Gast­arif­rechner im Test Test

Ein Wechsel des Versorgers kann die Gasrechnung um hunderte Euro senken. Bei der Suche helfen Vergleichs­portale. Aber Vorsicht, es lauern Fall­stricke.

Mit wenigen Klicks hunderte Gast­arife vergleichen und mit dem güns­tigsten die Haus­halts­kasse entlasten – das sollen Tarif­rechner leisten. Und das kann funk­tionieren. 685 Euro weniger zahlen Verbraucher mit dem durch­schnitt­lichen Gasverbrauch eines Einfamilien­hauses von 20 000 Kilowatt­stunden pro Jahr, wenn sie in Schwerin von der Grund­versorgung in den güns­tigsten fairen Tarif wechseln. Im Raum Frank­furt am Main sind es mehr als 500 Euro und in Tübingen mehr als 300 Euro.

Bei allzu billigen Offerten ist jedoch Vorsicht geboten. Häufig verschleiern etwa hohe Boni die eigentlichen Kosten eines Tarifs. Wir haben fünf Portale untersucht, darunter die Platz­hirsche Verivox und Check24. Alle liefern in der Regel richtige Daten. Gut ist dennoch keines. Die Portale schützen zu wenig vor Angeboten mit Fall­stri­cken. Geht der Interes­sent den einfachen Weg, tippt Gasverbrauch und Post­leitzahl ein und nutzt die erst­genannten Angebote, führt das oft in Untiefen. Wer jedoch weiß, welche Häkchen er setzen oder wegklicken sollte (Tipps), kann faire und güns­tige Tarife finden.

Vorsicht bei der Stan­dard­suche

Mit den voreinge­stellten Filtern zeigen drei der fünf Gaspreisportale keinen fairen Tarif auf den ersten zehn Plätzen, das vierte nur einzelne. Viermal mangelhaft lauten deshalb die Noten zur Verbraucherfreundlich­keit der Tarife. Hauspilot platzierte unter den Top 10 einige fall­strick­freie Tarife mehr als die Konkurrenz.

Nutzer von Vergleichs­portalen müssen auf der Hut sein. Diese Erfahrung macht Uta Büchel, Energie­expertin der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen, täglich: „Viele möchten schnell ein Ergebnis und vertrauen auf die Tarif­empfehlung des Portals, oder sie sind über­fordert, weil zu viele Begriff­lich­keiten bei den Voreinstel­lungen benutzt werden.“ Dass sie auf ein vermeintliches Schnäpp­chen herein­gefallen sind, bemerken sie zu spät.

Der Trick mit den Boni

Gast­arif­rechner im Test Test

Einer der häufigsten Fall­stricke ist der Bonus-Filter. Bei allen fünf Portalen ist er voreinge­stellt. Einmalige Prämien der Gasversorgungs­unternehmen machen einen echten Vergleich schwierig. Tarife mit den höchsten Boni landen in den Vergleichs­listen weit vorn und erscheinen besonders günstig. Wichtiger als ein Bonus ist jedoch der Gaspreis. Zumal die Firmen Boni meist erst nach einem Jahr gutschreiben. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Versorger versucht, die Ausschüttung ganz zu umgehen, zum Beispiel mithilfe undurch­sichtiger Klauseln im Klein­gedruckten.

„Außerdem fehlt ein deutlicher Hinweis, dass die ausgewiesenen Einsparungen auf den Portalen nur im ersten Jahr bestehen“, kritisiert Büchel. Im zweiten Jahr wird es häufig teuer. Viele vermeintliche Billiganbieter erhöhen dann spür­bar ihre Preise. Kunden steht in dem Fall zwar ein Sonderkündigungs­recht zu. Wer aber die Frist verpasst, bleibt im teuren Tarif hängen – oft für erneut zwölf Monate.

Tipp: Die test-Experten haben zirka 300 Gast­arife durch­forstet und für sechs Beispiel­städte das güns­tigste faire Angebot heraus­gesucht Tabelle: Sparpotenzial.

Fragwürdige Kauf­empfehlungen

Gast­arif­rechner im Test Test

Getarnte Werbung. Vorsicht, wenn Vergleichs­portale „Kauf-Tipps“ geben: Das sind Anzeigen.

Getarnte Werbung. Vorsicht, wenn Vergleichs­portale „Kauf-Tipps“ geben: Das sind Anzeigen.

Die meisten Portale verdienen ihr Geld mit Werbung und mit Provisionen, die ihnen Anbieter für die Vermitt­lung von Kunden zahlen. „Dass es Provisionen gibt, sollte für Verbraucher klarer ersicht­lich sein“, fordert Verbraucherschützerin Büchel. Check24, Toptarif und Verivox bevor­zugen ihre Koope­rations­partner: Deren Angebote erscheinen als „Kauf-Tipp“ zu Beginn der Ergeb­nisliste – als Werbung kaum erkenn­bar.

