Garnelen im Test Test

Blick­fang. Garnelen lassen sich fest­lich servieren – und machen wenig Arbeit: einfach grillen, braten oder dünsten und leicht würzen.

Fast die Hälfte der tiefgekühlten, geschälten Garnelen schneidet gut ab, darunter große zum Grillen und kleine für den Shrimp-Cock­tail. Einige Produkte sind aber nennens­wert mit Schad­stoffen belastet.

Perfekte Garnelen schme­cken leicht nach Meer und etwas süßlich, sie sind knackig und orangerosa. Sie veredeln Pasta, Pizza und Salat, lassen sich aber auch exzellent am Spieß braten oder grillen. Bis in die 80er Jahre waren sie Luxus­lebens­mittel; heute bietet jeder Supermarkt und jeder Discounter Garnelen an. Zucht­betriebe in den Tropen produzieren sie massenhaft für Europa, auch Fischer fangen mehr denn je.

Jeder Bundes­bürger verspeist im Durch­schnitt mehr als ein halbes Kilogramm pro Jahr. Meist kauft er sie tief­gefroren. Von den 20 tiefgekühlten Produkten, die wir geprüft haben, kann er sich fast die Hälfte wunder­bar schme­cken lassen. Neun schneiden gut ab – in allen drei Produkt­gruppen: bei rohen wie bei gekochten, großen Warm­wasser­garnelen und bei gekochten, kleinen Garnelen (Test­ergeb­nisse Tiefgekühlte Garnelen, test 1/2017). Gefähr­liche Krank­heits­erreger wie Salmonellen, Rück­stände von Medikamenten oder Pestiziden fanden wir in keinem Produkt. Auch Schwer­metalle wie Blei spielten keine Rolle, die Schad­stoffe Perchlorat und Chlorat dagegen schon. Vier Produkte enthielten vergleichs­weise hohe Gehalte.

Black-Tiger-Garnelen mit Schad­stoff

Die Garnelen von Three Coconut Tree aus einem Asia-Laden enthielten als Einzige Perchlorat. Einen Grenz­wert gibt es noch nicht. Wir haben den Fund nach dem über­gangs­weise geltenden EU-Referenz­wert bewertet. Der beträgt 0,05 Milligramm Perchlorat pro Kilogramm. Die Black-Tiger-Garnelen von Three Coconut Tree lagen darüber. Sie enthielten 0,07 Milligramm pro Kilogramm. Wegen des hohen Schad­stoff­gehalts schneiden sie mangelhaft ab. Ein akutes Gesund­heits­risiko geht von ihnen nicht aus. Auf Dauer aber kann zu viel Perchlorat die Schild­drüse hemmen, Jod aufzunehmen. Müdig­keit und Infekt­anfäl­ligkeit sind mögliche Folgen.

Drei bekannte Marken auffällig

In den Riesen­garnelen von Deutsche See, Bofrost und Costa wiesen wir relativ hohe Gehalte an Chlorat nach, einem chemischen Verwandten von Perchlorat. Auch zu viel Chlorat kann die Schild­drüse beein­trächtigen. Die Europäische Behörde für Lebens­mittel­sicherheit, die European Food Safety Authority, Efsa, hat eine sichere Dosis für Chlorat berechnet: maximal 0,036 Milligramm je Kilo Körpergewicht an einem Tag. Eine Frau, die 60 Kilo wiegt, sollte danach täglich nicht mehr als 2,16 Milligramm Chlorat aufnehmen. Selbst wenn sie den ganzen Packungs­inhalt der Produkte von Deutsche See, Costa oder Bofrost auf einmal essen würde, hätte sie nur etwa ein Viertel der sicheren Tages­dosis ausgeschöpft.

Andere Produkte enthalten deutlich weniger oder gar kein Chlorat – es ist also vermeid­bar. Die Garnelen von Deutsche See, Costa und Bofrost haben wir im Prüf­punkt Schad­stoffe daher nur als ausreichend einge­stuft, ihre test-Qualitäts­urteile jeweils um eine halbe Note abge­wertet.

