Gasheizkessel Test

Alter Kessel raus, moderner rein – so lässt sich viel Energie sparen. Auf dem Prüfstand zeigte sich aber, dass einige Heizsysteme anderen deutlich überlegen sind.

Alles eine Frage der Physik: Sobald Wasserdampf kondensiert, wird Wärme freigesetzt – wie bei einer gut gekühlten Bierflasche, die sich im Freien schneller erwärmt, wenn sehr viel Luftfeuchtigkeit an ihrer Glasoberfläche kondensiert.

Da Erdgas ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen ist, entsteht als Reaktionsprodukt bei der Verbrennung viel Wasser in Form von Dampf. Der Brennwert, der dessen Kondensationswärme berücksichtigt, liegt bei Erdgas etwa 10 Prozent über dem Heizwert. Heizkessel, die das nutzen, heißen Brennwertkessel. Sie machen sich nicht nur die Hitze bei der Gasverbrennung zunutze, sondern auch die Energie von dabei gebildetem Wasserdampf.

Tipp: Vorsicht, Verkäufer werben oft mit Nutzungsgraden von über 100 Prozent. Sie beziehen die gewonnene Heizwärme auf den Heizwert von Erdgas und nicht – praxisgerecht – auf dessen Brennwert.

Warmes Wasser für bewölkte Tage

Gasheizkessel Test

Gasbrennwertkessel versorgen die Heizung zuverlässig mit Wärme. Obendrein stellen sie sicher, dass im Speicher immer genügend heißes Wasser zum Duschen oder Baden bereitsteht. Wenn die Sommersonne scheint, steht der Gaszähler still.

Gasbrennwertkessel versorgen die Heizung zuverlässig mit Wärme. Obendrein stellen sie sicher, dass im Speicher immer genügend heißes Wasser zum Duschen oder Baden bereitsteht. Wenn die Sommersonne scheint, steht der Gaszähler still.

Gasbrennwertkessel liegen gerade jetzt im Trend. Das hat auch mit der Bundesregierung zu tun. Sie hat kürzlich den Geldhahn für umweltschonende Solaranlagen, Holzpelletkessel und Wärmepumpen zugedreht. „Das Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien wurde zum 3. Mai 2010 gestoppt“, heißt es beim zuständigen Bundesamt unter www.bafa.de. Bis Redaktionsschluss Mitte Juni war kein Einlenken des Finanzministers erkennbar. Wer bei den Zuschüssen für Pelletheizungen oder Wärmepumpen leer ausgeht, der wird sich wohl eher für ein preiswertes, klassisches Heizsystem entscheiden. Wir haben die neun Gasbrennwertkessel in Kombination mit dazugehörigen Solarspeichern für die Warmwasserversorgung geprüft.

Tipp: Wer dem Finanzminister ein Schnippchen schlagen und die Solaranlage erst bauen möchte, wenn wieder Fördergelder bereitstehen, sollte Vorkehrungen treffen. Kaufen Sie bei einer Heizungsmodernisierung schon jetzt den Solarspeicher. Auch diejenigen, die aus anderen Gründen ihre Solaranlage erst später realisieren möchten, sollten so handeln. Jetzt einen kleineren „normalen“ Speicher zu kaufen und ihn später gegen einen Solarspeicher umzutauschen, wäre aufwendig und teuer.

Solarspeicher verfügen über einen Extra-Wärmeübertrager für die Sonnenenergie. Sie sind relativ groß: Die geprüften Modelle haben ein Fassungsvermögen von meist etwa 300 Liter und sie sind 1,34 bis 1,93 Meter hoch. Damit lässt sich im Sommer so viel Sonnenwärme tanken, dass warmes Wasser für zwei bis drei trübe Tage bereitsteht – ohne dass der Kessel nachheizen muss. Wird die Solaranlage noch nicht angeschlossen, übernimmt allein der Gaskessel die Warmwasserbereitung und erwärmt nur die obere Zone, das Bereitschaftsvolumen mit deutlich mehr als 100 Litern. Der untere Bereich, der solar erhitzt wird, bleibt dann vorerst kalt.

Auch auf kleiner Flamme effizient

Gasheizkessel Test

Einblick in den Wärmeübertrager von Remeha: Die Metallnoppen helfen, die Wärme von den Verbrennungsgasen ins Heizwasser zu leiten.

Einblick in den Wärmeübertrager von Remeha: Die Metallnoppen helfen, die Wärme von den Verbrennungsgasen ins Heizwasser zu leiten.

Die spannendste Frage in diesem Vergleichstest aber war: Wie effizient nutzen die Gasheizkessel die im Gas enthaltene Energie und wandeln sie in Wärme um? Auf dem Prüfstand mussten sie das unter exakt gleichen Bedingungen unter Beweis stellen. Im Heizbetrieb erzielten alle Geräte hohe Wirkungsgrade – bei Volllast, aber auch bei den meist vorkommenden Teillasten. „Ziehen“ die Heizkörper nur relativ wenig Wärme, arbeiten die Gebläsebrenner überwiegend „modulierend“ auf kleiner Flamme. Diese Betriebsweise beherrschen die Gasbrennwertkessel so gut, dass sie – hochgerechnet aufs Jahr – hohe Nutzungsgrade erzielen.

