Gefriergeräte Test

Preiskracher oder teures Markengerät? Der Test zeigt: Billige Gefrier­schränke verschwenden Strom und verzichten auf wichtige Warn­anzeigen. Für Haus­besitzer lohnen sich spar­same Gefriertruhen.

Stromsparen ist wichtig, gerade bei lang­lebigen Gefriergeräten, die rund um die Uhr am Netz hängen. Die Technik hat hier große Fort­schritte gemacht. Vor 15 Jahren brauchte die spar­samste Gefriertruhe – ein Liebherr-Modell – pro Tag 0,3 Kilowatt­stunden Strom auf 100 Liter Nutz­inhalt. Das ist der relative Energieverbrauch in 24 Stunden. Heute kommen die effizientesten Gefrier­schränke und -truhen ebenfalls von Liebherr. Ihre Werte: 0,16 beziehungs­weise 0,18 Kilowatt­stunden. Das ist im Vergleich zu den Topsparern von damals nur noch rund die Hälfte. Schlummern üppige Vorräte im Tiefkühl­schlaf, kostet der Strom für sie pro Jahr nur rund 30 bis 40 Euro, bei 22 Cent pro Kilowatt­stunde.

Miele preis­werter als Exquisit

Gefriergeräte Test

Auch kleine Gefrier­schränke bieten Platz für große Lebens­mittel wie Puter oder Weihnachts­gans. Einfach die Schubfächer entfernen und alles direkt auf die Kühl­schlangen legen.

Bei der Anschaffung aber geht moderne Technik ins Geld. Die guten Geräte im Test sind ab 400 Euro zu haben; der Premi­umschrank von Liebherr kostet statt­liche 1 330 Euro. Das mag abschre­cken. Doch der Griff zum Schnäpp­chen kann teuer werden. Weil der Kunde im Laufe der Zeit bei den Strom­kosten mächtig draufzahlen muss. Beim Exquisit-Gefrier­schrank für rund 200 Euro summieren sich Kauf­preis und Strom­kosten für 15 Jahre auf über 1 000 Euro. Beim 500 Euro teuren Miele-Gerät sind es nach 15 Jahren 50 Euro weniger. Preisgünstig muss eben nicht immer preis­wert sein.

A+ nur dritt­klassig

PKM, Exquisit und Severin ziehen mit Abstand am meisten aus der Steck­dose, jedenfalls im Verhältnis zu ihrer Größe. Ihr relativer Energieverbrauch liegt zwischen 0,7 und 0,8 Kilowatt­stunden. Das sind Werte des vergangenen Jahr­hunderts. Heute ist das verschwenderisch. Das test-Qualitäts­urteil für PKM, Exquisit und Severin lautet auch aus diesem Grund ausreichend.

Über die Fort­schritte beim Strom­verbrauch wird der Kunde oft im Unklaren gelassen. So locken Elektronikketten, Elektrofach- oder Baumärkte mit extrem billigen Geräten, die auf den ersten Blick spar­sam erscheinen. Angegeben ist ein vermeintlich güns­tiger Jahres­strom­verbrauch. Die Geräte sind auf dem Energielabel auch mit A+ gekenn­zeichnet, tragen es sogar manchmal im Namen. Das ist nicht falsch, aber nur die halbe Wahr­heit. A+ ist heute nur noch Mittel­maß, bei PKM, Exqusit und Severin nicht einmal das. Doch der relative Strom­verbrauch – als Vergleichs­wert pro 100 Liter Nutz­inhalt – steht weder in den Prospekten noch auf dem Energielabel.

Risiko mitgekauft

Manchmal weiß der Kunde bei Schnäpp­chen­angeboten nicht einmal, mit welchem Anbieter er es zu tun bekommt. Vom kleinen Exquisit-Gefrier­schrank für etwa 200 Euro haben wir unter der Bezeichnung GS 11 A+ je ein Gerät über einen Online­shop und bei einem Elektrofachmarkt gekauft. Das eine stammt von einem deutschen Importeur, das andere von einem hollän­dischen. Äußerlich unterscheidet sie eine Anzeige. Wer der Anbieter ist, erfährt man erst vom Typenschild oder aus der Gebrauchs­anleitung. Das kann dem Kunden so lange egal sein, wie sein Gerät anstands­los funk­tioniert beziehungs­weise noch die Gewähr­leistungs­frist von 24 Monaten läuft. Bei Reklamationen wendet er sich an den Händler. Bei – seltenen – Haftungs­fragen muss er sich aber an den Hersteller beziehungs­weise hier an den Importeur wenden und seine Ansprüche möglicher­weise im Ausland durch­setzen.

