Gebrauchtwagen Meldung

Autohändler müssen nun auch für Gebrauchtwagen mehr Gewähr leisten. Der Vorteil für den Käufer kann zum Nachteil für die werden, die ihr Altauto in Zahlung geben.

Wie viel Geld bekommt man eigentlich noch für ein altes Auto? Wir machten die Probe aufs Exempel und stellten einen zwölf Jahre alten VW Golf II mit deutlichen Gebrauchsspuren einem Autohändler zur Inzahlungnahme vor. Sein Angebot: Falls wir uns zum Kauf eines neuen Polo entschließen, würde er das Altauto für 250 bis 500 Euro in Zahlung nehmen. "Schließlich sparen Sie dann auch die Kosten für das Abmelden und Verschrotten", wollte er uns den Deal schmackhaft machen. Nach eingehender Untersuchung durch die angeschlossene Werkstatt reduzierte sich das Angebot aufgrund des mangelhaften Gesamtzustands auf magere 77 Euro.

Der VW-Händler hatte gar kein Interesse, den Golf in Zahlung zu nehmen. Das wurde sehr deutlich und verwundert, weil der Golf II sich gerade bei Fahranfängern einer großen Beliebtheit erfreut. Er gilt auch in höherem Alter als zuverlässig und kostengünstig. Unser Testauto war als Viertürer mit hinteren Kopfstützen sogar familientauglich und zudem mit Servolenkung, Schiebedach und Radio ausgestattet.

Als Nächstes wollten wir ein neutrales Wertgutachten beim Kfz-Sachverständigen anfertigen lassen. Der erste Fachmann fand jedoch, dass sich der Aufwand eines rund 100 Euro teuren Gutachtens angesichts des hohen Fahrzeugalters gar nicht lohnt. Kostenlos war sein Rat, das Auto für etwa 1.300 Euro privat zu inserieren. Ein anderer Kfz-Sachverständiger taxierte den Verkaufswert des Autos gegen eine Gebühr von 80 Euro nach gründlicher Untersuchung und Probefahrt immerhin noch auf 700 Euro. Zu wenig, wie wir fanden. Schließlich fährt der betagte Golf deutlich besser, als er aussieht. Ein professioneller Fahrzeugaufbereiter sollte deshalb den Testwagen so aufpolieren, dass beim Verkauf deutlich mehr herausspringt.

Neuer Glanz für 178 Euro

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Wegen des hohen Alters waren Händler auch an dem aufpolierten Golf nicht interessiert.

Für 178 Euro reinigte der Wagenpfleger das Auto gründlich von außen und innen sowie den Motorraum.

Das Ergebnis: Der verwitterte rote Lack strahlte nach gründlicher Reinigung und mehrfacher Politur in frischem Hartwachsglanz, der ehemals vergilbte Dachhimmel war einige Töne heller und die Armaturentafel glänzte in sattem Schwarz. Die Scheiben waren von innen und außen gründlich bis in die Ecken gesäubert. Polster und Teppiche sahen jetzt nicht nur sauber aus, das ganze Auto roch auch wieder frisch.

Optimistisch gestimmt führten wir den Testwagen erneut einem Sachverständigen vor. Der ließ sich jedoch von der Optik wenig beeindrucken, sodass seine Kalkulation am Ende nicht einen Euro mehr ergab als vorher.

Altauto, nein, danke!

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Minuspunkt: Ein schmutziger Motor deutet nicht auf regelmäßige Wartung.

Ein Besuch bei einem anderen VW-Vertragshändler sollte zeigen, ob wenigstens der den Restwert unseres Golfs höher einschätzte. Ankaufen wollte der ein so altes Auto mit Hinweis auf das neue Gewährleistungsrecht jedoch nicht. Danach müssen gewerbliche Anbieter auch bei Gebrauchtwagen eine Gewährleistung für mindestens ein Jahr übernehmen. Beim Kauf eines neuen VW würde er das Altauto bestenfalls zum symbolischen Preis von einem Euro in Zahlung nehmen, um es anschließend zu verschrotten. Auch dieser Verkäufer empfahl, den Golf privat zum Verkauf anzubieten und den Preis dabei mit rund 1.500 bis 1.800 Euro anzusetzen.

Fazit:

Unsere Stichprobe zeigt, dass die Bereitschaft zur Inzahlungnahme alter Autos unabhängig vom Pflegezustand bei Autohändlern sehr gering ist. Die Chancen beim privaten Verkauf steigen durch die Aufbereitung aber deutlich.

Eine realistische Einschätzung des Werts Ihres bis zu zehn Jahre alten Autos bietet Ihnen unsere Computeranalyse. Ist das Auto auch noch gut gepflegt, lassen sich vielleicht noch einige Hundert Euro mehr erzielen.

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