Gas sparen So machen Sie sich unabhängiger

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Gas sparen - So machen Sie sich unabhängiger
Gasheizung. Ihr Verbrauch lässt sich durch Solar­thermie und Dämmung enorm senken. © Stiftung Warentest / René Reichelt

Wer ein Haus mit Gasheizung hat, muss sich dem Gaspreis nicht ausliefern. Solar­thermie und Dämmung können die Abhängig­keit verringern. Wie stark, haben wir berechnet.

Heizen mit Erdgas ist teuer und unbe­liebt

Erdgas wärmt fast die Hälfte aller Wohnungen und Häuser in Deutsch­land. Doch der stark gestiegene Preis und die Abhängig­keit von Russ­land machen den fossilen Brenn­stoff unbe­liebt wie nie. Eine neue Heizung, etwa eine Wärmepumpe, ist teuer und aufwendig zu installieren. Zudem haben viele erst kürzlich ihre Gasheizung modernisieren lassen.

Der Verbrauch lässt sich stark senken

Unsere Berechnungen zeigen: Durch Wärmedämmung und eine große Solar­anlage lässt sich der Verbrauch so stark senken, dass Heizungs­besitzern die Gaspreis­entwick­lung fast egal sein kann.

Wir haben für ein Ende der 1970er-Jahre gebautes, mit Gasbrenn­wert­kessel beheiztes Ausgangs­haus verschiedene Szenarien verglichen und berechnet, wie viel Heiz­energie Dämmung und Solar­thermie einsparen. Dabei haben wir aktuelle Baukosten, Fördergelder und verschieden hohe Gaspreise berück­sichtigt.

Unser Rat

Der Gasverbrauch – und damit die Heiz­kosten – lässt sich bei dem älteren Beispielhaus durch solide Wärmedämmung (KfW40-Stan­dard) und große Solar­anlage (50 Quadrat­meter) um fast 90 Prozent senken. Die Investition ist aber recht hoch. Bei einem stark steigenden Gaspreis rentiert sie sich nach etwa 25 Jahren. Güns­tiger ist die große Solar­anlage ohne extra Dämmung. Sie drosselt den Gasverbrauch unseres Beispiel­hauses um zirka 40 Prozent. Im angehängten PDF finden Sie die Tabelle mit den ausführ­lichen Berechnungen.

Rechnen Sie selbst, welche Modernisierung sich lohnt

Sie können die Informationen und Berechnungen auch selbst abrufen, indem Sie die gewünschte Wärmedämmung und Solar­anlage für das Ziel­haus auswählen. Ausgangs­haus ist das Modell unserer Berechnungen.

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Gute Dämmung spart am meisten

Beim Ausgangs­haus mit unsaniertem Dach, schlecht gedämmten Wänden und zugigen Fens­tern lohnt es sich, zuerst in den Wärmeschutz zu investieren. Denn:Wärme, die nicht entweicht, muss die Heizung nicht bereit­stellen.

Unsere Berechnungen zeigen: Eine Dämmung auf KfW-Effizienz­haus-Stufe 40, einem besonders energiesparenden Stan­dard, senkt den Gasverbrauch stärker als eine große Solar­anlage.

Saubere Wärme mit Solar­thermie

Platz für Sonnenkollektoren ist auf vielen Hausdächern, Garagen oder an der Fassade. Wir haben sechs Anlagengrößen miteinander verglichen.

Je größer die Anlage, desto höher ist der Anteil an regenerativer Energie beim Heizen. Das spart Gas und senkt den direkten CO2-Ausstoß des Hauses.

Die Bundes­regierung fordert ab 2025 einen Anteil von 65 Prozent sauberer Energie für neu einzubauende Heizungen. Das schafft unser gut gedämmtes Beispiel­haus mit einer großen Solar­anlage. Sogar mit einem mittel­mäßigen Wärmeschutz liefert die große Anlage 60 Prozent Solar­anteil am Wärmebedarf der vierköpfigen Familie.

