Gartenscheren Test

Schwielen, Gelenkschmerzen und Muskelkater müssen nicht sein. Richtiges Werkzeug schont den Gärtner und die Pflanze. Im Test schnitten etliche Einhand-, Ast- und Baumscheren gut ab.

Der Einsatz als Tester kann mühsam sein. „Diese Schere eignet sich wohl besser zum Kaffeeumrühren als zum Zweigeschneiden“, stöhnte ein Prüfer. Und traf damit un­wissentlich ins Schwarze: Denn bei der Schere mit den schlechtesten Schnitteigenschaften handelt es sich um ein Aktionsangebot des Kaffeerösters Tchibo.

Dass derartige Billigscheren nicht immer schlecht sein müssen, beweist die Gartenschere von Aldi, die im Sommer als Aktionsware angeboten wurde. Doch unterm Strich zeigt der Test: Gute Qualität hat ihren Preis.

Für jeden Zweck die richtige

Gartenscheren Test

Amboss-Schere mit nur einer Schneide.

Um Licht in den Dschungel seines Gartens zu bringen, braucht der Gärtner Werkzeug. Wir haben getestet:

  • Einhand-Gartenscheren. Sie zählen zu den meistgebrauchten Utensilien – egal ob es darum geht, verwelkte Balkonblumen zu entfernen, Rosen und Rebstöcke zurückzuschneiden oder Obstbäume zu stutzen. Im Test: 20 Modelle zu Preisen zwischen 2,40 und 39 Euro.
  • Astscheren. Sie eignen sich „fürs Grobe“ – für dicke Zweige ab etwa zwei Zentimeter Durchmesser. Sogar mit vier bis fünf Zentimeter dickem Holz werden einige Scheren mit guter Hebelwirkung fertig (bei noch stärkeren Ästen muss man zur Säge greifen). Getestet haben wir acht Astscheren, die 22 bis 50 Euro kosten.
  • Baumscheren. Sie sind die Alternative zur Leiter, da sie sich um mehrere Meter verlängern lassen. So kann der Gärtner in schwer zugänglichen Baumkronen schnippeln. Dank ausgefeilter Kraftübertragung kappen sie sogar drei bis vier Zentimeter dicke Zweige. Im Test: sechs Modelle für verschiedene Arbeitshöhen.

Wie gut die Scheren schneiden, stand natürlich im Mittelpunkt der Untersuchung. Fünf Tester erprobten sie dazu in der Praxis. Zahlreiche Bäume und Büsche mussten ihre Zweige lassen: Dank fachmännischem Schnitt erlitt kein Gewächs einen dauerhaften Schaden – im Gegenteil, denn mit der richtigen Pflege gedeiht die Pflanze auf Dauer besser.

Unsauberes Schnittbild

Gartenscheren Test

Gartenschere mit zwei Schneiden.

Manche Scheren machten den Testern die Arbeit nicht leicht. Allzu oft ließ das Schnittbild im Verlauf der Prüfungen zu wünschen übrig. Einzelne Modelle zerschnitten das Holz nicht nur, sondern quetschten es auch. Schäden an der Rinde waren die Folge. Manchmal blieben sogar Fransen zurück. Es gibt mehrere Ursachen für schlechtes Schneidverhalten: zum Beispiel schlechte Einstellung der Klingen oder billige Materialien.

Viele Gartenfreunde streiten sich dar­über, ob Scheren mit zwei Schneiden besser sind als solche mit Amboss-Technik, die nur mit einer Schneide arbeiten. Unser Testsieger war zwar eine Amboss-Schere, das Schlusslicht aber auch. Und ebenso gab es bei den Scheren mit zwei Schneiden gute und schlechte. Im Durchschnitt waren die Modelle mit zwei Klingen nur geringfügig besser. Ihr Vorteil: Man kann mit ihnen etwas sauberer und näher am Stamm schneiden, ohne dass „Kleider­haken“ zurückbleiben. Mit einer etwas breiteren Amboss-Schere ist das zwar schwieriger, aber dafür erleichtert sie manchem Laien einen geraden Schnitt. Voraussetzung: Klinge und Amboss müssen so eingestellt sein, dass sie perfekt aufeinander treffen.

Zu dick aufgetragen

Gartenscheren Test

Baumschere mit Teleskopstange: Bis zu vier Meter Verlängerung sind möglich.

