Gefahr durch Dialer Meldung

Die Dialerabzocke geht trotz verschärfter Gesetze großflächig weiter. Jetzt sind sogar bislang gefahrlose Gefilde des Internet betroffen. Bisher konnten Surfer die meisten Gebührenfallen umgehen, wenn sie sich von Erotikangeboten im Netz fernhielten. Anbieter versuchen nun mit scheinbar seriösen und harmlosen Webseiten, Surfer abzuzocken. Wer bei google Wörter wie etwa „Rezept“, „Brautmode“ oder „Sinnsprüche“ eingibt, trifft auf Internetseiten, hinter denen Dialer lauern. test.de zeigt die neuesten Tricks der Dialer und was Sie tun können.

Huhn ohne Sex

Unterwegs bei google auf der Suche nach einem Hähnchenrezept: Mit den beiden Wörtern „Rezept“ und „Huhn“ bekommen Hobbyköche delikate Treffer wie etwa „Huhn italienisch“ oder „Senfhonig-Huhn“. Geht der Surfer auf die letzte Seite, findet er eine professionell und seriös gestaltete Homepage. Der Anbieter verspricht 30 000 Rezepte. Ein Klick auf den Button „mehr dazu“ öffnet nicht die angedeutete Leiste, sondern ein neues Fenster. Für die uneingeschränkte Nutzung der Website soll der User „OK“ eintippen. Nachdem er das getan hat, installiert sich unmittelbar ein Einwählprogramm und startet eine Verbindung. Kosten: 1,99 Euro pro Minute. Je nach Dauer der Onlinesitzung kann das Rezept dann weit über 100 Euro kosten.

Kampf gegen Missbrauch

Gefahr durch Dialer Meldung

„Rezept“ und „Huhn“: Die Suche führt zu Webseiten mit Dialern.

Eigentlich sind Dialer nichts schlimmes. Firmen bieten auf ihren Homepages eine Dienstleistung an und kassieren mit Hilfe des Einwählprogramms pro Minute entsprechende Telefongebühren. Seit dem 15. September müssen Anbieter ihre Dialer bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) registrieren lassen. Das schreibt das Gesetz zur „Bekämpfung des Missbrauchs von 0 190er-/0 900er-Mehrwertdienste-Rufnummern“ vor. Die RegTP stellt an die Programme der Anbieter Mindestanforderungen: So muss zum Beispiel der Tarif deutlich und permanent erkennbar sowie die Dauer der Verbindung auf maximal eine Stunde eingeschränkt sein.

Verstöße trotz Registrierung

Gefahr durch Dialer Meldung

Regelverstoß: Kein Hinweis auf die Installation des Dialers.

Zurück zu den Rezept-Dialern: Der erste Treffer aus der google-Liste ist „Huhn koreanisch“. Der Dialer verstößt klar gegen die Regeln der RegTP. Im Fenster fehlt zum Beispiel der Hinweis, dass ein kostenpflichtiges Einwählprogramm heruntergeladen wird. Betrogene Surfer können deshalb die Kosten für diesen Dialer stornieren lassen. Der zweite Treffer in der Liste „Senfhonig-Huhn“, der dann auf die Seite ich-koche verlinkt, scheint den Mindestanforderungen der RegTP zu entsprechen. Deshalb ist der Dialer bei der RegTP registriert. Das ist Voraussetzung für solche kostenpflichtigen Dienstleistungen. Die Firma Intexus GmbH aus Berlin hat den Dialer „intexusdial“ programmiert. Über 3 000 Anbieter nutzen ihn. Unter ihnen auch David Spurk, der für seine ich-koche-Rezeptdatenbank 1,99 Euro pro Minute kassiert.

Wahrscheinlich illegal

Gefahr durch Dialer Meldung

Der Knackpunkt: Erst hinter „weitere Informationen“ verstecken sich die Tarife.

Nach Ansicht der Stiftung Warentest verstößt auch dieser Dialer gegen die Regeln der RegTP. test.de hat die Behörde informiert und sie veranlasst, eine Überprüfung einzuleiten. Über den Zeitpunkt und die Dauer des Verfahrens gab die RegTP keine Auskunft. Bestätigt die Behörde die Einschätzung der Stiftung Warentest, dann ist der Dialer illegal. Denn der Anbieter hat sich bei der Registrierung dazu verpflichtet, die Mindestanforderungen einzuhalten. Alle Anbieter, die diesen Dialer der Firma Intexus verwenden, dürften also den Besuchern ihrer Homepage keine Kosten in Rechnung stellen. Und die Gefahr, auf solche oder ähnliche Dialer hereinzufallen, ist nicht gering: Allein der Dialer der Firma Intexus wird auf mehreren 1 000 Homepages eingesetzt.

Bücher sind billiger

Unabhängig von Dialern, die falsch registriert sind, muss sich der Surfer genau überlegen, ob zu zahlende Gebühren im Verhältnis zur angebotenen Dienstleistung stehen. Dauert das Herunterladen eines Senfhonig-Huhn-Rezepts zwei Minuten, bezahlt der Kunde schon vier Euro. Komplette Kochbücher mit dutzenden Rezepten kosten nicht viel weniger.

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