Strom- und Gast­arife Entlastung bei Gas- und Strom­kosten

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Strom- und Gast­arife - Entlastung bei Gas- und Strom­kosten
Gasheizung. Die Versorgungs­lage ist „stabil“, so die Bundes­netz­agentur. Gaskunden müssen nicht fürchten, im Kalten zu sitzen. © Getty Images / Claudia Dewald

Die Sofort­hilfe für Dezember, die Energiepauschale sowie die Preisbremsen für Strom und Gas sollen die gestiegenen Energiepreise abfedern. Was Kunden jetzt wissen müssen.

Strom- und Gast­arife Entlastung bei Gas- und Strom­kosten

Viele Gas- und Strom­kunden machen sich derzeit Sorgen: Sie haben eine erhebliche Preis­erhöhung erhalten oder haben Fragen zu aktuellen Entwick­lungen wie den Preisbremsen für Strom und Gas, den Energiepreispauschalen, der Sofort­hilfe für Dezember oder der längst gekippten Gaspreis­umlage. Über diese aktuellen Entwick­lungen informieren wir kostenfrei. Im kosten­pflichtigen Report der Stiftung Warentest gibt es Antworten und Tipps zu Preis­erhöhungen, gebrochenen Preis­garan­tien und Ärger in der Grund­versorgung.

Deshalb lohnt sich der Report Energiekrise für Sie

  • Tipps. Wir haben für Sie die wichtigsten Tipps zu folgenden Themen zusammen­gestellt: Was tun bei einer drastischen Preis­erhöhung? Was bei einer Erhöhung trotz Preis­garantie oder bei einer Kündigung durch den Versorger? Ihr Grund­versorger möchte Sie in die teurere Ersatz­versorgung einordnen, ist das gerecht­fertigt? Ehemalige Kunden von Stromio oder Gas.de erfahren, wie sie auch jetzt noch Schaden­ersatz berechnen und verlangen.
  • Entlastung für Gaskunden. Wir haben für drei Muster­haushalte ermittelt, was die beschlossenen Entlastungen (Energiepreispauschale, Reduzierung der Mehr­wert­steuer und Zahlung des Dezember­abschlags) in diesem Jahr bringen.
  • Rechner. Unser Rechner hilft Gaskunden, die regel­mäßig ihre Zählerstände ablesen, ihren Verbrauch von Kubik­meter in Kilowatt­stunden umzu­rechnen. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn Sie wissen wollen, für welchen Verbrauch die reduzierte Mehr­wert­steuer anfällt.
  • Heft­artikel als PDF. Nach dem Frei­schalten erhalten Sie die Heft­artikel aus Finanztest 12/22 und 01/23 zum Download.

Strom- und Gast­arife Entlastung bei Gas- und Strom­kosten

Gaspreisbremse: 12 Cent pro Kilowatt­stunde und Sofort­hilfe

Am 19. November 2022 trat das Gesetz über die Dezemberso­fort­hilfe in Kraft. Darin ist geregelt, dass der Bund die Kosten für den Dezember-Abschlag für Gas und Fern­wärme über­nimmt. Die soll Gas- und Fern­wärmekundinnen und Kunden helfen, den Zeitraum bis zur Einführung der geplanten Gaspreisbremse im März 2023 zu über­brücken.