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Die Kombi machts. Bei Häusern mit gutem Wärmeschutz und großer Solar­anlage bleiben die Heiz­kosten auch bei stark steigendem Gaspreis nied­rig. © Stiftung Warentest

Hohe Kosten, hohe Fördermittel

Um die Maßnahmen umzu­setzen, zahlen Menschen mit Eigenheim aktuell im Schnitt zwischen 5 100 Euro für die kleine Solar­anlage inklusive Montage und 155 000 Euro für das High-End-Paket mit gutem Wärmeschutz, Lüftungs­anlage, Fußbodenhei­zung und 50 Quadrat­meter Vakuum­röhren auf dem Dach.

Bevor Sanierungs­willige jetzt in Ohnmacht fallen: Der Staat vergibt teil­weise üppige Fördermittel für Investitionen, die den Energieverbrauch senken. Viel spendiert er für Wärmeschutz, aber nur wenn der KfW40-Stan­dard erreicht wird.

Deshalb:Wenn dämmen, dann richtig. So kann unser 155 000-Euro-Modernisierungs­paket mit einem Zuschuss von ungefähr der Hälfte der Kosten rechnen – macht unterm Strich einen Eigen­anteil von etwa 80 000 Euro. Der lässt sich mit einem günstigen Modernisierungskredit finanzieren.

Tipp: Welche Fördermittel für Ihr Haus in Frage kommen, zeigt der Fördermittelcheck von co2online. Infos bietet auch die KfW-Bank.

Teures Gas, schnel­lere Amortisation

Sollte der Gaspreis wieder sinken und sich bei 10 Cent pro Kilowatt­stunde stabilisieren, amortisieren sich alle Maßnahmen erst nach mehr als 50 Jahren.

Anders sieht es aus, wenn der Gaspreis auf 30 Cent steigt – kein unrealistisches Szenario, sollte der fossile Brenn­stoff in den nächsten Jahren knapp bleiben und russisches Gas etwa durch teuren Wasser­stoff und Flüssig­erdgas (LNG) ersetzt werden.

In dem Fall lohnt sich eine kleine Solar­anlage für warmes Wasser bereits nach 10 Jahren, das Top-Effizienzpaket mit guter Dämmung und 50 Quadrat­meter Solar­thermie nach etwa 25 Jahren. Die Umwelt dankt es sofort.

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MHenske am 26.09.2022 um 17:56 Uhr
Warmwasserbereitung mit Gas

Aus eigener Erfahrung und aufgrund eines Tipps meines Heizungsmonteurs habe ich folgenden Spartipp, der mir auch so nicht bewusst war und der sicherlich auch anderen Menschen und der Umwelt helfen könnte:
Durch Steuerung der Warmwasserumwälzpumpe mit einer Funkschaltsteckdose (evtl. über WLAN) wird der Energieverbrauch für die Warmwasserbereitung in einem Einfamilien- / Reihenhaus signifikant ohne großen Komfortverlust gesenkt. Für die Warmwasserbereitung für 2 bis 3 Personen mittels Gas brauchte ich in den Sommermonaten jahrelang bei ausgestellter Raumheizung und Betrieb der Umwälzpumpe nur tagsüber (mit
Zeitschaltuhr) bisher ca. 20 bis 25 m³ Gas pro Monat, entspricht ca. 200 bis 250 kWh. Nach Benutzung der WLAN- Steckdose und der Inbetriebnahme der Umwälzpumpe nur nach Bedarf, also statt 16 Stunden täglich nur jeweils 1-2 Minuten kurz vor dem Verbrauch von Warmwasser, sank der Gasverbrauch auf 8 bis 10 m³ pro Monat, also auf weniger als die Hälfte bei ansonsten unverändertem Verhalte

Merrill am 20.09.2022 um 14:01 Uhr
Test große Solarthermie-Anlagen überfällig

Wann gibt es endlich wieder neue Tests zu Warmwasser-Solarthermieanlagen (zuletzt 2008) und zur solaren Beheizung (zuletzt 2009) bzw. Heizungsunterstützung?
Die damals getesteten Anlagen sind ausnahmslos nicht mehr erwerbbar, die Technik heute viel effizienter und die Tests daher total unbrauchbar.
Eigentlich unglaublich: Ab 2023 werden wohl keine neuen Häuser ohne Solarthermie mehr gebaut und jährlich hunderttausende Solarthermie-Anlagen nachgerüstet. Aber Tests dazu gibt es nicht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 06.09.2022 um 15:46 Uhr
Heizstab und Strom besser?

