Steuerklasse bringen.

Gutscheine für Restaurants

Der Freiburger Markus Gutmann profitiert von steuerfreien Extras zum Gehalt. Der Volkswirt, der in einem Unternehmen für Medizintechnik beschäftigt ist, bekommt von seinem Arbeitgeber Restaurantgutscheine, die er in verschiedenen Lokalen der Region einlösen kann.

Der Vorteil solcher Gutscheine oder Essensschecks scheint auf den ersten Blick gering, doch allein mit diesem Extra können Arbeitnehmer bis zu 86,55 Euro im Monat abgabenfrei dazuverdienen. Der Arbeitgeber kann 15 Gutscheine im Wert von jeweils bis zu 5,77 Euro ausgeben.

Für die Besteuerung dieses Extras gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Der Arbeitgeber zahlt für die ersten 2,67 Euro jedes Gutscheins pauschal 25 Prozent Steuern. Das ist für den Angestellten am günstigsten. Hierfür hat sich auch Markus Gutmanns Arbeitgeber entschieden.
  • Der Arbeitgeber zahlt keine Pauschalsteuer. Dann muss der Mitarbeiter den Sachbezug bis 2,67 Euro als geldwerten Vorteil beim Finanzamt abrechnen.

Bei beiden Varianten fallen für den Betrag zwischen 2,68 Euro und 5,77 Euro am Tag sowohl für den Angestellten als auch für den Chef keine weiteren Steuern und Sozialabgaben an.

Kindergarten und Fahrtkosten

Ein Plus ist für den Beschäftigten auch drin, wenn der Arbeitgeber zum Beispiel einen Zuschuss zum Ticket für den öffentlichen Nahverkehr oder Benzingutscheine gibt. Für solche Sachbezüge bis zu 44 Euro im Monat fallen keine Steuern und Sozialabgaben an.

Noch größer ist der Vorteil, wenn etwa ein junger Vater vom Chef einen Zuschuss für den Kindergarten bekommt.

Nehmen wir zum Beispiel an, dass der Chef einem Angestellten 150 Euro mehr zukommen lassen will. Der Mann verdient jeden Monat 3 000 Euro brutto. Er ist in Steuerklasse III eingestuft, gehört keiner Kirche an und hat einen vollen Kinderfreibetrag auf der Steuerkarte.

Erhält er die 150 Euro als Kindergartenzuschuss, bleiben sie ohne Abzüge. Würde der Arbeitgeber hingegen das monatliche Gehalt um diese Summe erhöhen, blieben von den 150 Euro für den Arbeitnehmer netto gerade einmal knapp 69 Euro übrig.

Denn der Arbeitgeber müsste monatlich 48,75 Euro mehr Lohnsteuer und 2,47 Euro mehr Solidaritätszuschlag an das Finanzamt überweisen. Außerdem würden rund 30 Euro mehr Sozialversicherungsbeiträge fällig. Auch der Arbeitgeber müsste mehr Sozialabgaben leisten.

Die richtige Steuerklasse

Extras zum Gehalt bringen dauerhaft ein echtes Plus. Freibeträge auf der Steuerkarte und die Wahl der richtigen Steuerklasse sorgen hingegen dafür, dass der Arbeitnehmer dem Finanzamt nicht über Monate einen Kredit gibt. Denn ohne Freibeträge und mit ungünstiger Steuerklasse zieht der Arbeitgeber zunächst zu viel Steuern vom Gehalt ab und der Arbeitnehmer kann sie sich erst mit der nächsten Steuererklärung zurückholen.

Wer Freibeträge eintragen lässt oder in eine günstige Steuerklasse wechselt, zahlt nicht nur von vornherein weniger Lohnsteuer. Er muss zudem während des Jahres weniger Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent der zu zahlenden Lohnsteuer) und Kirchensteuer (8 oder 9 Prozent der Lohnsteuer) abführen.

Markus Gutmann hat durch seine Hochzeit vor gut einem Jahr seine Steuerklasse automatisch gewechselt. Für den Freiburger ging es von Steuerklasse I, in die er als Lediger eingestuft war, in die günstige Steuerklasse III. Seine Frau Evelyn ist in der ungünstigen Steuerklasse V.

Diese Kombination lohnt sich für Ehepaare, wenn ein Partner mindestens 60 Prozent des gesamten Einkommens verdient, der andere Partner nicht mehr als 40 Prozent. Die Steuerklasse III beinhaltet automatisch bestimmte Freibeträge und Pauschalen, die dem schlechter verdienenden Partner zustehen.