  • Sofort­hilfe Gas und Fern­wärme. Im Dezember entfällt die Pflicht, vertraglich vereinbarte Voraus- oder Abschlags­zahlungen zu leisten. Der Staat über­nimmt ein Zwölftel der Jahres­kosten für Haushalte und Unternehmen mit einem Jahres­verbrauch bis zu 1,5 Millionen Kilowatt­stunden (siehe „Soforthilfegesetz für Gas und Wärme“). Dennoch gezahlte Beträge müssen Erdgaslieferanten in der nächsten Rechnung berück­sichtigen.
    Das heißt für die Jahres­end­abrechnung: Dem Kunden wird 1/12 des Jahres­verbrauchs nicht berechnet. Dieser wird auf Basis des Verbrauchs ihres September­abschlags berechnet. Für diesen Verbrauch wird der im Dezember gültige Arbeits- und Grund­preis zugrundegelegt. Preis­erhöhungen zwischen Oktober und Dezember werden also berück­sichtigt.
    Tipp: Wenn Sie direkt mit einem Gasversorger einen Vertrag abge­schlossen haben und für den Abschlag eine Einzugs­ermächtigung erteilt haben, müssen Sie nichts unternehmen, so das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Der Lieferant ist in der Pflicht, den Dezember-Abschlag nicht abzu­buchen. Wer einen Dauer­auftrag hat, kann die monatliche Über­weisung im Dezember aussetzen oder sich den Dezember-Abschlag in der Jahres­abrechnung gutschreiben lassen.
    Fern­wärme. Die Wärmever­sorgungs­unternehmen dürfen die Dezember-Zahlung ebenfalls nicht erheben – entweder, indem sie die im Dezember fällige Voraus- oder Abschlags­zahlung aussetzen, oder durch eine direkte Zahlung an Kundinnen und Kunden. Auch eine Kombination aus beiden Elementen ist möglich.
    Haushalte in Mehr­familien­häusern. Für Haushalte in Mehr­familien­häusern, die ihre Gaskosten über die Betriebs- und Neben­kosten abrechnen, gilt: Wenn die monatlichen Voraus­zahlungen noch nicht erhöht wurden, soll die Entlastung in die kommende Jahres­abrechnung einfließen. Haushalte, deren Betriebs­kosten­voraus­zahlung bereits wegen gestiegener Gaskosten in den vergangenen neun Monaten erhöht wurde, müssen entweder den Erhöhungs­betrag (die Differenz zwischen alter und neuer Voraus­zahlung) nicht bezahlen, oder er fließt als Gutschrift in die Jahres­abrechnung 2022 ein.
    Steuern. Die Besteuerung der Einmalzahlung ist für das Veranlagungs­jahr 2023 vorgesehen. Geplant ist, sie als geld­werter Vorteil ab dem „solidaritäts­zuschlags­pflichtigen Einkommen von 72 000 Euro“ zu versteuern.
  • Gaspreisbremse*. Das Kabinett hat am 25. November 2022 die Gesetz­entwürfe für die Strom-, Gas- und Wärmepreisbremsen beschlossen. Ab März 2023 wird ein Grund­kontingent von 80 Prozent des Gasverbrauchs für Verbraucher maximal 12 Cent pro Kilowatt­stunde kosten. Die Differenz zum tatsäch­lich mit dem Versorger vereinbarten Preis über­nimmt der Staat. Auch hier soll die Verbrauchs­prognose des September­abschlags heran­gezogen werden.
    Zur Deckelung des Preises auf 12 Cent sagt die Vorsitzende der Gaskommis­sion Veronika Grimm: „Das entspricht ungefähr dem Preis­niveau, das man in Zukunft erwarten wird.“ Weitere Steuern und Abgaben sollen auf die 12 Cent nicht anfallen. Für Verbräuche ober­halb des 80-Prozent-Kontingents zahlen Haushalte den Grund- und Arbeits­preis ihres jeweiligen Gast­arifs. Dieser Preis kann auch deutlich über den 12 Cent liegen. Die Gaspreisbremse soll auch rück­wirkend für die Monate Januar und Februar gelten, so die Bundesregierung. Diese Zahlungen sollen aber erst im März 2023 an die privaten Haushalte gehen. Die Gaspreisbremse gilt bis Ende April 2024.

Strom­preisbremse*: 40 Cent pro Kilowatt­stunde ab 1. Januar 2023

Das Kabinett beschloss am 25. November 2022 auch Entlastungen für Strom­kunden: Der Strom­preis für private Verbraucher sowie kleine und mitt­lere Unternehmen wird ab 1. Januar 2012 bei 40 Cent pro Kilowatt­stunde gedeckelt. „Das gilt für 80 Prozent des historischen Verbrauchs, also in der Regel des Vorjahres­verbrauchs“, so die Bundesregierung. Die Differenz zwischen dem mit dem Versorger vereinbarten Preis und der Deckelung wird monatlich auto­matisch von den Versorgern direkt mit dem Abschlag verrechnet. Die Auszahlung der Entlastungs­beträge für Januar und Februar 2023 erfolgt mit Rück­sicht auf die Versorgungs­unternehmen aber erst im März 2023. Die Strom­preisbremse endet ebenfalls am 30. April 2024.

Mehr­wert­steuerreduzierung seit 1. Oktober

Die Mehr­wert­steuer auf die Lieferung von Gas ist wie geplant seit 1. Oktober 2022 von 19 auf 7 Prozent reduziert worden. Die Absenkung gilt bis zum 31. März 2024. Die Reduzierung gilt auch für Fern­wärme und für Flüssiggas (siehe Rundschreiben S. 4).

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Gaspreis­umlage wurde kurz­fristig gekippt

Die eigentlich zum 1. Oktober 2022 geplante Gasbeschaffungs­umlage trat nicht wie geplant in Kraft. Kundinnen und Kunden, deren monatlicher Abschlag bereits um die Beschaffungs­umlage in Höhe von rund 2,4 Cent pro Kilowatt­stunde (kWh) erhöht wurde, wird der Umla­gebetrag laut Bundes­wirt­schafts­ministerium rück­erstattet. Drei weitere Umlagen – Gasspeicher-, Bilanzierungs- und Konvertierungs­umlage – sind aber wie geplant gekommen. Zusammen machen sie weniger als 1 Cent pro Kilowatt­stunde aus.

Zwei Umlagen steigen, eine ist neu

Auf Gaskunden können seit 1. Oktober 2022 eine neue und zwei gestiegene Umlagen zuge­kommen sein. Die Versorger sind nicht verpflichtet diese Mehr­kosten an die Verbraucher weiterzugeben. Sie dürfen es aber.

  • Gasspeicher­umlage. Sie ist neu und liegt bei 0,059 Cent je Kilowatt­stunde. Die Umlage federt die Kosten für das Füllen der Gasspeicher ab.
  • Zwei Umlagen steigen. Seit Oktober können die Bilanzierungs- und die Konvertierungs­umlage steigen. Beide sollen Gasnetz und -trans­port stabil halten. Zusammen kosten sie 0,6 Cent pro Kilowatt­stunde. Sie sind nicht neu, lagen aber zuletzt bei null Cent.

