Strom- und Gast­arife Liefer­stopp von Gas.de und Stromio – so fordern Sie Schaden­ersatz

Strom- und Gast­arife - Liefer­stopp von Gas.de und Stromio – so fordern Sie Schaden­ersatz
Versorgungs­garantie. Auch bei Kündigungen oder Liefer­stopp muss niemand fürchten, im Kalten oder Dunklen zu sitzen. © Getty Images / Claudia Dewald

Viele Haushalte ärgern sich über Preis­erhöhungen, oder Liefer­stopps, wie von Stromio, Gas.de oder Grün­welt. Wir sagen, was zu tun ist und wie man Schaden­ersatz fordert.

Inhalt

Gebrochene Versprechen, rück­wirkende Liefer­stopps, Schaden­ersatz

Der Energiemarkt spielt verrückt. Viele Haushalte erhalten drastische Preis­erhöhungen oder gar die Kündigung ihres Strom- oder Gasvertrags: Energiefirmen wie Grün­welt Energie, Gas.de oder Stromio stellten die Belieferung im Dezember 2021 gleich deutsch­land­weit ein. Einige unserer Leser ­berichten uns, dass sie erfolg­reich von Gas.de, Stromio oder Grün­welt eine Entschädigung verlangt und erhalten haben. Wir zeigen, wie es geht.

Liefer­stopp von Stromio, Gas.de und Grün­welt

Mir wurde mitgeteilt, dass ich nicht mehr mit Energie beliefert werde. Ich bin in die Grund­versorgung gerutscht, was muss ich machen?

Sie müssten prüfen, ob die Grund­versorgung bei Ihnen vor Ort günstig oder teuer ist. Beides ist möglich. Es gibt Grund­versorger, die ihre Preise splitten und von Neukunden deutlich höhere Preise verlangen. In diesem Fall sollten Sie sich schnell ein güns­tigeres Angebot suchen. Unsere Spezials für Strom- und Gastarife helfen Ihnen dabei. Einige andere Grund­versorger, wie etwa die Stadt­werke München, sind dagegen derzeit der güns­tigste Anbieter vor Ort (Stand 7.04.22). Sie können über­legen, dort Kundin oder Kunde zu bleiben. Wichtig zu wissen: In der Grund­versorgung haben Sie keine Preis­garantie. Wenn Sie hierauf Wert legen, sollen Sie sich einen neuen Tarif suchen.

Tipp: Ob der Grund­versorger an Ihrem Wohn­ort den aktuell güns­tigsten Tarif hat, zeigen Vergleichs­portale, wie Check24 oder Verivox. Wenn Sie nach Eingabe von Post­leitzahl und Jahres­verbrauch in der Ergeb­nisliste lediglich einen Preis und keine Ersparnis sehen, ist Ihr Grund­versorger am güns­tigsten. Sollte Ihr Grund­versorger für Neukunden höhere Preise berechnen als für Bestands­kunden, berück­sichtigen Check24 und Verivox dies bei der Berechnung.

Was ist mit Mehr­kosten, die mir durch den Liefer­stopp entstehen?

Kundinnen und Kunden können für den Schaden, der ihnen durch unzu­lässige Kündigungen und Belieferungs­einstel­lungen entstanden ist, eine Entschädigung verlangen. Die Mehr­kosten berechnen sich aus der Differenz des neuen und des alten Preises bis zum Ende der ursprüng­lichen Preis­garantie beziehungs­weise Lauf­zeit des gekündigten Vertrags.

Beispiel: Sie haben mit Gas.de einen 12-Monats­vertrag mit Liefer­beginn 3. April 2021 und Preis­garantie abge­schlossen. Gas. de hat die Belieferung ab 3. Dezember 2021 einge­stellt. Sie können daher einen Ersatz für Ihre Mehr­kosten zwischen 3. Dezember 2021 bis 3. April 2022 verlangen. Die Mehr­kosten errechnen sich aus der Differenz des Preises von Gas.de und den Kosten aus der Ersatz­versorgung und, falls abge­schlossen, Ihres neuen Tarifs bis zum April 2022.

