Weiterhin beliebt beim Auto­käufern: Gebraucht­wagen – von privat oder vom Gebraucht­wagenhändler.

Wenn das neue Auto ein Gebraucht­wagen sein soll, haben Kunden die Wahl: Kauf von privat oder vom Händler? In beiden Fällen sollten sie sich wappnen, um nicht übers Ohr gehauen zu werden. Zum Beispiel, weil im Zuge von Tachomanipulation der Kilo­meter­stand zurück­gedreht ist. test.de sagt, worauf Sie beim Auto­kauf achten müssen, bei Besichtigung, Probefahrt und Kauf­vertrag – und woran Sie unseriöse Händler erkennen.

Das Wichtigste in Kürze

Gebraucht­wagenkauf – unser Rat

Gewähr. Ist eine Gewähr­leistung für Sie wichtig? Dann ist das ein Argument für den Kauf beim Händler. Sie gilt aber nicht für Verschleiß.

Garantie. Viele Händler geben beim Kauf eine Gebraucht­wagen­garantie dazu. Sie läuft oft ein Jahr. Der Kunde kann sie danach verlängern. Oft haben Garan­tien aber Ausschlüsse, etwa für Dichtungen. Viele umfassen nur die Lohn­kosten und decken beim Material lediglich einen Teil der Kosten ab.

Tacho. Laut ADAC ist bei jedem dritten Auto der Tacho zurück­gedreht. Verdächtig ist es, wenn im Scheck­heft die Zeit­abstände der Wartungen und die Tacho­stände stark variieren. Oder wenn der Tacho nur 50 000 Kilo­meter anzeigt, ein Zettel im Motorraum aber verrät, dass der letzte Ölwechsel bei 70 000 Kilo­metern war.

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Gebraucht­wagenkauf – von privat

Endlich ein neues Auto? Da nehmen sechs von sieben Käufern einen Gebraucht­wagen. Der kostet im Schnitt 11 780 Euro, zeigen Zahlen des Deutschen Kraft­fahr­zeuggewerbes aus dem Jahr 2018. Fragt sich nur: Wo kaufen? Es gibt drei Möglich­keiten: private Verkäufer, Gebraucht­wagenhändler und Vertrags­händler einer Marke. Die Vor- und Nachteile eines Kaufs von privat:

Auto­kauf von privat – güns­tiger als vom Händler

Die güns­tigeren Preise gibt es bei privaten Verkäufern. Oft wollen sie ihren Wagen nicht wochen­lang anbieten, weil sie den neuen schon bestellt haben. Das fördert die Verhand­lungs­bereitschaft. Rund 33 Prozent der Kunden entschieden sich im Jahr 2018 für den Kauf von privat, so die Deutsche Auto­mobil Treu­hand (DAT). Die Autos waren im Schnitt 106 400 Kilo­meter gelaufen, waren 8,6 Jahre alt und kosteten 7 730 Euro. Oft sind sie knapp 10 Prozent güns­tiger als gleich­wertige Händ­lerwagen.

Gewähr­leistung darf ausgeschlossen werden

Größter Nachteil beim Kauf von Privat ist die fehlende Gewähr­leistung. Privatleute dürfen die gesetzlich vorgeschriebene zweijäh­rige Gewähr­leistungs­frist komplett ausschließen, Händler nicht. Dieser Ausschluss läuft aber nicht auto­matisch. Vielmehr muss der Verkäufer ihn ausdrück­lich im Kauf­vertrag formulieren. Dann steht dort zum Beispiel „unter Ausschluss jeglicher Gewähr“. Wenn er sie vergisst, über­nimmt er die Gewähr­leistung für die vollen zwei Jahre. Aber in der Praxis nutzen fast alle privaten Verkäufer so eine Klausel.

