Geflügelteile (Hähnchen und Pute) Test

Salmonellen, Antibiotika, Nitrofen – sind das Skandale um Einzelfälle? Das Geflügel, das test untersuchte, war jedenfalls meist in Ordnung. Die unerfreuliche Ausnahme: Von 34 frischen Teilen waren 5 vorzeitig vergammelt.

Von wegen glückliche Hühner. Eng zusammengedrängt in Ställen meist ohne Tageslicht, oft in nur fünf Wochen hochgemästet – das kurze Leben eines Masthuhns in der Intensivhaltung ist alles andere als erfreulich. Nicht viel anders sieht es bei Puten aus.

Glücklich waren eine Zeit lang wenigstens die Geflügelproduzenten. Denn BSE, Maul- und Klauenseuche und andere Skandale hatten nicht wenigen Verbrauchern gründlichst den Appetit auf Rind und Schwein verdorben. Da war das helle, fettarme Fleisch von Hähnchen und Pute eine willkommene Alternative.

Kein Wunder also, dass der Verbrauch von Geflügel in die Höhe schnellte. Bis dort der Unkrautvernichter Nitrofen und Nitrofurane (Antibiotika) gefunden wurden, beide gesundheitsgefährdend und EU-weit verboten. Selbst Biohühnchen waren vom Nitrofenskandal betroffen, womit die Verunsicherung einen Höhepunkt erreichte. Welches Fleisch, so die Frage, kann man eigentlich noch essen?

Geflügel auf jeden Fall. Das ist jedenfalls die Antwort, nachdem die Stiftung Warentest in aufwendigen Untersuchungen zahlreiche Proben des gerupften, zerlegten Federviehs, so wie es im Kühlregal liegt, kontrolliert hat: Im Test waren 34 Hähnchen- und Putenteile, also Schenkel und Brust oder Teile davon, oft als Schnitzel bezeichnet.

Geflügelfleisch weitgehend o. k.? Das mag nach immer wiederkehrenden Skandalüberschriften paradox klingen. Aber Anlass waren – was Schadstoffe und Rückstände angeht – offenbar doch Einzelfälle. Gewiss, bei Nitrofuranen und Nitrofen hatten die Prüfer das erfreuliche Testergebnis schon fast erwartet. Weniger vorhersehbar war aber, dass sich kaum Rückstände von anderen Antibiotika fanden. Das Gleiche gilt für die geflügeltypischen Salmonellen und Campylobacter, die immer wieder zu Lebensmittelvergiftungen führen.

Umso ärgerlicher der wesentlichste Mangel: Jedes siebte Geflügelteil im Test war am Verbrauchsdatum nicht mehr genießbar. Auch wenn es hier – wie bei allen leicht verderblichen Produkten – nicht um eine Mindest-
haltbarkeits-, sondern um die schärfere Verbrauchsfrist geht: Solche Mängel sind bei hygienischer Produktion und richtiger Lagerung vermeidbar. Das zeigt auch dieser Test.

Ärgerlich aber auch, dass ein Biohähnchen dabei war (Grüne Wiesen). Denn nicht wenige sind im Vertrauen auf artgerechtere Aufzucht und rundum bessere Qualität bereit, für Bio oder Öko deutlich mehr zu zahlen. Beispielsweise knapp 15 Euro für ein Kilo Hähnchenkeulen oder mehr als 20 Euro für Putenschnitzel. Aus konventioneller Produktion kostet das oft nur ein Drittel oder ein Viertel.

Rückstände und Schadstoffe

Geflügelteile (Hähnchen und Pute) Test

Brustfleisch vom Geflügel: Fettarm, vielseitig und schnell zubereitet.

Im Visier der Prüfer waren zahlreiche Rückstände und Schadstoffe. Im Einzelnen fahndeten sie nach:

  • Nitrofen. Rückstände dieses verbotenen Unkrautvernichtungsmittels wurden in keiner Probe entdeckt. Andere Pestizide – wie DDT oder Lindan – fanden sich lediglich in unbedenklichen Spuren.
  • Arzneimittel. Rückstände der EU-weit verbotenen Antibiotika Chloramphenicol und Nitrofurane fanden wir gar nicht. In zwei Fällen zeigten Knochen Hinweise, dass Tetrazykline gegeben wurden. Dieses Antibiotikum ist zulässig, sollte den Tieren aber unserer Ansicht nach nur bei Erkrankungen gegeben werden. Ob es auch vorbeugend oder als Wachstumsförderer eingesetzt wurde, können Laboranalysen nicht klären. Deshalb haben wir die Funde nicht bewertet.

Nicht frisch genug

Geflügelteile (Hähnchen und Pute) Test

Hähnchenkeulen: Gut gewürzt für alle, die Knuspriges mit ein wenig Fett lieben.

