„Nicht zu häufig, aber gründlich wässern“

Gartenbewässerung Test

Heiner Grüne­berg ist an der Berliner Humboldt-Universität verantwort­lich für Zier­pflanzen­anbau. Der promovierte Wissenschaftler beschäftigt sich schwer­punkt­mäßig mit nach­haltigen und biologischen Anbau­methoden.

Sattes Grün und üppige Blütenpracht – dieses Traumziel verfehlen Pflanzenfreunde allzu oft. Häufige Ursache ist falsche Bewässerung. So manche Pflanze vertrocknet und viele andere leiden unter zu starker Nässe. Wie lassen sich Fehler beim Gießen vermeiden? Wie findet man das richtige Maß? test.de hat nachgefragt beim Pflanzen­experten Dr. Heiner Grüne­berg von der Berliner Humboldt-Universität.

Jede Pflanze hat eigene Ansprüche

Gibt es eine Faust­regel, mit der das Wässern aller Pflanzen gelingt?

Nein. Jede Pflanze hat ihre eigenen Ansprüche und selbst die können sich ändern, etwa wenn die Pflanze im Ruhe­zustand ist oder sich in der Wachs­tums­phase befindet. Einfluss auf den Wasser­bedarf haben zum Beispiel auch Böden, Temperaturen, Wind, Sonnen­scheindauer und -intensität.

Aber wie können Hobby­gärtner abschätzen, ob eine Pflanze eher wenig oder eher viel Wasser benötigt?

Das lässt sich oft schon am äußeren Erscheinungs­bild erkennen. Relativ viel Wasser verbrauchen zum Beispiel dünn- oder groß­blätt­rige Pflanzen wie Cyperus oder Spathiphyllum. Anderer­seits sind da zum Beispiel die Sukkulenten, die fleischigen Pflanzen, die Wasser im Innern relativ gut speichern können. Die machen ihre Spalt­öffnungen für die Kohlen­dioxid­aufnahme zum Beispiel nur nachts auf, um so tags­über die Verduns­tung gering zu halten. Auch Merkmale wie Dornen oder Behaa­rungen – auf Kakteen – , Wachse auf der Oberfläche – etwa bei Agaven – oder auch mehr graue Färbungen weisen oft darauf hin, dass Pflanzen eher weniger Wasser brauchen oder auch nur bekommen dürfen.

Muss man Pflanzen aus heißeren, eher mediterranen Gegenden seltener gießen?

Ja. Natürlich brauchen auch diese Pflanzen ihr Wasser, aber zum Beispiel Hartlaubgewächse, Oleander oder Zitrusgewächse sind auf große Hitze besser einge­stellt.

Bei zu viel Nässe droht Fäulnis

Wieso sollte man genüg­same Pflanzen nicht zu viel gießen?

Diese Pflanzen können das Wasser nicht aufnehmen und ihre Wurzeln leiden dann ganz schnell: Sie haben Sauer­stoff­mangel, sterben ab und die ganze Pflanze fängt an zu faulen. Zu viel Feuchtig­keit kann unter anderem auch den Pilzbefall fördern.

Wie gießt man Pflanzen mit geringem Wasser­bedarf?

Kakteen und Sukkulente am besten von unten über den Untersetzer, so dass nicht einmal der Wurzelhals nass wird. Falls ich sie trotzdem mal über­brause, dann nur vormittags, so dass sie bis zum Abend abge­trocknet sind.

Wie oft sollte ich Pflanzen gießen, die auf Trockenheit einge­stellt sind?

Ganz schlimm wäre es, die Erde ständig nass zu halten. Die Pflanzen müssen zwischen­durch mal durch­getrocknet sein, damit sie sich erholen können und das Wurzelwachs­tum gefördert wird. Erst danach sollte wieder gegossen werden.

Manchmal hilft tauchen

Welchen Einfluss hat die Topf­größe?

Die ist wichtig. Pflanzen in einem zu großen Topf werden schnell vergossen. Die Wurzeln leiden dann unter der dauer­haften Nässe. Pflanzen in einem kleinen Topf muss ich natürlich öfter gießen. Aber es kommt nicht so schnell zum Vergießen. Bei Starkwurz­lern in zu kleinen Töpfen gibt’s mitunter das Problem, dass das Wasser kaum durch­dringen kann. Hier hilft es, die Pflanzen zweimal nach­einander zu gießen oder sie sogar zu tauchen. Und wenn der Topf zu klein geworden ist, sollte man natürlich auch ans Umtopfen denken.

Was muss ich beim Tauchen beachten?

Die Pflanzen müssen danach wieder die Chance zum Abtrocknen haben. Das gilt insbesondere zum Beispiel für Topf­orchideen wie Phalaenopsis. Die Wurzeln können Wasser aus der Luft­feuchtig­keit aufnehmen. Übrigens: Die Orchideenwurzeln, in denen auch Foto­synthese statt­findet, brauchen einen licht­durch­lässigen Topf, damit Licht an die Wurzeln gelangt. Der Über­topf muss entsprechend weit sein und die Pflanze nicht „verschlu­cken“. Geschickt ist es, ihn am Boden mit Blähton zu füllen, damit die Pflanze etwas höher steht und zugleich von der darin gespeicherten Feuchtig­keit profitiert.