Die Klausel „Gekauft wie gesehen“

Die Formulierung „Gekauft wie besehen“ ist für Verkäufer nicht besonders sinn­voll. Sie schließt nur die Haftung für Mängel aus, die „ein Laie ohne Hinzuziehung eines Sach­verständigen bei der Besichtigung erkennen kann“, urteilte das Ober­landes­gericht Oldenburg (Az. 9 U 29/17). In dem Fall hatte ein Mann seinen Peugeot für 5 000 Euro an eine Frau „gekauft wie gesehen“ verkauft. Bei der Auto­besichtigung waren keine Mängel zu erkennen. Später zeigte sich, dass der Wagen erhebliche, nicht voll­ständig und fachgerecht beseitigte Unfall­schäden hatte. Die Richter in Oldenburg entschieden: Der Verkäufer muss den Wagen zurück­nehmen und den Kauf­preis zurück­zahlen. Die Formulierung schließe nur die Haftung für leicht erkenn­bare Mängel aus. Der Verkäufer verteidigte sich, auch er habe die Vorschäden nicht gekannt, die Mängel müssten vom Vorbesitzer stammen. Damit kam er nicht durch, weil Verkäufer für Mängel haften – unabhängig von ihrer Schuld.

Gewähr­leistung: So machen es private Verkäufer richtig

Wenn Auto­verkäufer ihre Haftung für verdeckte Mängel rechts­sicher ausschließen wollen, sollten sie ein gutes Vertrags­formular wählen, zum Beispiel das vom ADAC. Dort steht: „Der Verkauf erfolgt unter Ausschluss der Sachmängelhaftung. Dieser Ausschluss gilt nicht für Schaden­ersatz­ansprüche aus Sachmängelhaftung, die auf einer grob fahr­lässigen oder vorsätzlichen Verletzung von Pflichten des Verkäufers beruhen sowie auf der Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit.“ Das ADAC-Formular steht hier.

Tipp: Kaufen Sie von einem privaten Verkäufer? Dann schauen Sie sich nicht nur das Auto gut an, sondern auch die Person. Macht er einen ordentlichen, verläss­lichen Eindruck? Beschreibt er den Wagen ehrlich? Kann er schlüssig begründen, warum er verkauft? Das ist besonders wichtig, wenn er den Pkw nur kurze Zeit besessen hat. Privatleute sind in der Regel tech­nische Laien. Falls das Auto einen verdeckten Mangel hat, zum Beispiel ein nur spora­disch auftretendes Klap­pergeräusch, das auf defekte Stoß­dämpfer hinweist wissen sie oft selbst nicht davon.

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Gebraucht­wagenkauf – vom Händler

Gesetzliche Gewähr­leistung

Mehr Sicherheit bieten Händler. Als Profis müssen sie laut Gesetz zwei Jahre Gewähr­leistung geben. Bei Gebrauchten dürfen sie sie auf ein Jahr verkürzen. Das muss aber im Kauf­vertrag stehen, sonst gelten zwei Jahre.

Sicht- und Funk­tions­prüfung

Außerdem müssen Händler das Auto checken, zumindest mit einer Sicht- und Funk­tions­prüfung. Zeigen sich Anhalts­punkte für Schäden, muss der Händler der Sache auf den Grund gehen. Oder er muss dem Kunden sagen, welche Anhalts­punkte vorlagen und dass er sie nicht weiter geprüft hat (Ober­landes­gericht Karls­ruhe, Az. 4 U 71/09).

Gebraucht­wagenhändler oder Vertrags­händler?

Bleibt noch die Frage: Gebraucht­wagenhändler oder Vertrags­händler? Oft gibt der Preis den Ausschlag. Autos vom Gebraucht­wagenhändler sind häufig etwas billiger. Im Jahr 2018 kostete ein Wagen dort durch­schnitt­lich 7 890 Euro, war 7,7 Jahre alt und war 94 180 Kilo­meter gelaufen. Dennoch entschieden sich 2018 nur 16 Prozent der Kunden dafür. Die meisten, nämlich 51 Prozent, gingen zum Vertrags­händler: Dort kosteten die Autos im Schnitt 15 610 Euro, waren 4,5 Jahre alt und 51 450 Kilo­meter gelaufen.