Der Arbeitgeber wird somit nicht nur Gutmanns Grundfreibetrag von 7 664 Euro bei der Lohnsteuer berücksichtigen, sondern auch den seiner Frau. Sie muss im Gegenzug mehr Lohnsteuer zahlen.

Auch die Kinderfreibeträge, die Gutmanns Frau für ihre Töchter Fee und Lea zustehen, werden auf Markus Gutmanns Karte übertragen. Die Kinderfreibeträge ändern nichts an der Lohnsteuer, wohl aber an der Höhe des Solidaritätszuschlags und der Kirchensteuer.

Wenn hingegen beide Partner etwa gleich viel verdienen, ist es günstiger, wenn beide die Steuerklasse IV wählen.

Künftige Eltern sollten gut rechnen

Wechseln Ehepartner gezielt die Steuerklasse, können sie von einem weiteren Vorteil profitieren: Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld werden auf Basis des Nettogehalts berechnet. So kann es sich zum Beispiel für eine werdende Mutter lohnen, aus der ungünstigen Steuerklasse V herauszukommen, weil sie nach der Geburt mehr Elterngeld erhält.

Mit Blick auf das Elterngeld erkennen die Behörden aber nicht jeden Wechsel an: Ein Partner darf nur dann von Steuerklasse V in die günstigere Steuerklasse III wechseln, wenn er tatsächlich mehr verdient als der andere. Einen Wechsel der werdenden Mutter von Klasse V in Steuerklasse IV erkennen die Elterngeldstellen aber an, wenn auch ihr Mann in Klasse IV wechselt.

Für die Höhe des Arbeitslosengeldes bringt ein Steuerklassenwechsel nur etwas, wenn der Wechsel früh genug erfolgte. Entscheidend für die Höhe der Leistung ist die Steuerklasse am Beginn des Jahres, in dem die Arbeitsagentur erstmals Arbeitslosengeld gezahlt hat. Das heißt: Zeichnet sich ab, dass womöglich im nächsten Jahr der Arbeitsplatz in Gefahr ist, sollten Arbeitnehmer den Wechsel in eine günstigere Steuerklasse noch in diesem Jahr prüfen.

Ein Steuerklassenwechsel muss bei der Gemeinde beantragt werden. Er ist einmal im Jahr möglich. Ein zusätzlicher Wechsel ist gestattet, wenn ein Ehepartner aufhört zu arbeiten, das Paar sich trennt oder ein Ehepartner stirbt.

Freibeträge eintragen lassen

Um die Steuervorauszahlungen zu senken, kommt für Markus Gutmann auch ein Freibetrag auf der Steuerkarte infrage, denn er fährt jeden Tag 60 Kilometer zur Arbeit. Der Weg zur Arbeit zählt nach geltendem Recht ab dem 21. Entfernungskilometer mit 30 Cent pro Kilometer.

Über diese seit 2007 geltende Regelung muss das Bundesverfassungsgericht aber noch entscheiden (Az. 2 BvL 1/07, 2 BvL 2/07). Bis zu einem Urteil ist es möglich, den Freibetrag für den kompletten Arbeitsweg zu bekommen. Dafür müssen Arbeitnehmer bei ihrem Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen und den Freibetrag dort eintragen lassen.

Fährt Gutmann die 60 Kilometer an 230 Arbeitstagen im Jahr, erreicht er Werbungskosten von 4 140 Euro. Das Finanzamt würde aber nur 3 220 Euro als Freibetrag eintragen: Bei einem Freibetrag für Werbungskosten zieht es vorher den Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro ab.

Sollen Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen einen Freibetrag bringen, müssen mindestens 600 Euro an Ausgaben zusammenkommen. Diese Grenze gilt für Alleinstehende und Ehepaare. In anderen Fällen spielt die 600-Euro-Grenze keine Rolle. So sind etwa für die Pauschbeträge für Behinderte oder die Ausgaben für Minijobs im Haushalt immer Freibeträge möglich.

Stellen Arbeitnehmer den Antrag auf Lohnsteuerermäßigung bis zum 31. Januar 2008, zahlen sie gleich im Januar weniger Lohnsteuer. Sonst bringt der Freibetrag erst im folgenden Monat mehr Netto.

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