Wie fordere ich Schaden­ersatz?

Hat Ihr Anbieter die Belieferung einge­stellt, antworten Sie ihm, dass Sie die Belieferungs­einstellung für unzu­lässig halten und Schaden­ersatz fordern. Nutzen Sie dazu einen entsprechenden Musterbrief der Verbraucherzentralen. Wenn Sie Gas.de Kunde sind, tragen Sie als Belieferungs­einstellung den 3. Dezember 2021 ein. Um den Brief nutzen zu können, müssen Sie die Rest­lauf­zeit Ihres Vertrags und die Höhe des Schadens kennen.

Wie ermittele ich die Rest­lauf­zeit meines Vertrags?

Sie müssen zunächst prüfen, wie lange Stromio/Gas.de/Grün­welt Sie eigentlich noch zu den vertraglich vereinbarten güns­tigen Preisen beliefern müsste. Schauen Sie dazu in Ihr Begrüßungs­schreiben – auch Liefer­bestätigung genannt. Dort finden Sie das Datum des Liefer­beginns und die Vertrags­lauf­zeit. Die Rest­lauf­zeit ist die Zeitspanne zwischen dem Liefer­stopp und dem im Begrüßungs­schreiben genannten Vertrags­ende. Sollten Sie schon länger als ein Jahr Kunde sein, verlängern sich die Verträge bei den genannten Anbietern oft um weitere zwölf Monate. Genaues zur Vertrags­verlängerung steht in den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB), die Sie mit der Liefer­bestätigung erhalten haben.

Wie berechne ich den Schaden­ersatz?

Vermutlich sind Sie nicht mehr in der Ersatz­versorgung bzw. Grund­versorgung, sondern haben längst einen neuen Vertrag abge­schlossen. Sie müssen deswegen möglicher­weise beide Verträge zur Hand nehmen, um den Schaden­ersatz zu berechnen.

Verbrauch beim Grund­versorger. In der Schluss­rechnung vom Grund­versorger finden Sie Ihren Verbrauch für die Zeit in der Grund­versorgung. Auf Grund­lage dieses Verbrauchs können Sie ermitteln, wie viel Sie für diese Menge Energie bei Gas.de, Stromio oder Grün­welt bezahlt hätten. Dazu benötigen Sie den monatlichen Grund­preis und Arbeits­preis pro kWh dieser Anbieter. Beides steht ebenfalls in der Liefer­bestätigung.

Beispiel: Sie waren sechs Wochen in der Grund­versorgung und haben dort 5 400 Kilowatt­stunden (kWh) Gas verbraucht. Dafür wurden Ihnen vom Grund­versorger 1008,70 Euro in Rechnung gestellt. Für 5 400 kWh hätten Sie bei Gas.de nur 214,92 Euro gezahlt (3,98 Cent pro kWh) plus 9,50 Grund­preis, also alles im allem nur 224,42 Euro. Die Differenz zwischen Grund­versorger und den von Ihnen ermittelten Kosten beträgt 784,28 Euro. Diese Summe können Sie als Schaden­ersatz geltend machen. Beachten Sie: Schaden­ersatz können Sie nur für den Zeitraum fordern, in dem Sie eigentlich noch bei Gas.de unter Vertrag gewesen wären (Rest­lauf­zeit).