Kauf vom Händler – das rät der ADAC

Was empfehlens­werter ist, lässt sich pauschal kaum sagen. Der Gebraucht­wagen­handel hat bei vielen Kunden kein gutes Image. Doch letzt­endlich kommt es auf den Händler an und auf die Qualität seines Angebots. Gut ist es, wenn Bekannte mit einem Anbieter gute Erfahrungen gemacht haben und ihn empfehlen können. Der ADAC hat beob­achtet, dass Miss­griffe seltener vorkommen, wenn es sich um ein Marken­autohaus handelt. Wer zum Gebraucht­wagenhändler geht, sollte auf folgendes achten:

  • Innung. Der Betrieb sollte Mitglied der Kfz-Innung sein. Das zeigen die Schilder: „Meister­betrieb der Kfz-Innung“ oder „Mitglieds­betrieb der Kfz-Innung“ oder „Auto­handel mit Qualität und Sicherheit“. Dann können Auto­käufer im Streitfall eine Schieds­stelle des Zentral­verbands Deutsches Kraft­fahr­zeuggewerbe einschalten..
  • Gecheckt. Der Händler sollte zusichern, dass das Auto werk­statt­über­prüft ist oder jüngst eine große Inspektion gemacht wurde.
  • Anzeige. Der Text der Anzeige sollte mit dem Inhalt des Kauf­vertrags über­einstimmen – und auch mit den mündlichen Äußerungen des Verkäufers. Sichert er mündlich etwas zu und ist nicht bereit, dies auch in den Kauf­vertrag zu über­nehmen, sollten Sie das vorsichtig werden lassen.
  • Mängel. Ein Mängel­protokoll sollte alle Fehler auflisten. Pauschale Aussagen wie „Fahr­zeug in super Zustand“ oder „Motor und Getriebe okay“ sind zu unver­bindlich.

Tipp: Schwierig sind Versteigerungen im Internet. Sehen Sie sich ein Auto unbe­dingt vorher selbst an. Fotos reichen nicht. Geben Sie trotzdem ein Gebot ab, müssen Sie dafür einstehen. Achtung: Eine E-Mail: „Ich kaufe Ihren Pkw“ gilt juristisch als Vertrags­angebot. Der Verkäufer muss nur noch „Ja“ sagen – schon ist der Kauf­vertrag perfekt.

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Unfall, Tacho, Verschleiß – die Details

Die meisten Probleme gibt es erst nach dem Kauf. Ob privater Verkäufer oder Händler, ob Gewähr­leistung oder nicht: Grund­sätzlich müssen die Angaben zum Auto stimmen, auch mündliche, und auch wenn die Gewähr­leistung ausgeschlossen wurde. Wer von Privat kauft, muss zwar in aller Regel diesen Ausschluss hinnehmen. Aber er gilt nicht grenzenlos. Nicht davon betroffen sind alle Eigenschaften des Pkw, die im Kauf­vertrag stehen. Nennt der Verkäufer dort nur einen Vorbesitzer, obwohl es drei waren, darf der Käufer vom Vertrag zurück­treten und sein Geld zurück­verlangen (Ober­landes­gericht Naumburg, Az. 1 U 35/12).

Vorsicht Tachomanipulation

Vor allem die angegebene Gesamt­lauf­leistung muss stimmen (Land­gericht Ellwangen, Az. 5 O 60/08). Doch Vorsicht: Heißt es „Kilo­meter­stand laut Vorbesitzer“ oder „soweit bekannt“, ist die Angabe unver­bindlich (Bundes­gerichts­hof, Az. VIII ZR 287/09). Lassen Sie sich die Kilo­meter­leistung unbe­dingt verbindlich zusichern. Den Tacho­stand zu manipulieren, ist einfach und kostet nur wenig. In der Praxis werden jedes Jahr tausende Pkw mit manipuliertem Tacho­stand verkauft, von Privatpersonen, aber auch von Händ­lern. Nur wenn die Kilo­meter­leistung rechts­sicher im Kauf­vertrag vereinbart wurde, haben Käufer eine Chance, Geld zurück­zuholen, wenn sich der Betrug später heraus­stellt. Mehr Infos zu Tachomanipulation und wie Sie sich dagegen wehren stehen hier.