Was empfehlen Sie als Erste-Hilfe-Maßnahme, wenn Pflanzen nach dem Urlaub zu sehr ausgetrocknet sind?

Sofort kräftig ein- oder zweimal gießen. Ist das Substrat so stark ausgetrocknet, dass das Wasser kaum aufgenommen wird, und daran vorbeiläuft, hilft das Tauchen, damit sich der Wurzelraum wieder voll saugen kann. Aber Vorsicht. Zu groß­zügiges Wässern kann in dieser Situation schaden. Oft sind kleine Wurzelhärchen abge­storben und müssen erst neu gebildet werden. Sofort nach dem Tauchen muss über­schüssiges Wasser daher gut ablaufen können. In der Folge­zeit sollte die Pflanze mäßig feucht gehalten werden, damit sich die Wurzeln regenerieren können.

Mit „grünem Daumen“

Welche Pflanzen haben es gern ständig feucht?

Zum Beispiel einige Farne aus tropischen Gebieten benötigen ständig hohe Luft­feuchtig­keit. Und dann gibt es natürlich auch Pflanzen, die auf ständig feuchte Stand­orte oder Über­schwemmungs­gebiete spezialisiert sind. Deren Gewächse verfügen über Lüftungs­systeme, die ihre Wurzeln mit Sauer­stoff versorgen, obwohl sie unter Wasser sind. Ein Beispiel ist Cyperus, das ständig gern im Wasser steht.

Lässt sich mit dem berühmten „grünen Daumen“ fühlen, ob eine Pflanze durstig ist oder nicht?

Finger helfen nur bedingt bei der Einschät­zung der Bodenfeuchte. Schon gar nicht, wenn man den Tipp beherzigt und die Pflanze von unten über den Untersetzer wässert. Denn dann ist es ja eher ein gutes Zeichen, wenn sich die Erde oben recht trocken anfühlt. Ist im unteren Bereich des Topfes noch genügend Feuchtig­keit, kann ich das oben nicht fühlen. Und wenn ich meinen Finger tief in die Erde hinein­stecke, dann erzeuge ich Wurzelschäden. Ich empfehle zumindest bei allen Töpfen, die dafür nicht zu schwer sind: Den Topf anheben. Mit der Zeit bekommt man dann anhand des Gewichts ein sehr gutes Gefühl dafür, ob die Pflanze Wasser braucht oder noch nicht. Am besten jeweils vor und nach dem Gießen anheben, um den Unterschied zu spüren! Mit der Zeit entwickelt man so einen wirk­lich guten „grünen Daumen“.

Auch auf die Blumen­erde kommt es an

Brauchen Topf­pflanzen, die oft gegossen werden oder oft im Regen stehen, viel Dünger?

Ein Teil des Wassers fließt hier unten heraus – und dies ist auch wichtig, damit die Pflanzen nicht im Wasser stehen müssen. Die Folge ist oft Dünger­mangel, denn Nähr­stoffe werden zum Teil regelrecht raus­gespült.

Welche Rolle spielt die Blumen­erde?

Gute ausgeglichene Topf­pflanzen­erde zeichnet sich dadurch aus, dass sie – selbst wenn sie trocken ist – nicht so stark zusam­menschrumpft.

Damit das Gieß­wasser im Spalt zwischen Topfrand und Erde nicht durch­rauscht?

Richtig. Die Wurzeln können in diesem Fall das Wasser kaum aufnehmen. Gute Erde darf außerdem nicht zu stark „sacken“ und verdichten.

Sind Kunst­stoff­töpfe wasser­sparender als Tontöpfe?

Tontöpfe verbrauchen mehr Wasser als Plastiktöpfe, weil an ihrer Außenwand ein Teil der Feuchtig­keit verdunstet. Beim Verdunsten gibt es einen Abkühlungs­effekt. Der kann sich im Winter negativ auswirken, aber im Sommer je nach Pflanzen­art auch positiv. Ein Nachteil der Tontöpfe ist, dass Wurzelhärchen in die Tonoberfläche eindringen können. Und wenn der dann doch mal durch­trocknet, dann reißen die ab. Hier muss ich also mehr aufpassen, dass der Topf nicht durch­trocknet. Anderer­seits sind Tontöpfe standsicherer und sehen einfach schöner aus.

Wie oft soll ich den Rasen wässern?

Welche Gieß­intervalle empfehlen Sie?

Das ist schwer zu sagen. Einmal pro Woche kann mal zutreffen. Aber bei trüber und kühler Witterung reicht vielleicht auch alle zehn Tage. Und bei voller Sonne müssen wir vielleicht sogar alle drei Tage oder öfter gießen.

Und was sagen Sie Menschen, die ihren Garten vorsichts­halber täglich wässern?

