Wenn der neue Gebrauchtwagen Mängel hat, ist der Händler dran. Haften muss er aber nur, wenn ihm der Kunde Gelegenheit gibt, die Sache in der eigenen Werkstatt zu regeln.

Kunden, die ihren Gebrauchtwagen bei einem Fachhändler kaufen, können laut Gesetz einfach reklamieren, wenn das Auto muckt. Schließlich erkennen Laien beim Kauf kaum, ob der Wagen wie versprochen technisch einwandfrei ist.

Der Händler muss im ersten halben Jahr stets nachbessern, wenn sich in dieser Zeit ein Mangel zeigt. Eine Ausnahme gilt nur, wenn er beweisen kann, dass der Mangel zum Kaufzeitpunkt noch nicht vorlag und er einwandfreie Ware geliefert hat.

Diese gesetzliche Vorschrift ist günstig für den Kunden. Er muss aber zwei Regeln befolgen, wenn er davon profitieren will.

Regel 1: Erst zum Händler

Macht das Auto innerhalb der Gewährleistungsfrist Probleme, müssen Kunden stets erst zum Verkäufer. Er soll nachbessern können, falls es sich um einen reklamationsfähigen Fehler handelt. Das Argument, man habe bei einer Panne noch gar nicht an die Händlerhaftung gedacht, gilt nicht.

So entschied der Bundesgerichtshof ­gegen Frank Meyer* aus Calw, der 2002 ­einen Mercedes gekauft hatte. Als kurz ­darauf eine Kontrolllampe leuchtete, fuhr er zur nächsten Fachwerkstatt. Der Katalysator war defekt und wurde repariert.

Mit seiner Klage auf Ersatz der Kosten ­scheiterte Meyer vor dem BGH (Az. VIII ZR 49/05). Er hätte dem Händler Ge­legenheit geben müssen, den Mangel in ­einer Frist selbst zu beheben.

Was aber, wenn ein Defekt weit entfernt vom Händler auftritt? „Hier ist noch unklar, ob stets der Verkäufer den Wagen auf seinen Hof holen oder ihn der Kunde ­vorbeibringen muss“, erklärt der Kölner Autorechtsexperte Kurt Reinking.

Fahrer sollten den Händler deshalb ­telefonisch davon überzeugen, dass die Reparatur in einer nahen Werkstatt vernünftiger ist. Dafür gibt es gute Gründe. Solange unklar ist, ob ein Reklamationsfall vorliegt, ist ein teurer Transport für beide Seiten ein Risiko:

Zeigt sich, dass ein echter Mangel vorlag, müsste der Händler dafür zahlen. Stellt sich heraus, dass Verschleiß oder Fehlbedienung die Ursache des Problems war, könnte es aufgrund der strittigen Rechts­lage aber sein, dass der Kunde den Transport zahlen muss. Gut argumentieren kann, wer sich zunächst etwa vom ADAC eine erste Einschätzung geben lässt, ob wirklich ein echter Mangel nahe liegt.

Regel 2: Die Fehlerquelle klären

Ist der Händler einverstanden mit einer Reparatur in einer anderen Werkstatt oder lehnt er es rundheraus ab, sich mit dem Problem zu befassen, können Kunden die Sache anderswo erledigen lassen und dem Verkäufer die Rechnung schicken, wenn ein echter Mangel vorlag. Sie sollten dann aber darauf achten, dass die Werkstatt nicht nur den Mangel, sondern auch die Fehlerquelle eindeutig dokumentiert.

Der BGH ließ einen Kunden abblitzen, dessen Turbolader streikte. Unstreitig hatte das Teil einen Mangel. Da der Händler nicht reparieren wollte, ließ der Kunde ­eine andere Werkstatt ran, wo der alte ­Turbolader auf den Müll flog.

Da der Kunde nur den Mangel, nicht aber die genaue Ursache beweisen konnte, ging er vor Gericht leer aus (Az. VIII ZR 43/05). Die schöne Beweisregel griff mangels klarer Ursache nicht.

*Name von der Redaktion geändert.

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