Gebühren beim Fondskauf Test

Börse Frankfurt am Main

Anleger können ihrer Hausbank treu bleiben und dennoch die Gebühren beim Fondskauf drücken. Sie müssen Fonds nur an der Börse kaufen lassen. Bei einer Anlage von 10 000 Euro ist das leicht 400 Euro billiger als der Kauf mit Ausgabeaufschlag.

Pastor Thomas Bergmann ist ein optimistischer und aktiver Mensch. Und er weiß, dass sich Aktivität auch bei der Geldanlage auszahlt.

Für seine Altersvorsorge setzt Bergmann auch auf Aktienfonds. Ohne sie kann er sich langfristig keine überzeugende Rendite vorstellen. Die Rendite ist aber umso höher, je billiger er die Fondsanteile einkauft. Der Pastor kauft deshalb schon seit zwei Jahren seine Fonds nur noch an der Börse.

Als Kunde der Direktbank ING-Diba zahlt er zum Beispiel für eine 2 500-Euro-Order 9,90 Euro Kaufspesen. Dazu kommen rund 20 bis 25 Euro für die Handelsspanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Damit liegt Bergmann weit unter den 120 Euro, die beim Kauf von Aktienfonds in vielen Bankfilialen als gängige Kaufkosten anfallen.

Die ING-Diba gewährt zwar für zahlreiche Fonds Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Doch Bergmann fährt oft auch bei ihr günstiger, wenn er über die Börse kauft.

Börsenkauf bequem in der Filiale

Gebühren beim Fondskauf Test

Pastor Thomas Bergmann kauft seine Aktienfonds über die Börse. Auch beim deutschen Spitzenfonds Cominvest Fondak hat er auf diese Weise den Ausgabeaufschlag gespart.

Was der Pastor erfolgreich praktiziert, ist auch den meisten Filialkunden von Banken und Sparkassen zu empfehlen. Sie sollten dem Bankmitarbeiter den Auftrag geben, ihre Fonds über die Börse zu kaufen.

Tun sie das nicht, wählt der Bankan­gestellte den klassischen, teuren Weg. Erordert die Fondsanteile bei der Fondsgesellschaft, zum Beispiel DWS oder Union,Fidelity oder Franklin Templeton, und lässt sich diese Arbeit mit einem Ausgabeaufschlag honorieren. Für Aktienfonds fallen in der Regel Kosten von etwa 5 Prozent an.

Gerade den vielen Anlegern, die ihrer Filialbank treu bleiben wollen, bietet der Fondskauf über die Börse eine gute Chance zum Sparen. Sie müssen sich weder eine andere Bank suchen noch auf eine neue Technik wie Internetbanking umstellen. Es reicht der Auftrag an den Bankberater.

Sparen kann jeder, der sonst einen hohen Ausgabeaufschlag zahlen müsste, egal ob er in der Filiale, telefonisch oder übers Internet kauft. Die Höhe der Ersparnis ist allerdings von Bank zu Bank sehr un­terschiedlich. Das zeigt der aktuelle Finanztest-Vergleich der Orderkosten.

Am billigsten geht es online über viele Direktbanken. Aber auch der Fondskauf am Bankschalter muss nicht teuer sein. Vor allem bei der Deutschen Bank mit dem Depot maxblue und bei der Postbank ist gerade für höhere Anlagesummen eine große Ersparnis drin.

Manche Banken schießen quer

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Börse Düsseldorf

Einige Banken sehen es allerdings nicht gern, wenn ihre Kunden die traditionellen Kaufwege verlassen wollen. Die Dresdner Bank lässt bei hauseigenen Fonds keine Börsenorder zu. Die Citibank verschließt sich dem Börsenhandel mit Fonds sogar generell.

Bei der Berliner Sparkasse lässt der Preis für diese Ordervariante tief blicken: Miteiner Gebühr von 3 Prozent verlangt sie selbst bei größeren Orders für den Kauf von Fondsanteilen deutlich mehr als für den Kauf von Aktien. Plausibel ist das nicht, aber für Anleger sicher abschreckend. Rechnet man die zusätzlich anfallenden Börsenplatzspesen ein, kostet eine Fondsorder in den Filialen der Berliner Sparkasse zwischen 3,02 und 3,34 Prozent und lohnt sich kaum noch.

Es schlägt schließlich noch ein Posten beim Börsenkauf zu Buche, die Handelsspanne, englisch „Spread“ genannt: Der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs beträgt je nach Fonds zwischen 0,2 und 1,5 Prozent und ist bei den Kosten zu berücksichtigen. In unserer Beispielorder bei der ING-Diba über 2 500 Euro machte die Handelsspanne sogar den größten Teil der Kosten aus.

Den Spread nicht vergessen

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Börse Berlin

Der Spread ist vom Fonds, von der Tageszeit und vom Börsenplatz abhängig, nicht aber von der Bank. In unserem Test der Gebühren bei den verschiedenen Banken ist er deshalb nicht eingerechnet (Tabelle „Oft günstig: Was die Banken für den Fondskauf an der Börse kassieren“).

Wir haben aber für elf bekannte Fonds den Spread an acht Handelstagen um die Mittagszeit notiert und mit der etwa zur selben Zeit stattfindenden Preisfeststellung der Fondsgesellschaften verglichen.