Angaben im Pkw-Kauf­vertrag müssen stimmen

Ausstattung. Ähnlich ist es mit Ausstattung und Zubehör. Wird Leder­ausstattung vereinbart, dürfen nicht einzelne Teile wie Kopf­stützen oder die Türverkleidung nur aus Kunst­leder sein (LG Saarbrücken, Az. 9 O 188/08). Das betrifft auch den Hinweis „TÜV neu“. Damit ist nicht allein eine frische TÜV-Plakette gemeint. Vielmehr gewähr­leistet der Verkäufer dann auch, dass das Auto tech­nisch der Straßenverkehrs­zulassungs­ordnung entspricht und keine erheblichen Mängel fest­gestellt wurden (Bundes­gerichts­hof, Az. VIII ZR 172/12).

Werks­garantie. Steht im Kauf­vertrag eines Gebraucht­wagens, dass die Werks­garantie noch läuft, muss das stimmen. Die Garantie kann erlöschen, wenn eine der vorgeschriebenen Wartungen nicht gemacht wurde. Das erlebte ein Käufer, der beim Händler ein Auto mit nur 114 Kilo­meter Lauf­leistung erworben hatte. Nachdem er gut 11 000 Kilo­meter gefahren war, stellte er fest, dass der Wagen keine Werks­garantie mehr hatte, da die erste Inspektion fehlte. Der Händler argumentierte, eine Wartung sei zwar nach spätestens einem Jahr oder 30 000 Kilo­metern fällig gewesen. Aber bei nur 114 Kilo­metern hätte sie tech­nisch keinen Sinn gemacht. Außerdem werde der Hersteller sämtliche Garan­tieleistungen auf Kulanz über­nehmen. Damit kam er nicht durch. Eine freiwil­lige Kulanz ist nicht dasselbe wie der Rechts­anspruch auf Garantie, erklärte das Ober­landes­gericht Zweibrü­cken (Az. 1 U 186/16). Der Käufer durfte das Auto zurück­geben und sein Geld zurück verlangen. Allerdings muss er für die gefahrenen Kilo­meter eine Nutzungs­entschädigung von 855 Euro zahlen.

Achtung: Bei Gebraucht­wagen eines privaten Verkäufers dürfen Baujahr und Erst­zulassung auseinander liegen. Steht „Erst­zulassung 2010“ im Kauf­vertrag, obwohl der Pkw 2008 gebaut wurde, ist das bei Gebraucht­wagen kein Mangel. Bei Neuwagen hingegen dürfen Käufer erwarten, dass zwischen Baujahr und Erst­zulassung maximal zwölf Monate liegen.(Bundes­gerichts­hof, Az. VIII ZR 191/15).

Falsche Angaben aus dem Inserat werden Vertrags­bestand­teil

Angaben im Inserat sind verbindlich. Das half einem Käufer, dessen Fiat der Verkäufer eine Klima­anlage angedichtet hatte. Sie stand zwar nicht im Vertrag, doch falsche Angaben aus dem Inserat werden Vertrags­bestand­teil (Ober­landes­gericht Düssel­dorf, Az. I-12 U 113/06). Einige Eigenschaften müssen gar nicht im Kauf­vertrag stehen. So durfte ein BMW-Käufer vom Kauf­vertrag zurück­treten, weil der Händler in seiner Fahr­zeug­beschreibung auf dem Internetportal Mobile.de geschrieben hatte: „Frei­sprech­einrichtung mit USB-Schnitt­stelle“. Im Kauf­vertrag stand davon nichts, und das Auto hatte auch keine Frei­sprech­anlage (Ober­landes­gericht Hamm, Az. 28 U 2/16).

Andere Eigenschaften dürfen Kunden als selbst­verständlich voraus­setzen, zum Beispiel dass das Auto unfall­frei ist. Falls nicht, muss der Verkäufer das von sich aus sagen – auch ein privater, wenn er davon weiß (OLG Braun­schweig, Az. 8 U 163/13). Sonst darf der Kunde den Preis mindern oder – bei erheblichen Mängeln – vom Kauf zurück­treten, erklärt Auto­rechts­experte Kurt Reinking aus Bergisch Gladbach.