Zwischen­zeitliche Trocken­phasen sind für die allermeisten Pflanzen sinn­voll, aber auch für das Bodenleben. Grund­sätzlich sollte man besser nicht allzu häufig, dafür aber gründlich wässern. Und bis zum nächsten Gießen sollte man warten, bis die Erde schon etwas angetrocknet ist.

Warum ist zu häufiges Wässern ein Problem?

Ständiges Wässern der Pflanzen im Garten verweichlicht die Pflanzen. Die Wurzeln wachsen dann nach­weislich kürzer und gehen nicht so weit in die Tiefe. Wenn dann aus irgend­einem Grund doch mal nicht gegossen werden kann, dann schlappen diese Pflanzen viel schneller als Pflanzen, die es gewohnt sind, dass sie zwischen­durch auch mal abtrocknen müssen, und daher gezwungen waren, auch längere Wurzeln zu bilden. Pflanzen, die ständig gewässert werden, sind viel weicher und nicht so widerstands­fähig.

Wie sieht es beim Rasen aus?

Wenn der Boden ein richtiger guter Rasenboden ist – also wenn er gut belüftet ist, aber auch gut Wasser halten kann – dann sollten Sie den Rasen allenfalls bei großer Hitze und Trockenheit täglich wässern. Auch Rasen muss gute Wurzeln bilden, damit er stabiler ist. Das gilt zumindest für den Allgebrauchs­rasen im Garten. Der sollte zwischen­durch auch mal abtrocknen können.

Zuviel wässern nutzt dem Moos

Ist das auch für das gesunde Wachs­tum der Gräser wichtig?

Bei ständiger Feuchtig­keit kann es zu Pilz­erkrankungen kommen. Außerdem spült häufiges und kräftiges Wässern die Nähr­stoffe aus. Dies wiederum kann starkes Moos­wachs­tum begüns­tigen. Der Grund: Dem Gras fehlen die Nähr­stoffe und das genüg­same Moos wächst dann besser.

Zu welcher Tages­zeit sollte man den Garten am besten wässern?

Abends bis morgens, weil dann weniger Wasser durch schnelles Verdunsten verloren geht und die Pflanzen dann kaltes Leitungs­wasser besser vertragen. Im Herbst kann abend­liches Wässern aber Pilz­erkrankungen fördern, weil die Feuchtig­keit während der kühlen Nacht nicht trocknen kann.

Warum ist die Wasser­temperatur von Bedeutung?

Günstig ist es, wenn man abge­standenes Wasser verwendet, das der jeweiligen Luft­temperatur entspricht. Gerade kaltes Wasser aus der Leitung kann Pflanzenschäden besonders bei wärmeliebenden Pflanzen­arten erzeugen.

Besser gezielt

Besser per Sprenger von oben beregnen oder mit Kanne oder auto­matischen Tropfern direkt die Erde gießen?

Je gezielter, desto besser. Die Wasser­tropfen sollten möglichst wenig auf die Blätter und schon gar nicht in die Blüten gelangen. Das ist besser für die Pflanze, schützt sie zum Beispiel vor Pilzbefall und spart viel Wasser. Ein zu harter Strahl aus dem Schlauch kann die Bodenkrume zerschlagen und auch Schäden an Pflanzen anrichten. Also entweder mit geeigneten Brause­vorsätzen arbeiten oder zur Kanne greifen. Damit ist gefühlvol­leres Gießen möglich.

Haben Sie noch einen Tipp zum Wasser­sparen?

Wer gelegentlich die Boden­oberfläche lockert, trägt dazu bei, dass das Wasser schneller zu den Wurzeln gelangt und weniger an der Oberfläche verdunstet. Hilf­reich sind auch Mulch­schichten.

Kübel­pflanzen sind öfter durstig

Stimmt es, dass man Kübel­pflanzen in der Haupt­wachs­tums­periode wässern muss, auch wenn es geregnet hat?

Ja, denn die Blätter leiten einen Groß­teil des Wassers seitlich ab, so dass kaum etwas im Kübel ankommt. Bei Kübel­pflanzen sollte man ohnehin bedenken, dass sie tendenziell mehr Wasser benötigen als einge­grabene Pflanzen – erst recht an windigen, sonnigen Stand­orten.

Warum muss Regen­wasser aus den Töpfen oder Über­töpfen abfließen können?

Die wenigsten Pflanzen vertragen Staunässe. Oft sterben dann Wurzeln oder Blätter verfärben sich gelb. Es ist zwar sehr sinn­voll, Topf- und Kübel­pflanzen von unten über einen Untersetzer zu wässern. Aber spätestens nach einer Stunde sollte das Wasser von dort aufgesogen sein. Falls nicht, den Untersetzer leeren und beim nächsten Mal zurück­haltender wässern.

Gibt’s weitere wichtige Gründe für zurück­haltenderes Gießen?

Ja zum Beispiel nach kräftigem Rück­schnitt. Mehr gießen sollte man dann erst wieder, wenn der Neuaustrieb beginnt.

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