Gaspreise Test

Kunden, die mit Gas heizen, können durch einen Anbieter­wechsel locker mehrere hundert Euro pro Jahr sparen. In Leipzig sind es sogar 755 Euro – in Frank­furt 481 Euro.

Wenn es draußen richtig kalt wird, laufen drinnen die Heizungen wieder auf Hoch­touren. Für die Energiekunden wird es dann teuer.

Rund 19 Millionen Haushalte in Deutsch­land heizen mit Gas. Sie können locker mehrere hundert Euro sparen, wenn sie ihren Gasanbieter wechseln. Wie hoch ihre Ersparnis durch einen Wechsel wäre, hängt von ihrem Verbrauch und Wohn­ort ab.

Finanztest hat Gast­arife für die 20 Städte, in denen die meisten unserer Abonnenten wohnen, untersucht. Die größte Ersparnis fanden wir in Leipzig: 755 Euro kann unser Muster­haushalt mit einem Jahres­verbrauch von 20 000 Kilowatt­stunden pro Jahr sparen, wenn er von den Leipziger Stadt­werken zum Tarif „Montana garant“ der Montana Energiehandel GmbH wechselt. Gefolgt von Frank­furt mit 481 Euro und Köln mit 433 Euro (zur Tabelle).

Am meisten sparen können Gaskunden, die in der Grund­versorgung sind. Mit der Grund­versorgung ist der Tarif gemeint, in dem sich der Kunde auto­matisch befindet, wenn er noch nie etwas an seinem Tarif verändert hat. Die Grund­versorgung ist meistens sehr teuer. Mehr als 70 Prozent der Haushalte, die mit Gas heizen, sind nach Angaben des Monitoringbe­richts der Bundes­netz­agentur nicht mehr in der Grund­versorgung. Sie sind entweder bei ihrem örtlichen Stadt­werk in einen güns­tigeren Sonder­tarif gewechselt oder haben gleich einen neuen Anbieter beauftragt. Diesen Schritt haben allerdings erst 8,5 Prozent der Verbraucher gewagt.

„Wir beob­achten, dass die Verbraucher kein Vertrauen in den Markt haben. Aus diesem Grund bleiben viele Gaskunden lieber bei ihrem örtlichen Stadt­werk“, sagt der Energie­experte des Verbraucherzentrale Bundes­verbandes (vzbv), Holger Krawinkel. Als Grund für dieses Miss­trauen nennt er große Anbieterpleiten wie die von Flexgas oder Teldafax.

Faire Tarife für bequeme Kunden

In unserem Test haben wir nur verbraucherfreundliche Tarife berück­sichtigt (siehe „Faire Tarife“). Sie haben keine Fall­stricke oder Bonusklauseln, die an undurch­sichtige Bedingungen geknüpft sind. Sie eignen sich daher für bequeme Kunden, die möglichst viel Preissicherheit haben und nicht jedes Jahr den Anbieter wechseln wollen, um wieder einem neuen Neukundenbonus hinterherzujagen.

„Neukundenboni sind eine Marketing­masche, die den Preis im ersten Vertrags­jahr günstig machen“, sagt Energie­experte Fabian Fehrenbach von der Verbraucherzentrale Rhein­land-Pfalz.

Vergleichs­rechner im Netz wie zum Beispiel Verivox und Toptarif weisen einen Jahres­preis aus, von dem der Bonus bereits abge­zogen wurde. Hohe Boni sorgen also für gute Plätze in den Ergeb­nislisten der Vergleichs­rechner.

Falscher Preiszauber

Ein Beispiel für einen solchen Preiszauber ist der Tarif Priogas 12 von der Firma Extra­Energie. Dieser Tarif stand am 24. August bei dem Internet-Vergleichs­rechner Verivox auf Platz 1. Einge­geben hatten wir die Stutt­garter Post­leitzahl 70437 und einen Verbrauch von 20 000 Kilowatt.

Laut Verivox sparen Kunden, die von der Grund­versorgung in diesen Tarif wechseln im ersten Vertrags­jahr rund 316 Euro. Der Neukundenbonus ist mit 370 Euro aber höher. Trotz des Wechsels bleibt der monatliche Abschlag ähnlich hoch, weil der Bonus erst in der Schluss­rechnung berück­sichtigt wird. Im zweiten Jahr fällt er weg und dann wäre der Tarif – auch ohne Preis­erhöhung – teurer als die Grund­versorgung.

Betroffen hier­von wären alle Priogas-Kunden, die den Tarif nicht frist­gerecht zum Ende des ersten Vertrags­jahres kündigen. Der Vertrag verlängert sich dann nämlich um weitere zwölf Monate. Sollte Priogas für das zweite Vertrags­jahr die Preise erhöhen, steht dem Kunden nur ein kurzes Sonderkündigungs­recht zu. Verpasst er es, zahlt er ein Jahr lang den teuren Preis. Bei den Tarifen aus unserem Test hat der Kunde dagegen keinen Zeit­druck. Sollte sich nach Ablauf der Garantie der Preis erhöhen, kommen die Kunden jeder­zeit mit einer Frist von vier Wochen aus dem Vertrag. Bei einer so kurzen Ausstiegs­frist wird sich ein Versorger zweimal über­legen, ob und in welchem Ausmaß er die Preise erhöht.

In unserer Unter­suchung fanden wir übrigens nur fünf Anbieter, die einen Neukundenbonus zahlen. Solche Boni haben wir bei der Berechnung der Preise und Erspar­nisse nicht berück­sichtigt, weil der Kunde für den Bonus zunächst Vorkasse leisten muss. Er reduziert nicht den monatlichen Abschlag.

