Gebrauchte Handys Test

Einsenden. Gut verpackt und kostenlos frankiert gehen die Geräte zum Händler.
Einschätzen. Auf der Website des Händ­lers beschreibt der Kunde sein Handy.
Einkassieren. Im besten Fall über­weist der Anbieter zügig Geld.

Millionen alter Mobiltelefone liegen hier­zulande ungenutzt herum. Wer sie beim richtigen Händler verkauft, streicht ein hübsches Sümm­chen ein.

Diese Schublade, die als Mehr­generationen­mausoleum für Handys dient – es gibt sie in vielen Haushalten. Alle paar Jahre wandert ein ausgemustertes Mobiltelefon hinein und wird zwischen Krims­krams zur letzten Ruhe gebettet. Aussortierte Smartphones gesellen sich zum „Stein­zeitmodell“ von Nokia und einem nicht mehr taufrischen Klapp­telefon.

Rund 100 Millionen alte Mobiltelefone liegen laut einer Unter­suchung des Digital­verbands Bitkom in deutschen Haushalten ungenutzt herum. Viele sind geld­werte Schätze. Spezielle Internethändler, Hand­yhersteller und andere Anbieter kaufen gebrauchte Geräte auf. Je nach Modell und Zustand kann sich der Erlös sehen lassen. Smartphones in tadellosem Zustand brachten in unserem Test bis zu 225 Euro. Wir verkauften mehrere Exemplare des Samsung Galaxy S5 Mini und des iPhone 5s an sieben große und kleine Internethändler, die auf das Geschäft mit Handys aus zweiter Hand spezialisiert sind. Außerdem boten wir unsere Modelle dem Hand­yhersteller Apple sowie zwei Elektronikmärkten an und versteigerten sie im Internetauktions­haus Ebay an die Meistbietenden.

Große Spezial­anbieter toppen kleine

Das meiste Geld bei geringstem Aufwand bescherten uns große Internethändler wie der Testsieger Clevertronic. Zwei kleine Abnehmer fielen durch – wegen umständlicher Abwick­lung und zu nied­rigen Preisen. Apple, Media Markt und Saturn erwiesen sich als knick­rige Gebraucht­warenkäufer. Ebay kann lukrativ sein, aber der Weg zum Geld ist aufwendiger als bei den Spezial­dienst­leistern (Ebay).

Wie Kunden persönliche Daten vor einem Verkauf simpel vom Handy löschen, haben wir auch geprüft: Reicht es, das Telefon auf Werks­einstellung zurück­zusetzen? Ein technik­interes­sierter Laie und ein Profi versuchten in unserem Auftrag, gelöschte Daten wieder­herzu­stellen (Privatsphäre).

Objektivität ist alles

Die Smartphones für unseren Test haben wir nicht gebraucht aus Schub­laden gezogen, sondern in einem Elektronik­shop neu gekauft. Aus gutem Grund: Nur so konnten wir objektiv vergleichen, ob die Händler uns faire Preise boten. Sie alle bekamen Smartphones im gleichen Zustand. Unsere Tester nahmen alle Handys lediglich einmal kurz in Betrieb, um zu prüfen, ob sie einwand­frei funk­tionieren.

Zunächst den Wert ermitteln

Verkauft haben wir die Geräte wie jeder andere Nutzer auch: Erste Anlauf­stelle sind die Internet­seiten der Händler. Dort geben Verkäufer den Zustand ihres Telefons an. In einem Menü klicken sie zum Beispiel an, ob es funk­tioniert, der Akku in Ordnung ist oder welche Gebrauchs­spuren es hat. Anschließend erscheint auf der Webseite, wie viel Geld der Händler für das Handy bietet.

Jedem Dienst boten wir ein Apple- und Samsung-Handy mit korrekter Beschreibung an: Wir klickten an, dass die Geräte wie neu sind. Zwei weitere Exemplare beschrieben wir viel schlechter als sie waren: Ihnen dichteten wir nicht vorhandene Gebrauchs­spuren an. So wollten wir heraus­finden, ob die Händler höhere Preise zahlen, wenn sie die wahre Qualität der Handys erkennen.