Was die Tester gründlich bemängelten, war fehlende Frische. Im Klartext: Von 34 abgepackten, frischen Geflügelteilen – Brust und Schenkel von Hühnchen und Pute – waren 5 am Verbrauchsdatum verdorben. Dazu gehörten ein Bioprodukt (Grüne Wiesen Hähnchenkeulen) sowie ein konventionelles deutsches (Pollux Putenschnitzel) und 3 französische Produkte (Hähnchenbrustfilets und Putenschnitzel von Père dodu sowie Pic’Or Putenschnitzel). Diese Teile rochen schon beim Auspacken so säuerlich und stechend, dass die Tester gares Fleisch erst gar nicht probierten.

Frischfleisch ist empfindlich. Doch wenn Hühnchen und Pute hygienisch geschlachtet und zerlegt sind, müssten sie gut verpackt und gekühlt fünf bis sieben Tage überstehen. Vorausgesetzt, die Kühltemperatur ist in Ordnung: höchstens 4 Grad Celsius im Kühlregal. Ob diese Temperaturen allerdings auch immer im Kühlschrank zu Hause erreicht werden, ist fraglich. Länger wäre die Haltbarkeit, wenn die Teile bei der Produktion bestrahlt würden, was in Deutschland nicht erlaubt ist. Und was auch nicht vorkam, wie der Test zeigt.

Salmonellen und Campylobacter

Meist schmeckt und riecht man den Verderb. So auch bei den fünf genannten Produkten. Mit zwei weiteren waren unsere Experten ebenfalls nicht zufrieden, als sie Geruch, Geschmack, Mundgefühl und Nachgeschmack beschrieben. Bei den Meisterqualität Hähnchenschenkeln und dem Heidegold Hähnchen Brustfilet entwickelten sich Fehler wie ein dumpfer Geschmack, was beispielsweise auch am Futter liegen kann. An 21 Produkten hatten die Sensoriker praktisch nichts auszusetzen. „Arttypisch“, „einwandfrei“, „saftig“, „zart im Biss“ – so oder ähnlich klang da das Fazit.

Auf Zunge und Nase ist aber kein Verlass, wenn es um bestimmte krankmachende (pathogene) Keime geht wie Salmonellen und Campylobacter. Beide schmeckt man nicht, sie können also unerkannt zu schweren Erkrankungen führen. Allerdings: Die Hitze beim Braten und Kochen zerstört sie. Campylobacter fanden wir bei den Reichelt-Hähnchenschenkeln – sensorisch ohne Fehler – und bei den Hähnchenkeulen der Grünen Wiesen Biohöfe. Die rochen schon roh verdorben, weil sie noch andere Keime im Überfluss hatten.

Insgesamt scheinen die Produktionsverhältnisse jedoch hygienischer geworden zu sein. Dafür spricht auch, dass wir Salmonellen trotz strengster Prüfmethode nur einmal in kleinen Mengen fanden.

Wenig Klartext auf dem Etikett

Auf den Etiketten geht es oft ländlich-sittlich zu. Da werden heimelige Bauernhöfe abgebildet, es locken Aufdrucke wie „Frischgeflügel vom Lande“, „aus kontrollierter Aufzucht“, „zu 100% ausgewogene Fütterung“. Doch das alles macht den Vogel nicht zum Biohuhn oder zur freilaufenden Pute. Der Gesetzgeber unterscheidet extensive Bodenhaltung, Auslaufhaltung, bäuerliche Auslaufhaltung, bäuerliche Freilandhaltung – Begriffe, die wir auf den Etiketten nicht fanden. Ohne Hinweis darauf oder auf Öko/Bio muss man davon ausgehen, dass der Braten aus der Intensivzucht stammt. „Öko/Bio“ stand dort nur zwei Mal.

Auch sonst muss man Etiketten zu lesen wissen. Mancher mag nach Skandalen um Geflügel aus dem Ausland – wie Dioxin in Belgien – Wert auf deutsche Ware legen. Ein „D“ in dem kleinen ovalen so genannten Genusstauglichkeitszeichen heißt aber nur, dass das Federvieh hier geschlachtet wurde; seine Heimat kann durchaus Belgien sein. Den lückenlos deutschen Weg vom Ei über den Stall zur Theke sollen andere Hinweise garantieren wie ein dreifaches D auf dem Etikett.

Die fünf Produkte, die am Verbrauchsdatum nicht mehr genießbar waren, bekamen in der Deklaration ein „Mangelhaft“. Denn sie waren schlicht falsch etikettiert: Dieses Datum soll ja garantieren, dass Verbraucher das Lebensmittel bis dahin ohne wesentliche Qualitätseinbußen genießen können. Und das war nun wirklich nicht der Fall.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2836 Nutzer finden das hilfreich.