Das Ergebnis macht es Anlegern bequem. Die Spreads können zwar an verschiedenen Handelstagen recht unterschiedlich ausfallen. An welcher Börse ein Anleger kauft, ist aber fast egal – vorausgesetzt, sie bietet den Fonds seiner Wahl überhaupt an.

Wer unbedingt den letzten Euro herausholen möchte, kann natürlich vor dem Kaufauftrag die Briefkurse an den einzelnen Börsen vergleichen und sich den günstigsten herauspicken. Filialkunden können ihren Berater bitten, so vorzugehen.

Ein paar Hundert Euro gespart

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Börse Hamburg

Unsere Stichprobe zeigt, wie viel Fondsanleger beim Börsenkauf sparen können. Der weltweit anlegende Aktienfonds UniGlobal war je nach Handelstag 3,5 bis knapp 5,5 Prozent billiger als beim Kauf über eine Volksbank-Filiale mit vollem Ausgabeaufschlag. Was davon nach Abzug der Kaufspesen bleibt, hängt von der Bank des Kunden ab.

Will ein Anleger in einer Filiale der Berliner Volksbank 10 000 Euro in den UniGlobal investieren, zahlt er 1 Prozent Kaufspesen. Alles in allem hätte er durch den Börsenkauf zwischen 250 und 450 Euro gespart.

Noch größere Sparerfolge konnten Anleger beim Fidelity European Growth landen, einem der besten Aktienfonds Europa. Der maßgebliche Briefkurs lag je nach Börsenplatz und Tag zwischen 4,66 und 6,15 Prozent unter dem Ausgabepreis der Fondsgesellschaft.

Beim Mischfonds UniRak hätte sich der Börsenkauf dagegen kaum gelohnt. Der Briefkurs lag nur etwa 1,3 bis 2,3 Prozent unter dem Ausgabepreis. Denn für Mischfonds verlangen die Fondsgesellschaften in der Regel nur 3 Prozent Ausgabeaufschlag, genauso wie für Rentenfonds. Rechnet man noch die Kaufspesen der Bank dazu, bringt der Börsenkauf wenig Ersparnis.

Beim beliebten Immobilienfonds SEB Immo Invest lohnt er sich wieder: Der Fonds kostet normalerweise etwa 5 Prozent extra und wird über die Börse mit sehr niedrigem Spread gehandelt. Der Vorteil lag in unserer Stichprobe zwischen 4,6 und 4,9 Prozent der Anlagesumme.

Selbst nach Abzug der Kaufspesen bleibt davon einiges übrig.

Sehr attraktiv bei hohen Summen

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Börse München

Je mehr Geld in Fondsanteile fließt, desto attraktiver ist der Kauf über eine Börse. Das liegt an der Preisgestaltung der Banken. Sie arbeiten fast immer mit einer Mindestgebühr und werden mit steigendem Anlagebetrag prozentual günstiger.

Eine 1 000-Euro-Börsenorder bei der BBBank bietet mit Kaufspesen von 3,88 Prozent kaum Vorteile gegenüber dem Kauf bei der Fondsgesellschaft. Kauft der Anleger dagegen für 10 000 Euro Fondsanteile, zahlt er nur 0,54 Prozent – das ist für eine Filialorder günstig.

Wer es deutlich billiger haben will, muss sich an den Computer bemühen und die Order selbst eintippen. Einige Banken kassieren für große Kaufaufträge bei Online-Abwicklung weniger als 0,2 Prozent.

Richtig verkaufen

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Börse Stuttgart

Natürlich können Anleger Fondsanteile nicht nur über die Börse kaufen, sondern auch verkaufen. Das ist allerdings nicht immer zu empfehlen. Anleger zahlen nämlich noch einmal Bank- und Börsengebühren. Die können sie oft vermeiden, wenn sie den Fonds stattdessen direkt an die Fondsgesellschaft zurückgeben. Denn das ist bei vielen Banken kostenlos.

Bei 1822direkt, der Frankfurter Sparkasse, der Sparkasse KölnBonn, der BBBank, der Berliner Volksbank und der Sparda-Bank Berlin müssen Anleger die Rückgabe allerdings in der Regel extra bezahlen.

Manchmal kann der Verkauf über die Börse auch von Vorteil sein, zum Beispiel bei Fonds, die in exotische Märkte investieren. Denn der Verkauf über die Börse ist sofort möglich. Anleger können schnell auf Marktentwicklungen reagieren, wenn ihnen der Boden zu heiß wird.

Bei Rückgabe an die Fondsgesellschaft dauert der Verkauf mitunter einige Tage und Anleger wissen nicht, zu welchem Preis er stattfindet.

Finanztest-Leserin Christiane Sauer kauft Fonds seit vielen Jahren vorwiegend über die Börse. Sie schätzt nicht nur die günstigeren Gebühren und die Schnelligkeit, sondern auch die Möglichkeit der Kurskontrolle: „Ein großer Vorteil liegt darin, dass es im Gegensatz zu anderen Kaufmethoden möglich ist, limitierte Kauf- oder Verkaufsaufträge aufzugeben.“ Dann wird der Auftrag nur bis zu einem festgelegten Kurs ausgeführt.

Außerdem nutzt Sauer gern die Möglichkeit, bei an der Börse gekauften Fonds Stop-Loss-Marken zu setzen. Diese vorallem bei Aktien gängige Absicherungsmethode soll im Falle eines Börsencrashs das Schlimmste vermeiden: Unterschreitet der Fondskurs die vom Anleger festgesetzte Marke, werden seine Anteile automatisch verkauft.

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