Sehr gute 96 Prozent Nutzungsgrad

Gasheizkessel Test

Das Innenleben des Kessels von Viessmann: Im Feuerraum ist das spiralförmige Wärmeüberträgerrohr erkennbar. Die Brennereinheit mit dem halbkugelförmigen Matrixbrenner wird gerade herausgenommen.

Wir haben die Nutzungsgrade berechnet, indem wir die für die Heizung nutzbare Wärme ins Verhältnis zum Brennwert setzten. Viessmann, Remeha und Oertli kamen so auf sehr gute 96 Prozent. Der Buderus-Kessel schaffte 94 Prozent.

Wie gut sich die im Brennstoff enthaltene Energie nutzen lässt, hängt vor allem auch von den Rücklauftemperaturen ab. Je kühler das Heizwasser von den Heizkörpern in den Brennwertkessel zurückströmt, desto besser kühlt es dort die heißen Abgase ab und fördert den nützlichen Kondensationseffekt. Liegt die Rücklauftempe­ratur – etwa bei Fußbodenheizung – bei 30 Grad Celsius, kondensieren pro Kilowattstunde erzeugter Wärmeenergie rund 100 Milliliter Wasser. Bei 45 Grad Rücklauftemperatur sind es nur noch rund 60 Milliliter. Aber schon bei 55 Grad sinkt die Ausbeute an Kondensationswärme gegen null.

Schwächen von Vaillant und Buderus

Schwachpunkt der Brennwertkessel ist die Warmwasserbereitung. Alle Geräte im Test arbeiteten dabei viel weniger effizient als im Heizbetrieb. Um einen Speicher auf 55 bis 60  Grad zu temperieren, muss der Kessel für deutlich höhere Vorlauftemperaturen sorgen – im Volllastbetrieb mit allenfalls geringem Brennwerteffekt und erhöhtem Abgasverlust. Vaillant und Buderus schafften hier nur einen mäßigen Nutzungsgrad von weniger als 70 Prozent.

Tipp: Entscheiden Sie sich bei der Heizungsmodernisierung möglichst für eine Komplettlösung, die Ihren Heizkessel mit Solarkollektoren kombiniert. So muss der Gaskessel im Sommer fast gar nicht und im Winter seltener anspringen. Optimieren Sie auf diese Weise die Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit.
Alle Geräte sind auf energiesparenden Betrieb getrimmt, doch der Stromverbrauch von Pumpen, Gebläsen und Steuerungen unterschied sich deutlich: Aufs Jahr gerechnet begnügte sich der Remeha-Kessel mit etwa 200 Kilowattstunden; Wolf und Vaillant brauchen mehr als 300.

Feinstaub und Ruß sind kein Problem

Gasheizkessel Test

Erdgas und Luft strömen gut gemischt zum Brenner. Nach der Verbrennung sor­­gen Wärmeübertrager dafür, dass viel Energie ins Heizwasser gelangt. Dazu müssen die Abgase so weit abkühlen, dass der enthaltene Wasserdampf kondensiert und die darin steckende Energie optimal genutzt werden kann (Brennwerteffekt).

Erdgas und Luft strömen gut gemischt zum Brenner. Nach der Verbrennung sor­­gen Wärmeübertrager dafür, dass viel Energie ins Heizwasser gelangt. Dazu müssen die Abgase so weit abkühlen, dass der enthaltene Wasserdampf kondensiert und die darin steckende Energie optimal genutzt werden kann (Brennwerteffekt).

Pluspunkte sammelten die Gaskessel mit ihren guten und sehr guten Abgaswerten. Auch im Vergleich mit Öl- oder Holzpelletheizungen schneiden sie prima ab. Feinstaub und Rußpartikel sind bei Gas kein Problem. Auch im Hinblick auf das Treibhausgas Kohlendioxid können sich die Gasbrennwertkessel sehen lassen. Sie emittieren weniger als Ölheizkessel. Wärmepumpen, die Luft als Wärmequelle nutzen, sind nicht besser, weil sie viel Strom verbrauchen und Kohlendioxid bei dessen Erzeugung entsteht. In allen Fällen wirkt sich die Kombination mit Solaranlagen positiv aus.
Möglich ist übrigens auch die Kombination mit einer größeren Solaranlage, die nicht nur warmes (Trink-)Wasser bereitet, sondern mithilfe eines Kombispeichers auch die Heizung unterstützt. Auch diese Anlagen sind technisch ausgereift. Bei unseren Prüfungen erzielten sie fast durchweg gute Noten(siehe test 3/09). Sehr effizient arbeitete auch der in einen großen Speicher integrierte Gasbrennwertkessel von Solvis, der nach wie vor erhältlich ist.

Heizen mit Gas und Sonne ist also auf vielfältige Weise möglich. In Zukunft werden neuartige Heizungen an Bedeutung gewinnen, die neben Wärme auch Strom erzeugen. Derzeit sind die geprüften Gasbrennwertsysteme eine gute Wahl: Sie sind relativ preiswert und ihre Technik hat sich in der Praxis bewährt.
Tipp: Die in der Tabelle genannten Preise sind Listenpreise der Hersteller. Holen Sie bei verschiedenen Installateuren Angebote ein und verhandeln Sie. Es lohnt sich.

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