Gartenscheren Test

Praxis­test: Fiskars-Schere mit Gelenk.

Sie sind die meistgenutzen Garten­werk­zeuge. Also sollten sie strapazier­fähig sein. Doch nur die wirk­lich starken über­lebten den Härtetest auf dem Dauer­prüf­stand schadlos.

Mehr als 2,5 Millionen Gartenscheren kaufen deutsche Hobby­gärtner jedes Jahr. Nach unserem Test verwundert die erstaunlich große Zahl nicht mehr: Es gibt viele Billigscheren, die schnell kaputt­gehen und ersetzt werden müssen. Für den Test haben wir „quer­beet“ einge­kauft: Marken- und Aktions­ware, traditionelle und neuartige Gartenscheren, Produkte der Markt­führer Gardena und Wolf ebenso wie von kleineren Anbietern, 17 kleine Gartenscheren für Stängel und Zweige sowie 11 große Astscheren für dickeres Holz.

Jede musste 6 000 Mal durch­beißen

Gartenscheren Test

Auf dem Prüf­stand: Jede Schere sollte 6000 Mal Buchen­holz durch­schneiden.

Auf dem Prüf­stand: Jede Schere sollte 6000 Mal Buchen­holz durch­schneiden.

Bei den Prüfungen erzeugten wir im Zeitrafferprinzip Belastungen, die im Verlauf mehrerer Garten­jahre auftreten. Auf dem auto­matisch betriebenen Scheren­prüf­stand (siehe Foto) musste sich jeder einzelne Prüf­ling 6 000 Mal durch Buchen­holz­stäbe beißen – die kleinen Gartenscheren durch Stäbe mit einem Durch­messer von 1 Zenti­meter und die großen Astscheren durch 2 Zenti­meter dicke Hölzer.

Gartenscheren Test

Kraft­messung: Der Monitor zeigt, wie schwer sich das Holz abtrennen lässt.

Erfreulich wenig Kraft erforderte das Schneiden mit den Astscheren: Da ihre langen Griffe mit beiden Händen bedient werden und sich weit auseinander­ziehen lassen, entsteht viel Hebel­wirkung. Außerdem arbeiten die meisten mit kraft­sparender Über­setzung („Getriebe“). Damit bewies sogar die kurz­armige Fiskars auf dem Prüf­stand beste Schneid­eigenschaften.

Bei den kleinen Gartenscheren für den Einhand­betrieb ist die Hebel­wirkung naturgemäß begrenzt. Besonders wichtig für gutes Schneiden sind hier Schärfe und Gleit­eigenschaften der Klinge. Eine Besonderheit ist die zuschalt­bare Ratsche der Gardena Smart Cut: Damit kann der Gärtner etwas dickere Zweige abschnitts­weise durch­trennen – indem er die Griffe mehr­mals nach­einander zusammendrückt. Das dauert zwar länger, erfordert aber bei jedem Zusammendrücken weniger Kraft.

Da brachen sie entzwei

Gartenscheren Test

Im Gegen­satz zur teuren Felco über­lebte die billige Lux den Härtetest nicht.

Im Gegen­satz zur teuren Felco über­lebte die billige Lux den Härtetest nicht.

Eigentlich wollten wir bei der Dauer­prüfung fest­stellen, wie stark sich im Laufe der Zeit der Kraft­aufwand beim Schneiden erhöht. Doch so weit kamen wir nicht immer: Mehrere Gartenscheren blieben auf der Strecke. Der Kunst­stoff­griff der kleinen Lidl-Schere zerbrach sofort, der Alugriff des bunten Penny-Produkts nach wenigen Schnitten. Die Einhand­schere von Lux schaffte zwar etwas mehr, aber nach etwa 400 Betätigungen brach auch sie entzwei (siehe Foto). Bei der Gardena-Classic-Schere verformte sich nach rund 1 000 Schnitten der Kunst­stoff­griff so stark, dass sie nicht mehr brauch­bar war: mangelhaft.

Tipp: Viele Anbieter werben mit beacht­lichen Zweig- und Astdurch­messern, die ihre Scheren angeblich bewältigen. Das sollten Sie vor allem bei Hart­holz nicht zu ernst nehmen. Schneiden Sie dickere Zweige dann besser nicht mit der kleinen Gartenschere, sondern mit der Astschere. Über 4 Zenti­meter dicke Äste besser absägen.

Unnötig spitz

Dass scharfe Gartenscheren keine absolut sicheren Werk­zeuge sein können, versteht sich von selbst. Doch einige bergen mehr Risiken als andere. So ist die Gartenschere von JB Berger vorn unnötig spitz. An mehreren anderen Scheren kann sich der Gärtner beim Arbeiten die Finger klemmen.

Schad­stoffe gefunden

Ärgerlich sind auch verborgene Gefahren: Der Griff der billigen Astschere von Lux ist stark belastet mit poly­zyklischen aromatischen Kohlen­wasser­stoffen (PAK). Die kleine Lux-Schere enthält zu viele problematische Phthalate (Weichmacher), ebenso die Scheren von Original Löwe und Felco (Astschere). Die Schad­stoffe können durch die Haut in den Körper dringen. Sie stehen im Verdacht, die Gesundheit zu schädigen.

Tipp: Tragen Sie besser Arbeits­hand­schuhe. Die schützen vor Scheren und Dornen.

Lieber zwei Schneiden oder Amboss?

Im Hinblick auf die Schneid­technik haben Gartenfreunde unterschiedliche Vorlieben. Die einen schwören auf zwei Schneiden, die sich – wie bei einer üblichen Haus­halts­schere – aneinander vorbei bewegen. Andere bevor­zugen Amboss­scheren. Die arbeiten nur mit einer Schneide, die auf eine relativ breite Amboss­fläche trifft.

Tipp: Amboss­scheren eignen sich besonders für Anfänger, da ihre Auflagefläche flächig gegen das Holz drückt und so auch bei dicken Zweigen für gerade Schnitte sorgt. Nachteil: Der breite Amboss verhindert das Schneiden dicht am Stamm, sodass dort „Kleiderhaken“ stehenbleiben. Im Test führte die 2-Schneiden-Technik oft zu den saubersten Schnitten. Der Amboss hingegen hinterließ Quetsch­spuren an Rinde und Holz. Die beein­trächtigten das Schnitt­bild aber nur gering­fügig.

Tipp: Probieren Sie aus, mit welcher Technik Sie am besten zurecht­kommen. Gute Scheren finden Sie bei beiden Typen.

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