Verbrauch beim neuen Lieferanten. Wenn Sie anschließend zu einem neuen Lieferanten gewechselt sind, können Sie diese Mehr­kosten bis zum Ende der Rest­lauf­zeit bei Ihrem Lieferanten vor der Grund­versorgung ebenfalls veranschlagen. Fotografieren und notieren Sie zunächst zum Ende der Rest­lauf­zeit von Gas.de oder Stromio bzw. Grün­welt Ihren Zählerstand. In der Schluss­rechnung vom Grund­versorger finden Sie den Zählerstand, mit dem Sie diesen Vertrag beendet haben. Er ist zugleich der Anfangs­stand für Ihren neuen Vertrag. Nutzen Sie ihn, um die Differenz zum Zählerstand am Ende der Rest­lauf­zeit zu ermitteln. Bei Gas kann das etwas komplizierter werden, weil Sie den Zählerstand in Kubik­meter (m3) ablesen und ihm mittels der Zustands­zahl und Brenn­wert in Kilowatt­stunden umrechnen müssen.

Beispiel: In der Schluss­rechnung Ihres Grund­versorgers steht der Zählerstand 1.671,000 m3. Sie lesen zum Ende der Rest­lauf­zeit den Wert von 1.968,282 m3 ab. Die Differenz beträgt 297,282 m3. Diesen Wert müssen Sie mit der Zustands­zahl des gelieferten Gases (hier 0,9655) multiplizieren und anschließend mit dem Brenn­wert. Beide finden Sie auf einer alten Rechnung (evtl. die vom Grund­versorger oder die Schluss­rechnung von Gas.de). Der Brenn­wert ist vor allem davon abhängig, ob Sie L-Gas oder H-Gas erhalten. Gas.de hat für Berlin mit einem Brenn­wert von 11,240 gerechnet. Unser Muster­haushalt im Beispiel könnte also zusätzlich die Mehr­kosten für 3 226 Kilowatt­stunden veranschlagen.

Was berichten Lese­rinnen und Leser, wie die betroffenen Firmen auf Schaden­ersatz­forderungen reagieren?

Wer Schaden­ersatz fordert, bekommt häufig ein Entschädigungs­angebot, das deutlich nied­riger ist als die geforderte Summe. Wenn Sie Ihren Schaden gut belegen können, sollten Sie hartnä­ckig bleiben und mitteilen, dass Sie das Angebot nicht akzeptieren. Oft kommt dann ein zweites, höheres Angebot. Sollten Sie sich nicht mit dem Anbieter einigen, empfehlen wir, dem Weg eines unserer Leser zu folgen. Er leitete ein Verfahren bei der Schlichtungsstelle Energie ein. Noch vor dessen Abschluss sagte Gas.de zu, die volle Erstattung zu leisten – in diesem Fall mehr als 400 Euro. Bedenken Sie: Egal, wie Sie sich entscheiden. Mit der Annahme des Angebots sollen alle weiteren Ansprüche abge­golten sein.

Preis­erhöhung bei Strom und Gas

Ich habe eine Preis­erhöhung erhalten. Was soll ich tun?

Kündigen Sie nicht vorschnell. Die Regel „Neukunden­preise sind oft güns­tiger als die für Bestands­kunden“ gilt nicht mehr. Heute gibt es Tarife, bei denen Neukunden mehr zahlen. Oft lohnt es daher, trotz einer Erhöhung beim bisherigen Anbieter zu bleiben.

Hintergrund: Versorger kalkulieren mit einer gewissen Anzahl von Kunden, die in ihrem Bestand bleiben. Für diese haben sie bereits länger­fristig Energiemengen einge­kauft, als die Preise noch vergleichs­weise günstig waren. Ihre Kunden kommen dann trotz Preis­erhöhungen güns­tiger weg.

Beispiel: Unser Redak­teur Jonas Krum­bein hatte eine vergleichs­weise moderate Preis­erhöhung von den Stadt­werken Flens­burg für seinen Gast­arif erhalten. Ab Januar 2022 stieg der Preis pro Kilowatt­stunde um 2,75 Cent auf 6,94 Cent, der monatliche Grund­preis verdoppelte sich zwar auf 8,23 Euro pro Monat, ist aber immer noch günstig. Legt man die Gesamt­kosten auf seinen Verbrauch um, wären das 8,82 Cent pro Kilowatt­stunde. Ein besseres Angebot ist derzeit kaum auf dem Markt zu finden wie unsere Grafik Erdgaspreise für Privathaushalte zeigt. Deshalb bleibt der Journalist trotz der Preis­erhöhung bei seinem Anbieter, zumal er von den Flens­burger Stadt­werken sogar eine Endpreis­garantie bis Ende November 2022 erhält.