Kostenlos zum Händler schi­cken

Ist ein Kunde mit dem Preis einverstanden, den ein Händler online bietet, sendet er ihm das Handy per Post zu. Dabei ist es sinn­voll, einige Hinweise zu beachten (Checkliste). Fast alle Händler zahlen das Porto – über Freimarken, die der Kunde selbst ausdrucken kann. Bei Handy-Bestkauf streckt statt­dessen der Kunde das Porto vor, der Händler erstattet es ab einem „Waren­wert“ von 30 Euro.

Trudelt das Mobiltelefon beim Händler ein, prüft er die Qualität des Geräts. Anschließend bestätigt oder korrigiert er das ursprüng­liche Preis­angebot.

Kleingeld oder Jack­pot

Bei unserem Test nahmen wir alle Angebote an und kassierten ab. Neu waren die iPhones 340 und die Samsung-Smartphones 216 Euro wert. Am meisten Geld bekamen wir für jene Handys, deren Zustand wir wahr­heits­gemäß mit „wie neu“ angegeben hatten. Zwei Anbieter zahlten besonders gut: Zoxs gab uns fürs iPhone 225 Euro, fürs Galaxy 125 Euro. Clevertronic lag fast gleich­auf. Am knauserigsten war My-Ankauf: Der Händler über­wies 70 Euro für das als „wie neu“ einge­schickte iPhone und auch 70 Euro für das Galaxy.

Nur vier der sieben Firmen hielten sich an den Preis, den sie uns im Internet für ein „wie neues“ Smartphone in Aussicht gestellt hatten: Clevertronic, Zoxs, Asgoo­dasnew und My-Ankauf. Die anderen Händler boten uns zum Teil deutlich weniger Geld an, nachdem wir ihnen das neuwertige Gerät zuge­schickt hatten. Handy-Bestkauf etwa lockte für iPhone und Samsung Galaxy mit 195 und 113 Euro, zahlte aber nur rund 135 und 70 Euro.

Einer war richtig unfair

Aufschluss­reich war auch das Ergebnis unserer Fairness­prüfung: Für die Geräte, die viel besser in Schuss waren als von uns beschrieben, stockten nur die Händler Asgoo­dasnew und Flip4New das Angebot auf: Sie zahlten für sie genauso viel wie für die als neuwertig beschriebenen Smartphones. Vier der anderen Kandidaten über­wiesen einfach den nach unserer Selbst­auskunft ermittelten Ankaufs­preis. Handy-Bestkauf verhielt sich besonders unfair – und teilte in einer unver­ständlichen Begründung mit, dass er für unser nigelnagelneues iPhone lediglich 25 Euro bietet.

Zum Glück können Kunden ein korrigiertes Angebot ablehnen. Alle Anbieter bis auf Zoxs und Handy-Bestkauf zahlen dann sogar das Porto fürs Rück­senden des Geräts.

Absahnen in Zeitlupe

Handy-Bestkauf enttäuschte ein weiteres Mal: Vier Wochen mussten wir auf unsere paar Kröten warten. Die meisten Händler ließen sich im Schnitt zwischen sechs und zwölf Werk­tage Zeit. Rebuy schreibt den Erlös dem firmen­eigenen Kunden­konto gut. Erst wenn der Kunde das merkt und sein Geld einfordert, über­weist er es auf dessen Bank­konto. Es ging viel flotter: Clevertronic zahlte inner­halb von drei Werk­tagen.

Apple lohnt sich nicht

Auch Hersteller Apple mischt im Markt für Gebraucht­handys mit. Unter www.apple.com/de/recycling kauft Apples Dienst­leister iPhones und Telefone anderer Marken an – wenn sie in einem guten Zustand sind. Für Geräte mit Makeln, die über normale Abnut­zungs­erscheinungen hinaus­gehen, gibt es keinen Cent.

Wer an Apples Partner verkauft, darf keinen Geld­regen erwarten: Wir erzielten 125 Euro fürs iPhone und rund 70 Euro fürs Galaxy – etwas mehr als die Hälfte dessen, was Zoxs über­wies. Abwick­lung und Service waren akzeptabel.