Alle Tarife im Test haben außerdem eine Preis­garantie auf die Netz­entgelte und den Gaseinkaufs­preis. Preis­erhöhungen im ersten Vertrags­jahr wären also nur im unwahr­scheinlichen Fall einer Mehr­wert- oder Erdgas­steuererhöhung möglich.

Mann­heim teurer als München

Unsere aktuelle Unter­suchung zeigt aber noch etwas: Wenn man die güns­tigsten Preise zwischen den 20 Städten vergleicht, findet man ebenfalls große Unterschiede.

Wer beispiels­weise in Mann­heim wohnt und einen Verbrauch von 20 000 Kilowatt hat, zahlt beim güns­tigsten Anbieter, der ESWE Versorgungs AG, 1 390 Euro jähr­lich (ohne Bonus). In München zahlen Kunden mit dem gleichen Verbrauch beim güns­tigsten Anbieter, Montana, nur 1 101 Euro – also fast 300 Euro weniger.

Solche Unterschiede lassen sich nicht nur durch die Einkaufs­politik der Anbieter erklären, sondern vor allem durch unterschiedlich hohe Netz­entgelte. Die Konzessions­abgabe spielt auch eine kleine Rolle. Sie fällt an, weil die Kommunen Geld verlangen, wenn ein nicht­kommunales Unternehmen öffent­liche Wege oder Straßen zur Verlegung von Leitungen nutzen will.

Den teuersten Grund­versorgungs­tarif fanden wir in Leipzig. Hier kosten 20 000 Kilowatt 2 061 Euro jähr­lich. Diese hohen Kosten sorgen dafür, dass Leipziger, die aus der Grund­versorgung wechseln, mit 755 Euro die höchste Ersparnis im Test haben.

Güns­tige klima­neutrale Tarife

Zwei Tarife im Test sind sogenannte Klimatarife (siehe Porträts). Mit diesen Tarifen erhält der Gasverbraucher – so wie alle anderen auch – fossiles Erdgas. Der Gas-Anbieter will aber die CO2-Menge, die beim Heizen und Kochen mit Gas entsteht, wieder ausgleichen, indem er bestimmte Klima­projekte unterstützt.

Das kann beispiels­weise der Bau von Wind­parks in der Türkei oder Taiwan sein. Hier­durch wird weniger Strom aus Braunkohle oder Atom­kraft­werken gewonnen und dadurch auch weniger schädliches CO2 ausgestoßen. Solche Projekte sparen quasi stell­vertretend für den Gaskunden das Treib­hausgas CO2 ein.

„Für die Atmosphäre ist es unerheblich, wo klima­schädliches CO2 ausgestoßen und wo es einge­spart wird“, sagt Frank Wolke vom Umwelt­bundes­amt. Deshalb kann das CO2, das Gaskunden in Deutsch­land produzieren, an einem beliebigen Ort der Welt ausgeglichen werden. „Was am Ende zählt, ist die Bilanz“, sagt er.

Wichtig ist auch, dass das Umwelt­projekt zur Reduzierung der Treib­hausgase nur deshalb umge­setzt wird, weil es durch Gasanbieter finanziell gefördert oder mitgefördert wird.

Für den Verbraucher ist es schwer zu durch­schauen, ob ein Klimatarif tatsäch­lich nützt. Anders als bei Strom­tarifen, für die es Ökosiegel wie etwa das „ok Power Label“ gibt, erhalten klima­neutrale Gast­arife kein Siegel. Nur die Umwelt­projekte werden zertifiziert: Die zwei am weitesten verbreiteten Stan­dards hierfür sind der „Verified Carbon Stan­dard“ (kurz VCS) und der „CDM Gold Stan­dard“. Beide erfüllen die vom Kyoto-Protokoll geforderten Kriterien und Auflagen, unterscheiden sich aber in ihrem Ansatz. Während die VCS-Projekte eher Auffors­tung und Kompensations­projekte unterstützen, setzt der Gold Stan­dard auf Vermeidung von Co2 etwa durch umwelt­freundliche Anlagen für erneuer­bare Energien. Der Gold Stan­dard hat insgesamt etwas höhere Anforderungen an die nach­haltige Entwick­lung eines Klima­projekts.

Das Nonplus­ultra des Klima­schutzes ist ein klima­neutraler Gast­arif aber nicht. „Der beste Klima­schutz ist es, den eigenen Verbrauch fossiler Energien zu senken. Nur dadurch wird der dringend nötige Umbau der Energieversorgung voran­getrieben. Ein bloßer Ausgleich an anderer Stelle leistet das nicht“, sagt Wolke vom Umwelt­bundes­amt.

Preis­erhöhungen nicht immer gültig

Wir haben bei unserer Unter­suchung nicht nur die Tarifbedingungen untersucht, sondern auch die allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) von Juristen auf Verstöße prüfen lassen. In der Tabelle haben wir keine Tarife mit gravierenden Verstößen veröffent­licht.

Einen besonderen Blick haben wir auf die Preis­änderungs­klauseln geworfen. Hier entsprechen die meisten Formulierungen, wann ein Versorger die Preise erhöhen darf, nicht der Recht­sprechung des Europäischen Gerichts­hof (EuGH). Für den Verbraucher ist dies aber kein Nachteil. Etwaige Preis­erhöhungen in der Zukunft muss er nicht akzeptieren (zur Meldung Klauseln zur Erhöhung der Gaspreise). Mit gestiegenen Preisen haben Kunden, die jetzt wechseln, aber frühestens nach Ablauf der Preis­garantie in einem Jahr zu tun.

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