Gebühren für Gepäck Meldung

Wer es schon einmal erlebt hat, weiß: Zu den wohl peinlichsten Situationen im Leben eines Reisenden zählt das Öffnen der Koffer am Flughafen. Alle umstehenden Passagiere schauen zu, wenn wieder jemand seine sieben Sachen umsortiert und damit unfreiwillig Einblick in seine Intimsphäre gewährt. Trotzdem treten diese Szenen immer häufiger auf. Der Grund: Viele Fluggesellschaften haben ihre Grenzen für Freigepäck gesenkt und verlangen zum Teil saftige Gebühren für jedes zusätzliche Kilogramm. test.de gibt Tipps zum Kofferpacken.

Am Anfang war Ryanair

Der irische Billigflieger hat im vergangenen Jahr als erste Fluggesellschaft eine Gebühr für jedes aufgegebene Gepäckstück eingeführt und das Höchstgewicht auf 15 Kilogramm je Passagier gesenkt. Zur Zeit liegt der Preis für ein bei der Online-Buchung bezahltes Gepäckstück bei 6 Euro je Strecke. Wer erst am Flughafen zahlt, muss doppelt so tief in die Tasche greifen: 12 Euro kassiert Ryanair dort pro Strecke für jeden Koffer bis 15 Kilogramm. Für jedes weitere Kilogramm kommen noch einmal 8 Euro hinzu.

Gepäck teurer als Ticket

Die Mitnahme eines 20 Kilogramm-Koffers kostet also bis zu 52 Euro je Strecke - manchmal mehr als das Billigticket selbst. Auch ärgerlich: Gemeinsam reisende Passagiere können bei Ryanair ihr Gepäck nicht mehr „poolen“, das heißt gemeinsam wiegen lassen. Die leichte Kindertasche gleicht somit nicht mehr den schweren Koffer der Eltern aus. Jedes Gepäckstück zählt einzeln und kostet bei Überschreiten der 15 Kilogramm-Grenze extra. Kostenlos ist bei Ryanair nur das Handgepäck - erlaubt sind 10 Kilogramm pro Passagier.

20 Kilogramm inklusive

Eine ähnliche Gepäckpolitik verfolgt die ebenfalls irische Aerlingus: Sie kassiert auf Kurzstrecken 8 Euro für Gepäckstücke bis 20 Kilogramm - 4 Euro bei Onlinebuchung. Zum Vergleich: Die anderen in Deutschland startenden Billigflieger Air Berlin, Germanwings und Tuifly nehmen derzeit Gepäckstücke bis zu einem Gesamtgewicht von 20 Kilogramm ohne zusätzliche Gebühren mit. Auch bei Easyjet ist ein Gepäckstück bis 20 Kilogramm inklusive. Verteilt sich das Gewicht jedoch auf mehrere Taschen, berechnet die Fluggesellschaft 15 Euro je Stück und Strecke - bei Online-Buchung 7,50 Euro.

Weniger Freigepäck

Auch die großen Fluggesellschaften drehen an der Gebührenschraube: Seit 13. Februar dürfen Economy-Passagiere bei British Airways nur noch ein Gepäckstück bis 23 Kilogramm mitnehmen. Auf Flügen nach Nord- und Mittelamerika gilt zwar weiterhin das Two-Piece-Konzept. Doch auch hier hat die Airline das Höchstgewicht von 32 auf 23 Kilogramm je Gepäckstück gesenkt. Jede zusätzliche Tasche oder ein extra Koffer kostet 176 Euro pro Stück auf Langstrecken und 88 Euro innerhalb Europas. Immerhin: Bei Überweisung vor dem Abflug gewährt British Airways 30 Prozent Rabatt. Neben British Airways haben auch Air France, Condor, KLM, LTU und Lufthansa die Freigepäckgrenzen für Transatlantikflüge gesenkt. Die Zusatzkosten für mehr oder schwereres Gepäck schwanken je nach Fluggesellschaft zwischen 4 und 40 Euro je Kilo und Strecke - abhängig von der Entfernung.

Tipps

  • Kleingedrucktes lesen. Achten Sie bei jeder Flugbuchung auf die Bestimmungen zum Freigepäck - selbst wenn Sie in der Vergangenheit mit der gleichen Fluggesellschaft geflogen sind. Das gilt umso mehr, wenn Sie mit Sportgepäck reisen. Hier ändern sich die Regeln und Gebühren von Zeit zu Zeit.
  • Gebühren einplanen. Vergleichen Sie die Ticketpreise der verschiedenen Fluggesellschaften und rechnen Sie die zusätzlichen Kosten für das Gepäck mit ein.
  • Schlank packen. Nehmen Sie nur mit, was Sie auf der Reise tatsächlich brauchen. Jedes zusätzliche Kilogramm kostet unter Umständen nicht nur zusätzliche Gebühren, sondern erhöht auch den Kerosinverbrauch und damit den CO2-Ausstoß.
  • Vorausdenken. Wiegen Sie Ihr Gepäck vor der Fahrt zum Flughafen ab. Das schützt vor bösen Überraschungen am Check-in-Schalter. Zuhause können Sie leichter umsortieren oder eine zusätzliche Tasche mitnehmen.

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