Diese Mehr­kosten kommen auf Haushalte zu

Werden alle Umlagen weiterge­geben, steigt der Preis ohne Mehr­wert­steuer um 0,67 Cent pro Kilowatt­stunde Gas. Ein Muster­haushalt mit 18 000 Kilowatt­stunden Jahres­verbrauch würde für alle Umlagen und bei 7 Prozent Mehr­wert­steuer 129 Euro jähr­lich mehr bezahlen.

Gasversorgung ist nicht gefährdet

Die Bundes­netz­agentur stuft die Situation im Lagebericht vom 1. Dezember 2022 als „angespannt“ ein, die Versorgungs­sicherheit sei aber weiter „stabil“ und „gewähr­leistet“. Gut zu wissen: Deutsch­land ist inzwischen deutlich unabhängiger von russischem Gas. Andere Länder wie Belgien und Norwegen ersetzen inzwischen große Teile der russischen Lieferungen. Außerdem haben die deutschen Privathaushalte und die Industrie ihren Verbrauch im ersten Halb­jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahres­zeitraum um 14,7 Prozent gesenkt, so der BDEW Bundes­verband der Energie- und Wasser­wirt­schaft. Hinzu kommt: Die Gasspeicher sind derzeit zu 98,2 Prozent gefüllt (Stand 1.12.2022).

*Bitte beachten Sie: Die Strom- und Gaspreisebremse haben noch nicht den Bundes­rat passiert (Stand: 1. Dezember 2022 ). Es ist nicht sicher, ob sie, so wie oben beschrieben, umge­setzt werden.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 29.11.2022 um 13:21 Uhr
Kündigung des Kunden

@Staudengarten: Auch die Kündigung seitens der Stromkunden führt nicht automatisch in die Ersatzversorgung.
Zum Wechsel in die Ersatzversorgung kommt es nur im Ausnahmefall. Die Ersatzversorgung ist als Notnagel gedacht, wenn ein Versorger Insolvenz anmeldet, kurz­fristig die Belieferung einge­stellt oder ein Anbieterwechsel scheitert.

Staudengarten am 28.11.2022 um 15:17 Uhr
Grund- oder Ersatzversorgung bei Gas

Sehr geeehrte Damen und Herren,
Ich habe eine Preiserhöhung meines Gasanbieters erhalten und daraufhin den Vertrag gekündigt. Einen neuen Anbieter habe ich mir nicht gesucht. Kann der Grundversorger mich aufgrund dessen jetzt statt in die günstige Grundversorgung auch in die deutlich teurere Ersatzversorgung stecken?
Vielen Dank im Voraus!

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.11.2022 um 12:21 Uhr
Kündigung durch den Gasversorger

@MSchippers: Eine ordentliche Kündigung des Energieversorgers führt nicht zu einer Ersatzversorgung. Diese kommt u.a. bei einem Ausfall des Lieferanten aufgrund einer Kündigung des Netznutzungs- oder Bilanzkreisvertrages zum tragen, zum Beispiel bei der Insolvenz eines Anbieters.

MSchippers am 06.11.2022 um 13:00 Uhr
Kündigung des Gasversorgers

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Gasversorger die Stadtwerke Flensburg haben zum 30.11.2022 ihr überregionales Angebot eingestellt und allen Kunden außerhalb von Schleswig-Holstein gekündigt. Dazu gehören neben 45.000 Haushalten auch der meiner Tochter und mein eigener. Wie Sie auch schon berichten, ist derzeit der Grundversorgungstarif der am Markt günstigste. Die Anfrage bei meinem Grundversorger hat ergeben, dass dieser mich und meine Tochter zunächst in die Ersatzversorgung mit einem Arbeitspreis von derzeit 29,80 cent je kw/h und nach 3 Monaten in die Grundversorgung mit derzeit 14,54 cent je kw/h einstuft. Ist der Grundversorger EWV Stolberg auf Grund der Kündigung des vorherigen Versorgers berechtigt, zunächst die Ersatzversorgung anzubieten? Die Kündigung des bisherigen Versorgers war durch mich und meine Tochter nicht zu vertreten und wir werden nun durch die Ersatzversorgung bestraft? Über Ihre Meinung würde ich mich freuen. Vielen Dank!

Profilbild Stiftung_Warentest am 31.10.2022 um 16:36 Uhr
Stark erhöhter Grundpreis für lokalen Ökostrom

@Annette111:Entscheidend ist, ob Sie noch eine Preisgarantie haben. Sie gilt dann auch für den Grundpreis. Ist das nicht der Fall, dann handelt es sich um eine Preiserhöhung, die vermutlich zulässig ist. Zu beachten sind die Fristen: Für Tarife außerhalb der Grundversorgung gilt für die Erhöhung eine Vorlauffrist von mindestens vier Wochen. Der Versorger muss auf das Sonderkündigungsrecht hinweisen. Neukundenpreise dürfen von den der Bestandskunden abweichen.