Gebraucht­wagen: Unfall­schäden sind keine Bagatelle

Unfall­auto. Außerdem gilt der Gewähr­leistungs­ausschluss nicht für Eigenschaften, die der Kunde üblicher­weise erwarten darf. So kann er als selbst­verständlich voraus­setzen, dass das Auto unfall­frei ist. Falls nicht, muss auch ein privater Verkäufer dies von sich aus sagen – auch ungefragt und selbst wenn alles fachgerecht repariert wurde (OLG Braun­schweig, Az. 8 U 163/13). Der bloße Hinweis „Unfall­auto“ reicht nicht. Er ist so unbe­stimmt und vieldeutig, dass er keine umfassende Information des Käufers darstellt. Statt­dessen muss der Verkäufer das volle Ausmaß des Schadens nennen. Er darf nichts bagatellisieren. Gibt er lediglich „reparierter Blech­schaden“ an, dürfen es nur oberflächliche Schäden sein, die ordnungs­gemäß repariert wurden und nicht die Fahr­zeug­struktur betrafen (OLG Düssel­dorf, Az. I-3 U 10/13). 23 U 170/09). Repariert der Händler die Unfall­schäden nur teil­weise und lässt den Käufer glauben, es gebe keine weiteren Schäden, handelt er arglistig (LG Berlin, Az. 5 O 210/05). „Erneuerte Teile“ dürfen allenfalls wenige Monate alt sein (Kammerge­richt Berlin, Az. 23 U 170/09).

Marderschaden. Nicht hinweisen müssen Gebraucht­wagenhändler aber auf einen Marderschaden, der repariert wurde. Zwar müssen sie den Pkw prüfen und den Käufer über Unfall­schäden aufklären. Aber Marderbisse beschädigen keine tragenden Teile. Fachgerecht repariert beein­trächtigen sie auch nicht den Wieder­verkaufs­wert, entschied das Land­gericht Aschaffenburg (Az. 32 O 216/14).

Bagatell­schäden. Nicht angeben muss der Verkäufer Bagatell­schäden, also Äußerlich­keiten wie kleine Lack- oder Blech­schäden, urteilte der Bundes­gerichts­hof. In dem Fall war bei einem drei Jahre alten Mercedes aber die Heck­klappe verbeult und musste neu lackiert werden. „Kein Bagatell­schaden“, meinten die obersten Richter (Az. VIII ZR 253/05).

Mietwagen. Auch wenn das Auto als Mietwagen gelaufen ist, als Taxi oder als Fahr­schulwagen (Ober­landes­gericht Köln, Az. 8 O 29/11), sollte der Verkäufer dies von sich aus mitteilen. Das gilt vor allem für Händler: Viele Gerichte werten Schweigen als arglistige Täuschung. Deshalb durfte die Käuferin eines VW Passat den Wagen zurück­geben und ihr Geld zurück­verlangen, weil der Pkw zuvor als Mietwagen im Einsatz war (OLG Stutt­gart, Az. 19 U 54/08). Anders sieht dies das Land­gericht Kaisers­lautern: Die Nutzung als Mietwagen sei heute nichts Ungewöhnliches mehr, weil immer mehr Neuwagen zunächst als Mietfahr­zeug zugelassen werden. Das mindere ihren Wert nicht über­mäßig (Az. 2 O 498/08).

Firmenwagen. Dass ein Auto von mehreren Firmen­angehörigen abwechselnd genutzt wird, zum Beispiel von den Mitarbeitern eines Pflege­dienstes für Fahrten zum Einsatz, muss ein Verkäufer nicht zwingend angeben (Land­gericht Kassel, Az. 7 O 2091/08).