Wir baten fünf unerfahrene Nutzer, die Portale für uns auszupro­bieren. Bei Verivox und Check24 fielen ihnen die Anzeigen in den Ergeb­nislisten oft nicht als Werbung auf. Hauspilot und Prizewize verzichten auf getarnte Anzeigen. Trotz solcher Tücken führt für Gaskunden, die sparen wollen, kein Weg an den Portalen vorbei.

Nicht alle Tarife werden gelistet

Tarife von Anbietern, die keine Provision zahlen, können Kunden in der Regel nicht direkt auf den Portalen abschließen. Folg­lich erhalten die Angebote keine Kunden­empfehlungen. Da Tarife mit einer guten Bewertung aber meist voreinge­stellt sind, tauchen provisions­freie Angebote nicht unter den ersten Treffern auf. Wer diesen Filter nicht ausschaltet, sucht vor allem Tarife örtlicher Versorger häufig vergebens. Mit ihnen machen Portale oft kein Geschäft. Für Nutzer ist der Zusammen­hang schwer zu durch­schauen.

Hauspilot und Prizewize berück­sichtigen auch güns­tige provisions­freie Tarife. Für den direkten Wechsel verlangt Hauspilot vom Kunden allerdings ein Vermitt­lungs­honorar von bis zu 45 Euro. Im Test schützt das Portal etwas besser als andere vor Tücken. Alle, die sich mit den vielen Filtern nicht auseinander­setzen möchten, finden mit den Voreinstel­lungen dort auch faire Angebote auf den ersten zehn Plätzen.

Bei Verivox und Check24 können Nutzer mit einem simplen Häkchen verbraucherfreundliche Tarife finden: Beide bieten einen Filter, der nur Angebote übriglässt, die den Empfehlungen der Stiftung Warentest entsprechen. Doch es gibt einen Haken an dem Häkchen: Die Portal­betreiber verstecken es in Untermenüs. Bei Verivox entdeckten drei der fünf Tester es gar nicht. Die Ergeb­nisse waren aber richtig.

Unzu­verlässiger „Warentest“-Filter

Anders bei Check24. Bis zu 5 von 26 Tarifen, die angeblich Stiftung-Warentest-Kriterien einhalten, erwiesen sich als nicht sauber. Sie enthielten zum Beispiel falsche Angaben zur Vertrags­verlängerung.

Tipp: Der Stiftung-Warentest-Filter von Verivox erwies sich als vertrauens­würdig. Sie können ihn auf den Treffer­listen unter „weitere Voreinstel­lungen“ akti­vieren.

Einen Vorteil haben Check24 und Verivox: Sie bieten alle Filter an, um eine Liste nur mit verbraucherfreundlichen Tarifen zu erhalten. Bei den anderen drei Portalen fehlen Filter. Der Nutzer muss in den Ergeb­nislisten selbst prüfen, welche Tarife alle Kriterien erfüllen. Das ist umständlich.

Güns­tige Klimatarife

Alle Vergleichs­portale im Test bieten Filter für Biogas- und Klimatarife. Bei klima­neutralen Angeboten verpflichten sich die Versorger, die CO2-Menge, die durch Heizen und Kochen mit fossilem Gas entsteht, auszugleichen. Sie investieren in Klima­projekte. So unterstützt etwa Grün­welt Energie nach eigenen Angaben Programme, bei denen in Uganda und Mali gesund­heits- und klima­schädliche Kochöfen gegen effiziente ausgetauscht werden.

Tipp: Achten Sie auf Zertifikate wie den „Verified Carbon Stan­dard“ (kurz VCS) oder den „CDM Gold Stan­dard“. Beide entsprechen den im Kyoto-Protokoll vereinbarten Nach­haltig­keits­kriterien.

Meist etwas teurer als „klima­neutrales“ Gas ist Biogas. Im besten Fall entsteht es aus Abfällen und Gülle. Oft werden Biogas­anlagen aber mit Mais oder Raps gefüttert. Riesige Felder mit Energiepflanzen durch­ziehen viele Land­schaften. Äcker und Weideflächen werden knapp, Böden laugen aus. Der Nutzen von Biogas ist deshalb unter Experten umstritten. Klar ist: Wer den Gasverbrauch drosselt (Special Heizanlagen-Check, test 10/2014), schützt das Klima am sinn­vollsten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 31 Nutzer finden das hilfreich.