Als ärgerlich erwiesen sich oft die Angaben der Anbieter zum maximal schneidbaren Astdurchmesser. Während bei der Gartenschere Wolf Classic RR 22 zum Beispiel mit 26 Millimetern geprotzt wurde, mussten unsere Tester schon bei etwa 15 Millimetern kapitulieren. Derart dicke Zweige konnten sie oft nicht oder nur mit größter Mühe schneiden. In der Tabelle sind Praxisergebnis und Anbieterangabe (in Klammern) gegenübergestellt.

Gute Schere, halbe Kraft

Wir überprüften das Schneidverhalten aber nicht nur in der Praxis – mit verschiedenen Holzarten, geraden und ungeraden Schnitten und unter verschiedenen Arbeitsbedingungen. Ergänzend kamen alle Testkandidaten auf den Scherenprüfstand. Dort ermittelten wir die Schnittkraft unter exakt gleichen Bedingungen. Die Unterschiede waren enorm. Zwischen den besten und den schlechtesten Scheren ergaben die Vergleichsmessungen Unterschiede von rund 100 Prozent. Das heißt: Zum Zerschneiden des Holzes war zum Beispiel mit der Tchibo/TCM Amboss-Gartenschere im Vergleich zur Master Ratschenschere doppelt so viel Kraft erforderlich.

Bei der Dauerprüfung musste sich jede Schere auf dem Prüfstand 5 000-mal durch Buchenholzstäbe beißen: die Einhandscheren durch 8 Millimeter dicke Stäbe und die Astscheren durch 18 Millimeter starkes Holz. Auf der Strecke blieb dabei die Amboss-Schere von Lux mit deformierter Schneide. Urteil: mangelhaft. Alle anderen Testkandidaten überstanden die Dauerprüfung zwar unversehrt, doch ihre Schnittkraft verschlechterte sich zum Teil erheblich.

Keine großen Unterschiede ergab die Korrosionsprüfung. Erwartungsgemäß schnitten hier Teflonbeschichtungen etwas besser ab als nackter Stahl. Allerdings verzichtet der Hersteller der teuren Felco-Schere bewusst auf Rostschutz und argumentiert: Profis erwarten bei einer hochwertigen, nachschleifbaren Schere geringfügigen Rost geradezu.

Gefahr in der Hosentasche

Klar, Scheren sind scharf. Als Sicherheitsmangel lässt sich die Schärfe nicht bewerten – wohl aber Verletzungsgefahren beim bestimmungsgemäßen Gebrauch. So kontrollierten wir zum Beispiel die Feststeller, die ein unbeabsichtigtes Öffnen der Scheren verhindern sollen. Das tun sie nicht immer zuverlässig: Drei Scheren von Wolf und Gardena können sich unter ungünstigen Umständen in der Hosentasche öffnen.

Nachstellen sichert guten Schnitt

Die besten Klingen nützen wenig, wenn die Schere unhandlich und schwergängig ist. Positiv haben wir bewertet, wenn sich die Schneiden bei Bedarf einfach auswechseln oder nachstellen lassen. Erübrigt sich damit ein Neukauf, ist das ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit. Schließlich schont es die Umwelt und manchmal auch den Geldbeutel.

Sogar die Farbe des Werkzeugs war ein Testkriterium. Dabei ging es nicht um Geschmacksfragen, sondern um die leichte Auffindbarkeit im Gelände. Während einige Scheren in grelles Rot gehüllt sind, präsentieren sich andere in grüner oder schwarzer Tarnfarbe. Ärgerliche Suchaktionen können die Folge sein.

Einzelnen Ästen in dichtem Gebüsch zu Leibe zu rücken, ist nicht einfach. Denn je kräftiger die Astscheren, desto länger und sperriger sind die Hebelarme. Als vorteilhaft erwies sich hier der einstielige Gardena Astschneider, bei dem der Gärtner die Schere per Ziehgriff bedient. Dieses Gerät funktioniert ähnlich wie eine Baumschere, ist aber in der getesteten Version deutlich kürzer.

Schneiden in der Krone

Von den Baumscheren verfügt die Fiskars Schneidgiraffe über einen ähnlichen Ziehgriff. Wer nicht gern auf die Leiter klettert, und stattdessen mit einer Baumschere liebäugelt, sollte beim Kauf Folgendes beachten: Vorteilhaft sind abgewinkelte oder verstellbare Schneidköpfe. Außerdem sollten diese möglichst leicht und wenig sperrig sein. Sonst wird die Arbeit über Kopf schnell zur Last. Bei bis zu vier Meter Verlängerung leiden die Arme unter der enormen Hebelwirkung. Besonders bei der schweren Wolf RC-VM fiel dieser Kritikpunkt ins Gewicht. Kein Wunder, wenn der Kleingärtner dann kurzerhand doch auf die Leiter klettert.

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