Mehr­verbrauch. Dass Autos mehr Sprit verbrauchen als im Prospekt angegeben, ist weithin üblich. Die Industrie begründet dies damit, dass der Verbrauch in einem stan­dardisierten Test­verfahren ermittelt wird, dass sich nicht einfach auf den Alltags­gebrauch über­tragen lässt. Ist der Mehr­verbrauch aber allzu hoch, dürfen Käufer das Auto zurück­geben. Das gilt ab 10 Prozent Mehr­verbrauch, entschied der Bundes­gerichts­hof (Az. VIII ZR 19/05).

Die Verbrauchs­werte des Gebraucht­wagens checken

Bis 31. August 2018 galt für die Zulassung eines neuen Modells die NEFZ-Norm (Neuer Europäischer Fahr­zyklus). Sie erlaubte Herstel­lern viele Tricks bei Mess­fahrten. Seit 1. September 2018 gilt die neue WLTP-Norm (World­wide Harmonized Light-Duty Vehicle Test Procedure). Sie orientiert sich stärker am tatsäch­lichen Fahr­verhalten. Im Schnitt liegt der Verbrauch nach WLTP etwa 20 Prozent über NEFZ. Tipp: Schauen Sie auf die Internetseite Spritmonitor.de. Dort melden Nutzer laufend, wie viel ihr Auto verbraucht. Gibt es für ein Modell genügend Meldungen, ist die Angabe eher aussagekräftig. Allerdings gibt es natürlich keine Garantie, dass nicht auch manche Nutzer geschönte Verbrauchs­werte angeben – wenn sie zum Beispiel dafür bezahlt werden.

Mangel oder Verschleiß?

Streit gibt es immer wieder darüber, ob ein Mangel vorliegt oder nur der übliche Verschleiß. Für den gilt die Gewähr­leistung nicht, solange es nur die Abnut­zung ist, die beim betreffenden Auto­modell, Alter und Lauf­leistung üblich ist. Wenn bei einem Pkw mit 100 000 Kilo­metern schon wenige Wochen nach dem Kauf die Brems­beläge hin sind, ist das kein Gewähr­leistungs­fall, sondern Verschleiß.

Allerdings sollte der Verschleiß sich beim Kauf des Autos noch in Grenzen halten. Kunden dürfen erwarten, dass ein Händler auf völlig abge­nutzte Teile hinweist. Es gilt der Grund­satz, dass ein Verkäufer Bescheid geben muss, wenn der Verschleiß so weit ist, dass ein vernünftiger Auto­fahrer die Teile zügig in der Werk­statt austauschen ließe. Ohne diesen Hinweis läge ein Mangel vor, für den der Verkäufer haften muss.

Beispiele für hinzunehmenden Verschleiß beim Gebraucht­wagen

Defekter Auspuff eines Opel mit 113 000 Kilo­metern (OLG Celle, Az. 7 U 30/04).

Seltenes Blinken der ABS-Leuchte ohne Grund bei einem 16 Jahre alten Nissan Serena (LG Aschaffenburg, Az. 32 O 290/14).

Verstopfter Diesel­partikelfilter bei einem Opel Zafira mit 116 000 Kilo­metern (Land­gericht Düssel­dorf, Az. 23 S 156/13).

Abge­nutzte Brems­scheiben bei 63 500 Kilo­metern (LG Aachen, Az. 6 S 99/03).

In diesen Fällen musste der Händler nicht haften.

Mängel, für die der Verkäufer gerade stehen musste

Kabelbrand eines Opel mit 52 746 Kilo­metern. Kabel sind keine Verschleiß­teile (Amts­gericht Mars­berg, Az. 1 C 143/02).

Motorschaden bei einem vier Jahre alten Mittel­klassewagen mit 88 000 Kilo­metern. Es liegt nahe, dass dies auf einem tech­nischen Mangel beruht, denn bei einem modernen Auto Bedienungs­fehler des neuen Besitzers unwahr­scheinlich (OLG Frank­furt/Main, Az. 24 U 198/04).

Defekt an Motorsteuergerät und Drosselklappe eines Opel Zafira mit 133 000 Kilo­metern. Beides sind keine Verschleiß­teile (AG Schwäbisch Hall, Az. 5 C 557/11).

