Interview: „Dauerstress Prothese“

Haftcremes erhöhen den Tragekomfort der Prothese.

Braucht eigentlich jeder Gebissträger eine Haftcreme?

Nein, solange die Prothese gut sitzt, braucht man die Mittel nicht. Andererseits sprechen die Verbrauchszahlen von etwa 20 Millionen Tuben pro Jahr dafür, dass es mit dem Halt nicht immer zum Besten steht. Auch wenn die Prothese gut gearbeitet und angepasst ist, verändert sie sich im Lauf der Zeit ebenso, wie sich die Gegebenheiten in der Mundhöhle ändern. Das beeinflusst die Passgenauigkeit.

Ist dann nicht der Zahnarzt Anlaufstelle Nummer eins?

Auf jeden Fall. Niemand sollte ohne Rücksprache mit dem Zahnarzt über längere Zeit allein mit Haftmitteln herumdoktern und dabei möglicherweise Schäden kaschieren, die dringend einer medizinischen Behandlung bedürfen. Der Zahnarzt sollte den Prothesensitz ein-, zweimal pro Jahr kontrollieren und gegebenenfalls Korrekturen vornehmen. Doch leider sind bislang nicht alle intraoralen Probleme technisch lösbar. Bei komplizierten anatomischen Situationen oder zur Eingewöhnung an eine Prothese sind Haftcremes jedenfalls international anerkannt als Mittel der Wahl.

Eignen sie sich zur Daueranwendung oder sind gesundheitliche Probleme zu befürchten?

Wenn der Zahnarzt sein Okay gibt und der Patient die Prothesenhygiene entsprechend betreibt, ist gegen den Dauereinsatz von Haftcremes nichts einzuwenden. Es liegen auch bislang keine klinischen Studien vor, die auf eine Förderung von Schleimhautinfektionen durch Haftmittel hinweisen. Allergische Reaktionen sind zwar denkbar, zum Beispiel auf Geschmacksstoffe wie Menthol, kommen aber so selten vor, dass sie in der Fachliteratur nicht auftauchen.

Welche Effekte können von Haftcremes erwartet werden?

Prothesenträger können damit den Tragekomfort ihres Zahnersatzes beim Reden und beim Kauen deutlich erhöhen. Nachgewiesenermaßen verringern gute Haftcremes die Beweglichkeit von Totalprothesen in allen Richtungen. Es gibt auch Hinweise, dass durch ihre Anwendung die Mundschleimhaut vom „Dauerstress Prothese“ weniger traumatisiert wird. Es dringen weniger Speisereste zwischen Prothese und Schleimhaut und auch für die Psyche der Patienten sind sie hilfreich: Sie geben Sicherheit und können damit verhindern, dass sich unangenehme Angewohnheiten der Zungen-, Wangen- oder Kaumuskulatur ausbilden.

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