Der Spareffekt eines Gas-Brennwertkessels samt Speicher ist enorm. Fragt sich nur: Warum hängen bloß so viele Hausbesitzer an ihren alten Energieverschwendern?

Wann haben Sie sich zuletzt ein neues Auto gekauft – und wann eine neue Heizanlage? Hand aufs Herz: Meist fällt die Antwort zugunsten des Autos aus. Niedriger Verbrauch und moderne Technik sind wichtige Kaufanreize. Anders in der Welt der Heizkessel. Da fristet noch so mancher Oldtimer sein Schattendasein im Keller.

Zu Unrecht. Die neuen Gas-Brennwertkessel samt Speicher sparen 10 bis 15 Prozent Energie und Heizkosten gegenüber einem 20 Jahre alten Vorgänger. Fachleute wie Heizungsbauer, Schornsteinfeger, Architekten und Energieberater, deren Ansichten in Fragen der Heiztechnik oft weit auseinander gehen, sind sich in diesem Punkt einmal einig.

Wer bislang noch zögerte, weil der Kesselveteran es noch mehr schlecht als recht tut, sollte sich jetzt einen Ruck geben. Statt ihn aufwendig reparieren zu lassen, sollte er das Geld besser gleich in einen neuen investieren. Außerdem lockt der Staat mit extrem günstigen Fördermitteln zur Modernisierung. Diese „Stütze“ sollten Sie sich keinesfalls entgehen lassen. Denn die moderne Technik ist teuer. Zwischen 3 770 (Junkers) und 4 970 Euro (MAN) kosten die getesteten Brennwertkessel, Regelung und Speicher. Hinzu kommen Montage, oft auch Anlagenteile wie Ausdehnungsgefäß, Umwälzpumpe und das Abgassystem, falls alles komplett erneuert wird.

Ein Lichtblick: Die Preise in der Tabelle sind Listenpreise der Anbieter. Installateure unterbieten sie oft um 10 bis 15 Prozent und mehr. Preisvergleiche sind also wichtig.

Kombiniert mit einem Speicher liefern die zehn getesteten Gaskessel nicht nur Wärme, sondern auch warmes Wasser für Ein- und Zweifamilienhäuser. Der Kessel erhitzt das Speicherwasser indirekt über eine Rohrspirale. Die Warmwasserspeicher im Test fassen 86 (Viessmann) bis 160 Liter (Buderus). Speicher erhöhen den Bade- und Duschkomfort. Denn mit Warmwasser aus einem Durchlauferhitzer füllt sich die Badewanne merklich langsamer. Und Wechselbäder unter der Dusche sind programmiert, wenn gleichzeitig an anderer Stelle der Warmwasserhahn aufgedreht wird.

Energieausnutzung meist „sehr gut“

Gas-Heizkessel mit Speicher Test

Raumheizung und zentrale Warmwasserversorgung mit Heizkessel und Speicher.

Alle geprüften Gas-Brennwertkessel und Warmwasserspeicher glänzen mit einer „sehr guten“ oder „guten“ Energieausnutzung. Sogar im so genannten Sommerbetrieb, wenn der Kessel nur das Wasser erwärmt, lagen die Werte bei mindestens 63 Prozent. Spitzenwerte erzielten Buderus und MAN und wurden mit einem „Sehr gut“ im Prüfpunkt „Nutzungsgrad Warmwasser“ belohnt.

Auf die Angabe der genauen Prozentzahlen bei den Nutzungsgraden für Heizung und Warmwasser haben wir verzichtet. Sie würden nur sehr geringe Unterschiede zeigen. Die aber haben in der Praxis und für die Kaufentscheidung keine Bedeutung. Es sind Werte, die, angelehnt an die Prüfnorm, unter idealen Bedingungen gemessen wurden.

Viel Positives auch in puncto Umwelteigenschaften. Bei allen Kesseln liegen die Kohlenmonoxidwerte im Abgas unter 50 Milligramm je Kilowattstunde, bei Stickoxid unter 60 Milligramm. Sie erfüllen leicht die Anforderungen für das Umweltzeichen Blauer Engel.

Stromverbrauch zu hoch

Beim Stromverbrauch dagegen glänzen die meisten Gas-Heizkessel nicht. Im Nor­malbe­trieb halten sie die Kriterien für den Blauen Engel nicht ein. Die Grenze liegt hier bei 80 Watt. De Dietrich verbraucht sogar 113 Watt. Brötje und Buderus zeigen, dass es sparsamer geht. Sie haben mit 75 und 77 Watt die niedrigste elektrische Leistung.

Im Standby – dann verbraucht nur die Regelung Strom – zieht der Blaue Engel die Grenze bei 15 Watt. Hier wiederum liegen alle Kessel im grünen Bereich. Die Werte schwanken zwischen 5 und 14 Watt.

Schwachstelle Verarbeitung

Schwachstellen fanden wir bei der Verarbeitung. Bei Atag kann eine Schraube die Regelung beschädigen. Bei Buderus gestaltet sich das Abheben der Verkleidung schwierig, weil sie jedes Mal an den scharfen Ecken des Pumpengehäuses hängen bleibt. Nicht weltbewegend, aber ärgerlich. Die Anbieter sollten derartige Macken erkennen und beheben, bevor sie die Kessel in den Handel bringen.

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