Verbrauch von 1,43 Liter Öl auf 1 000 Kilo­meter bei einem Nissan mit 60 500 Kilo­metern (AG Halle/Saale, Az. 93 C 2126/10).

Defektes Auto­matik­getriebe bei einem sieben Jahre alten Jahre Renault Laguna mit 84 000 Kilo­metern schon 1 200 Kilo­meter nach dem Kauf (Ober­landes­gericht Düssel­dorf, Az. I-1 U 38/06).

Getrie­beschaden bei einem sieben Jahre alten Ford Mondeo mit 74 000 Kilo­metern. Getriebe halten üblicher­weise mindestens 150 000 Kilo­meter (Ober­landes­gericht Düssel­dorf, Az. I-1 U 264/07). Ein Getriebeumwandler sollte sogar ein ganzes Auto­leben lang durch­halten, gab das Land­gericht Halle dem Fahrer eines zehn Jahre alten VW Passat mit 186 000 Kilo­metern Recht (Az. 4 O 1417/10).

Liegt sogar ein schwerer Mangel vor, der sicher­heits­relevant ist, kann der Käufer eines Gebraucht­wagens vom Vertrag zurück­treten. Auch wenn der Mangel nur gelegentlich auftritt, muss der Verkäufer versuchen, ihn zu finden und zu beheben. Der Bundes­gerichts­hof gab dem Käufer eines Volvo V 50 zum Preis von 12 300 Euro Recht. Das Kupp­lungs­pedal blieb ab und an am Unterboden hängen und der Händler verweigerte eine Reparatur (Az. VIII ZR 240/15).

Beweis­erleichterung für den Käufer in den ersten sechs Monaten

Kommt es zum Streit, gilt für Kunden in den ersten sechs Monaten eine Beweis­erleichterung: Dann muss der Händler beweisen, dass das Problem nicht schon zum Kauf­zeit­punkt vorlag. Oft ist das kaum möglich. Fein raus war deshalb eine Holländerin, deren Auto vier Monate nach dem Kauf ausbrannte. Ob es ihre Schuld war oder schon beim Kauf ein tech­nischer Mangel vorlag, konnte kein Sach­verständiger mehr fest­stellen. Der Europäische Gerichts­hof entschied: Der Händler haftet (Az. Rs. C-497/13).

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In drei Schritten zum Gebraucht­wagen

Schritt eins: Besichtigung

Macken. Vor dem Kauf ist es sinn­voll, sich über die Schwächen des Wunsch­modells zu informieren. So können Käufer gezielt auf diese Stellen achten. Im Internet stehen unter Adac.de Infoblätter zu über 60 Typen. Eine Daten­bank zeigt Preise gebrauchter Pkw.

Check­listen. Praktisch sind Check­listen fürs Besichtigen. Es gibt sie im Internet, etwa bei Mobile.de oder beim ADAC. Sie ersetzen keinen Fachmann, aber Ramsch kann damit auch ein Laie erkennen. Die Besichtigung sollte bei Tag sein, um den Lack besser sehen zu können. Ein Käufer sollte nach Folgendem fragen:

Zulassungs­bescheinigungen. Der Teil I hieß früher Kfz-Schein, der Teil II hieß Kfz-Brief.

Inspektions­heft. Hier sind die bisherigen Wartungen mit Kilo­meter­stand und Datum einge­tragen. Käufer sollten prüfen, ob Zeit­abstände und Kilo­meter­stände realistisch sind.

Belege. Wichtig sind auch Werk­statt­rechnungen für eventuelle Reparaturen, ebenso der Beleg für die letzte Abgas­unter­suchung. Hinzu kommen auch Tüv-Berichte, Bedienungs­anleitung sowie ­alle Schlüssel.

