Geförderte Pflege­zusatz­versicherung Schnelltest

Mit der Barmenia und der Huk-Coburg starten zum Jahres­wechsel die ersten Versicherer mit dem Pflege-Bahr-Tarif, der nun staatlich geförderten privaten Pflegegeld­versicherung. test.de hat sich die Bedingungen und Leistungen der beiden Policen genau angesehen.

Was dahinter steht

Geförderte Pflege­zusatz­versicherung Schnelltest

Bundes­minister für Gesundheit Daniel Bahr

Im Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz wurde sie zunächst nur erwähnt. Am 28. November 2012 wurde es dann konkret: Das Bundes­kabinett beschloss die Durch­führungs­ver­ordnung der staatlich geförderten ergänzenden Pflege­zusatz­versicherung (GEPV), auch als Pflege-Bahr bekannt. Private Kranken­versicherer wie die Barmenia und die Huk-Coburg haben darauf­hin neue Tarife entwickelt und sie nun auf den Markt gebracht. Verträge der geförderten Pflege­versicherung werden mit einer Zulage von 60 Euro im Jahr vom Staat gefördert, Versicherte müssen im Gegen­zug einen Beitrag von mindestens 10 Euro im Monat selbst leisten. Da die gesetzliche Pflege­versicherung im Fall der Pflege nur einen Teil der Kosten über­nimmt, fängt der neue Tarif einen weiteren Teil dann entstehender Ausgaben ab. Versichern kann sich jeder, der zulagenberechtigt ist. Das ist jeder, der das 18. Lebens­jahr voll­endet hat und gesetzlich pflege­versichert ist.

Kalkulation mit Mindest­grenzen

Beitrag und Versicherungs­summe sind bei der geförderten Pflege­versicherung, und so auch bei der Barmenia und der Huk-Coburg, abhängig vom Alter und dem Versicherungs­betrag des Versicherten. Auch berück­sichtigen die Versicherungs­unternehmen bei ihrer Kalkulation gesetzlich vorgegebene Grenzen wie den Mindest­beitrag von 15 Euro (inklusive der monatlichen Zulage von 5 Euro) und die Mindest­leistung von 600 Euro in Pfle­gestufe III. Junge Leute bekommen mehr Leistung für den Mindest­beitrag von 15 Euro. Ältere Versicherungs­nehmer zahlen dagegen deutlich mehr als 15 Euro für die Mindest­leistung von 600 Euro.

Beispiel: Schließt ein 30-Jähriger einen Vertrag ab, erhält er für 15 Euro von der Barmenia im Fall von Pflegebedürftig­keit 828,72 Euro, bei der Huk-Coburg 815,22 Euro. Unter­schreibt ein 50-Jähriger die geförderte Pflege­versicherung, zahlt er monatlich 24,78 Euro bei der Barmenia, um einen Betrag von 600 Euro in Pfle­gestufe III zu erhalten, und 22,22 Euro bei der Huk-Coburg (siehe Tabelle unten).

Geld zur freien Verfügung

Anspruch auf Leistung besteht aber auch in den anderen Pfle­gestufen. Die Musterbedingungen des Verbandes der Privaten Kranken­versicherer (PKV) schlagen vor: In Pfle­gestufe 0 sollen mindestens 10 Prozent, in Stufe I 20 Prozent und Stufe II mindestens 30 Prozent der Leistung von 600 Euro der Pfle­gestufe III im Versicherungs­fall geleistet werden. Beide, die Barmenia und die Huk-Coburg, weichen jedoch von den Empfehlungen des Verbandes ab: Sie zahlen beide in Pfle­gestufe I mindestens 30 und in II 60 Prozent von 600 Euro, also 180 und 360 Euro. Bei erheblich einge­schränkter Alltags­kompetenz wie bei der Demenz in Pfle­gestufe 0 halten sich die Versicherer an die monatliche Zahlung von mindestens 10 Prozent.

Beispiel: In Pfle­gestufe 0 bekommt der 30-Jährige bei einem regel­mäßigen Beitrag von 15 Euro bei der Barmenia knapp 83 Euro und bei der Huk-Coburg 81,52 Euro.