Wie prüfe ich, ob die Erhöhung angemessen ist?

Mithilfe von Vergleichs­portalen können Sie prüfen, wie der Preis Ihres Anbieters nach der Erhöhung abschneidet. Geben Sie dafür Post­leitzahl und Jahres­verbrauch beim jeweiligen Portal ein. Bei Finanztip und Check24 können Sie den alten Preis eingeben und sich die Ersparnis für einen neuen Tarif ausrechnen lassen. Ändern Sie dabei auch die Filter­möglich­keiten der Portale und schauen Sie, welche Tarife Ihnen ange­zeigt werden. Unser Test von Vergleichsportalen für Strom und Gas hilft, sich zurecht­zufinden. Unser Testecho fasst zusammen, welche Portale im Anschluss an unseren Test nachgebessert haben.

Gilt bei einer Preis­erhöhung ein Sonderkündigungs­recht?

Ja, das Sonderkündigungs­recht gilt unabhängig von den Gründen für eine Preissteigerung. Auch bei der Erhöhung von Steuern und Abgaben kommen Sie vorzeitig aus dem Vertrag. Anbieter sind verpflichtet, im Erhöhungs­schreiben sowohl den alten als auch den neuen Preis zu nennen sowie ein Datum, bis zu dem Sie den Vertrag frist­los kündigen können.

Tipp: Normaler­weise kündigt der neue Versorger Ihren bisherigen Tarif. Wenn Sie Ihr Sonderkündigungs­recht nutzen, sollten Sie selbst kündigen und Ihren neuen Versorger darüber informieren. Unsere Tipps zum Wechsel finden Sie in den Specials Stromtarif wechseln und Gasanbieter wechseln.

Soll ich jetzt einen Vertrag über zwölf Monate abschließen?

Das ist schwer zu sagen. Wie sich die Preise entwickeln, lässt sich nicht vorhersehen. Welche Art von Vertrag Sie wollen, ist auch eine Typfrage.

Flexibel bei Preissenkungen. Mit kurz laufenden Verträgen, bei denen Sie mit einer Frist von zwei bis sechs Wochen heraus­kommen, bleiben Sie flexibel – falls die Preise fallen. Sie sollten aber bereit sein, nach einem Erhöhungs­schreiben schnell zu handeln, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln. Mitunter wird auch die Kombination von kurzer Lauf­zeit und langer Preis­garantie von zwölf Monaten angeboten. Auch solch ein Vertrag käme für Sie in Frage.

Preissicherheit. Ein solcher Tarif wäre für Sie ebenfalls geeignet, wenn Sie Wert auf Preissicherheit legen. Ist er nicht verfügbar oder sehr teuer, sollten Sie einen güns­tigen Jahres­vertrag mit Preis­garantie wählen oder einen Wechsel­service beauftragen. Sieben dieser Dienste hat die Stiftung Warentest getestet (Wechselservice für Strom und Gas).

Bin ich mit einer Preis­garantie vor einer Erhöhung geschützt?

Leider nein. Die meisten Garan­tien decken nicht alle Preis­bestand­teile des Strom- oder Gaspreises ab, sondern oft nur Beschaffung und Vertrieb. Bei Strom sind etwa 25 Prozent des Gesamt­preises durch Garan­tien abge­deckt (So setzt sich der Strompreis zusammen), bei Gas 46 Prozent (So setzt sich der Gaspreis zusammen). Steigen Abgaben, Entgelte oder Steuern, ist eine Preis­erhöhung möglich. Gestiegene Markt­preise dürfen Firmen aber bei einer Preis­garantie nicht an Sie weiterreichen.