Schritt zwei: Probefahrt

Zwei. Es ist ratsam, zu zweit zur Probefahrt zu gehen – am besten mit jemandem, der sich mit Autos auskennt. Selbst dann besteht das Risiko, ein aufgehübschtes, aber tech­nisch marodes Modell zu erwischen. Sicherer ist es, wenn eine Werk­statt das Auto prüft.
Händler. Beim Händler dürfen Kunden davon ausgehen, dass das Auto voll­kasko­versichert ist. Viele Händler verlangen zusätzlich eine Vereinbarung, falls ein Unfall passiert. Darin wird oft eine hohe Selbst­beteiligung fest­gelegt.
Privat. Beim Kauf von privat zahlt die Kfz-Haft­pflicht­versicherung die Schäden, die anderen entstehen, wenn der Probefahrer einen Unfall verursacht. Ist der Wagen voll­kasko­versichert, muss der Probefahrer die Selbst­beteiligung tragen. Zudem verschlechtert sich der Schadenfrei­heits­rabatt des Halters. Auch das muss der Probefahrer ersetzen.

Tipps: Besorgen Sie sich vor der Probefahrt einen Termin in einer Werk­statt. Sagen Sie dem Verkäufer, dass der Motor nicht schon warm gefahren sein soll. Schließ­lich wollen Sie sehen, dass er auch kalt anspringt und rund­läuft. Checken Sie das Auto vorher auf Kratzer, damit man die nicht später Ihnen anlastet.

Schritt drei: Kauf­vertrag

Formulare. Muster-Kauf­verträge stehen im Internet, zum Beispiel beim ADAC. In den Vertrag sollte man die Ausweis­daten des Verkäufers eintragen, außerdem Datum und Uhrzeit. Damit wird klar, ab wann der neue Besitzer haftet, zum Beispiel für Falsch­parken.
Bezahlung. Die meisten Verkäufer verlangen Bargeld. Um jedes Transport­risiko bei einer so großen Geldsumme zu vermeiden, erledigt man das am besten gemein­sam in der Bank. Nicht vergessen: Der Verkäufer sollte eine Quittung für die Bezahlung der Kauf­summe ausstellen.
Versicherung. Die bisherige Versicherung geht auf den Käufer über. Er kann sie inner­halb eines Monats kündigen oder den Vertrag auto­matisch enden lassen, indem er beim Ummelden eine Bestätigung seiner eigenen Versicherung vorlegt.

Tipp: Kümmern Sie sich schon vor dem Kauf um eine Teil- oder Voll­kasko­versicherung, wenn Sie es wünschen und das gewählte Auto keine hat. Mithilfe des Kfz-Versicherungsvergleich finden Sie den für Sie passenden Tarif. Wichtig: Die elektronische Versicherungs­bestätigung (eVB) des neuen Versicherers sollte neben Haft­pflicht­schutz die gewünschte Voll­kasko umfassen.

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Unseriöse Auto­händler erkennen

Bei diesen Warnzeichen heißt es „Finger weg“:

Mündlich. Der Verkäufer sichert mündlich Eigenschaften zu, will sie aber nicht schriftlich im Kauf­vertrag fest­legen. Mündliche Äußerungen wie „Fahr­zeug durch­gecheckt und top fit“ sind reine Werbesprüche ohne recht­lich verbindlichen Hintergrund (OLG Bamberg, Az. 8 U 68/00).

Inserat. Der Text stimmt nicht mit den Angaben im Kauf­vertrag über­ein.

Kaschiert. Das Auto hat kaschierte Mängel, die der Händler nicht erwähnt, etwa über­lackierte Beulen.

Check­heft. Das Inspektions­heft fehlt. Oder alle Einträge sind in derselben Hand­schrift mit demselben Stift notiert, obwohl die einzelnen Wartungen in verschiedenen Jahren erfolgten.

Grund. Der Verkäufer kann keine schlüssige Begründung liefern, warum er verkauft. Das ist besonders verdächtig, wenn er das Auto nur kurze Zeit hatte: Eventuell war es ständig in der Werk­statt und er will es unbe­dingt loswerden.

Mängel. Es heißt „Kfz mit Mängeln“, sie werden aber nicht genau benannt.

Bastler. Der Pkw ist tech­nisch super, wird aber als Bast­ler­auto verkauft. Das soll die Gewähr­leistung ausschließen.

Gewerb­lich. Der Kunde soll als Unternehmer unter­schreiben. Auch das soll die Gewähr­leistung einschränken.

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