Laue Gutscheine bei Fachmärkten

Media Markt und Saturn waren im Test ebenfalls keine attraktiven Anlauf­stellen für private Handy­verkäufer. Mobiltelefone, die dort abge­geben werden, gehen an den von uns getesteten Händler Flip4New. Stich­proben ergaben: Im Laden hätten wir für unsere Smartphones bis zu 45 Euro weniger erhalten als direkt von Flip4New. Oben­drein geht das Geld bei den Elektronikmärkten nicht aufs Konto. Der Kunde bekommt statt­dessen einen Gutschein für Einkäufe bei Media Markt oder Saturn.

Gebrauchte kaufen

Unsere Tester gingen auch shoppen: Vier der sieben getesteten Händler kaufen Gebraucht­handys nicht nur an, sondern verkaufen sie anschließend im Internet. Bei ihnen haben wir mehrere gebrauchte Samsung Galaxy S5 Mini und iPhone 5s erworben, die in sehr gutem Zustand sein sollten. Das stimmte meist, aber nicht immer. Drei Handys hatten schwere Mängel. Buyzoxs lieferte ein Smartphone mit aufgeblähtem, also schadhaft zu großem Akku. Bei einem von Rebuy gekauften Gerät ließ sich die auto­matische Displayhel­ligkeit nicht einstellen, ein Gebrauchtes von Asgoo­dasnew wurde warm und stürzte mehr­fach ab. Mit Qualität und Preis zugleich über­zeugte nur Testsieger Clevertronic.

Die Händler verkauften die Gebraucht­handys im Schnitt für ein gutes Drittel mehr, als wir beim Verkauf gleich­wertiger Geräte einge­nommen hatten. Wissens­wert: Die einge­kauften Gebrauchten kosteten nicht viel weniger als Neuware von güns­tigen Onlinehänd­lern. Die Ersparnis lag selbst in den besten Fällen nur bei etwa 20 Prozent.

Tipp: Vergleichen Sie vor dem Kauf eines Handys aus zweiter Hand, was dasselbe Modell neu kostet. Auf neue Geräte gibt es zwei Jahre Gewähr­leistung, für gebrauchte Ware kann sie nur ein Jahr betragen.

Schlecht geschützte Kunden­daten

Kein Internethändler glänzte im Umgang mit Nutzer­daten. Die Daten­schutz­erklärungen sind oft schwammig formuliert. Einige Anbieter versorgen zahlreiche Werbenetz­werke mit Kunden­daten. Rebuy und Wirk­aufens sicherten sich sogar persönliche Angaben von Nutzern, die es sich während der Eingabe ihrer Daten anders über­legen und den Registrier­vorgang abbrechen.

Richtig arg war es bei My-Ankauf: Der Anbieter über­mittelte sämtliche Kunden­daten unver­schlüsselt, versierte Computer­experten hätten zugreifen können. Wir haben My-Ankauf auf diese Sicher­heits­lücke hingewiesen. Der Händler hat reagiert und nach eigenen Angaben inzwischen Verschlüsse­lungen einge­baut.

Alternativ: Spenden oder entsorgen

Für echte Oldies wie die Tasten­handys von Nokia lassen sich übrigens meist nur ein paar Euro oder gar Cent erlösen. Der Verkauf lohnt in der Regel nicht. Wer seine Schublade ratzekahl leeren und auch die betagteren Modelle loswerden möchte, kann sie spenden.

Mobil­funk­netz­betreiber wie die Telekom und O2 nehmen gebrauchte Handys in ihren Shops entgegen und unterstützen mit einem Teil des Erlöses gemeinnützige Vereine wie die Deutsche Umwelt­hilfe oder den Natur­schutz­bund.

Die bequemste Art der Entsorgung verbietet sich der Umwelt zuliebe: Im Hausmüll haben Mobiltelefone nichts zu suchen, sie enthalten unter anderem Schwer­metalle. Geeignete Anlauf­stellen sind Recycling­höfe der kommunalen Entsorgungs­betriebe – und seit Ende Juli auch große Elektronikmärkte und Internethändler. Ein neues Gesetz verpflichtet sie zur Annahme (FAQ Elektroschrott). Viel Spaß mit der leeren Schublade!

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