Leistungen (pro Monat)

Barmenia

Huk-Coburg

in Prozent
der vollen Leistung

in Euro

in Euro

Beitrag für 30-Jährigen

15,00*

15,00*

Pfle­gestufe 0

10

82,87

81,52

Pfle­gestufe I

30

248,62

244,57

Pfle­gestufe II

60

497,23

489,13

Pfle­gestufe III

100

828,72

815,22

Beitrag für 50-Jährigen

24, 78*

22,22*

Pfle­gestufe 0

10

60,00

60,00

Pfle­gestufe I

30

180,00

180,00

Pfle­gestufe II

60

360,00

360,00

Pfle­gestufe III

100

600,00

600,00

*inklusive 5 Euro staatlicher Zulage

    Pros und Contras

    • Keine Gesund­heits­prüfung. Ein Vorteil der geförderten Pflege­versicherung ist, dass es hier keine Gesund­heits­prüfung und auch keine Risiko­zuschläge bei Vorerkrankungen des Versicherten gibt. Damit haben beispiels­weise auch chro­nisch Kranke mit einem hohen Pflegerisiko die Chance, sich zu versichern. Auch das Alter spielt kein Rolle.
    • Vertrag kann ruhen. Gesetzlich vorgeschrieben ist außerdem, dass der Vertrag bis zu drei Jahre ruhen kann, im Fall dass der Versicherte hilfebedürftig wird und die Grund­sicherung oder Sozial­hilfe erhält. Die Alterungs­rück­stellung geht in dieser Zeit nicht verloren.
    • Warte­zeit. Die Versicherten können Leistungen im Pflegefall erst nach einer Warte­zeit von höchs­tens fünf Jahren in Anspruch nehmen – gerechnet ab Vertrags­abschluss. Wird der Versicherte aufgrund eines Unfalls pflegebedürftig, kann er bei der Barmenia schon vor Ablauf der fünf Jahre Leistungen der geförderten Pflege­versicherung erhalten.
    • Leistung bei Demenz. Zu gering ist die Leistung bei Demenz. Wird der bei Abschluss 50-Jährige in Pfle­gestufe 0 einge­stuft, hilft ein monatlicher Betrag von 60 Euro nur wenig weiter. Die Kosten zu decken, die dann beispiels­weise bei einer Betreuung fällig werden, liegen deutlich höher. Allein ein Tag in der Tages­pflege, in der Demente betreut werden, kostet schon heute in Pfle­gestufe 0 mehr als 70 Euro.

    Finanzlücke in jeder Pfle­gestufe

    Wer in Zukunft eine gute und professionelle Versorgung zuhause oder in einem Pfle­geheim erhalten möchte, braucht viel Geld und auch mit der staatlich geförderten ergänzenden Pflege­zusatz­versicherung bleibt eine Finanzlücke in jeder Pfle­gestufe. Beispiel: Bei jemanden, der mit 30 Jahren einsteigt, bleiben nach Abzug des Anteils der gesetzlichen Pflege­versicherung in Pfle­gestufe III bei der Barmenia noch 1 371 Euro und bei der Huk-Coburg fast 1 385 Euro als Lücke, die beispiels­weise durch die Rente gedeckt werden müssen. Beim Einstieg eines 50-Jährigen liegt die Finanzierungs­lücke bei beiden Versicherern sogar bei 1 600 Euro. Beide Versicherer geben unterschiedliche Möglich­keiten zum Schließen der Lücke: Während die Huk-Coburg im gleichen Tarif ohne neuen Vertrag die Verdoppelung des Pflegegeldes bis 1 200 Euro in Pfle­gestufe III anbietet, hat die Barmenia eine weitere zusätzliche unge­förderte Pflege­versicherung, die „Pflege Plus“, die Versicherte extra abschließen. Die deckt dann zwar weitere Kosten, der Monats­beitrag wird dadurch aber deutlich teurer. Zudem müssen hier auch wieder Gesund­heits­fragen beant­wortet werden. Für Menschen mit Vorerkrankung kommt sie damit nicht mehr infrage.

    Unser Fazit

    Um Vorsorge für die beträcht­lichen privaten Aufwendungen in der Pflege zu treffen, kann eine Zusatz­versicherung durch­aus nützlich sein. Auch Menschen, die bisher wegen Vorerkrankungen keine private Pflege­versicherung abschließen konnten, bringt die Möglich­keit der geförderten Pflege­versicherung Vorteile. Jedoch sollten Gering­verdiener, auch wenn die Beiträge nied­rig sind, sich den Abschluss genau über­legen. Der Grund: Die Leistungen der Versicherung werden im Pflegefall auf die Grund­versorgung ange­rechnet. Hinzu kommt, dass Pfleg­etagegeld­policen sich nur für Versicherte eignen, die ein sicheres Einkommen haben und die Beiträge dauer­haft zahlen können. Kündigt der Kunde den Vertrag, sind die bis dahin gezahlten Beiträge weg. Zu bedenken ist dabei auch, dass eine Privathaft­pflicht­police, der Berufs­unfähigkeits­schutz und die private Alters­vorsorge wichtiger sind als eine Pflege­versicherung.

    Allein der Schnell­test zur Huk und der Barmenia zeigt: Ein Vergleich der Angebote lohnt. Weitere Versicherer werden nach­ziehen. Die Stiftung Warentest bleibt dran am Thema.

    Dieser Artikel ist hilfreich. 307 Nutzer finden das hilfreich.