Wandern liegt im Trend. Wer nicht selbst organisieren will, bucht eine Tour. Wir haben uns umgesehen, wo Sie Ihre Wanderschuhe am besten ausprobieren können.

So wie Hape Kerkeling sollte man es nicht unbedingt machen. Der Entertainer ist praktisch direkt von der Couch zu einer sehr langen und beschwerlichen Wandertour aufgebrochen. Ohne große Vorbereitung und Wandererfahrung hat er den berühmten Jakobsweg begangen. Der führt über rund 700 Kilometer quer durch halb Europa nach Santiago di Compostella in Nordspanien. Der Legende nach sollen hier die Gebeine des Apostels Jakobus begraben sein.

Diese Pilgerroute wird immer beliebter und dürfte besonders in diesem Jahr, das ein heiliges ist, weil der Todestag des Märtyrers auf einen Sonntag fällt, viele Wanderer anlocken. Doch nicht jeder hat die Kraft, die Ausdauer und den spirituellen Erlebnishunger wie Kerkeling, der sich für seinen Gewaltmarsch sechs Wochen Zeit nehmen konnte. Wanderwillige sollten lieber behutsam einsteigen und erst einmal auf kurzen Strecken ausprobieren, welches Pensum ihre Kondition hergibt.

Wandern gewinnt immer mehr Anhänger. Lange Zeit belächelt, besinnen sich immer mehr Menschen im Zuge des Trends zum Aktivurlaub, der Wiederentdeckung von Umwelt und Natur auf die eigene Kraft und legen auch mal längere Strecken per pedes zurück.

Mit dem gängigen Klischee – älteres Semester, Tirolerhut, Kniebundhose, Haselnussstock – haben heutige Wanderer meist nicht mehr viel gemeinsam. Längst kümmert sich eine ganze Industrie um schickes Outfit und trendiges Zubehör, das dann eher unter Begriffen wie Trekking oder Hiking angeboten wird. Auch Jugendliche sieht man immer häufiger auf den Wanderpfaden, ähnlich ihren Eltern und Großeltern, die einst als Wandervogel oder Pfadfinder in deutschen Landen unterwegs waren.

Schnürte man früher das Ränzlein, wird heute eher der Trekkingrucksack gepackt und statt der schweren zwiegenähten Lederstiefel trägt der moderne Wanderer leichte Hightech-Schuhe.

Rund 34 Millionen Deutsche begeben sich „häufig“ oder „ab und zu“ auf Wanderschaft, darunter viele Hochgebildete. Nach einer Studie des Marburger Soziologen Rainer Brämer, der gern als Wanderpapst bezeichnet wird, besitzen 40 Prozent Abitur oder einen Hochschulabschluss – das sind doppelt so viele wie in der Gesamtbevölkerung.

Die meisten organisieren ihre Wandertour selbst. Sie legen anhand von Karten und Führern die Route fest, buchen Unterkünfte und los gehts mit der Familie oder Freunden. Andere laufen lieber organisiert, zum Beispiel auf einer Tour der 56 deutschen Gebirgs- und Wandervereine, der regionalen Tourismusverbände oder eines kommerziellen Veranstalters.

Wir haben den Markt durchleuchtet und fast 200 Anbieter von geführten Wandertouren ausfindig gemacht. Wenn man allerdings Kleinstveranstalter und Spezialisten aussortiert, die sich beispielsweise nur an wenige Bergfexe wenden, bleiben noch 53 übrig. In der Tabelle haben wir das Angebot der 23 Veranstalter mit den meisten Reisen und Terminen dargestellt.

Große Pauschalreiseveranstalter wie ITS, Neckermann oder Tui übernehmen die Wanderprogramme, die meist in einer Art Baukastensystem gebucht werden, fast immer von kleineren Spezialisten. Auch Kleinveranstalter kooperieren miteinander und bieten in ihren Katalogen häufig Reisen anderer Veranstalter an. Für den Kunden ist dann nicht immer klar, wer der Vertragspartner ist.

Auf vier Testtouren unterwegs

Um zu überprüfen, wie sich die einzelnen Anbietergruppen unterscheiden, haben wir anonym an vier Testtouren teilgenommen, und zwar bei einem großen Pauschalreiseveranstalter (Neckermann), bei einem mittelständischen Spezialisten (Hauser Exkursionen), einem Kleinveranstalter (Kleins Wanderreisen) und bei einem Wanderverein (Schwarzwaldverein). Dabei haben wir auch verschiedene Wanderformen berücksichtigt. Dreimal handelte es sich um eine Standortwanderung. Da wohnen die Teilnehmer meist in einem festen Quartier, von dem aus es jeden Tag auf eine andere Tour geht (Mallorca, Schwarzwald).

Die Wanderreisen von Neckermann und Hauser Exkursionen waren gut organisiert und kompetent geführt. Darüber hinaus hat uns die mittägliche Einkehr in landestypische Lokale gefallen, die Einzelwanderer kaum finden würden.

Auf der Zypernreise mit Hauser Exkursionen wurde der Standort, also das Hotel, einmal gewechselt. Einziger Wermutstropfen bei dieser Reise: Das zweite Hotel war zu abgelegen und entsprach qualitativ nicht dem Reisepreis (1 250 Euro im Einzelzimmer für eine Woche).

Die andere Variante ist die Streckenwanderung. Dabei bezieht die Gruppe am Ende der Tagestouren immer wieder neue Unterkünfte (Oberlausitz mit Kleins Wanderreisen). In der Regel sind die Wanderer auch hier nur mit leichtem Gepäck unterwegs. Ihre Koffer fährt der Veranstalter von Hotel zu Hotel. Seltener und natürlich beschwerlicher ist die Variante, bei der die Teilnehmer ihr Gepäck in größeren Rucksäcken ständig bei sich haben.

Die Oberlausitztour fiel im Vergleich zu den anderen Testtouren etwas ab, weil in der Minigruppe mit fünf Teilnehmern wenig Gemeinschaftsgefühl aufkam. Doch das kann man dem Veranstalter nicht anlasten. Gut geführt war die Reise allemal, und zwar gleich von zwei Führern.

Übrigens: Veranstalter, die sich ausschließlich aufs Wandern konzentrieren, sind eher selten. Meist werden in den Katalogen auch Fahrrad-, Kanu- und Hochgebirgstouren angeboten, mitunter in Kombination mit Studienreisen.

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