Nicht jedes Buch ist seinem Besitzer ans Herz gewachsen. Wer im Regal mal wieder Platz schaffen will, kann seine Lektüre bequem im Internet als Secondhand-Buch verkaufen.

Es sind die reinsten Schätze, die in Bücherregalen lagern – bibliophile allemal, finanzielle aber auch. Die Deutschen besitzen Bücher im Wert von 173 Milliarden Euro. Von jedem vierten Buch würden sie sich wieder trennen, ergab eine Studie von Amazon.de mit TNS Emnid. Das ist ein riesiger potenzieller Markt. Kein Wunder, dass sich im Internet spezielle Marktplätze etabliert haben. Zum Beispiel booklooker. Wer dort ein Buch verkauft, bezahlt 8 Prozent Provision. Bei extrabooks werden nur 5 Prozent fällig. Das Einstellen selbst ist kostenlos. Gut so, denn sonst werden die Gewinne schnell wieder aufgezehrt – vor allem bei Taschenbüchern. Anders bei Abebooks. Auf dieser Plattform ist es teuer, Bücher zu präsentieren. Dafür werden sie weltweit gelistet. Abebooks eignet sich daher eher für größere Buchposten oder seltene Exemplare, die einen breiten Interessentenkreis erreichen sollen.

Seit März 2002 mischt auch Amazon im Gebrauchtbuchhandel mit. Das überrascht, denn im Unterschied zu den anderen dreien bietet der Sieger unseres Tests von Internet-Shops selbst neue Bücher an. Wieso holt Amazon solche Konkurrenz auf die eigenen Seiten? Mit dem Gebrauchtwarenhandel bricht Amazon in die Phalanx der Internet-Auktionshäuser wie ebay & Co. ein. Und Bewegung kommt auch in die Preise, die bei neuen Büchern nur zu dem vom Verlag festgesetzten Preis verkauft werden dürfen. Dem Verkauf von Neubüchern schaden die gebrauchten jedenfalls nicht, so Christine Hoeger von der Amazon-Deutschlandzentrale in München.

Und so ermuntert Amazon seine Kunden, ihre Regale zu räumen: „Verdienen Sie 210,70 Euro. Verkaufen Sie Ihre Amazon.de-Käufe bei Amazon.de“. Preise empfiehlt er auch, für eine „ungelesene Ausgabe in Top-Zustand“ (wie neu) 20 Prozent unter dem Neupreis, für akzeptable Bücher 70 Prozent Abschlag. Verschmutztes darf nicht angeboten werden. Mit ein paar Klicks erscheint die Lektüre als gebrauchtes Buch – direkt bei den neuen. Der Link „gebraucht“ führt auf die billigeren Angebote im Marketplace. Anders als bei Internetauktionen muss der Verkäufer nicht extra Digitalbilder einstellen, denn sie sind ja schon da. Wird er sein Buch los, schickt er es dem Käufer, wofür ihm Amazon 1,99 Euro für Versandkosten gutschreibt. Der Shop kassiert aber 0,99 Euro plus 15 Prozent des Verkaufspreises. Das ist happig.

Schnell teurer als im Laden

Ein gutes Geschäft also für Amazon. Zumal der Shop auch vom Käufer kassiert: 3 Euro Versandkostenpauschale. Davon spendiert er dem Verkäufer zwar die 1,99 Euro, doch bei jeder Bestellung bleiben 1,01 Euro „übrig“. Amazon kassiert von beiden Seiten.

Der Käufer muss aufpassen, dass er nicht draufzahlt. Ein Beispiel: Das Büchlein „Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz Kluncker“ von Max Goldt kostet neu 6,95 Euro, gebraucht im „Top-Zustand“ 4 Euro. Macht mit den 3 Euro für Versand 7 Euro. Im Laden hätte der „Kluncker“ 5 Cent weniger gekostet und neu wäre er obendrein.

Bei anderen Plattformen kann der Kunde mit dem Verkäufer meist über die Portokosten handeln. Und selbst wenn er sie bezahlt, ist es für ihn doch oft billiger als bei Amazon. Die Büchersendung Maxi der Deutschen Post bis 1 000 Gramm kostet 1,28 Euro. „Aus diesem Grund biete ich dort nur Bücher an, kaufe aber selbst keine“, resümiert ein Nutzer im Internet-Forum www.ciao.de. So generell kann dieser Rat nicht gelten, wohl aber: Immer schön die Augen auf.

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