Unseriöse Preis­erhöhungen einiger Anbieter

Ich bin Kundin bei den Elektrizitäts­werken Düssel­dorf und habe trotz Preis­garantie eine Preis­erhöhung um 85 Prozent erhalten. Wie kann das sein?

Das ist rechts­widrig. Sie haben einen Vertrag, und der gilt. Sollte Ihnen nur der Strom­einkaufs­preis garan­tiert werden, dürfen Anbieter den Preis nur erhöhen, wenn Umlagen, Steuern oder die Netz­entgelte teuer werden, nicht aber wenn die Einkaufs­preise für Strom oder Gas steigen. Seriöse Unternehmen, die eine Preis­garantie aussprechen, haben sich mit entsprechenden Liefer­verträgen ein­gedeckt, um ihre Preis­zusagen einzuhalten.

Soll ich mein Sonderkündigungs­recht nutzen und einen neuen Tarif abschließen?

Grund­sätzlich müssen Sie sich entscheiden, ob Sie schnell das Weite suchen und Ihr Sonderkündigungs­recht nutzen wollen – oder ob sie gegen die Erhöhung vorgehen möchten, was dauern kann. Falls Sie sich für Letzteres entscheiden, schreiben Sie dem Unternehmen, dass eine wirk­same Preis­erhöhung gegen­wärtig nicht möglich ist, da Sie vertraglich eine Preis­garantie vereinbart haben und diese eine Weitergabe von erhöhten Beschaffungs­kosten ausschließt. Setzen Sie dem Unternehmen zügig eine mehr­wöchige Frist.

Uns liegen Fälle vor (Beispiel: Wunder­werk AG), wo Haushalte die Kündigung erhielten, nachdem sie einer Preis­erhöhung wider­sprochen haben. Kommt es zu keiner Einigung, können Sie sich an eine ­Verbraucherzentrale oder die Schlichtungsstelle Energie wenden. Ein Schlichtungs­verfahren ist für Verbrauche­rinnen und Verbraucher kostenlos. Der Schlichter­spruch ist aber nicht verbindlich.

Tipp: Mehr zum Thema Schlichtung und Mediation in unserem Special Recht bekommen – günstig und ohne Gericht.

Immergrün wollte meinen monatlichen Abschlag um statt­liche 46 Prozent erhöhen – mit der Begründung, dass die Beschaffungs­kosten gestiegen sind. Ist das in Ordnung?

Das ist nach Angaben der Verbraucherzentrale Nieder­sachsen unzu­lässig. Energierechts­expertin Tiana Schönbohm sagt: „Im laufenden Abrechnungs­zeitraum dürfen Abschläge nur mit Zustimmung der Kundin oder des Kunden angepasst werden. Daran ändern auch steigende Preise oder ein erhöhter Verbrauch nichts.“

Die Bundes­netz­agentur hat inzwischen ein Aufsichts­verfahren gegen die Rhei­nische Elektrizitäts- und Gasversorgungs­gesell­schaft einge­leitet, zu deren Firmen­geflecht Immergrün gehört. ­Begründung: Verdacht auf unzu­lässige Erhöhung von Abschlags­zahlungen.

Wir wissen von einem Fall, bei dem der Kunde die Kündigung erhielt, nachdem er dem höheren Zahl­betrag wider­sprochen hatte. Die VZ Nord­rhein-West­falen hat Immergrün wegen derlei mieser Maschen erfolg­reich abge­mahnt. Das Land­gericht Köln untersagt Immergrün unzu­lässige Abschlags­erhöhungen. Außerdem darf das Unternehmen Kunden­nach­fragen nicht mehr in „Sonderkündigungen“ umdeuten und die Kunden anschließend vom Stromnetz abmelden (Az. 33 O 226/21, nicht rechts­kräftig).

Wie wehre ich mich?

