Geburt Meldung

Heb­ammen raten oft zu einer aufrechten Gebärhaltung, um etwa die Schwer­kraft auszunutzen. Eine britische Studie zeigt: Unter Umständen kann eine liegende Position am Ende des Gebär­vorgangs die Chance auf eine natürliche Geburt erhöhen. Für wen das gilt und was die Studie noch ergab, darüber informiert test.de.

Was viele Heb­ammen empfehlen

„Ich musste bei der Geburt meines ersten Kindes viel liegen und hatte das in sehr schlechter Erinnerung. Bei meinem zweiten Kind bekam ich statt­dessen viele Anregungen für aufrechte Positionen. Das hat mir am meisten geholfen, die Wehen besser verarbeiten zu können.“ So zitiert der deutsche Heb­ammen­verband eine Mutter auf seiner Webseite. Umher­laufen, hinho­cken, in den Vierfüß­lerstand gehen, auf einem Gymnastikball sitzen – viele Heb­ammen raten Frauen, während des Geburts­vorgangs immer wieder die Position zu wechseln. Das soll etwa helfen, mit den schmerzhaften Wehen fertig zu werden, und die Geburt voran­bringen. Vor allem aufrechte Positionen gelten als vorteilhaft – aus verschiedenen Gründen: Muskel­kraft und Schwer­kraft würden etwa gut zusammen­spielen, das Köpf­chen des Kindes würde leichter in den Geburts­kanal rutschen, die Gebärende könne besser atmen und hätte eine gute Kontrolle über ihren Körper.

PDA hat Auswirkungen auf die Geburt

Welchen Einfluss die Position der Mutter auf die Geburt hat, dürfte insbesondere Schwangere interes­sieren, die eine schmerzlindernde lokale Betäubung in Betracht ziehen, die Peridural­anästhesie – kurz PDA. Denn Geburten mit einer PDA stehen im Ruf, im Schnitt etwas länger zu dauern und etwas häufiger durch Instru­mente wie eine Saugglocke oder Geburts­zange unterstützt werden zu müssen. Bei der PDA wird eine kleine Menge Betäubungs­mittel in den Bereich der Lendenwirbelsäule gespritzt. Bei nied­riger Dosierung spürt die Frau im Unterleib keine oder weniger Schmerzen, kann aber weiter die Beine bewegen und – mit etwas Unterstüt­zung – auch gehen.

Ratgeber für neue Eltern: 365 Tipps fürs erste Jahr

Damit es im turbulenten Babyall­tag immer entspannt bleibt, gibt es in unserem Ratgeber Babys für Einsteiger 365 Tipps fürs erste Jahr. Sie helfen neuen Eltern, Unsicherheiten zu beseitigen, räumen mit Ammenmärchen auf und schärfen den Blick fürs Wesentliche. Unser Ratgeber hat 214 Seiten und ist für 16,90 Euro im Buch­handel oder in unserem test.de-Shop erhältlich .

Liegen hat bei Erst­gebärenden mit PDA Vorteile

Um heraus­zufinden, welche Geburts­position bei Frauen mit einer PDA tatsäch­lich die bessere ist, haben britische Wissenschaftler die BUMPES-Studie durch­geführt: An 41 Kliniken nahmen über 3 000 Frauen teil, die zum ersten Mal gebaren und sich für eine nied­rigdosierte Peridural­anästhesie entschieden hatten. Das Ergebnis: Bei Erst­gebärenden mit einer PDA kann das Liegen am Ende des Gebär­vorgangs die Chance auf eine natürliche Geburt erhöhen. Nachteile für die Gesundheit der Mutter oder des Kindes waren nicht erkenn­bar. Durch das Liegen kam es nicht häufiger zu Verletzungen des Damm­gewebes oder zu größeren Blut­verlusten.

Besser auf der Seite liegen

Die Wissenschaftler teilten die Frauen zufäl­lig in zwei Gruppen ein: Die Frauen in der ersten Gruppe erhielten die Anweisung, in der letzten Phase der Geburt aufrecht zu sein, dabei konnten sie etwa stehen, sitzen oder hocken. In der zweiten Gruppe wurden die Frauen gebeten, liegen zu bleiben – bevor­zugt entweder auf der rechten oder linken Seite, damit große Gefäße wie die Aorta oder Hohlvene nicht komprimiert werden und so eine Durch­blutung der Plazenta gefährden. In aufrechter Position kam es in rund 35 Prozent der Fälle zu einer natürlichen Geburt ohne instru­mentelle Hilfe, in liegender Position dagegen sogar bei gut 41 Prozent. In den restlichen Fällen kamen Saugglocke oder Geburts­zange zum Einsatz, oder das Kind wurde per Kaiser­schnitt entbunden.

Ergeb­nisse sind nicht auf Geburten ohne PDA über­trag­bar

Die Studie kann keine generelle Empfehlung geben: Die britischen Autoren weisen darauf hin, dass die Ergeb­nisse sich nur auf Frauen beziehen, die zum ersten Mal Mutter werden und eine leichte PDA bekommen. Sie sind daher nicht über­trag­bar auf Frauen, die etwa zum zweiten Mal gebären oder keine PDA haben. Hierfür seien weitere Unter­suchungen nötig. Die Studie war außerdem pragmatisch: Die Frauen durften ihre Position ändern, wenn das für sie angenehmer war. Nicht alle hielten also die angewiesene Position ein. Das schwächt die Aussagekraft der Studie etwas. Generell sollten Frauen während des Geburts­vorgangs die Möglich­keit haben, die Position zu wählen, die für sie angenehm ist.

Newsletter: Bleiben Sie auf dem Laufenden

Mit den Newslettern der Stiftung Warentest haben Sie die neuesten Nach­richten für Verbraucher immer im Blick. Sie haben die Möglich­keit, Newsletter aus verschiedenen Themen­gebieten auszuwählen.

test.de-Newsletter bestellen

Dieser Artikel ist hilfreich. 6 Nutzer finden das hilfreich.