Kontakt mit chloriertem Trink­wasser

Wie können Perchlorat und Chlorat in die Garnelen geraten sein? Wir fragten die Anbieter. Bofrost, Costa und Deutsche See antworteten: Chloriertes Trink­wasser aus den Ursprungs­ländern könnte die Ursache sein. In Asien und Latein­amerika wird Trink­wasser zum Beispiel Chlor­dioxid zugesetzt, um Keime zu hemmen. Dabei können Chlorat und Perchlorat entstehen. Bei der Verarbeitung kommen Garnelen mit viel Wasser in Kontakt: etwa wenn sie gewaschen werden oder eine Eisglasur gegen das Austrocknen und Zer­brechen bekommen.

Wir haben analysiert, ob Chlorat und Perchlorat aus der Glasur stammen. Ergebnis: Im Fleisch der besonders belasteten Garnelen fanden wir mehr von diesen Schad­stoffen als im Abtropf­wasser der Glasur. Die Glasur aus Trink­wasser ist offen­bar nicht die einzige Ursache. Die Substanzen könnten auch aus Desinfektions- und Reinigungs­mitteln stammen, die irgendwo im Betrieb verwendet werden. Um möglichst wenig Chlorat aufzunehmen, empfiehlt es sich, Glasurreste vor der Garnelen­zubereitung abzu­waschen.

Zart, knackig und saftig

Insgesamt am besten schneiden die gekochten Riesen­garnelen des Heimliefer­diensts Eismann ab. Sie schme­cken frisch, leicht nach Meer, leicht salzig und leicht süß. Sie sind zart, knackig und saftig. Sie tragen zudem das ASC-Siegel, das für nach­haltige Produktion steht (Was Siegel sagen). Mit knapp 10 Euro für die 225-Gramm-Tüte gehören sie zu den teuersten im Test. Deutlich preis­werter sind die sensorisch ebenfalls sehr guten, rohen Bio-Garnelen von Alnatura. Selbst unter den Güns­tigsten im Test gibt es gute Produkte: von Netto Marken-Discount, Real, Escal und Norma.

Schmeckt fade

Die Garnelen von Penny, Aldi Süd und Aldi (Nord) fallen durch mehrere sensorische Fehler auf. Die von Penny schme­cken zum Beispiel leicht metallisch, die beiden Aldi-Produkte enthalten Sandreste. Die Garnelen von Aldi (Nord) sind geradezu unappetitlich: Sie riechen leicht fischig, schme­cken fade, leicht modrig statt frisch.

Laut Packung enthalten die Produkte von Aldi sowie die von Followfish rohe Garnelen. Die sind innen üblicher­weise glasig. Die geprüften Garnelen waren innen aber teil­weise weiß, also offensicht­lich nicht mehr ganz roh. Das könnte Köche ärgern, die Garnelen etwa grillen wollen und besonders saftiges Fleisch erwarten. Wo „roh“ drauf­steht, sollten rohe Garnelen drin sein.

Reise um die halbe Welt

Nur gut ein Drittel der Garnelen im Test stammt aus Wild­fang, der Rest aus Zucht­betrieben in Latein­amerika und Südost­asien. Da Garnelen rasch verderben, werden sie vor Ort für die Reise um die halbe Welt präpariert. Arbeiter waschen die Tiere, köpfen und schälen sie meist, entdarmen große Garnelen. Teils werden sie anschließend gekocht, oft glasiert und einge­froren. Per Schiff gelangen sie zu den Abnehmern. Dort werden sie endver­arbeitet: oft erneut aufgetaut, gesalzen, wieder einge­froren und verpackt.

Viel Eiweiß und kaum Fett

Garnelen sind reich an Cholesterin. 100 Gramm enthalten 135 Milligramm – fast die Hälfte dessen, was die Deutsche Gesell­schaft für Ernährung maximal pro Tag empfiehlt. Ansonsten bestehen sie zu fast 20 Prozent aus Eiweiß und nur zu 1 Prozent aus Fett. Das alles steckt im Hinterleib der Garnele, den wir essen. Weil sie ihn beim Schwimmen viel bewegt hat, ist er muskulös und knackig.

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