Gefrorenes bleibt frostig

Gefriergeräte Test

Körbe mit Klapp­griffen erleichtern das Hantieren in der tiefen Truhe. Auf dem Gefrier­tablett kleben Beeren und Kräuter beim Einfrieren nicht aneinander. Rechts daneben: Das große Vorgefrierfach.

Kalte minus 18 Grad einzuhalten, wie es die Norm fordert, ist für die 23 Gefrier­schränke und Truhen kein Problem. Wird es im Raum wärmer oder kühler, hat das wenig Einfluss auf die Gradzahlen im Gerät. Die Lebens­mittel lagern sicher. Große Unterschiede gibt es aber beim Einfrieren. Wie viel Frisch­kost die Geräte auf einmal durch­frieren können, geben die Anbieter als maximale Gefrier­leistung an. Bei PKM, Exqusit und Severin sind es nur 3,5 bis 4 Kilogramm in 24 Stunden. Die anderen Schränke und Truhen schaffen 14 bis 24 Kilo – allerdings nur, wenn der Benutzer schon 24 Stunden vorkühlt – und das schon für wenige Kilogramm. So steht es in den Gebrauchs­anleitungen. Doch das passt nicht zur Wirk­lich­keit. Wer legt schon zwei Brote, den großen Sonn­tags­braten vom Wochen­einkauf und das vorgekochte Mittag­essen erst nach stunden­langem Vorkühlen in den Tiefkühl­schlaf. Auch müssen spontan einge­kaufte Sonder­angebote möglichst schnell in eisige Gefilde.

Wir sind von praxis­gerechten Mengen ausgegangen. Jeder Schrank und jede Truhe musste zunächst 2 Kilogramm pro 100 Liter Gebrauchs­volumen einfrieren – ohne Superfrost. Dafür brauchten der kleine Miele F 12012 S und der große Liebherr Premium GNP 3666-20 am längsten: etwa 21 Stunden für 1 625 Gramm (Miele) beziehungs­weise 25 Stunden für 5 Kilogramm (Liebherr). Das ist nur befriedigend. Viel schneller (acht bis acht­einhalb Stunden) frieren PKM und Severin herunter. Hier liegt das Gefrier­gut direkt auf dem eiskalten Verdampferrost im oberen Klapp­fach.

Truhen frosten lang­samer

Stark bean­sprucht werden die Kälte­maschinen, wenn viel auf einmal einge­froren werden soll. Gerade große Modelle sollten das problemlos schaffen. Schließ­lich hat der Kunde sie sich gerade deshalb ange­schafft. Nach sechs Stunden Vorkühlen packten wir bis zu 25 Kilogramm hinein und erlebten eine Über­raschung. In den Truhen dauerte es immer länger als in den Schränken, bis alles durch­gefroren war.

Besonders lang­sam ist die spar­same Premium-Truhe von Liebherr. Erst nach 47 Stunden hatte auch das letzte Paket die nach Norm nötigen minus 18 Grad erreicht. Der Grund: Die Superfrost­funk­tion schaltet sich zu früh ab. Der Wunsch nach spar­samer Technik steckt womöglich dahinter.

Sie halten die Kälte dafür länger

Doch Truhen haben auch Vorteile. Sie speichern die Kälte länger. Bei einem Geräte­ausfall über­stehen sie bis zu knapp 30 Stunden, ehe sie kritische Temperaturen erreichen. Die liegen bei minus 9 Grad. Auch der große Siemens-Schrank schafft mehr als 25 Stunden. Seine vier Kälteakkus sind ein sehr guter Puffer. Viele Gefrier­schränke knacken die Minus-neun-Grad-Marke aber schon nach rund 10 Stunden, wenn sie voll beladen sind. Nach einem langen Arbeits­tag heißt das: Alles auftauen und verarbeiten oder beim netten Nach­barn um Asyl für die Gefrierpakete bitten.

Der kleine Severin-Schrank war bereits nach sieben­einhalb Stunden aufgewärmt. Und das bekommt möglicher­weise niemand mit. Das Gerät warnt weder optisch noch akustisch, hat auch keine Temperatur­anzeige. PKM und Constructa verzichten ebenfalls darauf. Das ist schlecht. Im schlimmsten Fall gammeln die Lebens­mittel tage­lang vor sich hin und müssen weggeworfen werden. Eine teure Sache.

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