Geburtshilfe Meldung

In kleinen Geburtskliniken sterben während der Geburt und in der ersten Lebenswoche mehr Neugeborene als in großen Entbindungsstationen. Das ergab eine Studie von Marburger Wissenschaftlern. Sie werteten die Daten von fast 600 000 Geburten der Jahre 1990 bis 1999 in Hessen aus. Danach gab es in kleinen Krankenhäusern mit weniger als 500 Geburten jährlich dreimal so viele Todesfälle wie in Kliniken mit mehr als 1 500 Entbindungen.

Es handelt sich um die erste große Studie in Deutschland, die „Niedrig-Risiko-Geburten“ untersucht. Das sind Geburten, bei denen während der Schwangerschaft nichts auf eine erhöhte Gefahr hingedeutet hatte und das Geburtsgewicht mindestens 2 500 Gramm betrug. Risikoschwangere werden meist ohnehin an Kliniken überwiesen, die für alle Komplikationen gerüstet sind.

Zahlen aus anderen Bundesländern bestätigen den hessischen Trend. Die Autoren der Studie fordern, über eine Neuorganisation der Geburtshilfe nachzudenken, auch wenn die Ursachen für die höhere Sicherheit in großen Kliniken noch erforscht werden müssen. Sie vermuten, dass kleine Krankenhäuser auf Notfälle nicht so rasch reagieren können wie technisch und personell besser ausgestattete – und sie bedauern, dass immer mehr Frauen kleine Entbindungsstationen bevorzugen.

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