@hstefan: Leider können wir keine individuelle Energieberatung anbieten. Unsere Aufgabe ist – wie Sie sicherlich wissen – der vergleichende wissenschaftliche Produkt- und Dienstleistungstest. Wir bitten um Verständnis.
Hilfe und Informationen erhalten Sie bei der Energieberatung der Verbraucherzentralen. Es gibt in Deutschland rund 400 Beratungsstellen, in denen Architekten, Physiker und Ingenieure für sachkundige Beratungen bei allen individuellen Fragen zu Themen wie der Wahl des Energieträgers, Heizungstechnik, baulicher Wärmeschutz, Energieeinsparung, Nutzung und Wirtschaftlichkeit regenerativer Energien, Warmwasserbereitung, Heizkostenabrechnungen etc. zur Verfügung stehen. Ein persönliches Beratungsgespräch kostet dank Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium nur eine Kostenbeteiligung von 5 Euro/30 Min. Alle Beratungsstellen sind unter der bundesweiten Servicenummer 0800-809 802 400 (kostenfrei aus dem deutschen Festnetz und für Mobilfunkteilnehmer) erreichbar. Dort können Verbraucher direkt einen Beratungstermin bei einem Energieexperten vereinbaren.
Parallel informiert unter www.verbraucherzentrale-energieberatung.de auch eine Internetplattform übers Energiesparen und die bestehenden Beratungsangebote.

hstefan am 06.09.2022 um 13:54 Uhr
Heizstab und Strom besser ?

Wir haben eine Gas Brennwerttherme und überall Fußbodenheizung mit einem Gebäude von 1978. Aktuell wird fast überall empfohlen auf Solarstrom zu gehen und für die Heizungsunterstützung einen Puffer-/Schichtspeicher zu nutzen und via Heizstab den Strom zu verwenden, übriger Strom kann dann anders verbraucht werden und die Anlage schaltet nicht ab. Reine Thermie haben wir schon mehrfach rechnen lassen, es wurde immer abgeraten.
Wie ist die Heizstabvariante zu Solar-Thermie zu bewerten ?

Profilbild Stiftung_Warentest am 09.08.2022 um 11:14 Uhr
Wohnungen im Geschosswohnungsbau

@WinfriedHeidemann: Bewohner von Ein- oder Zweifamilien- bzw. Reihenhäusern haben häufig eine verfügbare Dachfläche für die Gewinnung von Sonnenenergie und sie können häufig selbst die Entscheidung über die Art der Heizung treffen. Bewohner von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern haben es tatsächlich schwerer. Als Mieter, aber selbst als Nutzer einer eigenen Eigentumswohnung können sie Entscheidungen i.d.R. nicht alleine treffen.
Unverändert gültig bleibt, dass eine Wärmedämmung nach dem Stand der Technik die deutlich wirksamste Maßnahme ist. Damit kann der Heizenergieverbrauch um mehr als die Hälfte verringert werden. Bewohner müssen sich ggf. mit diesem Vorschlag an den Eigentümer wenden.
Bei der Wärmeversorgung können Gasetagenheizungen nicht so einfach ersetzt werden und sie sind auch aus Ausnahmefall weiterhin zulässig. In Frage kommt z.B. mittelfristig ein Umbau zum Zentralheizungssystem mit Holzpellets oder Wärmepumpe, oder Anschluss an eine Fernwärme- oder Nahwärmeversorgung. In letztere kann zudem einfacher erneuerbare Energie eingespeist werden. Gaskunden können z.B. bei ihrem Anbieter einen Tarif wählen, mit dem sie den Ausbau von Biogasanlagen oder die Wasserstoffgewinnung aus Überschussstrom von Windenergieanlagen fördern, jedoch ändert das nichts an der aktuellen Zusammensetzung des bezogenen Gases (ganz analog zu einem echten Ökostromtarif).
Maßnahmen zur Verringerung des Gasverbrauchs in Geschosswohnungen ohne bzw. mit geringen Investitionen sind z.B.: Verwendung von Thermostatventilen, Temperaturabsenkung, richtiges Lüften, Verwendung einer bereits vorhandenen Klimaanlage auch zum Heizen.