Stimmen Sie einer Erhöhung der Abschlags­zahlung nicht zu und reagieren Sie auch, wenn – wie im Fall von Immergrün – erst gar nicht nach einer Zustimmung gefragt wird. Die VZ empfiehlt folgende Formulierung: „Ich wider­spreche der Abschlags­erhöhung. Da mir keine wirk­same Preis­erhöhung zugegangen ist, ist eine einseitige unterjäh­rige Erhöhung der Abschlags­zahlungen nicht zulässig.“ Weisen Sie auf Ihre Preis­garantie hin, falls vorhanden. Sie können dem Unternehmen mit Schaden­ersatz drohen, werden aber vermutlich nicht auf offene Türen stoßen. Lassen Sie sich bei einer Verbraucherzentrale beraten, wenn Sie nicht weiterkommen.

Mehr zum Thema

  • Energieversorger pleite Was Sie jetzt tun müssen

    - Ist ein Strom- oder Gasversorger insolvent, sollten Kundinnen und Kunden schnell handeln. Die Stiftung Warentest sagt, was in diesem Fall zu tun ist.

  • Wechsel­service für Gast­arife Strom- und Gast­arife für Bequeme

    - Jähr­lich ohne Aufwand in einen güns­tigen Strom- oder Gast­arif wechseln? Das über­nimmt ein Wechsel­service. Wie gut das klappt, zeigt ein Vergleich der Stiftung Warentest.

  • Gasanbieter wechseln Gast­arif wechseln und sparen

    - Einen güns­tigen Gasvertrag wünschen sich viele Haushalte bei den steigenden Preisen. Für den Tarifwechsel lassen sich ein Vergleichs­portal oder ein Wechsel­service nutzen.

14 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

GuessWhat am 09.04.2022 um 20:10 Uhr
Zu ajenter

Schwarzwald Energy hat die Vertragsbedingungen, dazu zählt auch die Mindestvertragslaufzeit deutlich kommuniziert. Woher ich das weiß? Ich war selbst Kunde. Da war nichts versteckt und nichts wurde verschwiegen.

GuessWhat am 09.04.2022 um 20:06 Uhr
Zu rosy-int2

Eine ordentliche Kündigung ist zum Ende der Mindestvertragslaufzeit und dann mit den vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen (meist drei Monate oder manchmal auch ein Monat). Eine Preisgarantie hat nichts damit zu tun

rosy-int2 am 16.02.2022 um 12:55 Uhr
Kündigung bei Preisgarantie ausgeschlossen?

Darf der Versorger bei einer Preisgarantie überhaupt bis zu deren Ende ordentlich kündigen?
Eine vorzeitige ordentliche Kündigungsmöglichkeit durch den Anbieter würde eine solche Preisgarantie ad absurdum führen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 28.01.2022 um 14:24 Uhr
Monatsfrist / Preiserhöhung bei Haushaltskunden

@alle: Haushaltskunden müssen einen Monat vor Geltung der Preiserhöhung über diese informiert werden. Für Firmenkunden gilt das nicht.
www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/Energie/PreiseTarife/start.html#FAQ973572

nicolo17.8 am 28.01.2022 um 12:46 Uhr
Gas-Preiserhöhung

Mein Gasanbieter schweizstrom teilt mir mit Schreiben vom 13.01.2022 , Posteingang Datum 17.01.2022 mit, dass er den Gaspreis zum 01.02.2022 erhöht.
Er räumt mir aufgrund seiner Erhöhung ein Sonderkündigungsrecht ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zum 31.01.2022 ein.
Da ich noch einen günstigeren Gas-Anbieter gefunden habe, habe ich mein Sonderkündigungsrecht zum 31.01..2022 wahrgenommen.
Aufgrund der nur wenigen verbliebenen Tage teilt mir logischerweise mein neuer Gasanbieter mit, dass er mich nicht wie gewünscht ab 01.02.2022, sondern erst ab 01.03.2022 beliefern kann.
Ist das alles rechtens?
Ich lande also notgedrungen für einen Monat im teuren Tarif des Grundversorgers.